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Vergleichstest: Schneeketten 13 Bilder Zoom

Schneeketten im Test: Rasselbande

Wenn es dicke Flocken schneit, freut sich der Wintersportler, doch die Straße wird zur Rutschbahn. Neun Schneeketten mussten im Härtetest ihre Qualitäten beweisen – damit Sie sicher ankommen.

Für manchen hat der Klimawandel auch sein Gutes. Vielleicht können bald die ungeliebten Zubehörteile für den Winter aus Kofferraum und Handschuhfach verschwinden. Wer mag schon Eis kratzen oder Schneeketten montieren? Keiner!

Doch nicht zu früh gefreut. Die Prognosen sprechen auch von häufigeren Extremwetterlagen, und dann sind die scheinbar überholten eisernen Stützstrümpfe selbst auf modernen Top-Winterrreifen wieder gefragt. Bergauf können Allrad-, Schlupf- und Fahrdynamikregelsysteme ihr ganzes Können ausspielen. Zur Not bleibt die Fuhre einfach stehen. Anders ist das bergab und, vor allem, auf Eis: Versagt der Grip – auch Allradler haben hier gegenüber front- oder heckgetriebenen Mobilen keinen Vorteil –, droht Kontrollverlust.

Also doch Schneeketten, nur welche?

Von günstigen Produkten aus dem Baumarkt oder vom Discounter bis hin zu hochpreisigen Edelketten in den Designverpackungen der Fahrzeughersteller ist alles zu haben. Dazu gibt es verschiedene Montagesysteme: Kompakt zusammenfalten lassen sich etwa die bewährten Seil-Ringketten. Hier dient ein kräftiges Stahlseil dazu, die Kette hinter dem Reifen festzuhalten.

Vorteil dieses Systems: Unter günstigen Umständen sind diese Ketten sogar im Stand montierbar. Der Nachteil: Die Enden des Stahlseils müssen von Hand im oft engen Radhaus hinter dem Reifen miteinander verbunden werden. Eine, besonders bei Fahrzeugen mit Heckantrieb schwierige und oft auch eine reichlich schmutzige Angelegenheit.

Für eben diesen Anwendungsfall empfehlen sich die, jedoch im Packmaß nicht ganz so kompakten Federstahl-Ringketten. Zur Montage muss dabei lediglich ein radgroßer Federstahlbügel über den Reifen gelegt werden. Eine ausgeklügelte Kettenumlenkung führt die beiden Federstahl-Enden dann zusammen und ermöglicht so das Spannen der Kette. Im Idealfall sollte dazu das Rad um etwa eine Viertelumdrehung weitergerollt werden.

Echte Standmontage, gibt es die überhaupt?

Im Prinzip schon, doch die Nachkontrolle nach den ersten Metern Fahrt muss sein. Eine kurze Sichtprüfung und ein kräftiges Ziehen und Rucken an der Kette decken schnell Montagefehler und zu geringe Kettenspannung auf. Teure Lack- und Blechschäden am Kotflügel, Schäden an Bremse, Bremsleitungen und ABS-Sensorik lassen sich so vermeiden. Selbst bei automatisch nachspannenden Ketten wie etwa der Pewag Servo und der Thule XD 16 sollte auf die Nachkontrolle nicht verzichtet werden.

Wie einfach und sicher die Ketten aufgelegt werden können, haben wir unter dem Punkt „Montage“ bewertet. Gut funktionierende, selbst nachspannende Systeme konkurrieren hier mit hakligen und teils auch scharfkantigen Blechpress-Schließen der günstigeren Konkurrenz. Einfach, sauber und sicher klappt die Montage der Thule XD 16 und der Pewag Servo. Auch die beiden Federstahl-Ringketten von RUD und die Modelle von Ottinger lassen sich selbst mit klammen Fingern noch passabel montieren, bei Rinder und Filmer hängt’s und hakt’s bei der Montage, doch auch hier ist das Anlegen, etwas Übung vorausgesetzt, gut machbar.

