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Mobilvetta Huari 1101: Der italienische Hengst

So nannte sich Sylvester Stallone als Boxer im Film Rocky. Einen massiven Punch hat auch der Mobilvetta Huari. Kein Wunder. Drunter steckt der neue Iveco Daily: ein italienisches Kraftpaket mit fast 180 Pferdestärken.

Munter traben die Pferdchen die schöne Küstenstraße Dalmatiens entlang. Die gute Laune an Bord des Mobilvetta Huari hat eine potente Kraftquelle: einen Iveco Daily, optisch und technisch gründlich aufgefrischt und auf 176 Turbodiesel-PS erstarkt.

Technische Daten (Stand: Februar 2007)
Modell: Mobilvetta Huari 1101
Basisfahrzeug: Iveco Daily 35 C 18
Typ: Alkoven
Preis: ab 64200 EUR
Sitze mit Gurt: 4
Schlafplätze: 4-6
Zul. Gesamtgewicht: 4000 kg
Länge: 7249 mm
Breite: 2330 mm
Höhe: 3070 mm
Basismotor: Turbodiesel
KW: 129
PS: 176

Betont lässig beherrscht er die Grundgangarten; bis hin zu vollem Galopp. Gibt man ihm die Sporen, legt er richtig los. Doch ab Tacho 110 flattern die Türen, und bei 130 klappt der Fahrtwind den linken Außenspiegel an. Der Verbrauch des durstigen 3-Liter-Motors steigt bei hohen Tempi exorbitant an. Die Rennbahn gehört nicht gerade zu seinen Paradedisziplinen, also ab in die Berge.

Ohne merkliche Anstrengung klettert der Daily die Steigungen hoch. Meistens im dritten oder vierten Gang, selten muss man mal in den zweiten zurück. Die Traktion des zwillingsbereiften Hecktrieblers ist hervorragend; kein Hufescharren in den Spitzkehren, selbst auf steilen schottrigen Campingplatzzufahrten gibt sich der Kraftprotz keine Blöße.
Am liebsten surft der Mobilvetta über Landstraßen; auf einer Dreh­momentwelle von 400 Nm, die schon ab 1250 Touren voll anliegen. Schalten ist kaum nötig, auch wenn’s mit dem gut platzierten Joystick durchaus leicht von der Hand geht; kein Vergleich mit dem widerspenstigen Vorgänger. Besser ist auch die Sicht nach hinten geworden. Dank großer Spiegel mit ebensolchen Weitwinkelfeldern hat man den rückwärtigen Verkehr und den langen Überhang des Huari immer gut im Blick.

Auf der Küstenlinie, die sich zwischen Adria und Velebit-Gebirge dahinschlängelt, folgt der Daily spontan den Lenkbefehlen. Der hohe Aufbau neigt sich, wankt aber kaum. Das Volant lässt sich nicht verstellen und liegt recht flach. Das passt zur aufrechten, Nutzfahrzeug-mäßig hohen Sitzposition auf den Cockpitsitzen, deren Schlichtheit schon andeutet, dass der Daily bei aller motorischen Kultiviertheit kein verzärtelter Araber geworden, sondern ein rustikales, robustes Kaltblut geblieben ist. Der Fahrkomfort ist nicht sänftengleich, aber akzeptabel. Die passabel verarbeitete Hartplastiklandschaft des Cockpits gefällt mehr durch Funktion als Haptik. Praktische Ablagen gibt es reichlich und sogar zwei Cup­holder.

Ein massiges Kaltblut, wie gesagt, aber kein Elefant. Trotzdem, den 7,25 Meter langen
Alkoven mit 3,5 Tonnen Gesamtgewicht zuzulassen – was vom Hersteller durchaus vorgesehen ist –, wäre kaum praxisgerecht. Ohne bauliche Veränderung geht das Chassis auch als Viertonner durch, und so ergeben sich realistische Zuladungswerte. Der linke Vorderreifen operiert aber weiter an der Grenze seiner Tragfähigkeit.

