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Roadcar vs. Knaus Box Star 33 Bilder Zoom

Roadcar R 600 vs. Knaus Box Star im Test: Welcher Campingbus bietet mehr fürs Geld?

Zwei Campingbusse, identische Grundrisse, aber zwei Welten: Der Roadcar R 600 lockt mit seinem günstigen Preis, der Knaus Box Star Plus Street 600 mit einer üppigen und luxuriösen Ausstattung. Was Käufer am untersten und obersten Ende der Preisskala erwartet, zeigt der Vergleich. 

Campingbusse auf Fiat Ducato-Basis sind beliebt. Das zeigen nicht nur die Verkaufszahlen, sondern auch die wachsende Vielfalt an Grundriss- und Ausstattungsvarianten, die in diesem Segment auf den Markt kommen. Anders als bei Integrierten oder Teilintegrierten, die vor allem mit längs eingebauten Einzelbetten gefragt sind, werden Campingbusse vorrangig in der Sechs-Meter-Version mit Querbett verkauft. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Diese Fahrzeuge bieten einen sehr guten Kompromiss aus vollwertiger Wohnausstattung, passablen Fahreigenschaften und genügend Alltagstauglichkeit. 

Zwei Campingbusse mit Querbett im Vergleich: Knaus gegen Roadstar

Kompromiss ist auch das Stichwort in diesem Vergleich. Denn die beiden Duellanten verlangen von ihren Käufern eine gewisse Bereitschaft, einen solchen einzugehen: Der Roadcar 600 macht sich über einen schier unschlagbar günstigen Preis attraktiv, verlangt von seinen Käufern allerdings auch Zugeständnisse bei der Qualität von Ausstattung und Verarbeitung. Der Knaus Box Star Plus markiert die Speerspitze im Campingbus-Angebot von Knaus und zählt zu den exklusivsten Vertretern in seinem Segment. Er bezirzt Kaufinteressierte mit edlen Materialien und einer reichhaltigen Einrichtung. Wer ein Auge auf den ausschließlich mit brauner Lackierung erhältlichen Plus geworfen hat, muss allerdings auch bereit sein, tief in die Tasche zu greifen. 

Wie tief, zeigt der Blick auf die Preisliste. Für den sechs Meter langen Knaus Box Star Plus Street 600 verlangt der Hersteller mindestens 55.990 Euro. Im Grundpreis ist zwar schon vieles enthalten, ein paar Extras treiben den Preis des zu diesem Vergleich angetretenen Modells aber noch mal gut 2000 Euro in die Höhe. Im Vergleich dazu stellt der Roadcar 600 mit einem Grundpreis von 32.999 Euro ein sagenhaftes Schnäppchen dar. Der in der Basis aber noch recht nackte Campingbus rollt mit diversen Extras mit einem Gesamtwert von gut 38.000 Euro in die Redaktion. 

20.000 Euro Differenz liegen also zwischen den beiden Fahrzeugen. Das entspricht dem Wert eines Kompaktwagens oder aktuell knapp 20.000 Litern Diesel aus deutschen Zapfsäulen. Bei einem Durchschnittsverbrauch von 10 Litern auf 100 km würden die Ducato-Camper damit in etwa 200.000 km weit kommen. Liegt ein Kauf des teuren Knaus Box Star Plus also fernab jeglicher Vernunft? Und kann der günstige Roadcar überhaupt alle Anforderungen an einen Campingbus erfüllen? Machen wir den Vergleich. Günstig gegen edel. 

Roadcar R 600
Roadcar R 600

Sollte es noch unbekannt sein: Roadcar ist die jüngste Marke aus dem Hause Pössl. Mit ihren rekordverdächtig günstigen Preisen (das Angebot beginnt mit dem R 540 ab 29.999 Euro) richten sich die Modelle vor allem an Campingeinsteiger, die nach einem vollwertig ausgestatteten Campingbus für wenig Geld suchen. 

Widmen wir uns gleich dem Preis des Campingbus: Die Prospekte machen schnell klar, dass kaum ein Fahrzeug die Produktionshalle in der Basisausstattung verlassen dürfte, denn welcher Reisemobilist möchte im Urlaub mit dem eigenen Fahrzeug schon auf Verdunkelungsvorhänge im Fahrerhaus, eine Duschausrüstung, Fensterrollos oder eine Klimaanlage verzichten? 

