Alles über Hymer DuoMobil
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Das Hymer Duomobil im Supercheck: Ein spannendes Konzept

Gemütlicher geht’s nicht: Rundsitzgruppen kommen wieder in Mode. Das Hymer Duomobil kombiniert sie mit Einzelbetten und einer Heckgarage – ein höchst spannendes neues Konzept. promobil hat's getestet.

Sie haben es schon wieder getan. Die ebenso erfahrenen wie rührigen Reisemobilisten Lothar und Heidi Schleinkofer entwickelten zuerst mit Dethleffs den Alpa, das Alkovenmobil für allein reisende Paare. Wenig später fungierten sie in Diensten von Hymer als Ideengeber für das Duomobil. Dieses Mobil für zwei ist im Grunde die Übertragung des Alpa-Konzepts auf einen Integrierten: Rundsitzgruppe im Heck, Küche und Bad in der Mitte und Einzelbetten vorn; allerdings nicht im Alkoven, sondern in Form eines Hubbetts, das tags über dem Cockpit verstaut wird.

Das spart Platz, was angesichts von 7,79 Meter Länge fast paradox klingt. Doch es stimmt schon. Im Gegensatz zu einer festen Liegefläche beansprucht das Hubbett die Grundfläche nicht permanent. Und vier Quadratmeter mehr zum Leben – die spürt man auf Reisen deutlich.

Technisch ist das Duomobil in weiten Teilen ein Ableger des anspruchsvollen Hymer B-SL. Der Integrierte ist also in jeder Beziehung großzügig, von den Wasser- und Stromreserven über den Doppelboden bis zur üppigen Stehhöhe im ganzen Fahrzeug, das mit etwas Geburtshilfe durch erfahrene Praktiker mit vielen cleveren Ideen angereichert wurde. Unter anderem mit einer Fahrradgarage im Heck. Wie schlägt es sich also, das neue Mobil für zwei?

Wohnen

Man kann geteilter Ansicht sein, ob es wirklich helles Leder sein muss. Keine zwei Meinungen aber lässt das Herzstück des Duomobils zu: Die riesige Rundsitzgruppe im Heck ist das Optimum an Gemütlichkeit. Zwei Reisende können sich hier abends zur Tagesschau so richtig lang machen. Die Polster sind bequem, die Sitzflächen tief, die Weingläser in Griffnähe. Selbst ein Frühstück zu sechst ist um den stabilen Einsäulentisch kein Problem. Mitfahrer müssen mit Kompromissen leben: Zwei weitere Gurtplätze gibt es nur in Form von optionalen Klappsitzen. Und vor dem Schlafen steht erst ein umständlicher Umbau der Sitzgruppe an.

Wer zu zweit unterwegs ist, kann mit dem Bugbett gut leben. Es braucht zwar etwas Kraft, das Bett herunterzuziehen, dank zwei ausziehbarer Trittstufen ist es dann aber exzellent zugänglich und bietet zum Wohnraum hin viel Kopffreiheit. Quer genutzt bleibt die Liegelänge mit nur 1,90 Meter knapp. Doch dabei muss es nicht bleiben: Bei Bedarf zaubern aus der Wand herausklappbare Fußpolster zwei Einzelbetten in den Bug, von denen zumindest das linke auf gute zwei Meter Länge kommt. In der Praxis aber schränkt der schräge Bug die lichte Höhe am Kopfende und damit auch die nutzbare Länge merklich ein. Dass die Fußteile dünn und – im Gegensatz zur punktelastisch federnden Matratze – nicht unterlüftet sind, stört den Liegekomfort kaum. Als Sitzhilfe beim Aussteigen erweisen sie sich jedoch als kippelig, da sie nicht komplett auf den Schränken darunter aufliegen. Die Ausstattung mit separaten Leselampen passt. Die zwei Ablagen über den Fußenden sind aber eher klein.

Für Menschen, die in einer Wohnmobilküche nicht bloß die Aussicht auf eine Tasse Kaffee sehen, ist die Duomobil-Pantry ein wohltuender Anblick. Stauraum – auch für Kühlkost – ist en masse vorhanden, zumeist gut zugänglich über doppelte Schubladen mit soliden Auszügen und elektrischer Zentralverriegelung, die auch beim Motorstart aktiv wird. Die mittelgroße Arbeitsfläche lässt sich erweitern, sofern man die Spülenabdeckung mitnutzt. Der schicke, versenkte Kocher bietet zumindest auch zwei größeren Töpfen Platz und lässt sich gut reinigen. Für Geschirrtücher gibt es sogar einen eigenen beheizten Auszug. Noch Fragen?

