Luftschlauchzelte 25 Bilder Zoom

Luftschlauch-Vorzelte: Windige Gesellen

Der schnelle und komfortable Aufbau macht Luftschlauchzelte für Wohnmobile interessant. Fragt sich, ob die luftigen Gestänge auch einem starken Wind die Stirn bieten können. promobil hat den Test.

Konventionelle Vorzelte sind nicht das liebste Zubehör von Reisemobilisten; ihr Aufbau dauert einfach zu lange. Luftschlauchvorzelte könnten das jedoch ändern. Sie versprechen einen schnellen Aufbau. Zudem sind sie viel leichter als Zelte mit Gestänge. Den Luftschläuchen traut man aber nicht die Standfestigkeit von Metallstangen zu. Ob das berechtigt ist, zeigt der promobil-Test.

Schnell aufgebaut: Der große Vorteil der Luftschlauch-Vorzelte

Die Vorreiter in Sachen Luftschlauchzelte kommen aus Großbritannien. Dort erreichen Firmen wie Vango mit dem luftigen Gestänge große Marktanteile. Deshalb schickt der Campingausstatter aus Schottland das Kela II Buszelt ins Rennen. Mittlerweile auch für Kastenwagen und Reisemobile erhältlich ist das Freeway Tall von Outwell. Von DWT ist mit dem Isola Air ein Buszelt und mit dem Bora Air High ein Reisemobilvorzelt am Start.
Das große Versprechen halten alle Luftschlauchvorzelte. Der Aufbau geht richtig fix.

Arbeitsschritte wie das Gestänge zusammenstecken und die Plane überziehen fallen weg. Die Buszelte werden einfach ausgerollt, aufgepumpt und am Bus verspannt. Die Reisemobilzelte müssen vorher in die Kederleiste der Markise eingezogen werden. In weniger als fünf Minuten stehen alle Zelte im Test. Inklusive Abspannen dauert der Komplettaufbau weniger als zehn Minuten.

Verschiedene Aufbausysteme

Outwell hat die Schläuche über ein Ventilsystem aneinandergekoppelt. Es muss nur einmal gepumpt werden, wobei etwa 50 Pumpstöße reichen. Die Schläuche haben genug Kraft, um das Zelt ohne Unterstützung anzuheben.

Bei den Mehrkammernsystemen von Vango und DWT ist neben mehreren Pumpeinsätzen ein zweiter Handgriff nötig, um dem Zelt die letzte Stabilität zu geben. Beim Kela von Vango musste innen am Scheitelpunkt ein kleiner Schlauch zwischen den Hauptbögen befestigt werden. Hingegen schaffen es die gekreuzten Schläuche beim Isola Air nicht, das Zelt ganz aufzurichten und mussten von innen per Hand in Position gedrückt werden.

Die Krux mit den Ventilen

Zwiespältig fällt bei allen Bewerbern das Urteil über die Positionierung der Ventile aus. Bei DWT sind sie bei beiden Zelten innen zu finden, können aber von außen durch einen Reißverschluss erreicht werden. Für den Aufbau empfiehlt sich der Zugriff von außen. Falls einem der Druck in den Schläuchen aber zu niedrig werden sollte, kann man bei Regen von innen Luft nachpumpen. Mühsam ist dagegen, dass die Ventile weit unten sitzen. Vango und Outwell haben auch an ungelenkigere Camper gedacht. Die Lufteinlässen sitzen über Kniehöhe aber außen.

Vango und Outwell verwenden zudem etwas moderner anmutende Ventile. Beim Airspeed-System von Vango kann das Ventil mit einem kleinen Kniff geöffnet werden und die Luft ausströmen. Outwell hat einen getrennten Luftausgang, der entriegelt wird. Bei DWT muss das Ventil zum Ablassen dagegen umständlich abgeschraubt und später wieder festgezogen werden.

Wieviel Platz bieten die Luftschlauch-Vorzelte?

In Sachen Geräumigkeit geben sich die Zelte im Grunde nicht viel. Es reicht überall, um einen Campingtisch und vier Stühle aufzustellen. Das Isola Air, das Kela und das San Diego Tall sind von der Form her allerdings klassische Buszelte mit einer Schleuse. Da diese in allen Fällen kein Fenster hat, ist es im hinteren Zeltteil recht dunkel. Die Buszelte wirken daher etwas weniger geräumig.

Das Bora Air von DWT hingegen ähnelt einem Wohnwagenvorzelt in Reisemobilgröße. An allen Außenflächen – außer in die Tür an der Bordwand – hat das Zelt große Fenster. Das lässt den Raum größer wirken.

Stabilitätsfrage: Wo wird das Zelt angebaut?

Die Zelte von Vango und Outwell können in der Serienausstattung tatsächlich an allen Fahrzeugtypen angebaut werden, die die maximale Anbauhöhe nicht überschreiten. Das Kela kann an einer Kederleiste eingezogen, an der Dachreling mit Klettbändern befestigt oder mit Sturmleinen über das Dach hinweg abgespannt werden. Outwell gibt als bevorzugte Anbaumethode den Einzug in die Kederleiste der Markise an, hat aber einen Lappen angenäht, mit dem sich das Zelt per Sturmleine auch über das Fahrzeug hinweg abgespannt werden. Outwell gibt als bevorzugte Anbaumethode den Einzug in die Kederleiste der Markise an, hat aber einen Lappen angenäht, mit dem sich das Zelt per Sturmleine auch über das Fahrzeug hinweg befestigen lässt. DWT liefert beim Isola Air dagegen einen Schleusenstab zur Befestigung an der Regenrinne oder Klettbänder für die Reling mit. Wer weder Rinne noch Reling hat, was auf viele Campingbusse zutrifft, kann sich mit Abspannleinen selbst einen Überwurf basteln oder Kederadapter nachbestellen. Durchdachter wäre es, wenn der Hersteller vorher an solche Fälle gedacht hätte.

