Alles über Laika Kreos
Reisemobil Laika Kreos 5009 35 Bilder Zoom

Laika Kreos 5009 im Test: Ausnahmeerscheinung

Oberklassig und richtig schick: Laika hat den Kreos verjüngt. Das lange Topmodell ist eine stattliche Ausnahmeerscheinung, die mit viel Ausstattung prunkt. Was kann der neue 5009 in der Praxis?

Die italienische Art, stilvoll zu reisen, trägt einen Namen: Laika. Und diesem Anspruch wird der neue Kreos endlich auch optisch gerecht. Genauer gesagt, der 5000er-Kreos – denn nur für die beiden Topmodelle der Baureihe hat der traditionsreiche Hersteller nun einen neuen, eleganteren Übergang vom Fahrerhaus zur Wohnkabine gestaltet. Ein leichter Aufschwung nach vorn lässt die Haube über dem Cockpit nicht mehr so ungelenk steil aufragen wie beim Vorgänger. Mit der Überarbeitung erhalten die Modelle 5009 und 5010 auch gleich ein neues Heck und einen optimierten Innenraum.

Gewachsene Außenabmessungen schaffen mehr Raum zum Leben; stattliche 7,69 Meter machen den Luxus-Teilintegrierten zwar nicht handlicher, aber in allen Wohnbereichen ein wenig großzügiger. Zum Test fährt der 5009 mit Einzelbetten im Heck, Raumbad, Winkelküche und großer Sitzgruppe vor. Und noch eine Option, die Laika für alle Teilintegrierten anbietet, hat er an Bord: ein Hubbett. Zusammen mit der großen Sitzgruppe wird er damit theoretisch sogar zum Vier-Personen-Mobil.

Ob und wie das hinhaut? Wir werden sehen. Im Supercheck arbeiten wir Stärken und Schwächen des Modells im Detail heraus. Schonungslos, kritisch und wie immer streng an der Praxis orientiert.

Wohnen

Ein dickes Kompliment muss man dem 5009 erst einmal machen. Die Stehhöhe ist fast im gesamten Wohnraum klasse. Selbst unter dem Hubbett bleiben 1,91 Meter – das hat Seltenheitswert. Die Sitzgruppe darunter lädt mit L-Bank und breitem Seitensitz rechts sowie elegant geformten Rückenlehnen ein. Vier Reisende finden gemütlich Platz, zu fünft wird es knapp, auch weil der an sich große, verschiebbare Tisch nicht erweiterbar ist. Obwohl die Rückbank breit ist und die Gurte sogar höhenverstellbar sind, gibt es Minuspunkte für den komplizierten Rückbau des L-Schenkels, der nötig ist, damit zwei Passagiere hinten nebeneinander passen. Budget- und Geschmacksache: die sehr glatten, 2814 Euro teuren Lederbezüge.

Sehr unauffällig ist das Hubbett (1460 Euro) integriert. Es fährt auf Knopfdruck zügig herab und lässt sich dann über eine Leiter erklettern. Mit seiner dünnen, spürbar nicht unterfederten Matratze und den eher knappen Liegemaßen eignet es sich vor allem für kleinere und leichtere Zeitgenossen, die allerdings nur zum Fahrerhaus hin auf einen Herausfallschutz vertrauen können. Gut ist die Ausstattung: Am Kopfende gibt’s Ablagen und Leselampen, und bei Bedarf sogar Blick auf den Fernseher zu Füßen.

Von ganz anderer Qualität sind die Einzelbetten im Heck, erste Wahl für die Menschen, für die der Kreos vor allem gebaut ist: komfortorientierte Paare, die mit maximal 1,96 Meter Liegelänge leben können. Man kommt leicht rein – und schwer wieder raus, denn auf den dicken, mehrzonigen Matratzen aus hochwertigem Kaltschaum mit waschbaren, anschmiegsamen Bezügen schläft man ausgezeichnet. Leseratten freuen sich über aufstellbare Kopfenden und einzelne Schwanenhalslampen. Wer mag, kann das ganze auch zur großen Liegewiese umbauen. Für den Aufstieg sollte man dann die optionale Leiter ordern.

