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Mercedes Marco Polo und VW California Ocean 36 Bilder Zoom

Mercedes Marco Polo vs. VW California Ocean: Die Krone der kompakten Campingbusse

Spannendes Duell um die Krone der Kompakten: Kann der junge Mercedes Marco Polo den in Details optimierten, neuen VW California vom Thron stoßen? Das wird ’ne ganz enge Kiste. Hier der Vergleichstest.

Campingtalent plus Alltagstauglichkeit gleich Van mit Aufstelldach. So lautet die einfache Formel für die maximale Flexibilität eines Autos. Sie hat den California in 27 Jahren zum beliebtesten Campingbus und damit auch zum meistverkauften Reisemobil aller Zeiten gemacht. Und nun ist er also da, der neue California auf dem neuen VW T6, und alle wollen wissen, was er kann. Dabei kennen wir ihn genau genommen schon ziemlich gut, denn wirklich verändert hat sich der Evergreen vor allem in Details.

Doch inzwischen hat der junge Altmeister unter den kompakten Campern mit dem ebenfalls noch taufrischen Marco Polo einen sehr ambitionierten Herausforderer bekommen, der mit seinem limousinig schicken Auftritt zumindest beim Design Neuland betritt. Und das macht diesen Vergleich erst so richtig spannend.

In vollem Ornat sind beide zum Test angetreten. Der California repräsentiert als Ocean die höchste Ausbaustufe. Zwar gibt es seit dem T6 für gut 7000 Euro Minderpreis auch den identisch eingerichteten, aber magerer ausgestatteten Coast, doch der Ocean passt besser zum Marco Polo. Mit 57 780 Euro (VW) und 56 049 Euro (Mercedes) Grundpreis liegen die beiden preislich auf ähnlich hohem Niveau. Ob das auch für die Praxistauglichkeit gilt?

Also nichts wie rein in die Campingbusse und auf zu einer launigen Testfahrt nach Südfrankreich. 2500 Kilometer Praxistest mit allem, was dazugehört: 22 Grad und Sonnenschein, aber auch Regengüsse und Sturmattacken, mit viel guter Laune und leichtem Gepäck. Schon die Anreise ist ein Vergnügen, beweisen V-Klasse und T6 doch ausgezeichnete Manieren und sind mit 190 beziehungsweise 204 PS bestmöglich motorisiert.

Wohnen im Vergleichstest Marco Polo VW California

Das Meer beißt wütend in den Strand. Eigentlich hatten wir uns die Sache mit der Provence anders vorgestellt. Durch den dünnen Stoff des Dachzelts rauscht das Grollen der Brandung. Der Mistral zerrt gewaltig am Tuch. Nachts hat es geregnet, doch im Innenraum ist alles trocken. Kein Grund zur Sorge also. Die Nähe zur Natur und den Elementen gehört zum Erholungsprogramm bei Marco Polo und California.

Jetzt lacht die Morgensonne vom Himmel, der Wind hat die letzten Wolken weggefegt. Entspannter und ausgeruhter wacht man im Dachbett des Marco Polo auf. Der Schlafkomfort auf den punktelastischen Tellerfedern ist für die Klasse selten gut. Da kann die – trotz Lattenrost – straffe California-Liege nicht mithalten.

Sie geht bei Bedarf allerdings noch als Doppelbett durch. Auf immerhin 1,20 Meter Breite bringt es das Bett, während die mageren 1,10 Meter im Marco Polo kaum für zwei Personen taugen. Die Durchstiegsluke nach oben ist beim Mercedes etwas größer, doch beide Kandidaten fordern in dieser Beziehung ein Mindestmaß an Sportlichkeit.

Eine kleine Ablagemulde mit USB-Steckdose nimmt im Marco Polo den Smartphone-Wecker auf. Im California ist die Beleuchtung umfangreicher – sogar am Fußende gibt es eine Lampe.

Trotz elektrischer Sitzlehnenverstellung – oder vielmehr gerade deshalb – dauert der Bau des unteren Betts im Marco Polo länger. So richtig eben wird die Liegefläche nicht: Selbst durch die sehr zu empfehlende Matratzenauflage drückt sich die Profilierung der Sitzbank durch, und in der Mitte bleibt auf Hüfthöhe ein unbequemer Buckel. Das Bankbett ist minimal länger, aber spürbar schmaler als im California.

