Alles über Eura Mobil Terrestra
Eura Mobil Terrestra I 660 HB Zoom

Eura Mobil Terrestra I: Moderne Ansichten

Futuristisch, avantgardistisch, gewöhnungsbedürftig – der Eura Mobil Terrestra I weckt vielfältige Emotionen. Was kann er noch?

Ein Reisebus mit VW-Käfer-Kotflügel – das kann sich kaum jemand vorstellen, bis er den Terrestra I zu Gesicht bekommt. Fahrer des extravaganten Eura-Integrierten sollten Spaß daran haben, selbst mit wildfremden Passanten über Design und Formgebung, Sinn und Zweck der ungewöhnlichen Frontgestaltung ihres Mobils zu diskutieren.






Basis und Aufbau

GfK wehrt sich nicht – darum ist es das Material der Wahl, um auch ausgefallene Designideen Realität wer­den zu lassen.

Aus GfK formt sich auch die ungewöhnliche Front des Terrestra I, die als gestalterische Innovation im Retrostil erstmals echte Kot­flügel bei einem Integrierten vorsieht. Das optisch beherrschende Element ist aber da­r­über die extrem weit vorn stehende Frontscheibe. Harmonisch oder nicht – die Bauweise hat ihre Auswirkungen in mehreren Bereichen, darum lohnt ein näherer Blick.

Die Front ist ein riesiges GfK-Teil, vom Rahmen der Fahrertür links bis fast zur Aufbautür rechts. Darin eingeklebt sind die stattlichen Scheiben. Die ganze Konstruktion ruht vorn auf einem U-förmigen GfK-Querträger, der im Motorraum erkennbar ist. Über dem Motor schließt ein brettar­-artiges GfK-Formteil den Raum zum Fahrerhaus hin ab. Wo nötig, sind die GfK-Teile doppelwandig ausgeführt mit einer Schaumschicht dazwischen – dadurch bekommen die Teile eine hohe Steifigkeit und eine gewisse Isolationswirkung.

Als aufwendig geformtes GfK-Teil entpuppt sich ebenfalls die Motorhaube, an der auch die Scheibenwischer montiert sind. Ob diese Anordnung für die präzise Einstellung der Wischer zuträglich ist, darf allerdings bezweifelt werden, die Reinigungsleistung überzeugt nicht. Im letzten Drittel der ohnehin nicht sehr langen Wischerarme fehlt sichtlich der Anpressdruck für ein befriedigendes Wischergebnis. Ein zweites Ärgernis für den Fahrer sind die Außenspiegel. Obwohl die Verwendung der vorzüglichen Original-Ducato-Spiegel für einen Integrierten eine gute Idee war, verhinderten die Konstrukteure es nicht, dass ein Fenstersteg mitten durchs Bild läuft. Links muss der Pilot auf das komplette Weitwinkelteil verzichten, rechts fehlt das untere Drittel des Hauptspiegels.

Weniger als vermutet stört den Fahrer dagegen der ungewohnte Raumeindruck und die große Entfernung zur Frontscheibe. Eher einfacher wird sogar das Abschätzen nach vorn, etwa beim Einparken, denn mit der Frontscheibe endet auch der Vorbau. Der Ducato kommt mit der futuristischen Kabine ganz gut zurecht.

Basis und Fahrzeug

Der 130-PS-Motor sorgt für passablen Vortrieb bis hin zu einem Autobahntempo von Tacho 150.

Die Aerodynamik kann also nicht die schlechteste sein. Vernehmliche Windgeräusche aus dem Bereich der Spiegel stören bei zügigem Tempo etwas die ansonsten relativ leise Fahrt.

Auch auf kurvigen Landstraßen lässt sich der I 660 HB präzise dirigieren, die breite Hinterachsspur trägt ihren Teil dazu bei. Dabei wird aber auch eine gewisse Kopflastigkeit spürbar, die sich nach dem Wiegen des Fahrzeugs auch in Zahlenwerte fassen lässt. Das reisefertig vorbereitete Fahrzeug, also mit vollem Diesel-, Gas- und Wasservorrat, sowie Extras mit rund 115 Kilogramm erlaubten noch 180 Kilo Zuladung insgesamt und lediglich 70 Kilo an der Vorderachse. Unzureichende Werte, die nur durch Verzicht bei der Sonderausstattung und Beschränkung des Frischwasservorrats auf die vom Hersteller für unterwegs empfohlenen 50 Liter knapp für zwei Personen reichen. Ansonsten sollte der I 660 HB gleich auf das tragfähigere Maxi-Chassis gestellt werden.

Zum gewichtigen Vorderwagen gehört auch die serienmäßige Ausstattung mit einer Fahrertür. Im Falle Terrestra I ist sie angenehm breit, außen wie innen ansprechend gestaltet und mit kräftigen Scharnieren und zwei Schlossfallen sowie einer elektrischen Schlossbetätigung solide gesichert. Mit einem größeren Fenster mit elektrischem Heber statt der schmalen Schiebe­scheibe wäre die Sache perfekt.

