Vergleichstest: Navigationsgeräte 24 Bilder Zoom

Navigationsgeräte für Wohnmobile im Vergleich: Der Weg ist das Ziel

Sechs Navis im Test: Navigationssysteme für Wohnmobile sollen nicht nur sicher ans Ziel führen und vor unpassierbaren Straßen warnen, sondern den Fahrer auch bei der Reiseplanung unterstützen.

Der Atlas hat endgültig ausgedient: Seit Navigationssysteme sich auch auf breiter Front durchgesetzt haben, ist es nicht mehr nötig, kiloschwere Wälzer auf der Fahrt im Reisemobil mitzunehmen. Kein Blättern, kein Raten, keine Unstimmigkeiten – auf Fingertipp berechnen schlaue Navis in Sekundenschnelle die Route zum nächsten Etappenziel, führen vollautomatisch um Durchfahrten oder Unterführungen herum, die für Wohnmobile zu eng sind, und helfen auch noch bei der Suche nach Sehenswürdigkeiten oder Versorgungsstationen. Manche Modelle sind sogar Alleinunterhalter, die abends das Fernsehprogramm beisteuern. Grund genug für promobil, sechs aktuelle Reisemobil-Navis zwischen 199 und 649 Euro einem ausführlichen Test zu unterziehen.

Campernavis: Fahrzeuggerechte Navigation

Kernfunktion der speziellen "Camper-Navis" ist die fahrzeuggerechte Navigation in Abhängigkeit von Größe und Gewicht des Mobils – Durchfahrtsverbote, zu niedrige Brücken oder andere Engstellen sollen damit umschifft werden. Grundsätzlich beherrschen dies alle Testgeräte zuverlässig, was auch nicht weiter verwunderlich ist, arbeiten doch fünf der sechs Kandidaten mit Karten von Nokia Here (früher Navteq) und nutzen dementsprechend dieselben Datenbanken. Hundertprozentige Sicherheit darf man hier zwar nicht erwarten, den Blick auf die Straßenschilder sollte man sich daher nicht sparen. Grobe Fehler sind aber selten, und der Zugewinn an Sicherheit ist enorm: Die Systeme warnen auch vor engen Kehren oder Gebieten, in denen erhöhte Gefahr, etwa durch Seitenwind, herrscht.

Nur das Tomtom Go Live Camper & Caravan, das mit dem hauseigenen Tomtom-Kartenmaterial kommt, patzt: Als Maximalgewicht erlaubt das 399 Euro teure Modell nur eine Eingabe von bis zu fünf Tonnen – für schwerere Mobile ist dieses Gerät nicht geeignet.

Unterschiede im Detail: Die Eingabe

Das 219 Euro günstige Navgear RSX 60 vom Technik-Versender Pearl beispielsweise verzichtet auf voreingestellte Profile für Reisemobile oder Gespanne, hier muss man sich manuell durch die Menüs tippen und die voreingestellten Profile für Bus oder Lkw passend auf seinen Einsatzzweck abändern – um dann am besten mit einer Simulation die Funktion des Profils zu überprüfen. Wie es besser geht, zeigen die weiteren Kandidaten von Becker, Falk, Garmin und Snooper, die allesamt vorkonfigurierte Einstellungen bereithalten, die nur noch etwas Feintuning brauchen. Ohne aktive Zielführung zeigen übrigens nur die Modelle von Garmin und Snooper Durchfahrtsbeschränkungen direkt auf der Karte an. Ein Vorteil für den, der gerne vor Fahrtantritt die Gegend erkunden oder ohne aktive Zielführung fahren will.

Kartendaten: Welches Camper-Navi kann punkten?

Bei den Reiseführerfunktionen holt das Tomtom-Modell wieder auf, denn es bietet mit den Datenbanken vom ADAC, dem MHF und den holländischen ANWB und NKC umfangreiche Möglichkeiten bei der Suche nach Übernachtungsmöglichkeiten in ganz Europa. Nicht alle Daten gibt es auf Deutsch, die grundsätzlichen Merkmale eines Platzes sind aber eingedeutscht und daher dennoch hilfreich.

Noch mehr Daten hält das 649 Euro teure Ventura Pro Sound bereit, das neben Informationen unter anderem von ACSI und Camper Stop auch umfangreiche Sammlungen per Internet zum Download bereitstellt – allerdings lassen sich auf das Snooper als einzigem Gerät im Test keine POI-Datenbanken direkt aufspielen. Die grafische Gestaltung des Geräts bleibt trotz der jüngsten Überarbeitung jedoch Geschmacksache: Die Oberfläche wirkt altbacken und zum Teil umständlich, auch wenn alle wichtigen Funktionen wie zum Beispiel die Suche oder Fotos von ausgewählten Campingplätzen vorhanden sind.

