Alles über Bürstner Ixeo
Bürstner Ixeo IT 735, Supercheck 22 Bilder Zoom

Bürstner Ixeo IT 735 im Test: Hier geht`s lang

Bürstner will bei den Teilintegrierten mit Hubbett auch weiterhin den Ton angeben. Gründlich überarbeitet geht daher der neue Ixeo an den Start. Ein frisches Design ziert Auf- und Ausbau. Mehr als nur Optik-Spielereien?

Kurz mal nicht aufgepasst, und schon wird aus der Vorreiterrolle die des Gejagten. Da darf man den Abstand zum Verfolgerfeld tunlichst nicht zu klein werden lassen. Klar ist: Bürstner will bei den Teilintegrierten mit Hubbett auch weiterhin die Nase vorn behalten. Und sattelt deshalb sein Vorzeigemodell Ixeo frisch auf. Dem Eigenanspruch der Marke entsprechend, als einer der ersten Hersteller mit dem althergebrachten Gelsenkirchener Barock gebrochen zu haben, haben die Entwickler das Interieur deutlich modernisiert.

Und auch am Aufbau hat man gefeilt. Stellt sich die Frage: Bringt die Überarbeitung auch substanziellen Mehrwert für Mobilurlauber? Der promobil -Supercheck gibt Antworten.

Aufbautechnik

Eleganter tritt der Ixeo auf. Die Technik bleibt konventionell. 
Eine auffällige Änderung beim neuen Ixeo gegenüber dem Vorgängermodell besteht in der Gestaltung des vorderen Aufbaus. War beim alten Ixeo das Sandwich-Dach noch bis nach vorn über das Fahrerhaus gezogen, streckt sich nun ein doppelschaliges GfK-Formteil schwungvoll über das Cockpit. Auch seitlich gehen Fahrerhaus und Aufbau durch neue Formteile eleganter ineinander über. Verbessert wurde auch die Aufbautür, die nun zwei Schließfallen und versenkte Griffe hat.

Unter der schicken neuen Hülle des Bürstner Ixeo steckt ein konventioneller Aufbau mit Styropor-Isolierung. Die herkömmlichen Holzverstärkungen wurden an den sensiblen Verbindungsstellen von Boden und Seitenwand und um die Radhäuser indes gegen solche aus feuchtigkeitsunempfindlichem Kunststoff getauscht. Die Bodenplatte, die mit dem Ducato-Flachrahmen verklebt und verschraubt ist, besteht jedoch weiterhin aus Holz. Immerhin schützen Spritzlappen an den Hinterrädern sie vor aufgewirbeltem Regen und Schmutz. Zum Boden hin schließt der Aufbau mit stabilen Metallschürzen ab.
Verarbeitet ist die Kabine sauber. Allenfalls könnten sich Ästheten daran stören, dass an einigen Stellen die Dichtmasse sichtbar unter den breiten Kantenleisten hervortritt.


Wohnen

Moderner wirkt das Interieur, mit viel Komfort im Schlafzimmer. 
Kräftig Hand angelegt hat Bürstner beim Interieur. Die fließenden Linien des Mobiliars im vorderen Bereich kaschieren gekonnt das Hubbett über der Sitzgruppe. Möglich machen das vor allem die aufwendig aus PUR-Kunststoff geformten Hängeschranklappen und Verkleidungsteile. Die Verschlüsse verstecken sich hinter dem unteren Rand und stören so nicht die flächige Optik. Die Hakenschnäpper rasten zuverlässig ein und schließen sicher.

