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Test: Mercedes Vito Marco Polo

Kaum startet der VW T5, da kontert Mercedes prompt mit dem Vito II – das Rennen kann beginnen

Das geheimnisumwobene Kürzel heißt NCV2. Es steht für einen englischen Begriff – wir sind schließlich bei Daimler-Chrysler – und für die Neuauflage des Transporters Vito. Die Marke mit Stern hat viel vor: Während die Transporterwelt gebannt auf den neuen VW T5 starrt, folgt unmittelbar darauf der Konter mit dem Vito II. Reisemobilisten können sich freuen: Auf dem Caravan-Salon Ende August in Düsseldorf werden nebeneinander die taufrischen Nachfolger von VW California und Mercedes Vito stehen.
Endlich treten die zwei Top-Anbieter nun auch mit zwei Top-Produkten auf Augenhöhe gegeneinander an. Unterschiedlichen Konzepte erleichtern Interessenten die Wahl: Dem klassisch geformten VW T5 mit Frontantrieb steht ein Mercedes Vito mit aufregender Optik und Heckantrieb entgegen.
Dynamisch gespannt wie ein Flitzebogen wirkt der neue Vito, sein Schwung reicht über die keilförmige Silhouette mit stärker denn je herausgearbeiteten Bügelfalten in der Seite („Charakterlinie“) bis zum bogenförmigen hinteren Seitenfenster und einem Heck, das den Aufbau abrupt abschließt.
Zeigt der künftige Vito vorn mit tropfenförmigen Scheinwerfern und dem rund ausgearbeiteten Grill Verwandtschaft bis hinauf zu S-Klasse und SL, so erinnert sein Hinterteil nicht von ungefähr an den kleineren Vaneo: Der Vito übernimmt dessen Rückleuchtenform, die das Heck einklammert.
All das zusammen wirkt für einen Transporter ungewohnt kraftvoll und dynamisch. In seiner Seitenansicht scheint der neue Vito angriffslustig, bereit für den Sprung zur Attacke auf Marktführer VW.
Zum Angriff auf die Nummer eins gehören technische Kontraste. Hat sich die Kundschaft beim VW Transporter wie beim Vito I längst an den Frontantrieb gewöhnt, so schmiegt sich der künftige Vito mit längs eingebauten Motoren und angetriebener Hinterachse wieder an die traditionelle Linie des Hauses Mercedes-Benz für ausgewachsene Autos.

Der Vito profitiert damit vom Aggregatebaukasten der Marke: Wie wäre es mit kräftigen V6-Motoren, in Zukunft wohl auch als Diesel? Unter der langen Haube ist jedenfalls genug Platz für Reihenvierzylinder und großvolumige V-Motoren. Und auch bei der Getriebeautomatik kann man sich künftig im eigenen Betrieb bedienen und nicht mehr bei Zulieferer ZF. Der Vorteil der neuen technischen Auslegung geht jedoch über die Nutzung der hauseigenen Komponenten weit hinaus: Prinzipiell bietet der Hinterradantrieb klare Vorteile bei der Fahrdynamik: Die Lenkung ist frei von Antriebseinflüssen, auch schiebt das Auto in zügig angegangenen Kurven weniger über die Vorderachse. Zudem schaffen die Längsmotoren den Platz für einen großen Radeinschlag mit entsprechend kleinem Wendekreis – bisher kein Ruhmesblatt des Vito. Den Nachteil des Heckantriebs, den höheren Fahrzeugboden, haben die Entwickler offenbar umgangen. Wie verlautet, soll die Innenhöhe der des heutigen Modells entsprechen. Ganz anders sieht es dagegen bei der Variantenvielfalt aus. Kam der Vito bisher als Einheitstransporter daher, so wird es ihn künftig in drei Längen und Höhen geben. Er streckt sich etwa in 25-Zentimeter-Intervallen ab rund 4,75 Meter Länge; ähnlich werden die Höhen der Dächer gestuft. Mehr Zentimeter in der Länge bedeuten auch innen mehr Platz: Geht es beim Vito im Fahrer-Fußraum bisher beengt zu, so kommt das Wachstum des neuen Transporters unmittelbar dem Platz des Chauffeurs zugute. Hier führt Mercedes zugleich auch Traditionen fort: Platz sparend steckt der Schalthebel in der Mittelkonsole, gibt es eine Fußfeststellbremse, die jedoch komfortabler zu betätigen ist. Angenehmer soll es ohnehin zugehen: Mehr Ablagen und griffsympathischere Materialien verlegen den Wohnraum auf die Straße. Dies trifft vor allem auf die Pkw-Varianten des Vito II zu. So genannte Lines ersetzen V-Klasse und Vito F. Schon die Namen sollen einerseits Chic ausdrücken, andererseits angestrengte Pkw-Nähe vermeiden.

