Alles über Rockwood Classic
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Rockwood Classic Royal 310 EB: Im Herzen Amerika

Der Rockwood Classic Royal läuft auf einem MAN-Chassis vom Stapel und bleibt im Herzen dennoch ein Amerikaner.

Keine leichte Frage: Ist der Rockwood Classic Royal nun Deutscher oder Amerikaner? Gebaut wird er in Swisttal-Heimerzheim von deutschen Handwerkern nach dem Vorbild amerikanischer Motorhomes. Die Möbel, viele Accessoires und Teile der Bordtechnik stammen aus Übersee, die Wände dagegen aus den Niederlanden und die Basis aus Bayern: Aufgebaut ist der getestete 310 EB auf einem luftgefederten MAN-Bus-Chassis mit 220-PS-Frontmotor.
Die Zuladung des 10-Tonnen- Fahrgestells übersteigt beim Testwagen die Marke von 1,5 Tonnen. Dennoch rutscht die vordere Achslast nahe an die kritische Grenze. Das Mobil war allerdings auch bis unter die Dachkante mit gewichtigem Zubehör ausgestattet.
Wenig amerikanische Leichtigkeit vermittelt der Rockwood auf MAN beim Fahren. Eher fühlt man sich daran erinnert, dass Omnibusfahrer in der Tat ein Beruf ist. Wenn man die Pedale tritt, am Lenkrad dreht oder den Schalthebel schwingt, erinnert das an Arbeit. Alles geht etwas zäher als beim Pkw von der Hand. Dafür entschädigt ein toller Überblick, der nach hinten wegen ungünstig platzierter Rückspiegel weniger gut ausfällt. Im erlaubten Geschwindigkeitsbereich bis 80 km/h geht der Turbodiesel druckvoll ans Werk und lässt die Landyacht flott im Überlandverkehr mitschwimmen.

Dank aufwendiger Dämmung hält sich das Motorengeräusch dezent zurück. Die Luftfederung sorgt für Komfort, wenn sie auch bei kurzen Schlägen an ihre Grenzen kommt. Die Plattform des Fahrerhauses wurde so weit angehoben, dass Cockpit und Kabinenboden in einer Ebene liegen. Diese Maßnahme ermöglicht dem Fahrer bequemen Zugang zum Arbeitsplatz und gewinnt Raum fürs Wohnzimmer. Beifahrer- und Fahrersitz lassen sich drehen, letzterer lässt sich auch noch pneumatisch liften, um auf ein Niveau mit Tisch und Sofa zu kommen. Durch die drehbaren Sitze und den klapp- und verbreiternachbaren Tisch kann die gute Stube sehr variabel gestaltet werden. Vom TV-Zimmer für zwei bis zur Tafelrunde. Sehr praktisch ist ein Brett, das den Treppenschacht bei Bedarf abdeckt und dadurch Raum schafft. Auf das Wohnzimmer folgt die Winkelküche, die kaum Wünsche offen lässt: Haushaltsgaskocher, riesiger Kühlund Gefrierschrank, Doppelspüle und jede Menge Stauraum erfreuen den Küchendienst. Eine niedrige Lade mit Besteckeinteilung fehlt allerdings. Überraschen kann der kräftige amerikanische Dunstabzug, der gleichzeitig das Kontrollbord beinhaltet. Kleine Nachlässigkeit am Rande: Die Holzumrandung der Arbeitsfläche ist nicht verfugt. Darunter kann sich Feuchtigkeit und Schmutz sammeln. Der Sanitärraum im Rockwood geizt nicht mit seiner Pracht. Der Porzellan-Toilette, dem Waschtisch und der goldenen Duschecke stehen drei mannshohe Kleiderschränke gegenüber. Hier darf man mit Lust Hygiene betreiben und wird von zahlreichen Spiegeln bis ins Unendliche multipliziert. Schiebetüren teilen den Raum nach vorne und hinten ab. Im Heck wartet das Schlafgemach mit Einzelbetten. Opulente Matratzen aus US-Produktion wiegen hier sanft in den Schlaf.

Der Möbelbau im Rockwood kann größtenteils überzeugen. Hier wird Massivholz in echter Schreinermanier verarbeitet. Beschläge und Führungen funktionieren korrekt. Unschön wirken aber verkittete Tackerlöcher oder Kantenleisten und Schraubenabdeckungen aus herkömmlichem Kunststoff. Unter dem Wohnbereich ist der Rockwood unterkellert – dicke GfK-Wände teilen das Untergeschoss, das wiederum an den Wagenflanken von mächtigen Klappen aus isoliertem GfK-Sandwich abgeschlossen wird. Lob verdienen die Klappenschlösser, die tadellos funktionieren, dicht halten und sich gegebenenfalls einfach mit einem Gabelschlüssel nachbaren stellen lassen. Alle Sparten der Bordtechnik haben unten eigene Räumlichkeiten. Ob Wasser, Gas, Heizung oder Strom – sämtliche Installationen sind übersichtlich und funktionell. Das Fahrzeug absolvierte den Test auch bei Minustemperaturen und bestand die Prüfung auf Wintertauglichkeit mit Bravour. Der beheizbare Doppelboden sorgt für warme Füße ebenso die in der Startphase laute Warmwasserheizung von Webasto, die dafür schnell aufheizt. Hilfreich ist dabei eine Leistung von neun Kilowatt und die gute Verteilung der Konvektoren, die am Rand entlang rund um das Fahrzeug bis ins Fahrerhaus reichen. Wer den opulenten Charme amerikanischer Motorhomes mag, bekommt beim Rockwood insgesamt viel Reisemobil fürs Geld. Die genaue Spezifikation entscheidet der Käufer. So ist auch die Wahl des MAN-Chassis am Ende reine Geschmacksache.

Technische Daten (Stand: Mai 2001)
Hersteller: Rockwood
Modell: Classic Royal 310 EB
Basisfahrzeug: MAN 10.220 Bus-Chassis
Typ: Integrierter
Preis: ab 198330 EUR
Sitze mit Gurt: 2
Schlafplätze: 2
Zul. Gesamtgewicht: 8655 kg
Länge: 9000 mm
Breite: 2440 mm
Höhe: 3560 mm
Basismotor: Diesel
KW: 162
PS: 220
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Datum

21. Mai 2001
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