Alles über Rapido Distinction
Integrierter Rapido Distinction 33 Bilder Zoom

Rapido Distinction i 66 im Test: Einzelbetten-Integrierter mit viel Stauraum

Hat der elegante Integrierte aus Frankreich auch seine Hausaufgaben gemacht? promobil testet das Einzelbettenmodell Rapido Distinction i 66.

Rund 90.000 Euro kostet der Distinction i66 von Rapido. Nicht wenig, vor allem wenn man bedenkt, dass es bei der französischen Marke auch schon für genau 15.000 Euro weniger einen ansehnlichen und komfortablen Einzelbetten-Integrierten mit Doppelboden und Tiefrahmenchassis gibt. Was hebt den Distinction – das bedeutet "Unterschied" – also von seinem günstigeren Schwestermodell ab, das den Preisaufschlag rechtfertigt? Auf der einen Seite ist es natürlich das exklusivere und aufwendigere Design – außen, aber auch beim Möbelbau –, das ihn unterscheidet.

Außerdem treibt Rapido seine Strategie der komfortablen Ausstattung bereits zum Grundpreis bei der Topbaureihe noch ein Stück weiter – obligatorische Pakete sind hier kein Thema. Und beim i 66, dem teuersten Modell der dreiköpfigen Auswahl, ist sogar die Alde-Warmwasserheizung bereits serienmäßig an Bord. Ist der Distinction i 66 also ein Modell der oberen Mittelklasse, das Ästheten und kühle Rechner gleichmaßen überzeugen kann?

Ganz so einfach ist es nicht. Der intensive Supercheck fördert zutage, wo die vielen starken, aber auch ein paar schwächere Seiten des i 66 liegen. Aber, lesen Sie selbst, wie sich der Beau aus dem Nachbarland im Einzelnen schlägt.

Der Rapido Distinction i66 im Überblick

Gurte/Schlafplätze: 4/4
Zul. Gesamtgewicht: 4.400 kg
Länge/Breite/Höhe: 7,39/2,35/2,89 m
Grundpreis ab: 89.900 Euro

Die Baureihe Rapido Distinction

Preise: 85.200–89.900 Euro
Basis: Fiat Ducato
Länge: 6,99–7,39 m
Gesamtgewicht: 3.500–3.700 kg
Weitere Modelle: 2
Charakter: Die drei Distinction-Modelle bilden die Krone des umfangreichen Rapido-Integriertenangebots. Noch kostspieliger ist nur der lange Tandemachser 10.000 dFH. Die beiden anderen Distinction-Modelle, i 80 und i 90, sind zwei unterschiedlich lange Queensbett-Grundrisse, allerdings nur der getestete i66 hat die Warmwasser-Heizung serienmäßig an Bord. Eine günstigere Einzelbetten-Alternative, ebenfalls mit Doppelboden und Alko-Chassis, steht in der 80 dF-Baureihe mit dem Modell 8066 dF bereit. Front, Ausbaudesign und Ausstattung fallen hier entsprechend schlichter aus.

Wohnen

Oberschrankklappen mit Hochglanzfinish, Griffe im Chromlook, kunstlederbezogene Verkleidungspaneele, Echtholzleisten und eine aufwendige Ambientebeleuchtung, die das Ganze mit akzentuiertem Licht betont: Im Distinction merkt man schnell, dass man sich für die Topbaureihe besondere Mühe gegeben hat. Wer hellere Möbel bevorzugt, hat eine zweite Dekorvariante zur Auswahl. Bei den Polsterbezügen sind gar zehn Stoff- und Lederdesigns verfügbar.

Die Sitzgruppe mit Eckbank und Seitensitz bietet genügend Platzreserven für gesellige Runden. Der Tisch reicht für zwei Personen auch bei üppigeren Menüs, bei vieren muss man auf den Extrateller für den Salat verzichten. Die Polsterschäume leisten angemessenen Gegendruck, die Lehne erzwingt jedoch eine unbequem aufrechte Haltung. Der Umbau von der L- zur Querbank für den Passagiertransport geht ungewohnt schnell, da sich der Unterbau aus zwei, durch Scharniere verbundene Brettchen flugs zur Seite klappen lässt. Fünf Ablagen an der Hubbettunterseite und den Hängeschränken halten Handy und Reiseführer in Griffweite.

