Alles über Concorde Carver
Supercheck: Concorde Carver 791 L 34 Bilder Video Zoom

Supercheck Concorde Carver 791 L: Hohes Ross

Majestätisch ist nicht nur die Erscheinung dieses Liners. Der neue Concorde Carver vermittelt in jeder Lebenslage ein erhabenes Reisegefühl. Dabei fährt sich der 791 L überraschend handlich. Concorde hat dem Iveco Daily Manieren beigebracht.

Während der große Charisma alle Strahlkraft der Marke Concorde für sich zu beanspruchen scheint, nahm mancher den Carver lange nur als Randnotiz wahr. Dabei gibt’s für Zurückhaltung gar keinen Grund. Spätestens seit dem neuen Modelljahr ist der kleine Bruder zu einer eigenständigen Größe in der Linerklasse herangereift.

Bei aller äußerlichen Ähnlichkeit mit dem Charisma gewinnt der Carver durch sein neues Innendesign eigenen Charakter. Wie in der Liner-Klasse üblich schafft ein tragfähiges Chassis mit hochgesetztem Fahrerhaus Distanz zur Straße. Aus fünf Varianten hat promobil das kleinere Einzelbetten-Modell für den Supercheck herausgepickt.

Hoch aufgeschossen, doch mit 8,16 Meter Länge noch relativ kurz, genießt der 791 L beim Fotoshooting die Herbstsonne. Der gefletschte Kühlergrill strahlt Selbstbewusstsein aus. Mit Recht?

Sitzen und Schlafen

Obgleich etwas empfindlich, sind die hellen Polster doch ein wohltuender Kontrast zum sehr dunklen, braunen Argento-Oliva-Möbeldekor. Wer’s lieber Concorde-klassisch mag, wählt die rötliche Kirschbaum-Optik. Die Möbeloberflächen bestehen jedoch nicht – wie beim Charisma – aus Furnier, sondern aus schlichterer, strukturierter Dekorfolie.

Einen schönen Effekt erzielen die wie schwebend wirkenden Sitzbankkorpusse mit den zurückgesetzten Sockeln. Vor allem die enorme Raumhöhe und die üppige Verglasung schaffen im Bug Weite, an sich ist die Sitzgruppe indes nicht opulent. Hier spart Concorde Platz, jedoch ohne zu knausern. Man sitzt definitiv bequem auf dem großen Seitensitz oder der gemütlichen L-Bank. Der Beifahrersitz lässt sich einfach drehen, der Fahrersitz eckt jedoch am Lenkrad und dem Längsschenkel der Rückbank an. Trotz nobler Echtholzkanten und einer mustergültigen Standhaftigkeit wirkt der Tisch etwas schlicht. Immerhin klappt Verschieben in Längs- und Querrichtung, zum besseren Durchstieg von vorn nach hinten dürfte die Platte ein wenig mehr zur Seite rücken. Die Kopfstützen auf der Rückbank sind nicht höhenverstellbar; an der hölzernen Einfassung können sich große Menschen schmerzhaft den Kopf stoßen. Vor neugierigen Blicken durch die Frontscheibe schützt ein von unten nach oben geführtes Faltrollo, vor Kälte nachts ein elektrischer Vollformat-Rollladen.

Im Schlafzimmer im Heck klotzt der Carver mit Platz. Das Raumgefühl ist dank üppigster Kopffreiheit äußerst luxuriös. Nur eine Stufe ist zum Einstieg in die niedrig liegenden Betten nötig. Lang und breit machen sich die beiden Einzelliegen, und weil der Mittelteil weit nach vorne ragt, können zwei Menschen ohne Umbau auch in Querrichtung schlafen. Um hohen Schlafkomfort sorgen sich hochwertige Kaltschaummatratzen mit anschmiegsamen, abnehmbaren Bezügen. Monieren lässt sich eigentlich nur, dass die Lesespots an der Decke im Liegen nur schwer erreichbar sind und die integrierte Nachtbeleuchtung sich partout nicht abschalten lässt.

Kaum weniger bequem schläft man im Hubbett – wenn man erst mal drin ist. Es hängt relativ hoch, was den Einstieg erschwert. Eine Leiter fehlt; sie ließe sich mangels Platz im Gang ohnehin nicht anstellen. Darüber hinaus kann das Bugbett jedoch überzeugen. Die Länge passt, und wegen der steilen Fahrzeugfront ist die Breite nahezu vollständig nutzbar. Da fällt kaum ins Gewicht, dass Hubbetten in vielen neueren Mittelklasse-Integrierten inzwischen häufig breiter sind. Kleiner Kritikpunkt: Es gibt nur eine einzelne Lampe. Ablagen finden sich in Griffnähe unter den nahen Hängeschränken.

