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Test: Mercedes James Cook

Mit seiner jüngsten Auffrischung macht sich der James Cook wieder fit für neue Abenteuer.

Erst mit steigendem Alter mehrten sich Erfolge und Ansehen des ehrgeizigen Entdeckers James Cook. Sein Namensvetter strebt offenbar eine ähnliche Karriere an. Seit gut 26 Jahren geht auch der Mercedes James Cook seinen eigenen Weg – in der schnelllebigen Freizeitbranche ein echter Methusalem. Dennoch kleidet sich das aktuelle Modell lieber in einen dynamischen Maßanzug als in Strickjacke und Filzpantoffeln. Bereits 1995 bei seiner Premiere war das heutige Konzept der Zeit voraus. Zum Modelljahr 2004 haben die Partner Mercedes und Westfalia kräftig am James Cook gearbeitet, um den hohen Campingbus in Hochform zu halten. Wichtigste Neuentdeckung: das Interieur. Als würde an jedem Tag die Sonne scheinen, strahlen die Möbel in einem fröhlich warmen Gelb, das sich auf Sonderwunsch sogar auf Alcantara-Polstern wiederfindet. Eine traditionelle Stärke der Einrichtung, die große Küche, reifte dabei weiter. Das Rollo im Alu-Look sieht am Hängeschrank gut aus und steht geöffnet nicht im Wege. Angesichts einer sonst großzügigen und durchdachten Kochausstattung vermisst man allerdings einen Besteckeinsatz in der Schublade. Bei steigendem Alter nicht ganz unwichtig: der Schlafkomfort. Westfalia gönnt dem James Cook endlich eine hochwertige Federung und Unterlüftung für die Schaumstoffmatratze.

So lässt sich die Nachtruhe auf dem großflächigen und über stabile Trittstufen im Küchenblock zugänglichen Bett erst richtig genießen. Als sehr empfehlenswert erwies sich im Test das optionale Hebekippdach über der Liegefläche. Dank Fernbedienung kann man die isolierte Luke nun ohne Kletterpartie vom Wohnraum aus öffnen. Will man den Boiler nach längerer Pause wieder einschalten, bleibt dem James-Cook-Fahrer aber nach wie vor keine Turnübung erspart: Hoch oben am Fahrzeugheck muss die Abdeckkappe des Boilerkamins entfernt werden. Selbst die sonst vorbildliche Bedienungsanleitung schweigt sich diskret darüber aus, wie das am besten geht. Das warme Wasser sichert ein weitgehend ungetrübtes Duschvergnügen im geräumigen Sanitärbereich. Dabei muss man sich nicht mit Vorhängen herumärgern, wohl aber anschließend Spiegel und Ablagen trockenwischen. Kein Problem, denn im geradlinig eingerichteten Bad geht das Putzen generell leicht von der Hand. Die Handschrift eines Automobilherstellers bemerkt man immer wieder an Details, die in Pkw selbstverständlich, in Reisemobilen jedoch völlige Ausnahme sind. Etwa eine Kofferraumbeleuchtung, die bei geöffneter Klappe automatisch brennt. Der Stauraum selbst kann sich beim James Cook nämlich sehen lassen. Klappstühle wandern in den doppelten Boden im Heck. Wer will, kann auch den Kleiderschrank von außen befüllen. Für Wäsche finden sich passende Ablagefächer. Beim Blick ins praktische Sideboard hinten rechts irritiert jedoch nacktes Blech am hineinragenden Kotflügel. Im sichtbaren Bereich verhindern das die sauberen Kunststoffverkleidungen – wie beim Pkw eben. Mit seiner Kraftstoffheizung steht der James Cook heute nicht mehr so einsam auf dem Reisemobilmarkt.

Dennoch bietet Mercedes inzwischen eine (leiser arbeitende) Gasheizung als Extra. Dann aber wird der Gasvorrat von zwei Fünf-Liter-Flaschen knapp. Als der Begriff Halbdinette noch unbekannt war, prägte diese Aufteilung längst die James-Cook-Einrichtung. Selbst heute kann der Mercedes hier als Vorbild dienen: Zwei Tischgrößen passen sich kurzen Pausen oder der großen Mahlzeit an. Vier Personen fühlen sich dabei eher in der Kapitänskajüte als im Zwischendeck. Nur der Umbau der Bank zum Bett dürfte einfacher sein. Im Alltag verdient sich das breite Möbel ein dickes Plus. Drei Personen können hier angegurtet sitzen. Wie ernst Mercedes die Sicherheit nimmt, zeigt außerdem das serienmäßige ESP: Als einziges Reisemobil der 3,5-Tonnen-Klasse hat der James Cook einen elektronischen Schleuderschutz. Der Fahrer bemerkt das allenfalls bei extremen Ausweichmanövern, denn sportliche Gangart ist Sir James völlig fremd. Gefühllose Lenkung und mäßiger Geradeauslauf stempeln ihn zum gemütlichen Kreuzfahrer. Auch höhere Geschwindigkeiten quittiert er unwillig mit stark ansteigendem Motorgeräusch und zitternden Außenspiegeln. Beim Bummeln dagegen beweisen sich elastischer Fünfzylinder und sanfte Automatik als Traumpaar. Für beides verlangt Mercedes – wie für viele schöne Dinge – aber satte Aufpreise. Gönnt man sich etwas Luxus, darf man dabei eine verstärkte Vorderachse nicht vergessen. Sonst verbleiben vorne wie beim Testwagen gerade mal 150 Kilogramm Zuladung. Unabhängig von Diskussionen um nüchterne Zahlen kann der James Cook vor allem eines in die Waagschale werfen: den Status eines Klassikers.

Technische Daten (Stand: Januar 2005)
Hersteller: Mercedes Benz
Modell: James Cook
Basisfahrzeug: Mercedes Sprinter 316 CDI
Typ: Campingbus
Preis: ab 52523 EUR
Sitze mit Gurt: 5
Schlafplätze: 4
Zul. Gesamtgewicht: 3500 kg
Länge: 5640 mm
Breite: 1930 mm
Höhe: 3150 mm
Basismotor: Turbodiesel
KW: 115
PS: 156
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Datum

30. Dezember 2004
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