Das Hubbett erhielt eine neue Verriegelung; es lässt sich mit wenig Kraft nach unten ziehen und hängt dann stabil über der Sitzgruppe. Auf einer gegenüber dem Vorgänger deutlich verbesserten Leiter mit vier breiten Stufen klettert man nach oben. Die Kopffreiheit von knapp 70 Zentimeter reicht nicht ganz, um aufrecht zu sitzen. Der Liegekomfort ist straff, aber dank Lattenrost bequem. Zwei durchschnittlich gebaute Erwachsene finden nebeneinander Platz; Kinder erst recht. Als praktische Ablagen dienen zwei tiefe Staufächer in der Haube an Fuß- und Kopfende. Griffgünstig nah liegt auch das offene Fach über dem Fahrerhaus. Die zwei LED-Leselampen lassen sich leider nicht einzeln an- und ausschalten. Mehrere Netze schützen Schläfer und Bettzeug vor dem Absturz.
Die Aufhängung überzeugt noch immer nicht restlos. Während der Fahrt bleibt das Bett zwar sicher an der Decke, bewegt sich jedoch lebhaft, was von einer entsprechenden Geräuschkulisse untermalt wird.
Der gesamte Heckbereich des Ixeo 735 ist für das Schlafzimmer reserviert. Das Queensbett steht etwas zur Seite versetzt, der Zugang auf der rechten Seite ist bequemer als links. Das gilt besonders dann, wenn man durch Ausziehen des Fußendes die Liegefläche auf maximal 1,92 Meter verlängert hat. Dann bleibt zwischen Waschraum und Bettecke nur ein Durchgang von 19 Zentimeter – zu wenig für manchen Oberschenkel. Bequem macht man es sich auf weichem Kaltschaum mit elastischem Bezug – auf einer recht komfortablen Schulterbreite von gut 1,40 Meter. Die Umrandung, die nur aus einem dünnen, mit Mikrofaser verkleideten Alu-Blech besteht, wirkt eher labil. Zum luftigen Raumgefühl im Heck des Ixeo 735 tragen vor allem die üppige Kopffreiheit und die beiden sehr großen Seitenfenster bei. Zwei Leselampen und zwei Ablagen vor den Kleiderschränken links und rechts neben dem Kopfende vervollständigen die Ausstattung. Dazu spendiert Bürstner zwei große Stofftaschen. Eingebaut in den Ixeo 735 hat Bürstner außerdem eine große Portion Sanitärkomfort. Wie in manch großem Liner stehen sich Waschraum und Dusche einander separat gegenüber. Die Badtür schließt – nicht immer zuverlässig – über den Gang hinweg, was dem an sich kleinen Waschraum sehr zugutekommt. Jedoch stört bei der Nutzung etwas die Stufe, über die der Weg ins Bad führt. Das bei anderen Ixeo-Modellen sehr hilfreiche Schwenkwaschbecken ist im 735 völlig zweckfrei. Der Anblick der großen Spiegel erfreut Nutzer ebenso wie die im Vergleich zum Vorgänger viel solidere Türklinke, eine gute Beleuchtung und die bei Bedarf leicht zu reinigende Keramikschüssel. Die Dusche ist mit Kunststoff- Verkleidungen, einer Ablage fürs Shampoo und einer hohen Stange für die Brause praxisgerecht ausgestattet. Zwei LED-Leuchten und ein Pilzlüfter versuchen, das Fehlen einer Dachhaube zu kompensieren. Im Schulterbereich ist die Bewegungsfreiheit wirklich großzügig. Der Radkasten schränkt allerdings die Standfläche ein. Wer auf großem Fuß lebt, wird dies durchaus als deutliches Manko empfinden. Die kompakte Küche steht winkelförmig in der Mitte des Mobils. Dreiflammkocher und Spüle sind griffgünstig auf der wasserdicht eingerahmten Arbeitsplatte angeordnet. Darunter befindet sich reichlich Stauraum in Form von drei soliden Schubladen und einem unterteilten Unterschrank. Zwei Mülleimer erlauben die vielerorts übliche Mülltrennung. Um den hinteren Eimer auch separat entnehmen zu können, müsste sich der Auszug aber weiter herausziehen lassen. Zwei Lampen leuchten den Arbeitsbereich aus. Dazu gibt es gleich zwei 230-Volt-Steckdosen – praktisch. Serienmäßig sind 104 Liter Kühlvolumen. Viele Kunden entscheiden sich erfahrungsgemäß für den größeren 160-Liter-Eisschrank, der links vom Eingang platziert ist. Eine kleine Stufe ist auf dem Weg nach vorn zur Sitzgruppe zu überwinden, denn sie steht auf einem Podest. Dennoch erreicht die Stehhöhe unter dem Hubbett respektable 1,81 Meter. Die Blende mit den acht chromberingten LED-Lampen reduziert sie jedoch um zwei Zentimeter. Auf leicht drehbaren Cockpitsitzen, Halbdinette und Seitenbank finden bis zu fünf Personen Platz. Der Tisch lässt sich einfach verlängern – so sind auch Beifahrer und Seitensitz integriert. Mitfahrer dürfen sich über eine passable Sitzergonomie und höhenverstellbare Kopfstützen freuen. Helle Cremetöne an Polstern und Hängeschränken sowie textile Wand und Deckenverkleidungen sorgen für eine angenehme Atmosphäre. Da fällt kaum auf, dass manches Teil farblich nicht akkurat zum benachbarten passt. Mancher wünschte sich sicher noch ein paar Lampen, um nicht immer die Festbeleuchtung zu veranstalten, sondern auch mal für eine gemütlichere Lichtstimmung sorgen zu können. Mehr Licht als beim Vorgänger fällt von oben durch das größere ausstellbare Fenster in der Haube. Die Verdunkelung im Fahrerhaus mit einknöpfbaren Plisseevorhängen wirkt recht altmodisch; ihren Zweck erfüllt sie. Die Druckknöpfe sollte man jedoch sehr vorsichtig wieder von den A-Säulenverkleidungen lösen, um diese nicht gleich mit abzureißen.

