Alles über Westfalia Club Joker
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Quickcheck Westfalia Club Joker City: Kompakter VW-Campingbus

Jahrzehntelang baute Westfalia VW-Busse mit klassischem Zuschnitt. Nun kehrt der Campingbus-Spezialist nach langer Pause zum kompakten VW zurück, doch mit komplett anderer Raumaufteilung – ein Fortschritt?

Westfalia und VW – diese Verbindung lässt die Herzen vieler Campingbusfreunde höher schlagen. Doch lassen wir die Historie an dieser Stelle einmal beiseite. Vor uns steht der erste Aufstelldach-Camper von Westfalia auf Basis des VW T5: der Club Joker City. Sein Format entspricht dem Bestseller VW California – mit dem ihn letztlich nur das Basisfahrzeug verbindet.

Was ist neu am Westfalia Club Joker City auf VW T5?

Gerahmte Kunststoff-Fenster an den Seiten betonen den Wohnmobilcharakter des Club Joker City. Erst recht offenbaren sich die Unterschiede, sobald das Dach nach oben schwenkt. Der manuell zu betätigende GfK-Deckel darf als klassisch gelten, allerdings ist die Konstruktion vorne angeschlagen.

Grund für den Richtungswechsel: Im Club Joker City spielt sich das Leben nicht nur in der vorderen Wagenhälfte ab. Hier kann man auch durch die Heckklappe einsteigen und erstaunlich entspannt zur Sitzgruppe schlendern.

Die eigentliche Revolution steckt im Heck

Bleiben wir im Heck, denn dort vollzieht sich beim Club Joker City die eigentliche Revolution: Hier hat Westfalia eine richtige Kassettentoilette untergebracht. Wer es gewohnt ist, ein Porta-Potti aus dem Schrank hervorzuzerren, wird in dem breiten WC mit Außenentsorgung ein Stück Sanitärkultur entdecken. So viel Fortschritt will Westfalia offenbar nicht verstecken, denn eine optische Trennung zwischen WC und Wohnbereich ist nicht vorgesehen. Das Brett, das sich über die Toilette klappen lässt, dient weniger der Kaschierung, sondern vor allem dem Aufstieg zum Dachbett.

Einen Vorhang wird es für eine weitere Sanitärfunktion geben, die im kurzen T5 ebenso selten ist: der Club Joker City hat eine Dusche. Hotelkomfort darf man an dieser Stelle nicht erwarten, doch stehen ein Elektroboiler, eine Brause und eine Abtrennung samt Bodenwanne für die Körperpflege bereit. Große Wasserschlachten limitiert ohnehin der kleine Frischwassertank. Am Prototypen fehlte noch der Vorhang mit Magnetbefestigung am Boden für einen ersten Versuch. Alternative bleibt immer noch die Außendusche.

Spontan könnte man sich fragen, warum dieser Grundriss erst jetzt auftaucht. Eine mögliche Antwort weist auf die unvermeidliche Kehrseite des Sanitärbereichs hin. Er macht sich dort breit, wo sonst ein Gepäckraum offen steht. Die persönliche Ausrüstung muss im Westfalia sorgfältig auf die Schränkfächer und die Sitztruhe verteilt werden, sonst ist der hintere Durchgang blockiert.

Küche und Sitzgruppe im Westfalia Club Joker City

Vom Freiraum im Heck profitiert auf jeden Fall die Küche. Auch das ist ein Stück kultureller Wandel für VW-Ausbauten: Im Club Joker City steht man aufrecht vor Spüle und Kocher und greift gegenüber in einen herkömmlichen Kühlschrank.

Anders als im Prototypen wird es in der Serie einen versenkten Kocher geben, der vielleicht nicht ganz so schick aussieht, aber weniger Gefahr birgt, den Topf beim schwungvollen Gang zur Sitzgruppe unbeabsichtigt mitzunehmen.

