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Rapido 963 F: Für Wanderer und Zugvögel

In Hymer-Land haben es Konkurrenten schwer. Was lockt zum Rendezvous mit dem feinen Franzosen?

Für zwei, die gerne die Köpfe zusammenstecken und Pläne für die nächsten Reisetage schmieden, ist der Rapido 963 F wie gemacht. Nicht umsonst nennen die Franzosen ihre Modelle „Le Randonneur“: Für Wanderer und Zugvögel, für Leute, die sich gerne mal treiben lassen, sollen sie Basislager sein. Wer jetzt an eine kärglich eingerichtete Berghütte denkt, der liegt ganz falsch, vielmehr verpasst Rapido seinen Mobilen ein All-inclusive-Paket, das kaum Wünsche offen lässt. Eine Zentralverriegelung samt Fernbedienung gibt’s ebenso selbstverständlich wie eine Fahrerhaus-Klimaanlage. Damit relativiert sich auch der Grundpreis von 68 000 Euro. Für die vergleichsweise moderate Preisgestaltung ist auch das Fiat-Fahrgestell verantwortlich, das den Rapido seit Modelljahr 2004 alternativ zum Mercedes Sprinter bewegt. Der Ducato ist generell mit Maxi-Chassis und 127-PS-Motor ausgestattet. Der Käufer kann sich aussuchen, ob er die höhere Zuladung des 3,85-Tonners braucht oder lieber mit dem 3,5-Tonner die freie Fahrt ohne Tempobegrenzung genießt.

Als Vier-Personen-Mobil ist die Auflastung praktisch obligatorisch. Gut zum Charakter des Fahrzeugs passt die optionale Getriebeautomatik wie im Testwagen. Die gute Straßenlage des Fiat mit Alko-Chassis – obwohl ohne Absenkung – trägt wie die direkte Ducato-Lenkung zum unproblematischen Handling bei. Die großzügige Cockpitverglasung und die stämmigen Spiegel, denen lediglich ein Weitwinkeleinsatz fehlt, sorgen für Übersichtlichkeit. Die Rapido-Spiegel sind, wie bei noblen Pkw, mit Blinkern bestückt. Weitere automobile Features finden sich im Cockpit, etwa die über Türkontakt geschaltete Innenbeleuchtung und die Armaturenbrettverlängerung mit Soft-Touch-Oberfläche.

Rapido-Integrierte sind serienmäßig mit zwei Aufbautüren ausgestattet, die beide einen ansprechenden Eindruck hinterlassen. Bügelgriff, Türöffner und Türtasche der Fahrerpforte kommen Ducato-Kennern bekannt vor. Sie stammen vom Vorgänger des aktuellen Modells. Modern zeigt sich die Aufbautür mit Fenster, die sich von außen völlig plan in die Wand schmiegt und von innen eine gefällige Verkleidung mit optimal platziertem Bügelgriff trägt. Auch bei den übrigen Aufbaukomponenten setzt Rapido auf hochwertige Teile, wie etwa Rahmenfenster mit Einhandbedienung, stabile Stauklappen und Schürzen, die sehr sauber eingepasst sind. Unter der GfK-Haut vertraut Rapido Styrofoam als Isolierung. Holzverstärkungen sind nur rund um die Türauschnitte eingesetzt. Die Integriertenfront besteht aus einem großen GfK-Formteil. An einer soliden Mechanik geführt, schwenkt die Motorhaube nach oben und gibt einen brauchbaren Zugang zum Motorraum frei. Hier fällt eine relativ umfangreiche Geräuschdämmung auf, die sich unterwegs als verhalteneres und heller klingendes Motorgeräusch auswirkt.

Bei zügiger Autobahnfahrt dominieren die Windgeräusche. Die Fahrerhaussitze lassen sich leicht in die Sitzgruppe integrieren. Zusammen mit der Halbdinette und dem Seitensitz ergibt sich eine gemütliche Runde, besonders wenn der Tisch mit Hilfe seiner pfiffigen Mechanik verlängert wird. Andererseits ist die Tischkonstruktion ziemlich schwer, was den Auf- und Abbau behindert. Mit dem Hub- und dem Heckdoppelbett bietet der 963 F vier Schlafgelegenheiten, die mit Lattenrosten, hochwertigen Bultex-Schaumstoffmatratzen und durchschnittlichen Liegemaßen aufwarten.

Der Einstieg in die Hochbetten gelingt vorn über eine Anstellleiter und hinten über eine bequeme Treppe. Unter dem Heckbett sind zwei Wäscheschubladen eingebaut, die, vor allem durch ihren leichten Zugriff, die geringe Anzahl an Hängeschränken mehr als wettmachen können. Zur Stauraumbetrachtung gehört auch die geräumige Heckgarage, die kaum Wünsche offen lässt: große Zugänge, solider Boden und Verzurrösen – einzig eine Beleuchtung fehlt. Praktisch für loses Zubehör ist das Schubladenfach, das sich auf der linken Seite hinter einer Schürze versteckt. Das erinnert stark an entsprechende Hymer-Lösungen, kommt in der Ausführung aber nicht ganz an das deutsche Vorbild heran.

Zurück in den Wohnraum. Durch den ausgelagerten großen Kühlschrank bleibt im Küchenblock ein gutes Maß an Stauraum, das sich durch sinnvolle Unterteilungen auch gut nutzen lässt. Dreiflammkocher mit Elektrozündung, versenkte Edelstahlspüle mit Abtropffläche, eine wirksame Dunstabzugshaube und ein nettes, ausziehbares Schneidebrett: In der Kombüse lässt der Rapido nichts anbrennen. Durch eine solide Türe öffnet sich der Sanitärbereich. Der Ausbaustil wechselt von konservativ gedeckt zu frischem Weiß und Blau. Die Badezimmeraufteilung wird von der Runddusche bestimmt.

Zwei bewegliche Viertelkreisschalen bilden eine feste Duschkabine mit angemessener Bewegungsfreiheit. Bei Nichtgebrauch steht der Raum an Waschtisch und Toilette zur Verfügung, das spart Platz. In puncto Bordtechnik und Wintertauglichkeit zeigt der Rapido schließlich einen guten Standard.

Technische Daten (Stand: Mai 2004)
Hersteller: Rapido
Modell: 963 F
Basisfahrzeug: Fiat Ducato Maxi
Typ: Integrierter
Preis: ab 67880 EUR
Sitze mit Gurt: 4
Schlafplätze: 4
Zul. Gesamtgewicht: 3500 kg
Länge: 6790 mm
Breite: 2310 mm
Höhe: 2840 mm
Basismotor: Diesel
KW: 94
PS: 127
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Autor

Datum

22. Mai 2004
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