Dort geht der Umbau besser, auch weil sich die Kopfstützen einfach nach hinten wegklappen lassen. Bank nach vorne schieben, Strippe ziehen und Lehne absenken. Das Resultat ist eine ebenere und auch größere Liegefläche. Die Komfortauflage ist ebenfalls empfehlenswert, bringt mehr als im Marco Polo und lässt sich leichter handhaben.

Dass der Marco Polo in seiner Neuauflage rund 20 Zentimeter länger ist als der California, merkt man vor allem an der Sitzgruppe. Das Raumgefühl ist besser, auch wenn’s im Mercedes insgesamt recht dunkel zugeht. Die Einrichtung wirkt glamourös durchgestylt, trägt passend zum schicken Cockpit den Pelz eher nach außen. Verschlüsse und Griffe von Schubladen, Schränken und Küchenabdeckung sind aber auch gut zu bedienen.

Der California gibt sich schlichter, nüchterner, auch unempfindlicher, hat aber – dem hölzernen Dekor zum Trotz – das modernere und auch leichtere Möbelmaterial aus Aluminium. Das Ambiente im VW ist freundlicher und heller, die Verschlüsse aber nicht frei von Hakeligkeiten. Letztendlich ist die Möbelgestaltung Geschmacksache, bei der Handhabung hat der Marco Polo aber Vorteile.

Und noch ein Plus kann er für sich verbuchen. Das Wenden der Cockpitsitze klappt bei geschlossenen Türen, ist weniger umständlich als beim California. Dass die Vordertüren hier geöffnet werden müssen, ist besonders bei schlechtem Wetter von Nachteil. Der Beifahrer sitzt im Marco Polo jedoch weit weg vom Tisch, der wie beim California verschiebbar an der Küchenzeile eingehängt ist. Ein zweites Bein wäre in beiden Fällen für die Standfestigkeit von Vorteil. Die Tischplatten sind eher klein. Auch wenn die California-Vordersitze bequemer sind, reisen Mitfahrer hinten im Marco Polo komfortabler, weil sich die Seitenwangen der Einzelsessel aufblasen und die Lehnen separat elektrisch verstellen lassen. Das Verschieben der Bänke funktioniert in beiden Bussen gut, die Schienen im California sind mit Gummilippen aber besser geschützt, zum Beispiel vor Sand, den man nach einem Strandausflug zwangsläufig ins Fahrzeug trägt. Die Kopffreiheit ist bei aufgestelltem Dachbett üppig, bei geschlossenem knapp. Kein merklicher Unterschied, obwohl der Marco Polo insgesamt niedriger ist als der California.

Dank drei Schubladen lässt sich der Stauraum der Marco-Polo-Küche besser nutzen; allerdings ist die obere linke nicht mehr zu öffnen, sobald der Tisch aufgebaut ist. Die Glasplatte unter dem Kocher lässt sich besser reinigen als das Pressblech, in das beim California auch die Spüle eingeformt ist. Eleganter, vor allem leiser als die antiquierte Piezo-Zündhilfe im VW arbeitet die elektrische Zündung im Mercedes. Kritik verdient allerdings die unpraktisch halbkugelförmige Spüle im Marco Polo, in die schon ein mittelgroßer Topf nicht mehr richtig reinpasst. Das macht der California besser.

Ein wichtiger Punkt ist beiden gemein: Die Kompressor-Kühlboxen sorgen zügig für gekühlte Getränke. Zur Not lässt sich auch die tiefgefrorene Weihnachtsgans damit nach Hause bringen. Wir halten uns vorerst ans Flüssige. Das haben wir uns am Ende des Tages verdient, finden wir – wir sind schließlich auf Dienstfahrt.

Die Dusche nehmen wir auf dem Campingplatz. Eine kleine Aufmerksamkeit nach dem Besuch am Strand haben beide dennoch parat. Jeweils im Heck befindet sich optional ein Anschluss für eine Außendusche.

Fazit: Mit den größeren Betten beweist der California mehr Nähe zur Campingpraxis. In anderen Kapiteln, besonders der Küche, muss er sich dem Marco Polo jedoch geschlagen geben.

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Autor

Foto

Ingolf Pompe

Datum

30. Dezember 2015
Dieser Artikel stammt aus Heft promobil 12/2015.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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