Für Alpa-Kenner ist der Sanitärbereich im Duomobil keine Überraschung. Waschraum links, Dusche rechts, bei Bedarf verbindet die über den Gang hinweg geschlossenene Tür beide miteinander. Vor allem dann sind die Platzverhältnisse großzügig. Seifenspender, Zahnputzbecher, unzählige Haken und viele große Spiegel machen das Leben leichter. Die edle Waschschüssel ist angenehm groß.

Die Bewegungsfreiheit in der Dusche ist ausreichend. Für den besseren Einstieg schwenken die zwei Glasflügeltüren auch nach außen. So landen beim Ausstieg fast zwangsläufig immer auch ein paar Tropfen im Gang. Kein Thema, wenn man dort vorher ein Handtuch ausgebreitet hat.

Beim Thema Wohnkomfort erhält das Hymer Duomobil 4,1 von fünf möglichen Punkten.

Beladen

An die Garderobe, gleich in den Kleiderschrank oder zum Abtropfen erst mal in die Dusche? Nicht nur für Jacken und alles, was noch auf Bügeln hängt, sind die Staumöglichkeiten im Duomobil reichlich. Flache Schuhe wandern in Kippfächer im Einstieg, Socken und Shorts in die Schubladen vorne beim Bett, Schmutzwäsche in die Stofftasche unter der Sitzgruppe. Da lässt sich verschmerzen, dass die Hängeschränke eher klein sind. Die beiden beleuchteten Kleiderschränke reichen für mehr Hängehöhe bis in den Doppelboden hinab. Das 30 Zentimeter hohe Kellergeschoss, das unter der Sitzgruppe noch anwächst, ist über mehrere Außenklappen und vom Innenraum durch Bodenluken zugänglich. Die spärliche Unterteilung lässt Fracht während der Fahrt aber auch in unzugänglichere Ecken rutschen. Es bleibt dem Eigner selbst überlassen, sich etwa die fast 80 Zentimeter breite Durchlade unter dem Bad nach eigenen Bedürfnissen einzuteilen.

Trotz Rundsitzgruppe hat Hymer sogar eine Garage im Heck untergebracht, die im hinteren Bereich auch für Fahrräder hoch genug ist. Zwei Steckdosen zum Laden von E-Bikes sind ebenso vorhanden wie Zurrösen, Lampen und Netztaschen für Kleinteile. Angesichts vieler Staumöglichkeiten passt ebenso die Zuladung. Insbesondere dank einer Auflastung auf 4,8 Tonnen lässt die Nutzlast kaum Wünsche offen.

Für die Beladung erhählt das Duomobil 4,3 von fünf möglichen Punkten.

Technik

Man kennt das von zu Hause: Steckdosen kann man nie genug haben. Im Duomobil allerdings herrscht mit 19 Dosen keinerlei Mangel, und auch an USB-Buchsen etwa zum Laden von Smartphones oder Tablets wurde gedacht; dafür gibt es sogar ein eigenes Fach unter der Heckablage. Eine ideale Ergänzung ist der – mit 1590 Euro nicht ganz billige – 1800-Watt-Wechselrichter, der Nutzer unabhängiger vom Landstrom macht. Ähnlich durchdacht ist die Beleuchtung mit vielen, stromsparenden, größtenteils dimmbaren LED-Lampen, die sich nutzerfreundlich von unterschiedlichen Stellen aus schalten lassen. Es dauert allerdings eine Weile, bis man gelernt hat, welcher Schalter für welche Lampe zuständig ist.

Auf große Unabhängigkeit sind Wasser- und Stromreserven ausgelegt, und gewisse Freiheiten können sogar noch gesteigert werden, zum Beispiel durch einen zusätzlichen WC-Festtank. Ein elektrischer Ablassschieber erleichtert die Entsorgung. Ebenfalls sehr praktisch: die Anzeige für den Frischwasserstand direkt beim Einfüllstutzen. Sie erspart den Kontrollgang und -blick auf das Panel im Innenraum, das in Anmutung und Funktion hinter der sonst hochwertigen Technik zurückbleibt. Sämtliche Installationen liegen geschützt, aber passabel zugänglich im Zwischenboden oder in abgesenkten, isolierten Wannen. Dort sind sie auch vor Frost sicher.

