Alles über Sunlight T
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Sunlight T 65 im Supercheck: Ist die junge Günstigmarke ausgereift?

Sunlight feiert Zehnjähriges. Der Hersteller wuchs zur florierenden Marke heran. Worin liegt das Erfolgsgeheimnis ihrer Wohnmobile? Und: Können wir es in dem günstigen Teilintegrierten finden?

Als die Dethleffs-Strategen vor gut zehn Jahren die Tochtermarke Sunlight aus der Taufe hoben, ging es vor allem darum, der wachsenden Billigkonkurrenz, vornehmlich aus Italien, auf die Schnelle etwas entgegenzusetzen – ohne die Traditionsmarke zu beschädigen. Der erste Jahrgang rekrutierte sich darum auch einfach aus einer Handvoll abgelegter Modelle der Dethleffs-Einsteigerserie aus den Vorjahren, die mit magerer Ausstattung für unter 30.000 Euro auf den Markt geworfen wurden. Das Konzept ging auf und rief bald die Schwestermarke Hymer auf den Plan. Gemeinsam baute man eine eigene Fertigung in Sachsen auf – Capron genannt –, wo Wohnmobile für Sunlight und die Hymer-Tochtermarke Carado fast baugleich vom Band rollen.

Die erste Capron-Produktion startete zum Modelljahr 2007, basierend auf dem günstigen Ford Transit. Nach und nach erarbeitete man sich den Ruf, für kleines Geld gute Qualität zu liefern, das Grundrissangebot wuchs stetig. Zum Modelljahr 2010 sattelte man auf den populäreren Fiat Ducato um und erneuerte 2012 das Mobiliar gründlich. Heute kann man die Ernte der zehnjährigen Aufbauarbeit einfahren: In der deutschen Zulassungsstatistik für 2013 wird das Capron-Werk bereits als zweitgrößter Hersteller gelistet. Wie reif die Produkte tatsächlich sind, zeigt der Supercheck des neuen Querbett-Modells T 65. Seine Besonderheit: Trotz maßvoller Länge von knapp unter sieben Metern bietet er ein echtes Raumbad.

Sitzen & Schlafen

Genau die Hälfte der zehn Sunlight-Teilintegrierten ist wahlweise mit einem Hubbett über der Sitzgruppe erhältlich. Auch beim neuen T 65 überlässt man dem Käufer die Wahl, ob lieber ein großzügiges Raumgefühl oder das Zusatzbett gewünscht wird. Unter Letzterem schrumpft die Stehhöhe dann auf 1,80 Meter, denn zur Angleichung ans Fahrerhausniveau steht die Sitzgruppe auf einem Bodenpodest. Ein Podestteil im Gangbereich ist dabei nur lose eingelegt – und verrutscht manchmal beim Drübergehen. Nimmt man das Teil heraus, lässt sich die lichte Höhe immerhin auf 1,91 Meter erhöhen. Die Sitzgruppe inklusive Seitenbank ist großzügig geschnitten. Ein Einlegebrett kann die Tischplatte noch verlängern, trotzdem reicht es nicht ganz bis hinüber über den Gang. Die angeschrägten Rückenlehnen und die höhenverstellbaren Kopfstützen der Querbank lassen eine bequeme Mitfahrt zu. Gegen Aufpreis machen ein fünfter Gurtplatz auf der Seitenbank (399 Euro) und ein Bettumbausatz für die Sitzgruppe (249 Euro) den T 65 zum Fünf-Personen-Mobil. Natürlich nur, wenn auch das manuell absenkbare Hubbett (1.399 Euro) mitgeordert wurde. Die aktuelle Version schwebt nun senkrecht herab. Trotzdem reicht der unten angebrachte Hängeschrank nicht bis zu seinem Nachbarn in der Küche heran. Die Lücke vermeidet, dass vor dem Absenken größere Polsterumbauarbeiten ausgeführt werden müssen. Entriegelt wird das Hubbett über einen Schiebeknopf, der allerdings einen kräftigen Daumen erfordert. Dann kann man das Schwebebett herunterziehen und über eine solide Einhängeleiter erklettern.