Auf den Einstiegspreis des Roadcar R 600 sollten daher immer gleich auch die beiden einzigen und zugleich sehr empfehlenswerten Pakete hinzugerechnet werden. Das Chassis-Paket für 1599 Euro ist alleine schon deshalb essenziell, da es den Beifahrer-Airbag enthält, der nicht als Einzelposten geordert werden kann. Sinnvolle Erweiterungen der Inneneinrichtung wie der erwähnte Sichtschutz oder eine Trittstufe und ein Mini Heki überm Bett finden sich im Basic-Paket, das 999 Euro Aufpreis kostet. 

Nun bleibt der Roadcar R 600 aber auch mit den beiden Paketen noch immer ein sehr günstiges Angebot. Mit den Ausbau-Standards der Pössl-Modelle dürfen Käufer aber nicht rechnen. Die Inneneinrichtung ist schlicht, für die Möbel aus Sperrholzplatten gibt es lediglich ein einfarbiges Holzdekor, die Schubladen und Klappen der Oberschränke kommen mit einfachen Kunststoffgriffen und Drucktastenschnäppern. Einzugsdämpfer gibt es nicht. Für die Verkleidung der Innenwände setzt der Hersteller auf einfache Kunststoffformteile ohne Bezüge. An der Verarbeitung gibt es dagegen kaum etwas zu meckern. Während der Fahrt bleibt der Ausbau akustisch zurückhaltend, lediglich von der Glasabdeckung des Herds ist ein leichtes Klappern zu hören. Bei der Grundrissgestaltung folgt der Günstig-Bus dem Standard in diesem Segment. Okay, in der Sitzgruppe mit den zweifarbigen Stoffpolstern geht es etwas beengt zu, und der Beifahrersitz ist ohne eine Tischerweiterung nicht wirklich gut eingebunden. Dafür bietet der Roadcar R 600 für 300 Euro Aufpreis ein drittes Bett an der Sitzgruppe, das quer über die gesamte Fahrzeugbreite verläuft. 

Die Küchenzeile fällt recht groß aus, hat aber ein paar Schwächen bei der Ausstattung. Dreiflammkocher und Spüle sind in einem Edelstahlbauteil zusammengefasst. Der Platz auf dem Herd ist deshalb stark begrenzt. Zudem kann Spritzwasser von der Spüle leicht herüberschwappen und die Flammen löschen. Ein Verlängerungsbrett gibt es ebenso wenig wie eine richtige Abgrenzung zum Schlafbereich. 

Jeweils zwei Schubladen und Schränke schaffen ausreichend Stauraum für einen Grundvorrat an Besteck, Geschirr und Lebensmittel. Im Vergleich zum Knaus reichen die Oberschränke im Roadcar R 600 nur bis zur Hälfte der Küchenzeile. Das hat aber auch den Vorteil, dass die Schiebetür von innen leichter zu erreichen und zu schließen ist. Der 80 Liter große Kompressorkühlschrank ist an der Stirnseite der Küche platziert und hier viel besser zugänglich als im Mittelgang. 

Wenig Begeisterungruft das sehr kleine Bad hervor mit Klappwaschbecken, Kassettentoilette, kleiner Dachhaube, aber ohne Halterung für die Duschbrause. Vor allem Großgewachsene fühlen sich eingeengt. Immerhin wird seit Dezember eine Holztüre anstelle der fummeligen und durchsichtigen Falttür aus Plexiglas eingebaut. 

Beim Stauraum ist der Roadcar R 600 dagegen alles andere als geizig. Sechs Oberschränke und ein Kleiderschrank (ca. 120 L) zwischen Bad und Sitzgruppe bieten Platz fürs Gepäck. Was ständig an Bord bleiben soll, ist in den Zusatzfächern der hinteren Seitenkästen gut aufgehoben. Der Heckstauraum ist mit ca. 820 Litern etwas größer als im Box Star Plus und kann noch erweitert werden. 

Abstriche bei der Ausstattung machen sich beim Bett bemerkbar, das zwar mit bequemen Matratzen, aber ohne Lattenrost ausgestattet ist. Auch die vorgehängten Kunststofffenster und die wenig effektive Innenbeleuchtung zeigen die Sparmaßnahmen auf. 

Das Wichtigste erfüllt der R 600 aber ganz hervorragend: seinen Zweck. Daher ist er ein klarer Tipp für alle Sparfüchse.