Dem Stand der Technik entsprechen Schienensysteme im Boden, auf denen sich Sitzbänke sowie Einzelsitze weitgehend beliebig verteilen lassen. Die Unterschiede zu VW liegen im Detail. So setzt Mercedes bei den Einzelsitzen alles daran, die VW-Gewichte zu unterbieten. Und im Nachfolger des Vito F basiert der Bettenbau im Gegenzug zum neuen Multivan immer auf einer Klappsitzbank mit Bettverlängerung. Dieses bewährte System übernimmt Mercedes auch für den künftigen Marco Polo, den wie gehabt die Mercedes-Tochter Westfalia ausbauen wird. Da VW den California nun in eigener Regie fertigen wird, legt sich der bisherige Ausbaupartner besonders ins Zeug. So ist beim Aufstelldach von einem neuartigen Faltenbalg die Rede, der sich beim Schließen des Dachs automatisch einzieht. Innovative Lösungen für Matratze und Bettplatte sind ebenfalls im Gespräch. Bei geschlossenem Dach passt der Marco Polo dank knapp zwei Meter Höhe in die Garage. Der Grundriss basiert mit Klappsitzbank im Heck und einer Küchen- und Schrankzeile entlang der linken Seite auf dem in Jahrzehnten bewährten Westfalia-Rezept. Aus dem aktuellen Modell übernimmt der Neue die Rollladentüren der Schränke. Im Stil der Zeit soll die Einrichtung deutlich wohnlicher und wertvoller wirken. Mehr Platz gibt es ebenfalls: Ging es im Marco Polo bisher recht eng zu, so profitiert der Nachfolger vom neuen Variantenreichtum des Vito: Man gönnt dem Marco Polo einen Vito mit mittlerem Radstand. Dies wird, trotz schneidig geformter Karosse mit schräger Frontscheibe, sowohl die Platzverhältnisse im Oberdeck als auch den bis dato beengten Weg dorthin verbessern. Die Spannung steigt also, dies nicht nur aufgrund der fast schon sportlichen Vito-Karosserie. Erstmals gibt es eine ernsthafte Alternative zum VW Transporter. Parallel dazu sind die Fronten bei den Freizeitfahrzeugen geklärt: Die baut jeder für sich in eigener Regie. Mal sehen, wessen Konzept mehr überzeugt und wer sein neues Reisemobil dann auch schneller wird liefern können. Randolf Unruh

Technische Daten (Stand: März 2003)
Hersteller: DaimlerChrysler
Modell: Vito Marco Polo
Basisfahrzeug: MB Viano 2.0 CDI
Typ: Campingbus
Preis: ab 38373 EUR
Sitze mit Gurt: 4
Schlafplätze: 4
Zul. Gesamtgewicht: 3940 kg
Länge: 4993 mm
Breite: 1901 mm
Höhe: 1980 mm
Basismotor: Diesel
KW: 60
PS: 82
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Autor

Datum

2. März 2003
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