Alles über Rapido Serie 8
Integrierte Wohnmobile
Weitere Artikel zu diesem Thema
Supercheck: Rapido 30 Bilder Video Zoom

Supercheck Rapido 866 F: Reisen auf Französisch

Die Serie 8 von Rapido ist die günstigste Art, einen Integrierten der französischen Marke zu fahren. Der Supercheck des Einzelbettenmodells 866 F klärt, ob der schicke Newcomer mehr zu bieten hat als einen attraktiven Grundpreis.

Warum nicht gleich einen Integrierten? So denken offenbar viele Rapido-Käufer, denn der Anteil der I-Modelle liegt bei mehr als 60 Prozent. Mit der Serie 8 hat der Hersteller vor zwei Jahren sein Angebot in der unteren Preisklasse erweitert und seither die Baureihe kontinuierlich ausgebaut. Allein zur Saison 2014 kamen fünf neue Modelle hinzu. Inzwischen ist sie mit zehn Varianten die umfangreichste im Programm.

Wer denkt, der relativ günstige Einstieg sei mit einer mageren Ausstattung erkauft, täuscht sich. Schon zum Grundpreis von gut 67.000 Euro bringt das auf deutsche Käufer zugeschnittene Einzelbettenmodell 866 F manches mit, was anderswo extra kostet. Das schicke Design und das Prestige eines I-Modells gibt es quasi als Dreingabe obendrauf. Zusätzlich attraktiv machen die Serie 8 substanzielle Verbesserungen bei der Aufbautechnik.

Sitzen & Schlafen

Großzügig, wie man es von einem Integrierten erwartet, empfängt die Sitzgruppe des 866 F die Urlauber. Die großen Glasflächen im Bug, Seitenfenster links und rechts und die üppige Kopffreiheit unter der Hubbett-Unterschale fördern ein luftiges Raumgefühl. Die Original-Ducato-Sitze sind schnell gewendet. Allerdings dauert es etwas, bis man sie auf die Höhe der übrigen Sitzmöbel hochgedreht hat. Die Sitzbank links ist gemütlich im Winkel angeordnet. Nebenan steht ein Seitensitz. Der erfreulich standhafte Einsäulentisch ist für zwei großzügig, für vier ausreichend bemessen und passt damit perfekt zum Sitzplatzangebot. Bei Bedarf erhellen bis zu acht Lampen die Runde. Ist die Rückbank entsprechend präpariert und das seitliche Lehnenpolster entfernt, passen auch zwei Passagiere bequem nebeneinander. Die nur mit Klettband befestigten Kopfstützen fügen sich harmonisch ins Wohnambiente ein, höhenverstellbar sind sie jedoch nicht.

Exzellent zugänglich sind die niedrig liegenden Einzelbetten im Heck. Es gibt sie wahlweise auch in einer höheren Einbauposition, dann mit Fahrradgarage darunter, jedoch weniger opulenter Kopffreiheit, die das Schlafzimmergefühl aber gerade perfekt macht. Lattenroste und hochwertiger Kaltschaum bürgen für guten Schlafkomfort. Auch wenn die Liegeflächen am Fußende schmaler werden, gehen die Maße für durchschnittlich große Schläfer in Ordnung. Wer mag, kann auf 2,15 Meter Länge und 1,31 Meter Breite auch quer schlafen. Der mittlere Matratzenteil muss dazu nur mit einem Brett unterlegt werden.
Zwei Leselampen gibt es. Ebenso zwei Stofftaschen zwischen den Kopfenden für das Nötigste. Die offenen Ablagen über den Fenstern sind im Liegen indes kaum zu erreichen.

Dank Hubbett im Bug finden auch mal vier Reisende einen Schlafplatz. Der Aufstieg gelingt über Seitenbank oder Aluleiter. Die Kopffreiheit ist wie der Komfort befriedigend. Bei guter Breite ist das Bett allerdings spürbar kürzer als hinten. Zwei Lampen am Fuß- und Kopfende, die bei angehobenem Bett automatisch abschalten, lassen Benutzern die Wahl der Liegerichtung. Die harten Kunststoffverkleidungen im Bug und an der Decke wirken aber etwas ungemütlich. Am Morgen lässt sich das Bett mit sehr wenig Kraftaufwand wieder an der Decke verstauen und mit einem Gurt sichern.