Bad und Küche

Mit viel Stauraum in zahlreichen Auszügen punktet die Küche. Die Spüle hat sogar eine kleine Abtropffläche. Regelrecht beeindruckend ist die Solidität der Metallarmatur. Auch die Kunststein-Arbeitsplatte hat – trotz Leichtbauweise – nichts von ihrer angenehmen Haptik eingebüßt. Rundum sauber abgedichtet ist sie obendrein.

Reine Arbeitsfläche ist Mangelware, bei abgedeckter Spüle lässt sich Kochgut jedoch vorbereiten. Wenn’s dann in der Pfanne auf dem großen Kocher brutzelt, zieht ein elektrischer Dachlüfter Dünste effektiv nach draußen. Gleich drei 230-Volt-Steckdosen finden sich in der Nähe. Auch an den hochgesetzten Kühlschrank gegenüber, optional mit 190 Liter Inhalt und Backofen, kommt man gut heran.

Als denkbar unpraktisch erweisen sich in der Praxis allerdings die schwarzen Hochglanzfronten an den unteren Auszügen. Man sieht jeden Fingerabdruck, und die Farbe schluckt viel Licht. Bügelgriffe wären leichter auszumachen als die kleinen Drucktastenschlösser. Eine indirekte Beleuchtung unter der Arbeitsplatte könnte zumindest in diesem Punkt Abhilfe schaffen.

Großzügig sind die Platzverhältnisse im Bad. Man wäre fast geneigt, Verschwendung zu unterstellen, wäre nicht alles so unprätentiös arrangiert, so beiläufig funktional und handwerklich präzise. Die Akkuratesse der Silikonfugen spricht Bände. Der Waschtisch fühlt sich ebenso hochwertig an wie der Wasserhahn solide. Die Toilettenschüssel – natürlich aus Porzellan. Dass es wenig Stauraum gibt, ist verschmerzbar. Handtücher lagern im nahen Kleiderschrank.

Schwenkt man die satt schließende Badtür über den Gang hinweg, genießt man zwischen Dusche, Waschbecken und Schrank beste Bewegungsfreiheit. Die Duschkabine ist selbst für diese Klasse üppig. Eben breitet sich die solide Duschwanne aus. Da stört keine Stufe; die Radhäuser verschwinden komplett im hohen Doppelboden. In den meisten günstigeren Integrierten fehlt dazu oft genug der Platz.

Aufbau und Bordtechnik

Auch der Aufbau rechtfertigt die Investition von wenigstens 160.950 Euro. Die Technik übernimmt der Carver vom rund 30.000 Euro teureren Charisma. Bug und Heck – wie die Schürzen aus reparablem GfK – sind sauber angepasst. Die Wände sind innen wie außen Aluminium-beplankt. Ein hagelresistentes GfK-Dach wird nicht angeboten. Um Wärmebrücken zu vermeiden, sind die Sandwichplatten an den Aufbaukanten miteinander verklebt. Ein stufenlos an die obere Bodenplatte angestoßenes, zweischaliges, gedämmtes GfKFormteil schirmt im hochgesetzten Fahrerhaus Kälte ab. Zudem sind die vorderen Seitenscheiben doppelt verglast. Die Aufheizzeit der Warmwasser- Heizung ist konzeptbedingt etwas länger als bei einer Luftheizung. Trotzdem bringt sie den Innenraum überraschend schnell in rund einer Stunde fühlbar auf Temperatur. Ein Zeichen für clevere Installation und gute Dämmung.

Die Klappen schließen satt. Wohltönend fällt auch die elektrisch öffnende Tür ins Schloss. Sie lässt sich über einen Notschlüssel in der Garage entriegeln, wenn die Elektrik mal streikt. Das kann schon passieren, wenn beispielsweise der Ladezustand der Batterie durch sehr langen Standby-Betrieb sinkt. Ein automatischer Trennschalter schützt dann den Akku vor Tiefentladung. Also besser den Wechselrichter, der die vielen Steckdosen im Innenraum permanent mit 230 Volt versorgt, nur einschalten, wenn man ihn tatsächlich braucht. Wählt man das 3740 Euro teure Elektro-Paket 1, leistet der Inverter in Kombination mit zwei 165-Ah-Akkus stolze 2000 Watt Dauer- und 4000 Watt Spitzenleistung. Nachbessern sollte Concorde bei der Beleuchtung. Die Helligkeit bleibt in fast allen Wohnbereichen hinter den Empfehlungen zurück.