Auf eine moderne Konstruktionsweise setzt auch der übrige Kabinenbau, der komplett mit GfK-Styropor-GfK-Sandwichplatten arbeitet. Nicht nur Dach und Wände, auch der Wagenboden und die Innenwände sind aus GfK – Feuchtigkeit und mechanische Beschädigungen haben damit kaum eine Chance. An den Aufbaukanten sind die Sandwichplatten über spezielle Alu-Profile miteinander verklebt. Diese für die Mittelklasse überdurchschnittlich hochwertige Technik verspricht dauerhafte Stabilität.

Auf die durchgängige, mit dem Fiat-Flachrah­men verklebte Bodenplatte baut Eura Mobil einen 19 Zentimeter hohen Sperrholz-Doppelboden, der auf Alu-Rohren ruht. Der Keller dient aber lediglich als geschützter In­stalla­tions­raum für die Bordtechnik – ein Gepäckfach gibt es darin nicht.

Ausbau

Eura Mobil verzichtet auf eine Heckabsenkung, was einerseits die Konstruktion vereinfacht, andererseits aber die Ladekante anhebt und – zum Erreichen einer fahrradtauglichen Innenhöhe der Garage – ein relativ hoch angesetztes Heckbett nötig macht.

Zwei Seitentüren schaffen den Zugang zum Gepäckraum. Zum fortschrittlichen Anspruch des Terrestra I nicht so recht passen wollen dabei die in der Bedienung eher vorsintflutlichen Drehknebelschlösser.

Ansonsten kann die Heckgarage mit reichlich Stauraum überzeugen. Die offen verlegten Warmluftrohre dürften allerdings auf Dauer leiden. Ein Schienensystem zur Ladungssicherung kostet Aufpreis (195 Euro). Serienmäßig sind dagegen Befestigungsschienen am Heck und auf dem Dach, die mit passenden Trägern für verschiedenste Transportaufgaben genutzt werden können.

Denn wer etwa vier Fahrräder mitnehmen möchte, bekommt in der Garage des I 660 HB Probleme, da ein rechteckiger Kasten schräg in den Raum hineinragt und die Breite merklich einschränkt. Im Innenraum entpuppt sich dieses Gebilde als pfiffige Heckbett-Treppe, die sich wie eine Schublade ausziehen lässt. Die Trittflächen sind jeweils klappbar ausgeführt und machen kleine Staufächer zugänglich. Entgegen den Stufen sind zudem drei Schubladen angeordnet – eine praktische Sache, um Kleinkram geordnet zu verwahren.

Bei der Ausführung hapert es aber noch. Der Teppich muss erst umgeschlagen werden, die Verschlüsse hakeln, und die oberste Stufe schrammt am Schließblock. Eura verspricht eine Überarbeitung dieses Bereichs, der beim Testfahrzeug aus der Vorserie noch nicht zufriedenstellend gelöst war.

Das übrige Mobiliar verdient sich deutlich bessere Noten. Die Drucktastenschnäpper mit Bügelgriffen und Schließblöcken mit Federstempeln lassen sich einfach bedienen, schließen sicher und weitgehend klapperfrei – an den Hängeschränken sind sogar zusätzlich Gummileisten in die Alu-Querprofile eingelegt.

Maschinen- und Postformingkanten säumen die gebogenen Klappen und planen Türen. Rund um das Heckbett sind flache Hängeschränke eingebaut, die sich jedoch nur widerspenstig öffnen und schließen lassen. Die Federkraft der Aufsteller ist für die Klappengröße zu stark. Ohnehin leidet die Kopffreiheit am Heckbett unter den Hängeschränken. Besser wäre, an der Kopfseite darauf zu verzichten und stattdessen lediglich ein Ablagebord vorzusehen. Das würde gleichzeitig dem Mangel an Ablagemöglichkeiten abhelfen.

Die Bettenform und die Lampenausstattung legen die Liegerichtung fest. Eine üppige Bettlänge, Sieben-Zonen-Kaltschaummatratze und Lattenrost untermauern den subjektiven Komforteindruck. Mit gleicher Ausstattung kann das Hubbett glänzen. Das ist zwar, Bauart-typisch, etwas kür­zer, dafür beeindruckt es mit einer Breite von 1,60 Meter – das war eines der wichtigsten Entwicklungsziele beim Terrestra I und ein Grund für die weit nach vorn gesetzte Frontscheibe.

Sind die Fahrersitzlehnen umgelegt und der Entriegelungshebel betätigt, senkt sich die Liegewiese sanft vom Himmel herab. Besonders eindrucksvoll wirkt die Szenerie, wenn das optionale Panoramadachfenster eingebaut ist. Es ist aus Doppelscheiben-Echtglas, allerdings nicht zu öffnen, sondern lediglich zu verdunkeln. Zwei Halogenspots, ein Vorhang und ein Herausfallschutznetz sind vorhanden, was am komfortablen Hubbett noch fehlt, ist eine Aufstiegshilfe – hier will Eura Mobil nachlegen.