Bad & Küche

Die optisch mit weißen Fronten vom übrigen Wohnraum abgegrenzte Winkelküche nimmt nur wenig Platz ein, bietet dennoch alles Nötige. Der 160-Liter-Kühlschrank mit automatischer Energiewahl gegenüber ist serienmäßig. Der Kocher zündet elektrisch. Für Töpfe bis etwa 25 Zentimeter ist darauf Platz. Für eine sehr effiziente Entlüftung sorgt der Abluft-Dunstabzug, den man am besten im günstigen 8F-Paket kauft. Über die große Spüle wölbt sich eine solide Auf-tischarmatur, die nach dem Losfahren allerdings immer mal auf die Spülenabdeckung tröpfelt. Auch die Abdichtung der angrenzenden Wände sollte sorgfältiger sein.

Stauraum gibt es in Form von zwei Hängeschränken und mehreren Schubladen, von denen sich eine unpraktischerweise aber hinter der Unterschranktür verbirgt. Für Geschirr und Vorräte von Paaren reicht’s. Nette Accessoires sind der Küchenrollenhalter und eine kleine Gewürzablage.

Bad und Dusche stehen, wie inzwischen vielfach üblich, separat im hinteren Wohnbereich. So lassen sich beide bequem gleichzeitig nutzen. Die rundum mit Kunststoffwänden verkleidete Dusche bietet ausreichend Ellbogenfreiheit. Die Stehhöhe ist jedoch bedingt durch das Heckpodest und die Standfläche durch den Radkasten eingeschränkt. Die stark ausgeformten Stege der Duschtasse sind auf Dauer etwas unbequem für die bloßen Füße. Bemerkenswert dicht und solide schließt die dreiteilige Plexiglastür. Bei Nichtbenutzung macht sich ein Ausziehwäscheständer nützlich. Eine Lampe fehlt hier allerdings.

Der Waschraum rechts ist wohnlich eingerichtet. Die elegante Beleuchtung setzt alles ins rechte Licht. Mit Seifenschale, Handtuchstange sowie -haken, Klorollenhalter und Zahnputzbecher ist auch an eine praktische Ausstattung gedacht. Ausreichend groß ist das Waschbecken. Besonders angenehm: Man kann die Tür auch mal hinter sich schließen. Im Oberschrank lassen sich Kosmetika mit Gummibändern sicher fixieren, selbst wenn sich nur jeweils eine Schrankhälfte mit der Spiegelschiebetür verschließen lässt.

Aufbau & Bordtechnik

Selbst der günstigste Rapido-Integrierte hat nun eine solide Basis: Die Bodenplatte hüllt sich in unempfindliches GfK. Bei den Aufbauwänden und -dach setzt Rapido seit jeher auf Glasfaser-verstärkten Kunststoff. Die PU-Leisten, die im Bodenbereich konventionelle Holzverstärkungen ersetzen, bedeuten einen großen Schritt in Sachen Haltbarkeit.

Die Bugmaske unterscheidet sich nicht von den gehobenen Integrierten der Marke auf Fiat Ducato. Das doppelschalige GfK-Teil mit der eingeklebten Frontscheibe schmiegt sich von oben um die sechs Buglampen. Von unten werden sie von einem – reparaturfreundlich dreigeteilten – Bugspoiler umfasst. Wie die Seiten- und Heckschürzen besteht der Frontstoßfänger jedoch nur aus labilem ABS-Kunststoff.

Aus Kostengründen muss der 866 F mit einfachen vorgehängten Fenstern auskommen. Tür- und Klappendichtungen hingegen sind doppelt ausgeführt. Praktisch, dass auch die Fahrertür ohne Aufpreis an Bord ist. Ziemlich scharfkantig fasst sich der Bügelgriff an der Innenseite der Aufbautür an, in die auch zwei große Ablagen integriert sind.

Dass der Aufbau hinten sichtbar höher liegt als vorn, ist optisch gewöhnungsbedürftig. Durch die hinteren Radläufe ist der hohe Leiterrahmen gut zu erkennen. Innen bringt er Fahrerhaus- und Wohnraumboden auf ein Niveau: So kann man bequem und stufenlos nach hinten durchsteigen.

Im Gegensatz zu den teureren Integrierten der Marke stattet Rapido die Serie 8 nicht mit einem Doppelboden aus. Der Abwassertank hängt unisoliert unterm Heck; für den Winterurlaub gibt es geeignetere Reisebegleiter. Das große 120-Liter-Frischwasserreservoir befindet sich indes samt Druckpumpe in der Sitztruhe und ist zur Reinigung gut zugänglich. Leicht wechseln lassen sich dank großer Gaskastenklappe die beiden 11-Kiloflaschen. Die Heizung versteckt sich tief im Küchenblock. Der Techniker, der da im Notfall ran muss, ist nicht zu beneiden. Bis auf kleine Ausnahmen erhellen wenige sparsame LEDLampen den Innenraum. Die Ausstattung mit 230-Volt-Steckdosen ist eher mager. Lediglich eine gibt es – an der Küche.