Die Liegemaße sind ordentlich, reichen für zwei Kinder oder einen Erwachsenen gut. Die Matratze liegt aber nur auf einer Lochplatte zur Unterlüftung, ohne Federwirkung. Absturzschutznetze sind vorhanden, aber für Kleinkinder zu lückenhaft. Eine Dachhaube gibt es auch, die einsame Deckenleuchte ist jedoch zu funzelig zum gemütlichen Schmökern. Das Ablagenangebot beschränkt sich auf die Schränke in der Umgebung. Das serienmäßige Bett findet sich quer im Heck. Eine Treppenstufe führt bequem hinauf. Matratzenmaße, -dicke, Unterbau – alles ist hier ein gutes Stück bequemer als beim Hubbett. Ablagebords finden sich an beiden Seitenwänden, ein Fenster und zwei Lesespots aber nur rechts. Sinnvoller wäre allerdings links, wo die Liegefläche breiter ist, und auch die offenere Raumgestaltung spricht für die umgekehrte Liegerichtung.

Bad & Küche 

Direkt davor schließt sich die separate Duschkabine an. In Ruhestellung sind ihre beiden Türen zur Seite geräumt, und ein Podestteil in der Bodenwanne egalisiert den Niveauunterschied zum Gang. So kann man diesen Bereich mitnutzen. Der gleiche Gedanke steckt auch hinter der klappbaren Kleiderstange, die aus der Dusche mal eben einen Aushilfskleiderschrank oder eine Trockenkammer macht. Die Kleiderstange gehört jedoch zum nahezu unumgänglichen Basic-Paket, wie auch die Duschraumverkleidung und der Holzrost in der mit zwei Abläufen ausgestatteten Bodenwanne. Wie so häufig ragt zwar auch hier der Radkasten hinein, es bleibt aber noch genügend Beinfreiheit in der für die Fahrzeugklasse üppigen Brausekabine. Gegenüber ist der kompakte Waschraum eingebaut. Für die nötigen Verrichtungen reicht der Platz bei geschlossener Tür – deutlich großzügiger wird es aber, wenn man das Schloss in die zweite Falle auf der anderen Gangseite schnappen lässt und dann ein Raumbad zur Verfügung hat. Der Clou dabei ist, dass der schmale, aber raumhohe Kleiderschrank und auch noch ein ähnlich großer Regalschrank in diesem Bereich untergebracht sind. So ist alles greifbar, was man zum Ankleiden braucht.

Auf reichlich Stauraum kann auch der Küchenchef zurückgreifen. Drei Schubladen erschließen den linken Teil des Küchenblocks, zwei große Fächer kommen auf der rechten Seite hinter einer Tür zum Vorschein. Die ganze Tiefe der bis zur Seitenwand reichenden Fächer zu nutzen ist aber gar nicht so einfach, weil man fast  hineinkriechen muss, um an die hinteren Dinge ranzukommen. Außerdem fordern Kabel und Warmluftrohre Rücksicht.
Zwischen Dreiflammkocher und Spüle bleibt im Eck noch einiges an Abstellfläche – eine echte Arbeitsfläche gibt es jedoch nicht. Dafür müssen die Glasabdeckungen herhalten. Auch in der Einsteigerklasse würde man sich über eine Elektrozündung am Kocher freuen. Der Kühlschrank ist direkt gegenüber eingebaut und kann gegen Aufpreis von 113 auf 167 Liter erweitert werden.

Aufbau & Bordtechnik 

Ein GfK-Dach als Hagelschutz gehört in dieser Klasse inzwischen fast zum guten Ton. Die Aufbauunterseite des Sunlight besteht aber nach wie vor aus feuchteempfindlicherem Holz mit Schutzanstrich. Nur die Marke Forster setzt im Günstigsegment bereits auf einen GfK-Boden. Punkten kann der Sunlight mit seinen Seitenschürzen aus soliden Alu-Strangpress­Profilen, einem reparaturfreundlichen, weil mehrteiligen Heckleuchtenträger sowie Doppeldichtungen an Türen und Klappen. Dazu kommt eine insgesamt relativ saubere Verarbeitung, die auch noch durch eine inzwischen serienmäßige fünfjährige Dichtigkeitsgarantie abgesichert wird.

