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Hymer Car 302 im Test: Der Campingbus kommt mit neuartigen Ideen

Exklusiv im Supercheck: Der kurze Hymer Car 302. Mit Klappdach und neuartigen Ideen will das Kompaktwohnmobil künftig California und Co. Konkurrenz machen.

Exklusiv im Supercheck: der kurze Hymer car 302. Mit Klappdach und neuartigen Ideen will der Baby-Hymer künftig California und Co. Konkurrenz machen.

Klappen gehört zum Handwerk – insbeson­dere in der kleinsten Reisemobilklasse, den Aufstelldachcampern. Etwas Kompromissbereitschaft darf hier schon aus Platzgründen vorausgesetzt werden, dennoch gilt es den schmalen Grat zwischen pfiffigen Umbaulösungen und nerviger Puzzelei nicht zu überschreiten. Wo sich der Hymer Car 302 mit seiner modularen Einrichtung einsortiert, muss er im Supercheck zeigen.

Fahren

Mit Sportline-Paket macht der 302 eine besonders gute Figur. 
Will man die Fahreigenschaften des kleinsten Hymer bewerten, stellt sich die Frage, von welcher Seite man schaut. Aufstelldachcamper auf Basis des VW T5 oder Mercedes Viano bieten mehr Federungskomfort und eine Pkw-ähnlichere Sitzposition, Fahrerhausanmutung und -ausstattung. Höhe und Breite bleiben in dieser Kategorie unter zwei Metern, und damit unter dem kritischen Maß für Tiefgaragen und Durchfahrtsverbote. Da kann der Car 302 als Fiat-Ducato-Ausbau karosseriebedingt nicht mithalten. Wer ihn aber als kompakte Alternative zu typischen Ducato-Campingbussen à la Pössl mit mittel oder langem Radstand sieht, erfreut sich an der quirligen Handlichkeit und der relativ einfachen Parkplatzsuche.

Moderate Höhe und Gewicht lassen zudem genügsame Verbrauchswerte von unter neun Litern zu. Der 2.3-Liter-Motor mit 120 PS ist die vollauf zufriedenstellende Wahl. Optik und Fahrverhalten beeinflusst das optionale Sportline-Plus-Paket mit 17-Zoll-Rädern. Die schicken 255er-Pneus fahren sich dabei gar nicht so unkomfortabel wie befürchtet. Einzig für Spurrillen zeigen sie sich er­wartungsgemäß empfänglich, und der finanzielle Einsatz ist mit 2790 Euro kein Fall für die Portokasse. Viel günstiger wird’s, wenn man sich mit 15-Zöllern begnügt.

Zum attraktiven Auftritt des Test-Hymer gehören zudem die Optionen Metallic-Lack für Karosserie und Aufstelldach sowie LED-Tagfahrlichter, die allerdings die Trittstufen im Stoßfänger unbrauchbar machen. In der Summe rund 4800 Euro, die vor allem für Optik ausgegeben werden können. Wer mehr den Kompakt-Camper als den Boulevard-Cruiser sucht, spart sich das, zumal dem Car auch weiß gut steht.

Wohnen

Mehr Schlafkomfort dank neu- ­artiger Bank-Bett-Kombination. 
Wie üblich in Kompaktmobilen wird auch beim Car 302 die Sitzbank mit zum Bettenbau herangezogen. Ungewöhnlich ist jedoch die Ausführung. Zwei klappbare Lattenroste und die Rückseite der Banklehne werden zusammen zum Längsdoppelbett. So lassen sich Sitz- und Liegeflächen unterschiedlich polstern, was dem Schlafkomfort spürbar zu­­­gutekommt. Mit 1,90 Meter ist die Liegelänge jedoch etwas knapp, und es sind schon einige gezielte Handgriffe notwendig, um das Bett vollständig auf- und abzubauen. Derweil müssen Bettzeug, Matratzen und Gepäck anderswo zwischengelagert werden – das will man nicht zweimal täglich haben.

Lässt man die Heckliegefläche gebaut und klappt nur die Bank zurück, bleiben die Schränke und eine Küchenschublade kaum nutzbar. Hilfreich wäre eine gesicherte Zwischenstellung, bei der die linke Lattenrosthälfte in Schlafposition bleibt und die rechte senkrecht gestellt wird. Matratzenteile und Bettzeug könnten in der Ecke verbleiben und unter dem Rost das Gepäck. Hymer will diesen Vorschlag prüfen.

Auch die eigens für den 302er konstruierte Unex-Sitzbank überrascht mit Besonderheiten. Die umklappbare Lehne bietet neben der Fahr- und Schlafposition noch eine Relaxstellung, zwei Dreipunktgurte sind integriert, und die Polster weisen eine gewisse Konturierung auf. Obendrein lässt sich die Sitzbank in Schienen an der Konsole um fast 20 Zentimeter verschieben, so dass Heckpassa­giere beim Fahren näher ans Cockpit rücken können. Gut für diesen Einsatz ist auch die durchdachte Unterbringung des Tisches in der Seitenverkleidung. Sicher, platzsparend und klapperfrei steht er senkrecht neben der Bank.
Ist eine Essecke gefragt, erleichert ein ausfahrbarer Griff  das Entnehmen der Platte, dennoch entstehen dabei leicht Macken. Anschließend wird der Tisch an der Wandschiene eingehängt und der Fuß ausgeklappt – fertig ist die relativ großzügige Tafel. Die gesamte Sitzgruppe steht auf einem Podest, in dem auch die Warmluftrohre der optionalen Kraftstoffheizung verlegt sind.  

