Alles über Dethleffs Globetrotter L
Dethleffs Globetrotter von 1993 Zoom

Dethleffs Globetrotter-L: Leichtgewichtiges Reisemobil im Test

Ein stattliches Alkovenmobil mit Doppelboden auf Basis des Iveco Daily als 3,5-Tonner – undenkbar? Dethleffs will nun mit dem neuen Globetrotter L das Gegenteil beweisen. promobil hat das Leichtgewicht getestet.

Gerade erst den Führerschein bestanden, schon geht’s los auf große Fahrt. Papa hat versprochen, dass die 18-Jährige ihre frisch erworbene Fahrerlaubnis gleich am Steuer des stattlichen Familienmobils beweisen darf – natürlich unter Papas Aufsicht.

Voraussetzung dafür: Das Fahrzeug begnügt sich mit 3,5 Tonnen Gesamtgewicht, der Grenze für alle Führerscheinneulinge seit Anfang 1999. Ein großzügiges, komfortables Mobil, das vier Personen angemessen Zuladung bietet, zumal mit Doppelboden, unter diesem Limit? Eine harte Nuss. Dethleffs ist angetreten, sie zu knacken.

Dethleffs ringt ums Gewicht, das ist lobenswert, aber ein echter Befreiungsschlag gelingt nicht. Für ein Alkoven-mobil mit Doppelboden reicht es noch nicht ganz – der A 6878 ist eher ein Viertonner mit guten Reserven. Seine Leichtbautechnik könnte aber andere Modelle zu echten 3,5-Tonnern machen.

Die Fahreigenschaften

Der Iveco kann seine Nutzfahrzeugherkunft kaum verbergen. Als Grundlage des Globetrotter L A 6878 dient der Iveco Daily in seiner leichtesten Ausführung. Der Konzernbruder des Fiat Ducato, sonst vor allem in der schwereren Liga um sechs Tonnen zu Hause, wurde jüngst gezielt abgespeckt, um in der stückzahlträchtigen 3,5-Tonnen-Klasse eine konkurrenzfähige Nutzlast zu bieten.

Der jüngste Daily-Spross wirkt unter dem stattlichen, 3,41 Meter in die Höhe ragen­den Aufbau ein wenig schmächtig. Trotz Zwillingsbereifung verschwinden die relativ kleinen Räder weitgehend unter dem Aufbau. Behäbig wirkt auch das Handling und Fahrverhalten des Alkovenschiffs – für einen Fahranfänger gewiss eine große Herausforder­ung.

Die wenig gefühlvolle, zudem stößige Lenkung, die besonders kalt hakelige Schaltung, die poltrige Federung und das erhöhte Geräusch­niveau verströmen herben Nutzfahrzeugcharme – auch wenn das Cockpit inzwischen optisch und ausstattungsmäßig an gängiges Transporterniveau An­schluss halten kann.

Eine ordentliche Portion Dynamik bringt der optionale 3,0-Liter-Motor mit 176 PS in das Fahrzeug – die dosiert eingesetzt werden will, soll nicht die gute Sicherheitsausstattung mit zwei Airbags und höhenverstellbaren Dreipunktgurten an der Rückbank zum Einsatz kommen. Die Schleuderbremse ESP gibt es nicht einmal gegen Aufpreis.

Die Investition in den großen Motor erscheint aber noch aus anderen Gründen fragwürdig. Die erreichbaren Spitzengeschwindigkeiten von Tacho 140 sind zwar als 3,5-Tonner legal, dem Portemonnaie an der Tankstelle aber wenig zuträglich – rund acht Quadratmeter Stirnfläche lassen sich einfach nicht widerstandslos durch den Wind schieben.

Zudem wiegt der 3,0-Liter satte 60 Kilogramm mehr als der 2,3-Liter-Serienmotor, der – nach allen Erfahrungen mit seinem eng verwandten Ducato-Pendant – für passablen Vortrieb sorgen sollte. Die lange, sommertags Schatten spendende Alkovennase macht sogar die 25 Extrakilo für die eigentlich obligatorische Klimaanlage überlegenswert.