Lange Unabhängigkeit versprechen die voluminösen Wassertanks. Die Installation samt serienmäßigem Wasserfilter ist mustergültig, und die Entsorgung klappt dank dicker Ablassrohre schnell und unkompliziert. Außerdem ist die Wasseranlage samt Ablasshähnen komplett frostsicher im Doppelboden untergebracht.

Stauraum und Zuladung

Für die Staukapazitäten des Carver spielt der 47 Zentimeter hohe Doppelboden ebenfalls eine wichtige Rolle. Mehrere Fächer, darunter eine große Durchlade unter der Sitzgruppe, sind von außen zugänglich. Von innen kommt man an ein weiteres Kellerfach; die Bodenluke hat einen soliden Metallrahmen, der Eingriff ist jedoch klein, und man muss die Arme ganz schön lang machen, um in alle Ecken zu kommen. Ausgezeichnet zugänglich ist die riesige, ganze 1,40 Meter hohe Heckgarage über zwei Türen.

Im Innenraum warten unter anderem elf Hängeschränke und ein raumhoher, mit verstellbaren Fachböden und einer Lampe ausgestatteter Kleiderschrank auf Gepäck für die lange Reise. Zum Schließen der Tür genügt ein Schubs, und sie fällt sanft zu. Generell sind die Beschläge von hoher Qualität. Die Gesamtnutzlast ist serienmäßig sehr üppig. Sofern man jedoch nicht permanent durch schwere Fracht in der Heckgarage für eine Entlastung der Vorderachse sorgen will, empfiehlt sich die Auflastung auf 6,7 Tonnen, mit der sich auch die knappe Zuladung vorn um 100 Kilo erhöht. Eine reine, doch immerhin 1000 Euro teure Formsache.

Fahren und Sicherheit

Wie auf dem hohen Ross sitzend thront die Besatzung majestätisch über dem Verkehr. Mit etwas Gewöhnung und entsprechender Umsicht schwimmt der Carver ganz gut mit. Der Fahrer profitiert dabei von der guten Übersicht und dem vergleichsweise kurzen Radstand von 4,35 Meter, der den Platzbedarf beim Wenden in Grenzen hält. Die Lenkung verlangt aber einen kräftigen, stets konzentrierten Griff mit beiden Händen; durch die Höherlegung des Cockpits liegt das Lenkrad ungewohnt flach. Besserung bringt die Höhenverstellung: Beim Blick auf die Instrumente sind diese nicht mehr vom Lenkkranz verdeckt.

Gut gelungen ist Concorde die Abstimmung des sonst etwas hölzernen Iveco-Daily-Fahrwerks. Der Carver federt –auch ohne Luftfederung – regelrecht geschmeidig ab. Die Schwerlastrollen unter dem langen Hecküberhang schützen beim Aufsetzen zwar den Aufbau, schränken die Bodenfreiheit aber empfindlich ein.

Klapper- und Knarzgeräusche aus dem Aufbau fehlen fast vollständig. So kommt der kernige 170-PS-Diesel akustisch voll zur Geltung. Beim zügigen Anfahren dreht der Dreiliter-Vierzylinder in den sehr kurz übersetzten unteren Gängen blitzartig hoch, und weil die optionale automatisierte Agile-Schaltung nicht immer ganz nachvollziehbar und etwas zögerlich sortiert, lernt man die beschauliche Gangart schnell zu schätzen. Das Cockpit jedoch gestaltet Concorde so edel und schick wie bei einer Luxuslimousine. Die Sicherheit bleibt ein wunder Punkt der Liner-Klasse. ESP und Airbags sind nicht erhältlich.

Ausstattung und Preise

Obschon ein Respektabstand bleibt, rückt der Carver näher an den Charisma heran. Allerdings spiegelt sich das auch im hohen Preis wider. Wie der Vergleich mit den ausgewählten Konkurrenten zeigt, gibt es Liner-Feeling auch günstiger. Dem steht indes eine schon serienmäßig umfangreiche Ausstattung gegenüber.

Lichtcheck (angelehnt an din EN 12464-1)

  • Eine Helligkeit von 68 Lux an der Sitzgruppe ist mittelmäßig. Heller ist es nur direkt unter den fest installierten Lesespots.
  • Die Küche schneidet beim Lichtcheck mit 250 Lux am besten ab. Auch ist die Beleuchtung einigermaßen gleichmäßig.
  • Recht finster bleibt es im Bad: 90 Lux. Empfohlen sind 150 bis 200 Lux.
  • Für den Schlafbereich sind 40 Lux ausreichend. Zum Lesen ist es zu dunkel.
  • Farbabstimmung auf zirka 4000 Kelvin

Alle Informationen im Überblick finden Sie auf Seite 2.

Supercheck: Concorde Carver 791 L

Foto

Ingolf Pompe

Datum

22. Januar 2014
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