Die Schlafmöglichkeiten

Das Hubbett über dem Fahrerhaus lässt sich ohne allzu große Kraftanstrengung rauf- und runterschwenken. Liegemaße und -komfort erreichen gute Durchschnittswerte. Herausfallschutz, Vorhang, Dachhaube und Ablagen – praktisch an alles wurde gedacht, auch an verstellbare Lesespots auf beiden Seiten, die beim Wegräumen des Hubbetts sogar automatisch verlöschen.

Noch komfortabler präsentiert sich das Heckschlafzimmer, das mit einer zweiteiligen Schiebetür eine optische und akustische, aber auch thermische Abtrennung bietet. Eine angenehme Sache, denn die Warmwasserheizung zieht im Schlafzimmer eine Extraschleife mit eigenem Thermostat. Die Einzelbetten verwöhnen mit hochwertigen Bultex-Matratzen auf Lattenrosten mit aufstellbarem Kopfteil und guter Liegelänge. Da die Rostunterstützung der Matratzen aber am Fußende früh endet, hängen diese seltsam nach unten – das sollte man verbessern.

Großzügiges Bad

Die solide Badtür mit griffiger Klinke und verriegelbarem Schloss findet auch auf der anderen Gangseite einen passenden Anschlag und lässt so ein abtrennbares Raumbad entstehen. Aber auch im Bad selbst ist genügend Platz für die üblichen Verrichtungen. Das mattbeige Kunststoffwaschbecken eifert hochwertigeren Materialien nach. Zwei Spiegel- und ein Unterschrank nebst zahlreichen Ablagen kümmern sich um Badutensilien. Die separate Dusche ist hübsch beleuchtet und praktisch eingerichtet. Das Sitzbänkchen taugt eher als Abstellfläche, und der ausladende Radkasten stört den feuchten Spaß.

Weil die Kocherflammen an die Wand rücken, bleibt davor eine kleine, aber gut nutzbare Arbeitsfläche frei. Als praktische Ergänzung zum Abstellen bietet sich ein Brettchen an, das oben auf der Querbanklehne fixiert werden kann. Zumal die Glasabdeckungen von Kocher und Spüle nur einteilig sind. Die fünf Schubladen im Unterschrank werden beim Fahren von Zentralverriegelungen gestoppt. Ein Schneidebrett und ein Mülleimer sind darin untergebracht. Gegenüber steht noch ein 160-Liter-Kühlschrank bereit.

Beladen

Der Distinction setzt auf einen durchgängigen Doppelboden, in dem nicht nur die Wasseranlage, sondern auch mehrere Gepäckfächer frostfrei und sicher untergebracht sind. Je nach Ladegut eignet sich das Außenfach links, das Bodenfach im Einstiegsbereich oder das Durchladefach mit zwei Außen- und einem Innenzugang am besten. Abgesenkte Wannen, um beispielsweise Getränkekisten einzuladen, fehlen allerdings.

Aber dafür gibt es ja noch die schluckfreudige Garage im Heck mit guter Ausstattung. Die zweite Tür auf der linken Seite ist zwar relativ groß, aber nicht hoch genug, um auch von dieser Seite aus bei Bedarf Fahrräder einladen zu können. Die als isolierte, selbsttragende GfK-Wanne ausgeführte Heckabsenkung darf beim Maxi-Chassis bereits serienmäßig 300 Kilo Last tragen. Keile und Kabeltrommel lassen sich in einem Fach auf der rechten Seite verstauen. Hier finden sich auch der Anschluss und die Bedienknöpfe für eine Außendusche. Innen schaffen sieben geräumige Hängeschränke die Grundlage für ein solides Stauraumangebot. Dazu kommen zwei Kleiderschränke, die sich – wie bei diesem Grundriss üblich – unter die Fußenden der Einzelbetten kauern. Neben einer Tür erleichtert ein klappbarer Deckel den Zugriff. Eine automatische Innenbeleuchtung wie in den Hängeschränken wäre auch hier hilfreich. Weiteren Stauraum, etwa für Schuhe, liefern zwei Sitztruhen. Ein TV-Gerät kommt im Fach über dem Kühlschrank unter.