Beladen

Der Heckbereich des 302 wird flugs zum Möbeltransporter. 
Im Bodenpodest findet sich zudem ein Fach für Kleinkram. Insgesamt bietet der 302 etwas mehr Stauraum als typische Kompaktcamper. Neben dem Kleider- und zwei Hängeschränken liegt dies vor allem am praktischen Rolltor-Regal­schrank. Das Klappbett macht den Heckbereich für Transportzwecke flexibel nutzbar. Vier Zurrösen helfen bei der Ladungssicherung. Noch mehr Platz gibt es, lässt man die Küche zu Hause. Und damit sind wir bei der überraschendsten Idee des Car 302: Der gesamte Küchenblock ist über drei, teils etwas schwierig erreichbare Schrauben am Boden fixiert. Sind sie gelöst, lässt sich der Küchenblock an zwei stabilen Bügeln nach draußen heben – vier kräftige Hände sind dafür allerdings nötig, da der Küchenblock schon leer rund 60 Kilo wiegt. Zuvor müssen noch die Wasserzu- und -abläufe mittels Schnellkupplung seitlich am Regalschrank abgetrennt werden. Die Elektroleitung reicht bis nach draußen.

Die Wasserversorgung wird mit zwei Verlängerungsstücken wieder funktionsfähig. Da auch die 2,75 Kilo Gasflasche im Küchenblock unterkommt, kann man so tatsächlich im Freien unter der Markise oder in einem Vorzelt kochen. Plant man einen Ausflug, oder will nachts die Schiebetür schließen und die Küche draußen stehen lassen, löst man einfach die Leitungen. Um den Kühlschrank weiter zu betreiben, kann er über ein Netzteil auch direkt eingesteckt werden. Die Autarkie der Küche könnte man sogar noch weiter treiben, indem man auch die Tauchpumpe mit Frischwasserkanister draußen anschließbar macht und für’s Abwasser ein Gefäß vorsieht.

Der kompakte Küchenblock nutzt sein begrenztes Volumen bestens aus. Neben dem Gaskasten und dem erstaunlich geräumigen Kompressorkühlschrank bleibt noch Raum für zwei solide Schubladen – eine mit Besteckkasten. Die Kocher-Spülen-Kombination lässt auch noch ein gutes Maß an Arbeitsfläche übrig. Zudem gibt es ein ausziehbares Anrichtebrett. 

Technik

Das Aufstelldach ist optisch und qualitativ gut gemacht. 
Bei aufgestelltem Dachbett ist die Stehhöhe an der Küche üppig, allerdings stört der breite Rahmen am Dachausschnitt, will man sich etwa zum Spülen vorbeugen. Ansonsten macht die Aufstelldachkonstruktion einen hochwertigen und durchdachten Eindruck. Ein großer Grundrahmen mit integrierten Spoilern vorn und hinten sitzt sauber auf dem Dachausschnitt. Auch die Dachschale ist aufwendig geformt und überkragend ausgeführt, was sich bei Regenwetter bewährt.

Eingelassene Schienen se­hen die Montage eines Dachträgers vor. Der Liegekomfort mit Kaltschaummatratze, Lattenrost und stattlichen Liegemaßen nebst guter Kopf- und Bewegungsfreiheit lässt kaum Wünsche offen. Auch an eine Einhängeleiter wurde gedacht. Allerdings fehlt ein Sicherungsnetz gegen abstürzende Kopfkissen oder Schlimmeres.

Als Basis des Car 302 dient nicht der nackte Blechkastenwagen, sondern der elegant verglaste Kombi. Die Scheiben sind nicht isoliert. Gleiches gilt auch für Wände und Abwassertank – Urlaub im Schnee ist nicht vorgesehen. Mit der optio­nalen Kraftstoffheizung und ihrer guten Warmluftverteilung sollten aber kurze Touren in der kalten Jahreszeit kein Problem darstellen.

Kosten

Zum Grundpreis ist der Car 302 noch kein echtes Reisemobil.
Knapp 28 000 Euro für einen neuen Hymer – das klingt verlockend. Doch damit ist der Car 302 erst ein Freizeit-, noch kein echtes Reisemobil. So sehen es übrigens auch die Zulassungs- und Steuerbehörden. Mindestens das Aufstelldach- und das Küchenpaket müssen zur Serienausstattung aus Sitzgruppe, Klappbett und Schrankmodul hinzukommen, um die Anerkennung als Wohnmobil zu erlangen. Die Küche funktioniert aber nicht ohne Elektropaket, und das Streetline-Paket ist genau genommen auch obligatorisch, enthält es doch etwa die dreh- und verstellbaren Fahrerhaussitze. Packt man noch die Kraftstoff-Heizung dazu, klettert der realistische Grundpreis auf 41 550 Euro.

Modelle: Neben dem kurzen 302 gibt es den 322 mit langem Radstand, Original-Blechhochdach und klassischem Querbett-Grundriss. Die mittellange Version Car 312 wurde aus dem Programm gestrichen.

Typ: Campingbusse
Schlafplätze: 2
Preis: 50.000 bis 60.000
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Autor

Foto

Foto: Uli Regenscheit

Datum

6. Dezember 2009
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