Kalt wird auch den Insassen nicht. Die Warmwasserheizung temperiert den Innenraum sehr angenehm. Nur im Hubbett bleibt es wegen der Nähe zur unisolierten Frontscheibe etwas kühler, was aber akzeptabel ist. Gut: Bei Bedarf lässt sich dieser Bereich auch separat regeln.

Obwohl bis ins Armaturenbrett Heizkörper verlegt sind, lässt sich das Beschlagen der Frontscheibe nicht ganz verhindern. Weitere Schwachstellen in der Aufbaudämmung sind indes nicht auszumachen. Die Seitenscheiben im Fahrerhaus sind doppelt verglast, die Wände mit PU-Schaum hochwertig isoliert. Andere Reisemobile in der Preisklasse sind jedoch teils auch auf der Innenseite mit Aluminium beplankt – statt mit Sperrholz. GfK schützt Dach und Boden. Die Fenster gefallen mit soliden Rahmen und sehr komfortabler Ein-Hand-Entriegelung. Fahrer-, Aufbau- und Garagentüren lassen sich zudem bequem fernentriegeln.

Der Motorzugang ist mäßig, der Einfüllstutzen fürs Öl völlig verbaut. Überdurchschnittlich sind Aufbau und Inneneinrichtung verarbeitet. Wenige Schwächen, wie die lieblos angeschraubte Reling an zwei Ablagen, offenbart das Mobiliar. Zum Punkteabzug bei der Sicherheit führen die kippeligen Fußenden und das fehlende Rausfallnetz am Hubbett.

Für die Technik erhält das Duomobil 4,1 von fünf möglichen Punkten.

Lichtcheck

...angelehnt an DIN EN 12464-1; Farbabstimmung auf zirka 4000 Kelvin

  • Mit durchschnittlich 213 Lux ist die Lichtausbeute an der Sitzgruppe sehr gut. Unter den vier Lesespots herrschen sogar bis zu 500 Lux.
  • Bei etwa 244 Lux an der Küche lässt es sich gut arbeiten. Selbst der Schubladeninhalt ist beleuchtet.
  • Etwas ungleichmäßig, aber angemessen hell: ø 250 Lux im Bad. Nur in der Dusche bleibt es dunkler.
  • Als Grundhelligkeit im Bett reichen 80 Lux. Die Lesespots dürften heller sein.

Fahren

Verglichen mit einem Liner mit ähnlich geräumigem Grundriss fährt sich ein Reisemobil mit Fiat-Ducato-Basis meist handlicher: die Lenkung ist direkter und die Sitzposition Pkw-artiger. Auch gibt es im Duomobil eine Fahrertür, die das Leben unterwegs erleichtert. Doch das Duomobil bleibt ein großes und schweres Auto. Trotz optionalem, hubraum- und antrittsstarkem 177-PS-Motor bewegt sich der Integrierte vergleichsweise behäbig. Schon angesichts der per Gesetz limitierten Höchstgeschwindigkeit lernt man die gemächtlichere Gangart schnell schätzen; so bleibt auch der Verbrauch mit 12,6 Liter im Rahmen.

Sensibel reagieren die optionalen Voll¬luftfedern rundum auf Fahrbahnschwächen. Sie nehmen dem Fahrwerk aber viel von seiner typischen Rückmeldefreudigkeit und übertragen häufig ein leichtes Zittern auf die Karosserie. Zudem fielen ein ausgeprägtes Wanken und bei höherem Tempo die starke Windanfälligkeit auf.

Darüber hinaus macht es Hymer der Besatzung so angenehm wie möglich. Die Motorgeräusche sind gut gedämmt. Die Spiegel vermitteln dem Fahrer eine gute Übersicht, doch der ellenlange Hecküberhang muss beim Fahren und Rangieren ständig im Auge behalten werden.

Vorbildlich ist die Sicherheitsausstattung mit serienmäßigen Airbags und ESP. Das hohe Gewicht schlägt sich allerdings in langen Bremswegen nieder.

Für den Fahrkomfort erhält das Duomobil 2,7 von fünf möglichen Punkten.

