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Mercedes Viano Marco Polo im Test: Ein Begleiter für Alltag und Freizeit

Der Name klingt nach Freiheit und Abenteuer. Schafft der kompakte Camper den Spagat zwischen Alltag und Freizeit?

Wer ein Freizeitmobil sucht, das auch im Alltag Dienst tun soll, wird sich vor allem unter Campingbussen mit Aufstelldach umsehen. Die sinnige Erfindung ermöglicht einerseits eine garagen- und parkhaustaugliche Höhe und gibt andererseits aufgestellt Platz zum Stehen und ein Dachbett frei. Der Marco Polo – seit jeher ein bedeutender Vertreter dieser Campingbus-Gattung – verspricht in der gründlich überarbeiteten zweiten Generation durch den Rückgriff auf Antriebskomponenten aus dem Pkw-Regal von Mercedes ein Plus an Agilität und Komfort. Daimler-Chrysler-Tochter Westfalia kann sich als Ausbauer zudem voll auf den Mercedes-Sprössling konzentrieren, seit VW den California selbst fertigt.

Entsprechend hat Mercedes den Marco Polo in direkte Schlagdistanz gebracht. Der Camper mit dem vielversprechenden Namen ist größer geworden, was mehr Platz für die Einrichtung schafft. Und das dynamisch und durchaus polarisierend gezeichnete Blechkleid macht den Van zu einem echten Hingucker im Verkehr. Im Fahrbetrieb schlägt sich der Marco Polo gut, woran die Kombination aus Hinterradantrieb und kräftigem (und aufpreispflichtigem) 150-PS-Turbodiesel großen Anteil hat. 14,9 Sekunden von null auf 100, das ist ein Wort in dieser Klasse, zumal im Testwagen die sehr komfortorientiert agierende Fünfgangautomatik arbeitete. In Kurven geht der Marco Polo willig; zu optimistischen Fahrern assistiert feinfühlig das serienmäßige ESP. Rasche Lastwechsel zeigen aber auch hier die fahrdynamischen Grenzen eines Fahrzeugs mit vergleichsweise hohem Schwerpunkt.






























Die Lenkung könnte leichtgängiger und direkter arbeiten, die Achsen ein wenig nachgiebiger einfedern. Insgesamt jedoch vermittelt der Marco Polo ein komfortables Fahrerlebnis. Zum Pkw-haften äußeren Auftritt des Marco Polo passt die betont modern wirkende Einrichtung in silbernem Dekor. Machart und Zuschnitt sind jedoch klassisch. Als Basismaterial für die seitliche Schrank-Küchen-Zeile dient beschichtetes Sperrholz. Die Möbelfronten im kühlen Alu-Look bestehen aus Kunststoff. Ein Dekorstreifen aus hellem Wurzelholzimitat verleiht dem Wohnraum etwas Limousinenhaftes. Stehhöhe im vorderen Wohnbereich schafft das Aufstelldach, das für 1270 Euro Aufpreis auf Knopfdruck elektrohydraulisch öffnet. Die Konstruktion ist gut gelungen: Dank eingenähter, rundum laufender Glasfaserstreben faltet sich der Zeltbalg beim Schließen wieder sauber zusammen. Das Dachbett kostet 522 Euro extra. Zusammen mit der Sitzliegebank ergeben sich so insgesamt vier knapp geschnittene Schlafplätze. Viel Komfort darf man freilich weder oben noch unten erwarten. Im Erdgeschoss wird die Liegefläche nicht ganz plan, die dünne Schaumstoffmatratze im ersten Stock liegt nur auf einem schlichten Holzbrett. In Fahrposition ist die elektrisch justierbare Sitzbank aber ebenso bequem wie die beiden höhenverstellbaren Sessel im Fahrerhaus, die umgedreht die Sitzgruppe komplettieren. Der kleine Tisch ist schnell aufgebaut; während der Fahrt steckt er sicher verstaut in der Verkleidung der Schiebetür.

Stehen größere Transportaufgaben an, lässt sich die Bank in – allerdings schmutzempfindlichen – Schienen verschieben und sogar ganz herausnehmen. In die praktische Schublade im Gestell passt allerhand Kleinkram. Für weiteres Reisegepäck stehen je ein Kleider-, Wäsche- und Hängeschrank zur Verfügung, außerdem der Raum hinter der Sitzbank und die ebenfalls Platz sparend mit Rollläden öffnenden Küchenunterschränke. Diese großen, mit Zwischenböden unterteilten Fächer sollte man nicht nur mit Küchenutensilien belegen, denn der Stauraum ist insgesamt recht knapp. Die Küche versammelt auf kleinem Raum eine Vollausstattung. Der Zweiflammkocher zündet elektrisch, seine Edelstahl-Abdeckung dient auch als Abtropffläche beim Spülen, sogar ein kleiner Mülleimer ist da. In die zwei Schubladen passt Besteck und manches, was den Passagieren im Fond schnell zur Hand sein soll. Bei Bedarf lässt sich in der Kühlbox auch Gefrierkost transportieren. Abbrausen kann man sich dank Außenduschenanschluss auch mal abseits des Campingplatzes. Doch nicht zu ausgiebig, denn der Wasservorrat ist dafür knapp. Die Gasflasche reicht dagegen zum Kochen lange Zeit aus; die Standheizung arbeitet mit Diesel. Mit nur einem Ausströmer gelingt eine ausreichende Wärmeverteilung (siehe auch Wintertest ab Seite 8). Allerdings kostet die Heizung wie beim Vorgänger extra. In nahezu allen anderen Punkten überflügelt der vielseitige Marco Polo seinen Vorgänger deutlich – was ihm auch mehr Erfolg bescheren sollte.

Technische Daten (Stand: April 2004)
Hersteller: Mercedes Benz
Modell: Viano Marco Polo
Basisfahrzeug: MB Viano 2.0 CDI
Typ: Campingbus
Preis: ab 37862 EUR
Sitze mit Gurt: 4
Schlafplätze: 4
Zul. Gesamtgewicht: 2540 kg
Länge: 4990 mm
Breite: 1900 mm
Höhe: 1980 mm
Basismotor: Diesel
KW: 80
PS: 109
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Autor

Datum

11. April 2004
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