Stauraum & Zuladung

Wer eine Heckgarage wünscht, wählt den 866 F in der Version mit hohen Einzelbetten. Von Fahrrädern abgesehen bringt man jedoch auch im niedrigeren Bettkasten vieles unter. Über zwei Klappen zugänglich, reicht er von Wand zu Wand und fasst rund 1500 Liter. Als Boden dient eine einteilige, stabile GfK-Wanne, die auch ohne die Unterstützung einer Rahmenverlängerung 150 Kilo tragen darf. Eine sinnvolle Antirutschmatte, sechs Zurrösen und eine Lampe gibt es gratis dazu. An ein weiteres, unter den Boden abgesenktes Unterflurfach für Kleinteile kommt man über eine große Bodenluke vom Innenraum aus heran.

Mit dem übrigen Schrankraum kommen Paare prima zurecht. Der Kleiderschrank über dem rechten Bett ist zwar klein, doch dafür hat Rapido gegenüber, unter dem Bett, in der Sitztruhe und an anderen, mitunter versteckten Stellen Möglichkeiten zum Aufbewahren von Gepäck und Kleidung geschaffen. Lediglich für vier Personen wird es etwas eng.
Rapido-typisch solide, teils mit Echtholzoberflächen und Metallbügelgriffen aufgewertet sind die Möbel, die neben dem zurückhaltenderen Elegance-Dekor wahlweise in der Hochglanzvariante Montalcino erhältlich sind. Kritik ernten die Verschlüsse der Klappen, die nur durch Federkraft, aber nicht zuverlässig gehalten werden. Sie sind – zum Beispiel beim scharfen Bremsen – ein potenzielles Sicherheitsrisiko.

Fahren & Sicherheit

Mit 7,39 Meter Länge bleibt der Rapido-Integrierte beim Fahren gut beherrschbar. Freilich schwenkt das Heck in Kurven aus und muss im Auge behalten werden. Die Sicht durch die breite Frontscheibe ist dank drei Wischern selbst bei Regen einwandfrei – die Welt zieht im Kinoformat an den Reisenden vorbei. Mangels Weitwinkelspiegeln bleibt der tote Winkel neben dem Fahrzeug allerdings groß, was besondere Umsicht bei Spurwechseln erfodert.

Ducato-typisch lässt die Federung die Besatzung selten im Unklaren über den jeweiligen Fahrbahnzustand. Harte Schläge der stark belasteten Vorderachse dringen teilweise polternd bis ins Cockpit durch. Eine längere Schraubenfeder von Goldschmitt oder gleich das Komfortfederbein von Alko könnten hier wirksam Abhilfe schaffen.

Bereits zum Grundpreis spendiert Rapido dem 866 F 130 PS. Mehr Leistung für höheren Fahrspaß gibt’s für geringe 1140 Euro Aufpreis; wirklich erforderlich ist der 148-PS-Motor jedoch nicht.

Preise & Ausstattung

Generell stattet Rapido die Serie 8 großzügig aus – teilweise mit Optionen wie der Fahrerhausklimaanlage oder dem großen Kühlschrank, die sich andere Hersteller extra bezahlen lassen. Das Hubbett und die Fahrertür sind ebenfalls Serie. Einziger Makel: Sicherheit in Form von ESP oder dem Beifahrerairbag kostet Aufpreis. Dennoch kann sich der 866 F im Wettbewerbsvergleich gut sehen lassen. Das versüßt Reisen auf Französisch zusätzlich.

Supercheck: Concorde Carver 791 L

Foto

Beate Jeske

Datum

5. Juli 2014
5 4 3 2 1 0 5 0
Kommentare
Kostenloser Newsletter
Newsletter Small

+++ Alle News +++
+++ Alle Tests +++
+++ Viele Tipps +++

Und immer bequem und kostenlos per E-Mail.

Videos
Mit enormem Entwicklungsaufwand hat Hymer wieder eine NEUE B-KLASSE auf die Räder gestellt. 07:49 Hymer B-Klasse 588 Dynamic Line vor 7 Monaten
1.672 Aufrufe
Carthago Chic C-Line I 4.9 07:58 Carthago Chic C-Line 4.9 im Supercheck vor 10 Monaten
4.899 Aufrufe
  • Alle Bereiche
  • News
  • Tests
  • Stellplätze
  • Reise
  • Ratgeber
  • Zubehör
  • Video
Alle Marken von A-Z