Preise

Für ein integriertes Reisemobil auf Fiat Ducato sind 109.990 Euro ein stolzer Grundpreis. Innerhalb der B-SL-Baureihe sortiert sich das Duomobil – seiner Größe entsprechend – im Mittelfeld ein. Unter den direkten Wettbewerbern gibt es indes günstigere Alternativen. Wenngleich die Anzahl überschaubar bleibt, sofern man sich auf den Rundsitzgruppen-Grundriss festgelegt hat. Berücksichtigen sollte man bei der Auswahl, dass sowohl Frankia 740 Plus als auch Phoenix Midi-Liner 7200 RSL rund 50 Zentimeter kürzer als der Hymer sind.

Grundpreis 109.990 Euro, (Fiat Ducato, Motor 109 kW/148 PS) mit TÜV und Zulassungsbescheinigung II
Testwagenpreis: 141.109 Euro
✘ Turbodiesel 130 kW/177 PS (50 kg) 2300 Euro
✘ ABS/ASR/ESP ✔ Serie/Serie/Serie
✘ Fahrer-/Beifahrer-AirbagSerie/Serie
✘ Auflastung auf 4,8 t zGG mit 4-Kanal-Vollluftfedern und Alu-Felgen (80 kg) 9990 Euro
✘ Klimaanlage Fahrerhaus Serie
✘ Ventilator-Dachhaube Küche (5 kg) ✔ 450 Euro
✘ Gas-Umschaltanlage (3 kg) ✔ 295 Euro
✘ Sitzgruppenpolster rund statt eckig ✔ 290 Euro
✘ Markise 5,5 m (56 kg) ✔ 1795 Euro
✘ Wechselrichter 1800 W (7 kg) ✔ 1590 Euro
✘ 2. Bordbatterie 160 Ah (45 kg) ✔ 1290 Euro
✘ autom. Sat-Anlage Oyster 85
mit Doppel-LNB (15,5 kg) 3190 Euro
✘ 22’’-Flachfernseher (12 kg) 1240 Euro

Kosten und Service
Kfz-Steuer (4,8 t zGG, S3) 300 Euro
Haftpflicht/Vollkasko (500 Euro SB, Tarif Allianz) 565/2565 Euro
Dichtigkeitsgarantie/Kontrolle 72/12 Monate
Servicestellen in Deutschland/Europa 60/280

✘ im Testwagen enthalten ✔ empfehlenswert

Für den Preis erhält das Hymer Duomobil 3,2 von fünf möglichen Punkten.

Das fiel uns auf

+ Im Einstieg finden sich neben vielen anderen Ablagen und einer Garderobe auch zwei Schuhfächer.
+ In dem Extrafach sind Tablets und Laptops aufgeräumt. Zum Laden gibt es mehrere Steckdosen.
+ Schnell und bequem lassen sich die Küchenschubladen auf Knopfdruck elektrisch verriegeln.
+ Durch den schrägen Einbau des Elektroblocks sind die Sicherungen an der Rückseite gut zugänglich.
- Grobschlächtig befestigte Reling; auch sichtbare Verschraubungen sind kein schöner Anblick.
- Die Fahrerhaus-Verdunkelung haftet per Magnet an der A-Säule. Die Haltekraft ist aber begrenzt.

Die Baureihe des Hymer Duomobils und der B-Klasse im Überblick

Preise: 104.990–117.990 Euro
Basis: Fiat Ducato
Länge: 7,63–8,86 m
Gesamtgewicht: 4500–5000 kg
Weitere Modelle: 5
Charakter: Technisch entspricht das Duomobil den fünf weiteren B-SL-Modellen. Jeweils 7,63 Meter in der Länge messen der 624 mit Querbett und der 674 mit Einzelbetten im Heck. Das Sortiment ergänzen drei Modelle mit Tandemachs-Fahrgestell und 5 t Gesamtgewicht: der 798 mit Queensbett, der 778 und das Top-Modell 878, jeweils mit Einzelbetten. Bis auf den 674 haben alle Modelle ein großzügiges Raumbad. Von der B-Klasse unterscheidet sich der größere, luxuriösere B-SL unter anderem durch den höheren Doppelboden, die breitere Eingangstür, größere Tanks und Batterien.

Supercheck: Concorde Carver 791 L

Foto

Jacek Bilski

Datum

3. Juni 2015
Dieser Artikel stammt aus Heft promobil 05/2015.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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