Die Sitzgruppe selbst kennt man bereits aus dem Club Joker mit langem Radstand und Hochdach. Anders als bei California und Co. ragt hier kein Küchenblock bis zum Fahrersitz, so dass vier Personen effektiv die gesamte Fahrzeugbreite fürs Wohnzimmer zur Verfügung steht. Dass ein T5 letztlich kaum mehr Grundfläche als ein großer Pkw hat, merkt man bei voller Besetzung vor allem auf der schmalen Bank und wegen der knappen Beinfreiheit in Wohnposition. Für Paare kein Problem. Sie können es sich auf den Sitzen richtig gemütlich machen.

Apropos Gemütlichkeit: Auf der Skala zwischen Naturholz¬ausbau und Autodesign tendiert der Club Joker klar zur automobilen Linie. Damit die weißen Möbel nicht unterkühlt wirken, mischen sich doch einige Holzdekorflächen ins stimmige Bild. In Richtung Pkw tendiert auch die für gutes Sitzen ausgeformte hintere Bank, was sie als Liegefläche naturgemäß unbrauchbar macht.

Schlafen im neuen Westfalia Club Joker

Das Bett bringt Westfalia hinter der Lehne unter. Erster Eindruck der noch nicht serienfertigen Klappkonstruktion im Prototypen: Der Bettenbau ist umständlich, führt aber zu einer ebenen Liegefläche. Wer mit dem Dachbett auskommt, verzichtet besser auf die Konstruktion im Untergeschoss und wird dafür mit einem willkommenen Schrank belohnt.

Wie sieht die obere Schlafgelegenheit aus? Hier trifft traditionelles Zeltgefühl auf zeitgemäßen Komfort in Form einer angenehm weichen Matratze auf Kunststoff-Federn. Dass man vom Bett aus in die entgegengesetzte Richtung blickt als Generationen von VW-Bus-Fahrern zuvor, spielt beim Schlafen keine Rolle.

Quickcheck: Westfalia Club Joker City

  • Maßstab: Kompakt-Campingbus für 2–4 Personen
  • Aufbau: Stahlblechkarosserie mit GfK-Aufstelldach, Innenverkleidung mit Kunststoff-Formteilen, 2 Kunststoff-Isolierfenster mit Rahmen.
  • Ausbau: Möbel aus beschichtetem Sperrholz, Sitzbank mit 2 Dreipunktgurten, Liegefläche unten 1800 x 1100 mm (Option), Liegefläche im Aufstelldach 2000 x 1100–1210 mm, Sanitäreinrichtung mit Kassettentoilette sowie Duschwanne und Vorhang (Option), Küche mit Zweiflammkocher und Kompressorkühlschrank 50 L.
  • Bordtechnik: Kraftstoff-Gebläseheizung Eberspächer Airtronic 3000 W, 12-V-/230-V-Boiler (Option), Frischwassertank 32 L, Spülwassertank WC 10 L, Abwassertank 40 L, Wohnraumbeleuchtung mit LEDs, Bordbatterie 80 Ah, Gasflasche 2,75 kg.
  • Basisfahrzeug: VW T5 Kastenwagen, Vorderradantrieb, Vierzylinder-Turbodiesel, Hubraum 1968 cm³, Leistung 62 kW/84 PS, Fünfgang-Schaltgetriebe.
  • Maße und Gewichte: Länge x Breite x Höhe 4890 x 1904 x 2000 mm, Radstand 3000 mm, zulässiges Gesamtgewicht 2800 kg.
  • Preise: Grundpreis 48.490 Euro, 140-PS-Turbodiesel 4046 Euro, Automatikgetriebe DSG 2363 Euro, Fahrerhaus-Paket (u. a. Teppich, Faltverdunkelung Frontscheibe 750 Euro), Komfortpaket I (u. a. Radio, Klimaanlage, elektrische Fensterheber, Warmwasserboiler, Duschvorhang, indirekte Beleuchtung) 3999 Euro, Bett unten 990 Euro.

Quickcheck Wertung

Sitzgruppe: 3,5 von 5
Möbelbau: 4 von 5
Schlafen: 3 von 5
Sanitär: 2,5 von 5
Küche: 3 von 5

Report: Günstige Reisemobile

Foto

Bernd Thissen

Datum

11. Februar 2015
Dieser Artikel stammt aus Heft promobil 02/2015.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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