Die Heckabsenkung ist aus stabilen, aber kaum iolierenden Siebdruckplatten gebaut.  Einfachere, vorgehängte Fenster lassen Licht herein. Die Aufbautür ist ebenfalls von der schlichteren Sorte, aber immerhin aufpreisfrei mit einer Fliegengittertür versehen. Das Dachfenster in der Fahrerhaushaube fordert nur moderate 499 Euro Aufpreis. Im Basic-Paket inbegriffen sind ein Midi-Heki über der Küche und zwei Mini-Heki über den Betten.

Mehrkosten für die Wasseranlage werden für Wintercamper fällig. Der Abwassertank ist unterflur montiert und nur gegen Aufpreis isoliert. Mit 110 Liter Frisch- und 92 Liter Abwasser erreichen die Reservoirs übliche Größen. Immerhin 95 Ah speichert die AGM-Bordbatterie, die in der Beifahrersitzkonsole unterkommt, wo auch noch Platz für einen Zweitakku vorgesehen ist. Die Beleuchtung setzt voll auf die effiziente LED-Technik, nur in der Außenleuchte heizt noch eine Glühfadenbirne ein.

Apropos heizen – serienmäßig setzen alle Sunlight-Modelle gleich auf die stärkere Truma Combi 6, die beim T 65 hinten links unter dem Heckbett eingebaut ist. Sieben Ausströmer verteilen die Warmluft immerhin bis ins Cockpit. Allerdings kommt im neuralgischen Bereich, vorn an der integrierten Sitzgruppe vergleichsweise wenig an. Mehr Praxisnähe beweist dagegen das Fach über dem Heizungskasten im Heck­stauraum, wo man gut feuchte Handschuhe oder Wanderstiefel trocknen kann. Hier residiert auf der rechten Seite auch der Gaskasten. So spart man sich eine Außenklappe und kann die Gasflaschen unabhängig tauschen, trotz Anordnung quer zur Fahrtrichtung. Mühsam wird der Zugang nur, wenn der Stauraum mit sperrigem Gepäck bestückt ist.   

Stauraum & Zuladung 

Dafür ist der Heckstauraum ja schließlich gedacht, auch wenn er mit 1,05 Meter Höhe nur bedingt zur Fahrradgarage taugt. Solide Zurrschienen sind jedenfalls vorhanden, die linke Stauraumtür gibt’s gegen Aufpreis. Fünf Fächer für Kleinteile sorgen zudem für Ordnung.
Vom Kleider- und besonders praktischen Regalschrank war bereits die Rede, weiteres Gepäck nehmen die fünf Hängeschränke auf. Geschickt ist auch die Seitenbanktruhe, die nicht nur von oben, sondern  auch über eine Klappe vom Einstieg aus, etwa mit Schuhen, beladen werden kann.

Über dem Kühlschrank findet sich zudem ein Schrank mit Rollotür und daneben eine Ecke, wo ein Fernseher installiert werden kann. Bleibt schließlich noch das Bodenfach im Heckpodest – darin könnte man sich glatt einen kleinen Weinkeller einrichten. Bei alledem darf man den Blick auf die Waage nicht vergessen. Für zwei Personen reicht die Zuladung in der Regel aus. Doch als Vier- oder gar Fünf-Personen-Mobil ist die Auflastung auf 3,85 Tonnen  überlegenswert – eher unvermeidlich. Das Maxi-Chassis bietet die Preisliste nicht an. 