Knaus Box Star Plus Street 600
Knaus Box Star Plus Street 600 

Umstieg in das obere Ende der Ducato-Bus-Preisskala. Kaufinteressierte, die das eigene Budget weit unterhalb der für den Knaus Box Star Plus mindestens fälligen 55.990 Euro gesteckt haben, sollten das lieber nicht tun. Denn der Edel-Bus weckt Begehrlichkeiten. 

Die braune Außenlackierung mit den kupferfarbenen Stoßfängern und der mosaikartigen Folierung ist Geschmacksache, keine Frage. Das Interieur dürfte aber kaum noch Wünsche offen lassen, zumindest was die Ausstattung angeht, denn der Plus ist bereits in der Basis üppig ausgerüstet. Zu den Sonderposten im Testwagen zählen lediglich das Navigationssystem mit Rückfahrkamera, zwei Leseleuchten und eine zusätzliche Batterie. Alles Weitere ist Serie. Auch 16-Zoll-Aluräder, die für die kalte Jahreszeit allerdings gegen Winterreifen auf Stahlfelgen getauscht wurden. 

Im Innenraum herrscht eine gemütliche Atmosphäre. Die Polster der im Vergleich zum Roadcar geräumiger ausgelegten Sitzgruppe tragen braune Stoff-Leder-Bezüge, der Boden ist mit Schiffholz-Laminat ausgelegt, die Schrankklappen und einige Schubladen in Holzoptik foliert – stimmige Kontraste in der ansonsten hell gehaltenen Einrichtung. Lederbezüge an den Wandverkleidungen und die Ambientebeleuchtung vom Boden bis über die Oberschränke verfeinern die Einrichtung zusätzlich. 

Dank der Tischverlängerung ist auch der Beifahrersitz gut in die Sitzgruppe eingebunden. Die Rückbank besteht aus zwei schmalen Einzelsitzen mit Dreipunktgurten und Isofix-Halterungen. Der gangseitige Platz ist zudem mit einer Armlehne versehen und kann nach außen gerückt werden. Mit dem mitgelieferten Zusatzpolster wird aus der Sitzgruppe bei Bedarf ein kleines Bett in Längsrichtung. 

Die großzügig dimensionierte Küche ist mit Drei-Flamm-Kocher, tiefer Spüle und 90 Liter großem Kompressorkühlschrank ausgestattet. Küchenutensilien und Lebensmittel finden in fünf großen Schubladen, zwei Hängeschränken und mehreren offenen Ablagen Platz. Ein Verlängerungsbrett, die zweiteilige Herdabdeckung und das Schneidebrett als Abdeckung für die Spüle erweitern auf Wunsch die Arbeitsfläche. Die oberen Schubladenblenden und Schrankklappen sind kratzfest beschichtet. Für das Reisegepäck stehen im Box Star Plus insgesamt zehn Hängeschränke und ein recht großer Kleiderschrank (ca. 160 L) zur Verfügung. 

Die Möblierung des Knaus Box Star Plus Street 600 ist deutlich hochwertiger als im Roadcar. Allerdings gibt es auch im Plus keine Einzugsdämpfer für die Klappen. Griffe und Öffner sind weitgehend identisch. Trotz der offenkundig guten Verarbeitung macht sich der Ausbau beim Fahren aber knarzend und klappernd bemerkbar. Die Meinung in der Redaktion: Das geht besser. 

Das Bad mit fester Tür fällt im Vergleich zu dem des R 600 etwas geräumiger aus. Auch Erwachsenen bietet die Nasszelle so genügend Bewegungsfreiheit. Ein vollständig umlaufender Vorhang hält Spritzwasser beim Duschen zurück, ein Fenster und ein Pilzlüfter bringen viel frische Luft.

Günstig gegen teuer: Der Roadcar R 600 gegen den Box Star Plus von Knaus - welcher Campingbus kann am Ende mehr bieten fürs Geld?

Der Schlafbereich ist wie die Sitzgruppe mit Ambientebeleuchtung und belederten Wandverkleidungen ausgestattet. Die dreiteilige Kaltschaummatratze wird von einem Lattenrost unterlüftet und mit einer farblich zur Einrichtung passenden, gesteppten Tagesdecke abgedeckt. Das Bettenmaß und die Kopffreiheit fallen allerdings etwas knapper aus als im Roadcar.Die Abtrennung zum Wohnraum ist mit dem Kühlschrank gegenüber dem Bad dafür besser gelungen. 