Technik und Aufbau

Dethleffs setzte auf konventionelle Aufbautechnik mit einem Schuss Leichtbau. Dem klassischen Alu-Holz-Styropor-Kabinenbau mag manches vorgeworfen werden, besonders schwer ist er bekanntlich nicht. Darum belässt es Dethleffs beim Globetrotter L auch dabei – was Dach und Wände anbelangt.

Mehr Aufmerksamkeit widmete man der Konstruktion des immerhin 36 Zentimeter hohen Doppelbodens. Im Unterboden wurde der Holzanteil reduziert und durch Elemente aus besonders festen Schäumen ersetzt. Der Zwischenbodenaufbau besteht überwiegend aus speziellen Tischlerplatten mit Schichtstoffsperrholz-Oberflächen und Mittellage aus Leichtbauholz. Die Heckabsenkung der Garage wurde ebenso gewichtsoptimiert mit speziellen Schichtstoff-Sandwichplatten. Anders als bei den großen Baureihenbrüdern XL und XXL ist zudem die Trennwand zum Fahrerhaus nicht massiv, sondern als Sandwich-Wand ausgeführt.

Einige andere Aufbaudetails packt Dethleffs dagegen markentypisch in eines der drei Pakete: die bündig eingelassenen Alu-Rahmenfenster genauso wie die Klarglas-Dachhauben, die breiten runden Kantenleisten, die Dachreling, die Trittschweller am Fahrerhaus und die Kunststoff-Anbauteile am Alkoven. Die Rundbogen-Aufbautüre ist dagegen serienmäßig, der klapprige Fliegenschutz wiederum nicht.

Zum Paketbestandteil zählt auch teilweise die Lampenausstattung, etwa die Spots am Dachfenster- und Küchenbaldachin und die indirekte Beleuchtung. Gleiches gilt für das Kontrollbord im nautischen Uhrendesign. Als Stromspeicher dient eine 95-Ah-AGM-Batterie – eine Blei-Säure-Batterie ähnlicher Leistungs­fähig­keit wäre 10 bis 20 Prozent schwerer.

Untadelig präsentiert sich die Gasanlage. Der Flaschenkasten ist tief angebracht und die Gasbehälter sind unabhängig tauschbar. Vorbildlich ebenso die Gasabsperrhähne vorne am Küchenblock. Der Frischwassertank fällt aus Gewichtsgründen mit 88 Liter relativ klein aus. Eine 137-Liter-Version mit 88 Liter Inhalt während der Fahrt soll ihn schon bald ersetzen.

Stauraum und Beladung

Der Stauraum ist üppiger als die Zuladungsreserve. Kommen wir also zu der spannenden Frage, was der Leichtbau in Kilogramm tatsächlich ausmacht. 3220 Kilogramm zeigt die Waage für das reisefertige Testmobil mit Kraftstoff, Wasser und Gas. Zieht man 190 Kilo für die Extras des Testwagens ab, bleiben 3030 Kilo, also eine theoretische Zuladung von 470 Ki­lo. Damit erfüllt der A 6878 tatsächlich knapp die Zu­la­dungsnorm für ein Vier-Personen-Mobil.

Geht man jedoch von der durchaus realistischen Konfiguration des Testmobils aus, reicht es nicht. Auch angesichts der üppigen Stauräume in Hängeschränken und Sitztruhen, dem riesigen Kleiderschrank, dem Durchladefach im Doppelboden und der großzügigen Heckgarage scheint die Auflastung auf 4000 Kilo – glücklicherweise nur eine Formsache – letztlich angeraten.