Grafische Darstellung und Hardware - schön und praktisch

Unterm Strich am besten schneidet in dieser Disziplin das 399 Euro teure Garmin Camper 760 LMT-D ab – es bietet die modernste Oberfläche, bedient sich schnell und reibungslos, hat die ACSI- und MHF-Daten an Bord und steht auch externen Quellen, wie etwa der promobil-Datenbank offen. Dagegen fallen die Kontrahenten etwas ab: Das mit 199 Euro günstigste Navi Falk Neo 640 Camper kann per Internet immerhin mit den Daten des ADAC nachgerüstet werden und bietet eine schöne Benutzeroberfläche. Bei Pearl muss man etwas umständlich die Camper-Daten des Anbieters POI-Base nachinstallieren. Das 399 Euro teure Becker Transit 70 LMU verzichtet hingegen komplett auf eine spezielle Campingplatz-Datenbank; hier muss man mit den Standard-POIs ohne zusätzliche Informationen auskommen.

Bei der Hardware hingegen schlägt die Stunde des Becker: Sein exzellent verarbeitetes Gehäuse mit dem kapazitiv auf Berührung reagierenden Display ist derzeit konkurrenzlos. Die hohe Auflösung sorgt für eine scharfe und feingezeichnete Darstellung – und die Möglichkeit, bis zu vier Routen berechnen zu lassen und sich deren Höhenprofil im Vergleich anzeigen zu lassen, begeistert. Leider spiegelt das Display bei Sonnenlicht.
Ebenfalls top ist das Gerät von Garmin, das keine Blendempfindlichkeit kennt und sehr gut sowohl auflöst als auch ablesbar ist. Dahinter sammelt sich die Konkurrenz auf durchaus hohem Niveau: Das Snooper ist nur etwas zu massig und schwer, das Tomtom ist mit seinem nur fünf Zoll großen Display etwas zu klein, und beim Pearl könnte der zu dünne Haltearm Sorgen bereiten. Das Falk fällt mit seiner geringeren Qualitätsanmutung zurück.

Aktuelles Kartenmaterial und Staumeldungen

Kartenupdates sind mittlerweile bei allen Anbietern mehr oder weniger kostenlos. Einzig Falk erlaubt nur eine einzige kostenlose Aktualisierung 30 Tage nach dem Kauf. Bei Pearl
sind die Updates auf zwei Downloads innerhalb von zwei Jahren beschränkt. Gänzlich unkompliziert klappt die Aktualisierung bei Becker, Garmin (als einziger ohne Registrierung), Snooper und Tomtom. Letzterer hat auch in Sachen Staumeldungen die Nase vorn: Dank eines integrierten Mobilfunkmodems ruft das Tomtom Live-Staumeldungen per Internet ab – europaweit ohne Zusatzkosten. Leider ist dieser Dienst nur zwöf Monate im Kauf inbegriffen, danach kostet er 50 Euro im Jahr.

Kaum schlechter steht das Garmin da, das mit einem neuen Staudienst über einen DAB-Empfänger im Ladekabel auch ohne Internetverbindung sehr genaue Staumeldungen empfängt, aber wahlweise per Bluetooth über eine Smartphone-App auch ans Internet gekoppelt werden kann. Dies ist ebenfalls generell kostenfrei, nur eventuelle Mobilfunkgebühren gehen zulasten des Nutzers. Da kann höchstens noch das Becker mithalten, das per W-LAN ebenso Staumeldungen aus dem Internet laden kann. Hier kostet der Dienst aber bereits nach einem Monat 29 Euro pro Jahr. Die Konkurrenten von Falk, Pearl und Snooper bieten nur die deutlich ungenaueren TMC-Meldungen.

Zusatzfunktionen: Fernsehen mit DVB-T und Radio mit DAB+

Die Zusatzfunktionen der Modelle von Snooper und Pearl überzeugen dagegen: Beide haben einen DVB-T-Fernsehempfänger an Bord und können damit am Reiseziel auch zur
Abendunterhaltung eingesetzt werden. Videoclips und Musik von einer Speicherkarte spielen sie ebenfalls ab, dazu sorgt ein FM-Transmitter dafür, dass man ihren Ton auch ohne Kabelsalat über das normale Autoradio empfangen kann. Snooper geht sogar noch einen Schritt weiter und integriert einen DAB+-Digitalradio-Empfänger in sein Gerät.

Radio in CD-Qualität vom Navi empfangen – das hat schon was. Die Konkurrenten von Garmin und Becker beschränken sich auf einen Eingang für eine Rückfahrkamera – konsequent, da nicht jeder die Zusatzfunktionen auch wirklich braucht. Sinnvoll hingegen – und wenn auch nur für den Notfall – ist eine integrierte Bluetooth-Freisprecheinrichtung, die in allen Geräten außer den Modellen von Becker und Falk enthalten ist.

Foto

Ingolf Pompe

Datum

9. Juli 2014
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