Eine solide Schiebetür trennt das Schlaf- vom Badezimmer. Die große Duschkabine und der Toilettenraum stehen sich gegenüber und sind gleichzeitig nutzbar. Es gibt einen tollen Waschtisch mit großem Becken – aber mangelhaftem Spritzschutz drum herum –, viele Handtuchhaken, Becherhalter, Seifenspender, reichlich Stauraum und ausreichend große Spiegel. Die Dusche bietet trotz Stufe viel Stehhöhe, hat mehrere Abstellmöglichkeiten für Shampoo und Co. Zwei Abflüsse gleichen bei Schrägstellung aus, dass die Duschtasse ziemlich flach ist. Von der Decke lässt sich eine Kleiderstange herunterklappen, und optional gibt es zwei einlegbare Kunststoff-Regalböden – so kann man den Raum vielfältig nutzen.

Die Küche winkelt sich schwungvoll zwischen Sitzgruppe und Bad. Eingelassen in die schicke, serienmäßige Mineralwerkstoff-Arbeitsplatte sind eine große Spüle und ein praktisches Abtropfbecken mit Tellerhalter. Mit dem Stauraum kommt man bestens klar, weniger mit den etwas eng stehenden Flammen des Kochers. Serienmäßig gönnt Laika Kreos-Käufern einen großen Kühlschrank mit ziemlich hoch platziertem Backofen.

Beladen

Eines gleich vorweg: Stauraum für zwei ist sehr reichlich vorhanden. Also nur keine falsche Bescheidenheit beim Beladen. Für mehr Passagiere wird es enger – auch deshalb, weil sich das Gepäck nicht gleichmäßig verteilen lässt. Während Schrankraum vorn eher knapp ist, gibt es im Heck neben fünf Dachstaukästen auch zwei Kleiderschränke – jeweils unter den Betten platziert und durch hochklappbare Fußenden halbwegs bequem zugänglich. Schuhe nimmt ein Fach im Einstieg auf oder die mittlere der Heckbettstufen. Besonders reichlich vorhanden sind Garderobenhaken.

Die Heckgarage ist bestens für den Transport von Zweirädern vorbereitet. Sie lassen sich einfach einladen und vertäuen. Sogar an der Decke gibt es Verzurrösen, die auch als Kleideraufhänger dienen können. Zwei Türen und eine gute Beleuchtung erleichtern die Sache zudem. Auch Steckdosen sind vorhanden. So praktisch wie nervtötend: die Sirene, die beim Motorstart ertönt, wenn die Türen nicht verschlossen sind. Zwar fehlen Fächer für Kleinteile in der Garage, dafür kommen Keile und Co. in zwei Schürzenfächern unter. Über diese lässt sich auch der 21 Zentimeter hohe, sogar automatisch beleuchtete Doppelboden beladen, der sich besonders für den Transport von Skiern oder Campingmöbeln eignet. Für Kleinteile wäre eine Unterteilung praktisch, rund um die Bodenluken, die vom Wohnraum in das Kellergeschoss führen.
Dass ein 3,5-Tonner mit 7,69 Meter Länge mit Zuladung geizt, verblüfft kaum. Dass Laika das kleine Chassis überhaupt anbietet, dagegen schon. Um das 1535 Euro teure Maxi-Chassis kommt man also kaum herum. Zum Trost gibt’s den 120- statt des 60-Liter-Diesel-Tanks dazu.

Technik

Es dauert eine Weile, bis man zu jeder Lampe den passenden Schalter gefunden hat. Doch dann erstrahlt der 5009 in einer wahren Festbeleuchtung – großteils dimmbar und wie mittlerweile üblich in sparsamer, langlebiger LED-Technik. Das ist nicht nur nett anzuschauen, sondern obendrein auch höchst funktional. Umso mehr nerven jedoch die teils fummelig kleinen Lichtschalter. Die aufwendige Bordelektrik speist eine 100-Ah-AGM-Batterie, die angesichts der vielen Verbraucher allerdings etwas unterdimensioniert erscheint. Was im Test prompt nicht funktionierte, war der Tiefentladeschutz für die Batterie. Ein stiller Verbraucher zwang den Bordakku offenbar in die Knie – eine nachhaltige Schädigung ist zu befürchten.