Praxistest in Kühtai in Österreich

Hier oben, Passhöhe 2000 Meter, ist es steil und kalt genug, den neun Ketten von Filmer, Ottinger, Pewag, Rinder, RUD und Thule auf den Zahn zu fühlen. Auf der Eisbahn, einer tief in den Schnee gefrästen und mit Hunderten Kubikmeter Wasser gefluteten und vereisten Rinne, geht’s aufs Ganze: Langsam anrollen, dann Vollgas und los! ASR? Nein danke! Ketten brauchen Schlupf, ein Schlupfregelsystem wirkt angesichts des auf Fräswirkung basierenden Arbeitsprinzips von Ketten eher kontraproduktiv. Grobgliedrige Ketten sind hier beim Beschleunigen wie beim Bremsen im Vorteil, und so besetzen die Pewag Brenta und besonders die bissige RUD Star Track mit ihren Winkelstegen die Spitzenplätze. Der Winterreifen, der als Referenz mitgetestet wird, fällt weit zurück.

Weiter geht’s auf Schnee

Mit dem passabel arbeitenden Schlupfregelsystem kämpft sich der Michelin-Agilis-Alpin-bereifte Ducato in knapp 21 Sekunden durch den lockeren Neuschnee auf Tempo 50. Sind Ketten montiert und das ASR ausgeschaltet, kommt Dynamik ins Spiel: Auch hier sind es die gröberen Eisen wie Filmer, Pewag Brenta und die Rud Star Track, die den Fiat in rund 13 Sekunden über die 50-km/h-Marke zerren und ebenso sicher verzögern. Die etwas feingliedrigeren Kandidaten folgen knapp dahinter, ebenso auf hohem und sicherem Traktions- und Bremsniveau.

Auf festgefahrenem Schnee wird das Abrollverhalten der Ketten, Vibrationen, Geräusche oder etwa auch ein Schlagen von Kettenteilen gegen Kotflügel oder Fahrwerk bewertet. Hier zahlt sich gute Passform der Kette sowie ein gut funktionierendes Spannsystem aus. Feingliedrige Ketten laufen dabei tendenziell ruhiger als der vergleichsweise raue Stahl der Traktionskönige. Den besten Spagat zwischen Laufruhe und Traktion schafft die Winkelsteg-Kette RUD Star Track.

Die Tortur im Labor

Der 48-Stunden-Salzsprühnebeltest stellt den Korrosionschutz der Ketten auf eine harte Probe. Schon nach wenigen Stunden zeigen die fabrikneuen Kettenstücke unterschiedliche Verfärbungen, die schützende Zinkschicht opfert sich für den wertvollen, zugfesten Stahl darunter. Die Unterschiede sind markant: Nach zwei Tagen und zwei Nächten unter der Salzwasserdusche sind etliche der Kettenstücke braun vor Rost, andere wiederum unbeeindruckt blank. Teurere Markenprodukte mit dickeren Zinkschichten liegen hier klar vorn.

Außerdem interessiert die mechanische Belastbarkeit der Ketten. Hält das Kettennetz, etwa beim plötzlichen Einhaken des durchdrehenden Rades am festen Untergrund? Die Zerreißprobe bringt es an den Tag: Jeweils zwei Spurkreuze einer Kette werden nacheinander hydraulisch bis zum Bruch gedehnt, die Zugkräfte permanent erfasst. Ergebnis: Die Norm wird von allen Produkten erfüllt, von einigen gar um fast zehn Prozent übertroffen.

Zu guter Letzt: Die Asphaltpiste

Zuletzt wird das Verschleißverhalten der Ketten auf einer abgesperrten Asphaltpiste geprüft. 50 Kilometer mit höchstens Tempo 50 bringen den Stahl an seine Grenzen. Entscheidend für die Haltbarkeit sind dabei nicht nur die Materialstärke und die Stahlqualität, sondern auch die Geometrie der Kette. Während bei einfacheren Produkten ganze Kettenglieder fast durchgescheuert werden, ist an Markenketten kaum Abrieb messbar. Aber auch hier wird die schützende Zinkschicht zerstört. Ketten, Reifen und Straße leiden. Also, bei schneefreier Bahn Ketten so schnell wie möglich runter.

Auf der nächsten Seite verraten wir, welche Schneekette sich am Besten geschlagen hat. Außerdem: Tipps zum Fahren und Montieren und mehr Details darüber, wie promobil testet. Alle ausführlichen Testergebnisse finden Sie zum Download im PDF.

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Kostenlos herunterladen Schneeketten für Wohnmobile im Test (PDF)
Vergleichstest: Sommerreifen

Autor

Foto

Ingolf Pompe, Thiemo Fleck

Datum

5. Januar 2014
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