Beladen

Mit dem Stauraumangebot kommen vor allem Paare klar.
Links und rechts vom Kopfende des Betts platziert Bürstner einen breiten und einen schmaleren Kleiderschrank. Letzterer lässt sich individuell anpassen und wahlweise mit drei Zwischenböden praktisch unterteilen. Über dem Kopfende an der Heckwand hängen zwei große Dachstaukästen. Relativ gut sind die drei tief liegenden Fächer unter dem Fußende zu nutzen. Die kleineren seitlichen Schränkchen sind dagegen nicht tief genug, um sinnvoll nutzbar zu sein. Im Bug gibt es Stauraum nur in Form von zwei kleinen Hängeschränken über der Sitzgruppe. Rüttelkanten würden deren Nutzungsmöglichkeiten wesentlich verbessern. Insgesamt ist die hecklastige Verteilung der Schränke eher auf zwei Reisende ausgelegt als auf Paare mit kleinerem Anhang. Der Bettkasten ist größer und vor allem höher als die Stauräume, die man bei Grundrissen mit Längsbett findet, für den Fahrradtransport reicht es indes nicht. Zugang schafft eine relativ große Außentür auf der rechten Seite, wahlweise, jedoch nicht so komfortabel auch der nach oben schwenkbare Bettrost. Kleinteile finden in mehreren separaten Ablagen Platz. Mit Zurrschienen sind außerdem vorbildliche Möglichkeiten der Ladungssicherung vorhanden – beispielsweise für Campingmöbel. Eine Lampe erhellt das Abteil auch bei Dunkelheit.

Der Testwagen bietet mit 3650 Kilogramm Gesamtgewicht 560 Kilogramm Zuladung und damit ausreichend Reserven für eine zwei- bis vierköpfige Besatzung.

Bordtechnik

Keine Experimente: Der Ixeo setzt auf bewährte Komponenten.
Die Bordtechnik entspricht dem klassenüblichen Standard. Wie bei Bürstner setzen sich auch bei vielen Konkurrenten sparsame, langlebige LEDLampen immer mehr durch. 22 werden beim Ixeo aus einer Blei-Säure-Batterie versorgt, die wie Ladegerät und Sicherungen gut zugänglich in der Seitensitztruhe untergebracht ist. Der FI-Stromschutzschalter ist serienmäßig, könnte jedoch besser gegen versehentliches Auslösen gesichert sein. Kabel verlaufen über weite Strecken geschützt in Kunststoff-Kanälen – auch am Unterboden. Eine Tauchpumpe schickt das Wasser durch einfache Schläuche Richtung Küche und Bad. Anschließend läuft es in den Unterflur montierten, nur optional  isolierten und beheizten Abwassertank. Die Gasflaschen stehen gut zugänglich nebeneinander, müssen jedoch über eine recht hohe Ladekante gehoben werden. Die Heizung verteilt ihre Wärme im Winter über neun gleichmäßig im Wohnraum positionierte Ausströmer. Beim Sommerurlaub könnte die Abwärme des Boilers manchen Urlauber allerdings bei der Siesta stören; der Kombiofen arbeitet genau unter dem Heckbett.

Fahren

Einmal mehr erweist sich der Ducato als unkomplizierte Basis.
Auch die Basis geht nicht ohne Änderungen in die neue Saison. Der Basismotor des Fiat Ducato bietet nun 15 PS mehr. Der optionale, 130 PS starke Euro-5-Diesel schiebt den Ixeo 735 nicht sonderlich enthusiastisch, aber tapfer an. Das Fahrverhalten ist unproblematisch untersteuernd, die Lenkung angenehm direkt und nicht zu leichtgängig. Die Federung wird Ducato-typisch mit zunehmender Beladung nachgiebiger und komfortabler. Den langen Hecküberhang sollte man im Auge behalten. Fast überflüssig zu erwähnen, dass eine Rückfahrkamera der Übersichtlichkeit des 7,39-Meter- Modells sehr dienlich wäre.

Preise

Zu maßvollen Mehrkosten gibt es substanziellen Mehrwert.
Mit 55.930 Euro steht der 735 mit 115 PS in der Liste. Wer in einige Extras, wie den empfehlenswerten 148-PS-Motor investiert, landet schnell jenseits der 60.000-Euro-Marke. Da das Queensbett-Modell die Ixeo-Palette erst zur neuen Saison bereichert, lässt sich kein direkter Preisvergleich ziehen. Beim ebenso langen Einzelbett- Ixeo 726 stieg der Grundpreis bei gleicher Motorleistung um rund 1700 Euro. Eine moderate Steigerung angesichts zahlreicher und großteils gelungener Weiterentwicklungen.

Die Baureihe: Bürstner Ixeo IT

Preise: 51.380 - 55.930 Euro
Basis: Fiat Ducato
Längen: 6,74 - 7,39 m
Gesamtgewicht: 3500 - 4000 kg
Modelle: Das Urmodell der Teilintegrierten mit Hubbett wurde zur Saison 2012 überarbeitet. Sechs Varianten des Ixeo bietet Bürstner an und flankiert sein Erfolgsmodell mit dem günstigen Ixeo Time und dem nobleren Ixeo Plus.

Supercheck: Concorde Carver 791 L

Foto

Frank Eppler

Datum

29. September 2011
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