Die Aufbautechnik schlägt aufs Gewicht. Glasfaserverstärk­ter Kunststoff verlangt höhere Schichtdicken als Alu, lässt sich aber auch gefälliger formen, wie beim Alkoven deutlich sichtbar wird. Beim ersten heftigen Hagel weiß man spätestens, was man an seiner GfK-Kabine hat; nämlich keine bleibenden Dellen. Ebenfalls aus Kunststoff bestehen die Schürzen und die breiten, verklebten Kantenleisten. An den Silikonfugen zwischen Fahrerhaus und Aufbau war jedoch kein Michel­angelo am Werk. Auch die einfache Styropor-Isolierung ent­spricht nicht dem, was man bei mehr als 60 000 Euro Grundpreis erwarten darf. Andererseits überrascht der Huari mit einem Technikdoppelboden.
Die hochwertigen Rahmenfenster und Cassettenrollos gefallen. Auch die Aufbautür und die beiden Portale der Garage wirken solide.

Das Volumen des Heckstauraums lässt sich mit dem dar­über liegenden Doppelbett serienmäßig elektrisch verstellen – eine Spielerei. Gewiss nützlicher wäre im Bett eine hochwertigere, weniger harte Matratze. Immerhin: Tageslicht und Frischluft gibt es reichlich, ebenso Ablagen, Leselampen und sogar eine Aufstiegsleiter.

Den Alkoven macht die textile Verschalung zu einer lauschigen Koje. So üppig die Liegemaße, so dünn ist aber die Matratze. Ein Sicherungsnetz fehlt gänzlich. Der Rost lässt sich mit viel Kraft ineinander schieben, was einen kommoden Durchstieg ins nicht integrierte Fahrerhaus ermöglicht.

Die Sitzgruppe besteht aus zwei einander gegenüberliegenden Bänken mit weichen, unkonturierten Polstern. Zum Boden hin verjüngen sich die Sitztruhen, was nicht nur gut aussieht, sondern auch mehr Fußraum im Mittelgang bringt.

Als Italiener mit Stil hat der Huari durchaus einen Hang zur Extravaganz. Versteckte Transistorlampen bringen die Unterseiten der Hängeschränke zum Leuchten. Form und Funktion verbinden auch die handlichen Griff­verschlüsse an den Schränken. Doch angesichts von nur drei Hängeschränken über der Sitzgruppe vermisst man Zwischenböden für eine effizientere Stauraumnutzung. Mit großzügigen Dimensionen gefällt der beleuchtete Kleiderschrank im hinteren Gang.

Gegenüber steht das Bad; hübsch und bis zum Handtuchhalter funktional eingerichtet. Die Beleuchtung ist hervorragend, die Entlüftung mustergültig. Als wenig haltbar erweist sich das Plastikgewinde, mit dem das Waschbecken befestigt ist. Bauch einziehen heißt es im schmalen Zugang zur Dusche. In der kunststoffverkleideten Kabine macht sich ein Bidet breit. Wer’s braucht, kommt in dieser Preisklasse am Huari sicher nicht vorbei.

Schnell gewöhnt man sich an die üppige Serienausstattung der Küche – wobei der Backofen den Speiseplan mehr erweitert als die im Urlaub doch kaum benötigte vierte Kocherflamme. Mit ein wenig Arbeitsfläche wäre dem Koch mehr gedient. Für gute Ausleuchtung ist gesorgt, ebenso für elektrischen Dunstabzug.

Die kleine Besteckschublade liegt ziemlich tief. Die Bügelgriffe der Unterschränke eignen sich gut als Handtuchhalter. Der Stauraum reicht für die Familie, auch wegen des großen Kühlschranks – dank AES ein sparsamer Gasverbraucher.

Ohnedies halten die Gasflaschen im Huari angenehm lang: Eine Dieselheizung sorgt über viele Ausströmer für eine wintertaugliche Wärmeverteilung. Die getrennte Entleerung der zwei Abwassertanks ist unnötig umständlich, immerhin stecken sie frostsicher im Dop­pelboden. Und so sind Huari-Fahrer also keineswegs nur auf südliche Ziele festgelegt.

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Autor

Datum

18. Februar 2007
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