Sehr gut ist die LED-Beleuchtungsanlage, die fast überall für viel Helligkeit sorgt. Lediglich im Bad ist es etwas düster. Tagsüber bringen zwei Dachfenster und die eleganten Aluminium-Rahmenfenster viel Licht in den Wohnraum. Die Rollos unddie Fliegengitter sind hochwertiger als im Roadcar. Anstelle eines einfachen Vorhangs wie im Günstig-Bus bietet der Plus Faltplissees als Fahrerhausverdunkelung. 

Unnötige Schwächen zeigt der Edel-Bus bei der Funktionalität. Bis auf die flexibel positionierbaren Lesespots kann die Beleuchtung nur zentral an einem Schalter in der Küche bedient werden. Eine kabellose Bedienung via Smartphone oder Tablet würde zum luxuriösen Anspruch des Box Star Plus gut passen. 

Darüber hinaus sind die Gasabsperrventile unter dem linken Bettkasten neben der Heizung nicht optimal positioniert und schwer zugänglich. 

Gemessen am Roadcar fällt der Heckstauraum des Knaus Road Star Street Plus 600 mit rund 750 Litern Volumen etwas kleiner aus. Immerhin ist er aber beleuchtet, bietet noch ein zweites, kleines Zusatzfach und lässt sich wie im Roadcar erweitern. 

Den sehr guten Gesamteindruck des Ausbaus können die genannten Mankos kaum schmälern. Auch der Plus erfüllt seinen Zweck voll und ganz, er ist üppig ausgestattet und bietet darüber hinaus eine gehörige Portion Wohlfühlambiente. 

Testwertung Knaus Box Star Plus Street 600

Die Edelversion des Box Star ist auf den zweiten Blick gar nicht so teuer, wie der erste noch vermuten lässt. Würde man einen normalen Box Star auf ein ähnliches Ausstattungsniveau bringen, schrumpft die Preisdifferenz auf circa 6.500 Euro. Das entspricht dann dem Gegenwert für die exklusive Außenlackierung und die edlen Materialien im Innenausbau. Der Preisunterschied zum Roadcar 600 ist natürlich enorm. Bedeutend mehr als die pompöse Einrichtung kann der Plus aber nicht bieten. 

+ Ansprechende Materialwahl, solide Verarbeitung, üppige Grundausstattung, sehr helle und stimmungsvolle Beleuchtung, gute Platzverhältnisse. 

- Hoher Anschaffungspreis, keine Lichtschalter an Bett und Sitzgruppe, knappe Matratzenlänge, verhältnismäßig wenig Stauraum. 

Roadcar R 600 

Der Einsteiger-Bus von Roadcar hat alles an Bord, was es für einen ausgedehnten Campingtrip braucht. Die Nutzungsorientierte Einrichtung ist schlicht, aber grundsätzlich solide verarbeitet. Die Platzverhältnisse in der Sitzgruppe und im Bad sind zwar sehr knapp, dafür bietet der R 600 zahlreiche Verstaumöglichkeiten und eine praktisch gestaltete Küche. Wer Kompromisse bei der Materialwahl und dem Innenraumambiente eingehen kann, bekommt hier ein kaum schlagbares Angebot.

+ Sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, solide Verarbeitung, viel Stauraum, nützliche Zusatzablagen, großzügige Küche, clevere Kühlschrank-Position. 

- Ausstattungspakete sind ein Muss, schlichte Materialwahl, beengte Platzverhältnisse in Bad und Sitzgruppe, wenig attraktive Gestaltung.

Meinung von Test-Redakteur Thomas Gerhardt:

"Das kann man so nicht sagen", sagt Kollege Heinz als ich von der 20.000-Liter-Diesel-Differenz aus dem Einstieg erzähle. "Da geht es nicht ums Geld, sondern um die Freude daran." Er spricht vom Knaus Box Star Plus, der zweifelsfrei ein prächtiger Campingbus ist. "Die Qualität eines Urlaubs ist nicht abhängig von der Qualität des Reisemobils", wirft Kollege Vierneisel ein. Stimmt. Auch wenn sich niemand zwischen diesen beiden ernsthaft entscheiden wird, ist es doch eine verlockende Frage: Welchen nehmen? Ich greife zum Roadcar, verfahre das Restgeld und halte mich vom Plus künftig fern, um nicht doch schwach zu werden. 

Autor

Foto

Fotos: Ingolf Pompe

Datum

14. November 2016
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