Wohnen, Kochen, Sanitär, Schlafen

Großzügige Platzverhältnisse in Betten, Küche und Bad. Der Möbelbau ist schnörkellos. Lediglich die Hängeschränke gönnen sich eine Rundung und ein wenig Zierrat. Ansonsten sind die Fronten schlicht und eckig – und damit leicht. Auch die Ausbauteile mussten sich bei der Modell­entwicklung einer strengen Gewichtskontrolle unterziehen. Der Funktionalität hat es nicht geschadet.

Dem Küchenbereich gönnt Dethleffs sogar höhenverstellbare Zwischenböden und fünf, teils riesige Schubladen brauchbarer Stabilität. Hobbyköche werden sie ebenso schätzen wie die praxisgerechte Arbeitsfläche zwischen der pfannentauglichen Spüle und dem Kocher mit Elektrozündung. Eine Nummer kleiner als üblich wurde der Serienkühlschrank mit 90 Litern gewählt.

Schlicht, aber leicht und funktional ist auch der Sanitärbereich eingerichtet. Das Bad mit Toilette und Waschtisch dient als Vorraum zur benachbarten Dusche. Eine Parallelnutzung ist möglich. Hänge- und Unterschrank bieten an­gemessenen Stauraum. Fünf Seiten der Nasszelle sind mit Kunststoff-Paneelen ausgekleidet. Den Zugang verschließt ein Vorhang mit eingearbeiteter Stange am Ende – zuverlässig, aber weniger komfortabel als eine Schiebetüre.

Großgewachsene bedauern die auf 1,98 Meter reduzierte Stehhöhe in der Dusche – im übrigen Aufbau misst sie üppige 2,11 Meter. Auch die Liegemaße und die Kopffreiheit in den Alkoven- und Heckbetten ist für Übergrößen tauglich.

Unter den, immerhin aus Kaltschaum gefertigten Ma­tratzen finden sich aus Gewichtsgründen jedoch keine Lattenroste, sondern nur Abstandsgewirke zur Unterlüftung. Lediglich ein Lesespot und keinerlei Ablagen trüben den Komforteindruck im Alkoven überdies.

Die Sitzgruppe ist als klassische Viererdinette ausgeführt. Die Bank gegen die Fahrtrichtung zeigt sich ebenso bequem wie vis à vis und ist optional mit Dreipunktgurten ausrüstbar.

Der Durchstieg ins Fahrerhaus ist mühsam, weil weit­gehend zugebaut. Schade nur, dass dabei die Chance zu einer kompletten Abschottung für den Winter – etwa durch eine leichte Schiebetür statt des Vorhangs – nicht genutzt wurde. Der beheizte Doppelboden, die Warmluftverteilung von der Heckgarage bis in den Alkoven, die hinterlüfteten Schränke und die Warmwasserheizungsoption machen den Globetrotter L gerade auch für Wintercamper reizvoll.

Kosten

Einfach, leicht und günstig - so definiert sich der Serienzustand.

65.000 Euro Grundpreis sind auf den ersten Blick relativ wenig für ein Reisemobil dieses Konzepts. Die rare, durchweg teurere Konkurrenz bietet aber mehr Serien­ausstattung.

Dethleffs steckt vieles in drei bequeme Pakete, die dann zusammen rund 6.000 zusätzliche Euro ausmachen. Wer es mit den 3,5-Tonnen ernst meint, muss so oder so jeden Einzelposten ganz genau abwägen und wird so für seinen Gewichts- und Komfortverzicht letztlich auch mit ein paar Euro Ersparnis belohnt. Das hier getestete Fahrzeug kommt auf rund 73.700 Euro.

Tipps: Mobile zum Schnäppchen-Preis

Drei Grundrisse umfasst die auf Leichtbau getrimmte Globetrotter-L-Reihe. Außer dem getesteten A 6878 werden noch zwei Etagenbettenmodelle – einmal längs, einmal quer – an­geboten, alle zum selben Grundpreis.

Typ: Alkovenmobile
Schlafplätze: 4
Preis: 70.000 bis 80.000 €
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Promobil Archiv

Datum

6. Mai 2009
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