Beim Bora Air setzt DWT serienmäßig nur auf die Befestigung an einer Kederleiste an Fahrzeugwand oder Markise. In Sachen Standfestigkeit vertrauen Vango und Outwell ihren Luftschläuchen vollkommen. DWT setzt beim Isola Air eine Fiberglasstange  am Dach und beim Bora Air eine Metallstange an der Dachkante ein, um die Zelte zu stabilisieren.

Die Testergebnisse

Dabei boten die Luftschläuche überraschend viel Stabilität. Der konstante Wind auf dem Flugplatz in Walldürn, am Testtag mit vier Metern pro Sekunde gemessen, zeigte keine erkennbare Wirkung auf die Zelte. Selbst der Sturmtest zwang auch keines von ihnen in die Knie. Caravaningbranchegröße und Hobbypilot Dieter Goldschmitt jagte den Motor seines Flugzeugs immer so weit hoch, bis der Wind mit gemessenen 13  bis 14 Metern pro Sekunde auf die Zeltplane traf. Das enspricht dem unteren Bereich von Windstärke sieben.

Bei solchen Geschwindigkeiten gaben die  Luftgestänge ein wenig nach. Aber keines so weit, dass man im Innenraum nicht mehr hätte stehen können oder Möbel abgeräumt worden wären. Als klarer Verlierer geht aus dem Windtest nicht ein Zelt, sondern eine Befestigungsmethode hervor: Der Einzug an der Keder der Markise. Dabei ergibt sich immer eine Lücke zwischen Fahrzeugwand und Zelt. Deshalb schoss die Luft beim Zelt von Outwell mit voller Geschwindigkeit in die Schleuse. Das San Diego Freeway hielt das zwar aus. trotzdem macht die Abspannung über das Dach einen sichereren Eindruck, weil das Zelt so direkt an der Mobilwand anliegt. DWT hat diesen Schwachpunkt beim Bora Air High bedacht  und einen Schlauch mit Anpressstange mitgeliefert, um den Spalt  zu schließen. Die Naht zwischen Keder und Zeltplane riss trotzdem ein, als die Windgeschwindigkeit für einige Sekunden  über 14 Meter pro Sekunde gesteigert wurde.

Die Standfestigkeit der Luftschläuche im Test überzeugt

Gepaart mit den Erleichterungen beim Auf- und Abbau fällt das Gesamturteil positiv aus. Theoretisch macht das schnelle System den Aufbau auch bei kurzen Standzeiten von ein, zwei Tagen lohnend. Derzeit haben die Camping- und Trekkingzeltbauer Vango und Outwell aufgrund ihrer längeren Erfahrung das System noch besser im Griff. Uneinholbar ist der Vorsprung für die klassischen Vorzelthersteller der Caravaningbranche wie DWT aber nicht.

Tipps, Tricks, Hilfsmittel

Obwohl der Aufbau von Luftschlauchvorzelten leichter ist als bei Gestängezelten, gilt weiterhin die Regel: Zu zweit baut es sich bequemer auf. Dabei müssen zwischen 0,4 und 0,6 bar in die Schläuche gepumpt werden. Damit das gelingt, liefert jeder Hersteller eine Standpumpe im Serienumfang mit. DWT mit einem Überdruckventil, die Konkurrenz mit kleinem Manometer. Bei Mehrkammersystemen ist es besser, die Ecken vor dem Pumpen mit Heringen zu befestigen. Sind die Schläuche gekoppelt, geht es auch ohne.

Konkurrenten

Neben den Testteilnehmern gibt es auch noch Luftschlauchvorzelte von anderen Herstellern. Dorema und Herzog sind längst in die Produktion der neuen Zelttypen eingestiegen. Herzog hat sein Air Travel Busvorzelt schon etwas länger im Programm. Es ist für Fahrzeuge mit Regenrinnenhöhe von 170 bis 200 Zentimeter geeignet. Dabei ist es 320 Zentimeter breit und 310 Zentimeter tief. Als standardmäßige Anbaumethode ist die Befestigung an der Regenrinne gedacht. Im Handel ist das Air Travel für 599 Euro zu haben. Info: www.herzog-freizeit23.de

Ganz neu ist das Traveller Air von Dorema, das auf der CMT vorgestellt und für den Preis von 745 Euro angeboten wurde. Das ist die teurere Variante mit der hochwertigeren Zeltplane aus Ten Cate All-Sesons-Gewebe. Das frei stehende Zelt ist für Campingbusse und -vans entwickelt worden, deren Regenrinne zwischen 215 und 240 Zentimeter hoch hängt. Es ist dabei etwa 280 Zentimeter breit und 320 Zentimeter tief. Info: www.dorema.de

Portraits Redaktion

Foto

Andreas Becker

Datum

29. Mai 2015
Dieser Artikel stammt aus Heft promobil 05/2015.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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