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Test: Rapido 709 F

Mit viel Charme besetzt der kleine Franzose die Nische der ultrakompakten Teilintegrierten.

Franzosen sind bekannt für ihren reizenden Charme, mitunter auch für ihre Detailliebe. Qualitäten dieser Art kennzeichnen auch die Reisemobile der französischen Marke Rapido. Kürzestes Beispiel dafür ist das teilintegrierte Modell 709 F, das denkbar konsequent auf zwei Reisende zugeschnitten wurde. Auf knapp fünfeinhalb Meter Länge vereint die rollende Puppenstube eine komplette und nicht einmal sonderlich beengt wirkende Wohneinrichtung. Die geschickte Raumaufteilung und der gemütliche Ausbau machen den Winzling zu einem Mobil mit erstaunlich hohem Reisekomfort. Der Buchstabe F im Modellnamen weist den Fiat Ducato als Basis des 709 aus. Agil und wendig schwimmt der Teilintegrierte mit dem 110-PS-Motor im Verkehr mit. Übersichtlich ist das kompakte Mobil ohnehin, auch dank elektrisch verstellbarer Rückspiegel. Auf Bodenwellen reagiert das Ducato-Flachbodenchassis allerdings ein wenig ungeduldig, was prompt der Ausziehtisch mit vernehmlichem Klappern quittiert. Bei höheren Geschwindigkeiten sind des Öfteren Lenkkorrekturen notwendig. Sehr komfortabel wiederum: die serienmäßige Klimaanlage im Fahrerhaus und die via Funk ferngesteuerte Zentralverriegelung, die auch die Aufbautür auf- und zuschließt. Ganz in Weiß gehalten und mit dezenten Chromleisten über den Seitenschürzen tritt der 709 vornehm zurückhaltend auf. Gleichmäßige Spaltmaße und saubere Verfugung zeigen die solide Verarbeitung des GfK-Aufbaus. Stöße verlaufen nur auf den senkrechten Wänden; Wasser kann ablaufen und bildet keine Pfützen auf dem Dach. Die hintere, trittfeste Dachhälfte ist abgesenkt und mit einer rundum laufenden Reling versehen. Sie bietet Platz zum Verstauen von größeren Gepäckstücken oder auch zur Montage von Zusatzausstattung. Unter der Kunststoffhaut sorgt hochwertiges Styrofoam für effektive Wärmedämmung. Sechs Rahmenfenster und eine serienmäßige Panorama-Dachhaube lassen viel Licht in den Wohnraum.

Schon beim ersten Blick auf die Einrichtung entpuppt sich der Rapido als echter Franzose. Apricot- und messingfarbene Pastelltöne bei den Sitzpolstern, Vorhängen und Wandverkleidungen hüllen alles in ein freundliches Ambiente. Goldfarbene Zierleisten unter den Klappen der Hängeschränke zeugen vom Detailsinn der Entwickler. Der hohe Anteil an Echtholz beim Möbelbau unterstreicht den hohen Anspruch des 709 F. Drucktastenschlösser – ebenfalls golddekoriert – verschließen sämtliche Türen und Möbelklappen. Die knappen Abmessungen der Kabine ließen bei der Aufteilung keine Experimente zu. Bad und Längsbett teilen sich erwartungsgemäß das Heck. Die Pilotensitze sind drehbar und ergänzen die dahinter liegende Halbdinette. Diese Platz sparende Lösung, die bei Teilintegrierten fast schon zum guten Ton gehört, macht sich im kurzen Rapido doppelt bezahlt. So ergibt sich eine überraschend großzügige, bequeme Sitzgruppe. Dank der etwas schwergängigen Tischverlängerung lässt sich auch der Beifahrersitz gut einbinden. Lediglich der in den Fußraum ragende Gaskasten schränkt den Komfort auf dem linken Platz der Sitzbank etwas ein – ein Manko, das für Paare allerdings kaum ins Gewicht fallen dürfte. So richtig lang machen kann man sich freilich nirgends im Rapido 709 F, auch nicht auf dem einzigen Bett des Teilintegrierten. Bereits Menschen knapp über 1,80 Meter hängen die Fenstervorhänge ins Gesicht. Am Liegekomfort auf der Schaumstoffmatratze und an der Ausstattung mit Ablagen und Wandverkleidungen gibt es dagegen wenig auszusetzen. Im Sanitärraum mit integrierter Dusche macht sich das Prinzip Raumökonomie sehr deutlich bemerkbar. Angesichts der knappen Abmessungen verwundert die Fülle an Staumöglichkeiten. Nettes Detail: der Teleskop-Wäschehalter an der Rückwand. Als Brause dient der ausziehbare Wasserhahn, dessen Schlauch sich nur widerstrebend wieder in seine Halterung einfädeln lässt. Im Sommer bietet der serienmäßige Anschluss für die Außendusche Ausweichmöglichkeiten.

Der kleine Küchenblock verwöhnt die Rapido-Besatzung zwar nicht gerade mit Stauraum und Arbeitsfläche, aber mit einer Topausstattung. Dazu gehören ein Dunstabzug, ein Kühlschrank mit Extralüfter für den Sommerbetrieb, eine große, gut nutzbare Spüle und ein Zweiflammkocher mit Ablauf und Piezozündung. Eine winkelförmig aufklappbare Abdeckung schützt beim Kochen die Umgegend vor Spritzern. Dank guter Raumausnutzung reicht der Stauraum zwei Reisenden. Überflüssig ist gewiss keiner der sechs Hängeschränke. Der beleuchtete Kleiderschrank gefällt durch eine ausziehbare Kleiderstange. Große Gepäckstücke wandern unters Bett in das Staufach, das auch über eine Außenklappe erreichbar ist. Besonders gefällt die durchdachte Platzierung des TV-Schranks: Dreht man die Flimmerkiste in die entsprechende Richtung, lässt sich von der Sitzgruppe oder auch vom Bett aus fernsehen. Die Sitztruhe nimmt zur Gänze der mit 140 Litern überdurchschnittlich große Frischwassertank ein. Klassenüblich fällt die übrige Bordtechnik mit etlichen Halogenlampen und Steckdosen aus. Bei Bedarf bringt die Umluftheizung unter dem Kleiderschrank den kleinen Wohnraum schnell auf Temperatur. Die Lösung mit dem separaten Boiler im Bettkasten ist aber kompliziert, zumal für eine Heizung mit integriertem Heißwasserbereiter insgesamt weniger Platz nötig wäre. Auch die Bedienung des Kontrollbords mit allein drei Hauptschaltern für das Licht ist etwas umständlich. Der unbeheizte Abwassertank am Wagenboden schränkt die Wintertauglichkeit ein. So dürfte der Rapido 709 F hauptsächlich im Sommer zu einem kleinen, aber feinen Urlaubsmobil werden.

Technische Daten (Stand: Juli 2003)
Hersteller: Rapido
Modell: 709 F
Basisfahrzeug: Fiat Ducato 15
Typ: Teilintegrierter
Preis: ab 46880 EUR
Sitze mit Gurt: 4
Schlafplätze: 2
Zul. Gesamtgewicht: 3400 kg
Länge: 5560 mm
Breite: 2230 mm
Höhe: 2670 mm
Basismotor: Diesel
KW: 87
PS: 110
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Autor

Datum

17. Juli 2003
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