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Rimor Europeo 95 Plus (2017) im Test

Geräumiges TI-Mobil für bis zu 5 Personen

Außen Foto: Fotos: Jacek Bilski 15 Bilder

Einen Teilintegrierten mit Hub- und Einzelbetten haben viele Marken im Programm. Mit frischem, hellem Interieur und bequemen Betten will sich der neue Rimor hervortun. Der Test zeigt ob es klappt.

14.06.2017 Jürgen Bartosch

Die Phase der Unsicherheit ist vorbei. Seit dem Einstieg der Trigano-Gruppe bei Rimor kann die italienische Traditionsmarke wieder für die Zukunft planen. Im Programm drückt sich diese neue Zuversicht in einer zum Beginn des Modelljahrs grundlegend neu aufgestellten Europeo-Baureihe aus. Mit frischem Außen- und Innendesign steht die Top-Teilintegrierten-Serie für den Neustart der Marke – und stellt sich in Form des Einzelbetten-Modells Rimor Europeo 95 Plus sogleich dem promobil-Test. 

Die Europeo-Modelle sind stets mit einem Hubbett über der Sitzgruppe ausgestattet, wie die deutliche Welle in der Dachlinie schon äußerlich verrät. Ob man sie hübsch findet oder nicht – diese Konstruktion sorgt dafür, dass die Stehhöhe unter dem Hubbett mit 1,91 Meter relativ luftig ausfällt. 

Heck Bett Foto: Fotos: Jacek Bilski

Qualität von Aufbau und Ausbau des Rimor Europeo

Weiteres Ziel der Überarbeitung war, auch mit hellen Möbeln und aufwendiger Beleuchtung ein großzügiges Raumgefühl zu schaffen – was sichtlich gelungen ist. Direkte und indirekte Beleuchtungselemente in Form von LED-Bändern sind an vielen Stellen in die Möbel integriert. Es gleicht einer Entdeckungsreise – und einem Gedächtnistraining –, bis man alle Lampen und die zugehörigen Schalter gefunden und verinnerlicht hat. Etwa die blauen LEDs in den Hängeschränken, die durch die dunklen, halbtransparenten Bänder an den Klappen schimmern. 

Neukonstruiert wurde auch die Bodengruppe. Der Rimor Europeo baut nun auf dem gängigen Ducato-Flachrahmen auf. Quertraversen aus Stahl heben den Aufbauboden auf das Niveau des Fahrerhauses. Die Bodenplatte besteht jetzt aus einem modernen, feuchte- und steinschlagresistenten GfK-Styrofoam-GfK-Sandwich. Justierbare Schlösser mit Vorschließfunktion ziehen die großen Garagentüren zuverlässig in die Dichtungsgummis. PU-Rahmenfenster, das große Dachfenster in der T-Haube und die beiden Mini-Hekis verlängern noch die Positivliste. 

Aber es finden sich auch ganz herkömmliche Komponenten: Dach und Wände vertrauen weiter auf die traditionelle Styropor-Holz-Konstruktion. Die GfK-Dachbahn ist dabei – nach alter Väter Sitte – nur an den Rändern verklebt und wirft unschöne Falten. Auch wenn die Dichtigkeit gewährleistet ist – fünf Jahre werden garantiert –, ist diese Bauweise doch weniger stabil als ein vollflächig verklebtes Sandwich. 

Die Fender, Schürzen und Heckleuchtenträger bestehen aus einfachen Tiefziehteilen und sind ziemlich unsauber verfugt. Mehr Sorgfalt wünschte man sich auch beim Blick unters Fahrzeug. An einer Stelle ist ein mehrere Finger dicker Durchbruch in der Bodenplatte, durch den Gasrohre verlaufen, nach der Installation nicht verschlossen worden. Schmutz und Feuchtigkeit können ungehindert eindringen.

Apropos Gasleitungen: Sowohl am Aufbauboden als auch im Küchenblock sollten sie besser fixiert sein – 50 Zentimeter Schellenabstand lautet die Vorgabe. Hinter den modernen Kulissen der sanft schließenden Küchenschubladen offenbart sich noch ein Kritikpunkt: Die Netzstromsicherung mit FI-Schutzschalter ist tief innen an der Seitenwand montiert und erst nach Ausbau des oberen Schubkastens leidlich erreichbar. 

Bad Foto: Fotos: Jacek Bilski

Küche und Bad

Bei ihren eigentlichen Aufgaben kann die Küchen-Pantry dagegen überzeugen. Neben dem Dreiflammkocher, dem allerdings eine Zündhilfe fehlt, und der ungewöhnlich großen Spüle, in die auch üppige Pfannen passen, bleibt noch etwas echte Arbeits- und Abstellfläche übrig. In den beiden breiten Schubladen, dem großen Hängeschrank und zwei Oberschränken gegenüber lassen sich reichlich Kochutensilien verstauen. Der 141-Liter-Kühlschrank mit separatem Gefrierfach und automatischer Wahl der Energiequelle komplettiert die Küchenausstattung. 