Die Sitzrunde aus Eckbank und gedrehten Fahrerhaussitzen ist bequem und solide. Die Tischplatte ruht auf einer stabilen Säule und ist über einen Kreuzschlitten verschiebbar. Ein üppiges Menü für vier Personen kämpft auf der Tischfläche allerdings mit Platznot.

Küche

Die Idee, die Küchenschränke vom übrigen Mobiliar abzuheben, ist nicht ganz neu.

Beim Terrestra ist sie aber besonders konsequent und geschmackvoll umgesetzt. Das Himbeerrot passt gut zum übrigen Holzton und den mattsilbernen Applikationen. Noch mehr Eigenständigkeit verleihen die langen Bügelgriffe, die als praktischer Nebeneffekt gleich als Aufhängestange für Küchenhandtücher dienen.
Sechs Schubladen und ein dreistockiger Korbauszug machen den Stauraum im Unterschrank vorbildlich nutzbar. Zusammen mit den beiden Hänge- und einem geräumigen Oberschrank über dem nach rechts ausgelagerten, großen Kühlaggregat fehlt es nicht an Platz für Küchenvor- und -geräte. Zwischen Dreiflammkocher und großer Rundspüle bleibt noch eine zufriedenstellende Arbeitsfläche übrig. Würde der Kocher etwas nach links rücken, könnte es aber noch mehr sein. Neben der fehlenden Elektrozündung ist dies der einzige Wunsch, den Urlaubsköche hier noch hegen.

Sanitärraum

Eine solide Tür mit griffiger Klinke und Einsteckschloss führt ins Badezimmer.

Geschickt ist die Anordnung der Funktionsbereiche. Wird die Dusche nicht gebraucht, kann der Raum für Toi­lette und Waschtisch mitbenutzt werden. Wenn andererseits die beiden runden Schwebetüren nach vorn gezogen werden, bleiben Toilette und Waschtisch – etwas beengt – benutzbar. Der Sanitärraum ist fensterlos und muss mit einer kleinen Dachhaube über der Dusche auskommen. Das macht ihn nicht nur dunkel, sondern verzögert auch den Luftaustausch. Beim Mobiliar setzt man ganz auf Kunststoff-Formteile, die zwar wasserunempfindlich sind, aber weniger hochwertig wirken. Den gesamten Fußboden bedeckt ein wannenartiges Formteil mit zwei Abläufen. Beim Begehen gibt es allerdings nach und Quietschgeräusche von sich.

Bordtechnik

In Sitztruhen und Doppelboden fühlen sich Wasser-, Strom-, Gas- und Heizungsinstallationen gut aufgehoben.

Ein 150-Liter-Frischwassertank und hochwertige Rohre, eine Druckpumpe mit Vorfilter und gut zugängliche Ablassventile klingen überzeugend. Die Flaschen im Gaskasten sind ebenso gut zugänglich, der Platz für eine zweite Bordbatterie schon vorbereitet.

An der klassischen Eura-Tugend Wintertauglichkeit regen sich beim Terrestra I allerdings ein wenig Zweifel. Wintersport-ler sollten besser gleich die 6000er Heizung, den Motorwärmetauscher oder die Kraftstoff-Standheizung und die Fahrerhaus-Isomatten mitordern, um erhöhte Wärmeverluste durch die spektakuläre, aber weniger gut isolierte Front auszugleichen.

Fazit: Mut in Sachen Design war nie die Stärke von Eura Mobil– das hat sich mit dem Terrestra I eindrucksvoll geändert. Von der anfänglichen Skepsis vermag das futuristisch anmutende Mobil erstaunlich viel zu zerstreuen, wenn man sich erst eingehend mit ihm beschäftigt. An einigen Stellen besteht allerdings noch Nach- besserungsbedarf, und beim Gewicht sollte man einfach von einem Viertonner ausgehen. Doch wenn das Design gefällt, bekommt man für relativ wenig Geld einen absoluten Hingucker mit starker Aufbau-, Bord- und Möbeltechnik.

Der Eura Mobil Terrestra I im Überblick


Grundpreis: 65340 Euro
Länge: 6,99 m
Dreipunktgurte: 4
Schlafplätze: 4
Gesamtgewicht: 3500 kg
Charakter: Mittelklasse-Integrierter mit polarisierender Frontgestaltung, moderner Aufbautechnik, gefälligem Mobiliar und wertiger Bordtechnik im Funktionsdoppelboden. Vielseitiger Garagengrundriss für drei bis vier Personen geeignet.

Typ: Integrierte

Schlafplätze: 4

Preis: über 300.000 €
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Datum

10. Januar 2008
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