Die serienmäßigen 3,7 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht können für zwei Reisende gerade so ausreichen. Sorgloser reist es sich mit dem optionalen Maxi-Chassis und 4,4 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht, auch wegen der höheren Tragfähigkeit der Vorderachse.

Beladungstipps

Konsequenterweise bietet Rapido den Distinction i 66 erst gar nicht als 3,5-Tonner an, denn das funktioniert selbst mit zwei Personen nicht. Bei 3,7 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht geht es los. Besser man nimmt aber gleich das Maxi-Chassis mit 4,4 Tonnen und entsprechend höheren zulässigen Achslasten, dann bietet der i 66 auch mit vier Personen rundum gute Reserven.

Technik

Novatech nennt Rapido die aktuelle Aufbaukonstruktion seiner Fahrzeuge, die in allen Baureihen identisch ist. Aus GfK ist rundum die Außenhaut gefertigt. Als Dämmung kommt geschlossenzelliger und damit keine Feuchtigkeit aufnehmender XPS-Schaum zum Einsatz. Holzlatten zur Verstärkung wurden weitgehend eliminiert und durch hochverdichtete PU-Schaumleisten ersetzt. Dem aktuellen Trend in dieser Klasse, auch auf der Sandwich-Innenseite auf Alu oder GfK zu setzen, folgt Rapido aber noch nicht und belässt es bei foliertem Sperrholz, an der Decke angenehm mit schaumkaschiertem Stoff bezogen.

Dachhauben und Fenster, Klappen und Aufbautür sind von solider Machart. Letztere kann zusammen mit der Fahrertür bequem per Funkschlüssel ver- und entriegelt werden – aufpreisfrei. Die grauen Schürzen und Anbauteile bestehen durchgängig aus Kunststoff-Tiefziehteilen, die stoßanfälliger sind als Aluminium und wie im Falle des einteiligen Heckleuchtenträgers bei einem Rempler komplett getauscht werden müssen.

Die Wasserversorgung

Die Wasserleitungen sind in moderner Steckmuffentechnik ausgeführt. Die Druckpumpe mit Vorfilter, das Frostwächterventil und der Wasserverteiler finden sich vorbildlich übersichtlich in einem Bodenfach installiert. Die Tanks haben eine angemessene Größe. Ladegerät und Bordbatterie müssen dagegen mit vergleichsweise schlichter Technik auskommen. Immerhin ist der Platz für einen Zweitakku in dem Fach unter der Sitztruhe schon vorbereitet. Vier 12-Volt- und fünf 230-Volt- Steckdosen sind praxisgerecht über den Ausbau verteilt – das gilt auch für die fünf USB-Ladebuchsen.

Die Beleuchtungsausstattung ist überwiegend passabel hell, aber noch mehr stimmungsvoll gestaltet, teils auch dimmbar. Wechselschalter machen die Bedienung bequemer.

Die Flaschen im Gaskasten lassen sich vernünftig tauschen. Sie speisen auch die Warmwasserheizung, die im i 66 serienmäßig ist, ebenso wie der separate Heizkreislauf für das Schlafzimmer und die Hohlkammer-Faltverdunkelung für das Fahrerhaus.

Wer die Wintertauglichkeit weiter optimieren möchte, ordert zusätzlich die doppelverglasten Cockpit-Seitenfenster sowie die Warmwasser-Fußbodenheizung für Wohnraum und Fahrerhaus.