Eine Schiebetür teilt den Heckbereich als Privatsphäre ab. Das Bad überrascht mit seinem großen Schüssel-Waschbecken aus Acrylglas. Ansonsten ist es schlicht, aber funktional eingerichtet. Viel Licht fällt durch das Fenster, eine Dachhaube gibt es aber nicht. Die wird in der Dusche gegenüber aber noch stärker vermisst – würde mehr Licht, Luft und Stehhöhe bringen als der einfache Pilzlüfter. Die solide Tür, die Ablagen und besonders die Bewegungsfreiheit überzeugen Vielduscher aber trotzdem. 

Wohnraum: Betten und Sitzgruppe

Gute Argumente finden sich ebenso leicht für das Schlafabteil im Heck. Das rechte Bett streckt sich auf 2,08 Meter Länge, ist 80 Zentimeter breit und mit einer zwölf Zentimeter dicken Kaltschaum-Matratze auf Lattenrost ausgestattet. Das linke Bett ist dagegen merklich kürzer (1,91 m). Mittels eines praktischen Ausziehrosts kann man den Mittelgang auch ganz verschwinden lassen und es entsteht eine riesige Liegewiese(2,20 x 1,91–2,08 m). Auch an eine Aufstiegshilfe wurde gedacht. 

Eine zweite Leiter ermöglicht, das elektrisch absenkbare Hubbett zu erklettern. Die Liegefläche ist groß genug für einen Erwachsenen oder zwei Kinder. Matratze und Lattenroste ergeben eine bequeme Unterlage. Lampen sind vorhanden, Ablagen und Dachhauben in den benachbarten Bereichen. 

Die Sitzgruppe darunter ist großzügig geschnitten mit Eckbank und breitem Seitensitz, der serienmäßig zum Fahrplatz mit Zweipunktgurt umgebaut werden kann. Sitzgeometrie und Kopfstützenposition stempeln ihn allerdings zum Notplatz. Der Tisch bietet Platz für vier Gedecke, ist für den Fahrbetrieb aber etwas sperrig. 

Stauraum und Zuladung

Ein großer Kleiderschrank, diverse Fächer und vier Hängeschränke stehen für Kleidung und Utensilien bereit. Für das Reisen zu viert wären weitere Hängeschränke, etwa über den Bettenden, nützlich. Aushelfen kann immerhin noch die stattliche Heckgarage mit zwei großen Seitentüren und praktischem Innenzugang. 

Mit Blick auf die Waage verbietet sich aber allzu sorgloses Beladen. Die Serienreserven reichen gerademal für den überwiegenden Einsatz als Mobil für zwei. Besser, man zieht gleich das tragfähigere Maxi-Chassis mit ins Kalkül. Beim Fahren benimmt sich der Rimor weitgehend unauffällig. Im Auge behalten sollte man die Höhe von fast drei Meter. 

Belastung Foto: Fotos: Jacek Bilski

Beladungstipps

Ein Vier-Personen-Mobil mit über sieben Meter Länge und großer Garage kommt in der Praxis kaum mit 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht zurecht – das gilt auch für den Rimor. Wer plant, überwiegend zu zweit unterwegs zu sein, kann mit der Serienzuladung knapp auskommen. Für die Vier-Personen-Nutzung ist aber die 3,85-t-Auflastung oder gleich das Maxi-Chassis mit 4,4 Tonnen Gesamtgewicht notwendig. 

Testfazit – Rimor Europeo 95 Plus

Der Rimor Europeo 95 Plus hat einen geräumigen Grundriss, wirkt freundlich-hell und kann – Auflastung vorausgesetzt – vier bis fünf Personen beherbergen. Der Aufbau sollte noch konsequenter modernisiert werden und die Verarbeitung braucht mehr Sorgfalt.

Alle Infos zum Rimor Europeo 95 Plus

  • Gurte/Schlafplätze: 5/4-5
  • Zul. Gesamtgewicht: 3.500 kg
  • Länge/Breite/Höhe: 7,35/2,30/2,94 m
  • Grundpreis ab 52.490 Euro

Preise und Ausstattung des Testwagens

Grundpreis: 54.280 Euro (Fiat Ducato 35 L, Motor 96 kW/130 PS) mit TÜV und Zulassungsbescheinigung II

Testwagenpreis: 55.988 Euro

150-PS-Motor/Automatikgetr. (20/20 kg):  2083/2321 Euro
Auflastung 3,85/4,40 t (20/40 kg) ✔:  990/1440 Euro
✘ ABS/Fahrer-/Beifahrer-Airbag ✔:  Serie/Serie/Serie
✘ Tempomat/ESP/ESP-Traction-Plus ✔:  Serie/539/634 Euro
✘ Zentr.ver./el. Fensterheb./el. Spiegel:  Serie/Serie/238 Euro
✘ Klimaanlage/Nebelscheinwerfer (20/2 kg):  1172/179 Euro
Sonderfarbe Fahrgestell/Techno-Cockpit:  476/107 Euro
✘ 2er-Fahrradträger/Markise (10/30 kg):  340/790 Euro

✘im Testwagen enthalten; ✔empfehlenswert

Sitzen
Schlafen
Bad
Küche
Aufbau
Bordtechnik
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Zuladung
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Sicherheit
Ausstattung
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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
pro 06/2017
Heft 06 / 2017 10. Mai 2017 154 Seiten Heftinhalt anzeigen Artikel einzeln kaufen
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