Fahren & Sicherheit 

Mit dem aufpreispflichtigen 130-PS-Motor ist der T 65 ansprechend motorisiert. Moderates Gewicht und offenbar passable Aerodynamik sorgen auch für einen gezügelten Verbrauch von 10,4 Liter pro 100 Kilometer auf der Testrunde. Unterwegs verblüfft die relativ geringe Geräuschkulisse, die manch deutlich teurerem Modell gut zu Gesicht stünde. Mal ein verhaltenes Klappern der Duschtüren oder ein minimales Quietschen des Hubbetts – das ist alles, was Auf- und Ausbau zu den normalen Fahrgeräuschen beizutragen haben. Das Fahrverhalten zeigt sich als gutmütig, ja geradezu narrensicher. Dennoch sollte an der Sicherheitsausstattung nicht gespart werden. Der Fahrerairbag ist Serie, der Luftsack für den Beifahrer und das ESP gehören zum praktisch obligatorischen Chassis-Paket – so ist es üblich in dieser Klasse. Die Gurtplätze hinten entsprechen den neuen Zulassungsvorschriften, ein FI-Stromschutzschalter ist ebenso vorhanden, scharfe Ecken und Kanten treten nirgendwo gefährlich in Erscheinung.    

Ausstattung & Preise 

Packt man vernünftigerweise den 130-PS-Motor und die beiden Pakete mit drauf, bekommt man für rund 45.000 Euro ein großzügiges Zwei-Personen-Mobil, das viel Nutzwert fürs Geld bietet und sich vor keiner Konkurrenz verstecken muss. Beim spitzen Rechenvergleich mit anderen Angeboten, sollte man auch stets die dort teils hohen Nebenkosten mit einkalkulieren. Nicht direkt in Geld aufzuwiegen sind zudem die fünfjährige Dichtigkeitsgarantie und die über 90 Servicestellen hierzulande sowie rund 150 weitere verteilt auf fast alle übrigen Länder Europas.

Lichtcheck (angelehnt an DIN EN 12464-1)

1. Mit 148 Lux im Mittel und 264 maximal ist die Helligkeit zwar nicht optimal, aber besser als bei manch teurerem Modell.
2. Bis zu 327 Lux am Kocher sind sehr gut. An der Spüle sind es allerdings nur noch um die 100 Lux.
3. Die Badbeleuchtung ist zu ungleichmäßig. 219 Lux im Mittel sind für die Dusche nahezu vorbildlich.
4. Das Leselicht am Heckbett ist befriedigend (ca. 150 Lux), am Hubbett aber eindeutig zu schwach.

Die Baureihe des Sunlight T

Preise: 35.499–41.399 Euro
Basis: Fiat Ducato
Länge: 5,98–7,43 m
Gesamtgewicht: 3.495 kg
Modelle: Die Hälfte der zehn T-Modelle ist optional mit Hubbett über der Sitzgruppe erhältlich. Als kurze Querbett-Alternative zum Testmodell dient der T 60 (Länge 5,98 m). Alle anderen setzen auf Längsbetten: drei mit Einzel-, drei mit Doppelbett seitlich, zwei mit Queensbett. T 68 und T 69 S gibt es gerade als üppige Jubiläumsmodelle.

Beladungstipps
Mit dem serienmäßigen 3,5-t-Chassis bietet der Sunlight-Testwagen angemessene Zuladungsreserven für zwei Personen. Wer das Hubbett mitordert und es auch häufiger für den Vier-Personen-Einsatz nutzen möchte, sollte eine Auflastung auf 3,85 t zumindest in Betracht ziehen. Das Heavy-Chassis taucht in der Preisliste erst gar nicht auf.

Zuladung pro Rad Reifentragfähigkeit
: Reifentragfähigkeit Zuladung pro Rad vorne links 1.030 kg, vorne rechts 270 kg, hinten links 290 kg, hinten rechts 260 kg

promobil-Leergewicht*: 3.030 kg
Zul. Gesamtgewicht: 3.495 kg
Zuladung gesamt: 465 kg

Teilintegrierter der Einsteigerklasse für 2–4 Personen

Mehr technische Details finden Sie auf der Unterseite "Technische Daten" oder im kostenpflichtigen PDF-Download.

Vergleichstest: Forster T 738 EB/Sunlight T 67/ Weinsberg TI 700 MEH

Foto

Ingolf Pompe, Jürgen Bartosch

Datum

24. Dezember 2014
Dieser Artikel stammt aus Heft promobil 12/2014.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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