Auffallend solide hingegen: die Materialien der Wasseranlage, insbesondere der Abwasserrohre mit Siphons in Haushaltsqualität. Frisch- und Abwassertank sind sehr vorausschauend eingebaut. Sie liegen – wie die Ablassventile – frostsicher im Doppelboden, sind von der Garage aus zugänglich und von dort im Notfall austauschbar. Für eine angenehme und gleichmäßige Wärmeverteilung sorgt die serienmäßige Warmwasserheizung, mit der der Kreos sich vor allem für Wintercamper empfiehlt. Für den Schlafbereich gibt es sogar ein separates Thermostat.
Gut erreichbar sind die Gasabsperrventile in einem Extrafach unter dem Kühlschrank. Die kleine Tür des Gaskastens erschwert aber den Flaschenwechsel.

Der Aufbau strahlt nicht nur optisch Solidität aus – was die elegante Farbgebung gekonnt unterstreicht –, sondern er kann auch substanziell überzeugen. Die Kabinenkonstruktion stützt sich auf hochwertige Materialien. Die XPS-Dämmung wird an der Decke von einem textilen Bezug unterstützt. Der Doppelboden ist nach unten allerdings nur von einer 14 Millimeter dünnen Platte isoliert. Die Aufbauteile sind passgenau angesetzt und sauber verfugt.
Die Verarbeitung im Wohnraum kann damit allerdings nicht ganz mithalten. Sägespäne in der Garage, sichtbare Möbelverbinder, scharfe Kanten und überstehende Schrauben verursachen doch hier und da etwas Stirnrunzeln.

Fahren

Mal abgesehen von der für einen Teilintegrierten wirklich stattlichen Länge, fährt sich der Kreos 5009 unaufgeregt. Der 4,5 Meter lange Radstand sorgt naturgemäß für einen beträchtlichen Wendekreis, doch einmal in Fahrt, geht es munter voran. Vorausgesetzt, wie beim Testwagen übernimmt der 148-PS-Diesel den Vortrieb. Der sollte es angesichts des Gewichts von bis zu 4,25 Tonnen schon sein – die finanzielle Hürde dafür ist mit 1428 Euro extra noch moderat. Sein Geradeauslauf ist so stoisch, dass selbst höhere Geschwindigkeiten als die erlaubten 100 km/h machbar wären. Ein gutes Gefühl vermittelt dabei die sehr gute Sicherheitsausstattung. ESP und Airbags für Fahrer und Beifahrer sind serienmäßig an Bord und mit dem optionalen Maxi-Chassis auch größere Bremsen.

Ein wenig unübersichtlich ist der lange Aufbau beim Rangieren und Rückwärtsfahren, woran man sich aber gewöhnt. Den langen Überhang sollte man aber gut im Auge behalten und sich von steilen Böschungen fernhalten. Etwas steif rumpelt die Ducato-Vorderachse über Unebenheiten. Nebengeräusche aus dem Ausbau trüben den Fahrkomfort kaum. Der Kreos ist richtig leise. Wohl aus Gewichtsgründen fasst der Serientank nur 60 Liter Diesel – wenig praxisgerecht. Mit den optional 120 Litern an Bord reist man entspannter bis zum nächsten Boxenstopp.

Preise

Der Kreos rückt vor allem dann in die engere Auswahl, wenn der Preis nicht die erste Rolle spielt. Dafür stattet Laika sein teilintegriertes Topmodell umfangreich aus. Bis auf das unrealistische 3,5-Tonnen-Chassis fehlt es weder an Fahrerhausverdunkelung und Klimaanlage, Fliegenschutztür oder Panorama-Dachfenster. All die Dinge, die andere Hersteller so gern in Paketen verstecken, sind beim Kreos einfach dabei und noch einige Extras mehr. Der Preis des Testwagens zeigt indes, dass trotzdem noch Luft nach oben bleibt. Und neben der fehlenden Markise empfehlen wir vor allem eine Sache dringend: eine Rückfahrkamera in Verbindung mit einem Naviceiver – die Vorverkabelung liegt bereits.

Supercheck: Concorde Carver 791 L

Foto

Ingolf Pompe, Jürgen Bartosch

Datum

23. Dezember 2015
Dieser Artikel stammt aus Heft promobil 11/2015.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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