Lichtcheck

angelehnt an din EN 12464-1; Farbabstimmung auf zirka 4000 Kelvin

  1. 190 Lux im Schnitt auf der Tischfläche und maximal 290 Lux zum Lesen sind insgesamt gute Werte.
  2. Den "grünen Bereich" verpasst die Küche mit 215 Lux im Schnitt und 305 Lux maximal nur knapp.
  3. Während die Dusche ordentliche Werte erreicht, schwächelt das Bad, insbesondere vor dem Spiegel – nur 85 Lux hier.
  4. Lesespots mit bis zu 480/ 580 Lux an den Hub-/Einzelbetten sind aller Ehren wert.
Fahren

Die Landschaft draußen zeigt die niedrige Frontscheibe im Panoramaformat. Drei Scheibenwischer kümmern sich bei Regenwetter um die Reinigung. Aufgrund ihrer Kürze bleibt oben allerdings ein nicht unerheblicher Streifen ungewischt. Die befriedigende direkte Sicht wird von den schmalen Außenspiegeln mit kleinen Weitwinkelfeldern nur mäßig verbessert. Dennoch fühlt sich der Fahrer meist als Herr der Lage, weil das Fahrverhalten und die Lenkradrückmeldungen ein relativ handliches Gefühl vermitteln – ohne dass der Rapido gleich sportliche Ambitionen aufkommen ließe.

Nicht nur der optionale Schaltautomat des Testwagens betont die Komfortseite, auch die auffallend gute Motorgeräuschdämmung trägt ihr Scherflein dazu bei, leider etwas getrübt von hellen Klappergeräuschen, die sich bei Fahrbahnunebenheiten regen.

Der 150-PS-Motor treibt den 4,4-Tonner mit rundum souveräner Vehemenz voran. Das Comfortmatic-Getriebe macht das Fahren bequemer, legt beim Schalten teils aber überraschende Gedenksekunden ein. Der rund 48 Meter lange Bremsweg dürfte auf ganz trockener Fahrbahn noch ein, zwei Meter kürzer ausfallen. Der Motorzugang ist passabel. An Ölpeilstab und Starthilfekontakt kommt man gut heran, Spritzwasser nachfüllen und Scheinwerferbirnen wechseln ist aber mühsam.

Preise

Versteckte Zwangskosten sind beim Distinction praktisch kein Thema. Obligatorische Pakete gibt es ebenso wenig wie hohe Nebenkosten – sonst üblich bei Importmarken. Der 150-PS-Motor und das teure Maxi-Chassis sind empfehlenswerte Extras, zumal das ESP dann gleich mit dabei ist – Airbags, Feuerlöscher und Nothammer sind Serie. Verlockend erscheinen zudem die Winteroptionen etwa mit Warmwasser-Fußbodenheizung, die aus einem guten, ein sehr gutes Basislager für den Schnee machen.

Das fiel uns auf

(+) Leselampen, Lautsprecher und praktische Ablagefächer nutzen die Hubbettunterseite funktional.
(+) Sämtliche Hängeschränke sind durch eine senkrechte LED-Leiste von innen beleuchtet.
(+) In einer der Küchenschubladen ist ein großes Schneidebrett eingelegt, ohne den Zugang zu stören.
(+) Vor dem Einschlafen noch etwas Radio hören – kein Problem mit dem Bedienteil am Kopfende der Betten.
(+)(-) Ein Kellerfach beherbergt ein bis zwei Bordbatterien – allerdings mit einfacher Blei-Säure-Technik.
(-) Den Matratzen fehlt an den Fußenden die Unterstützung. Sie hängen nach unten – das ist unbequem.

Vergleichstest: Forster T 738 EB/Sunlight T 67/ Weinsberg TI 700 MEH

Foto

Christian Hass, Jürgen Bartosch

Datum

11. März 2017
Dieser Artikel stammt aus Heft promobil 02/2017.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
5 4 3 2 1 0 5 0
Kommentare
Kostenloser Newsletter
Newsletter Small

+++ Alle News +++
+++ Alle Tests +++
+++ Viele Tipps +++

Und immer bequem und kostenlos per E-Mail.

Videos
02:34 caravaning_Anhänger_ankuppeln vor einer Woche
515 Aufrufe
Westfalia Sven Hedin 2018 - Pop Out Westfalia Sven Hedin (2018) mit Pop-Out vor einer Woche
875 Aufrufe
  • Alle Bereiche
  • News
  • Tests
  • Stellplätze
  • Reise
  • Ratgeber
  • Zubehör
  • Video
Alle Marken von A-Z