Alles über La Strada Avanti F
Campingbus La Strada Avanti 30 Bilder Zoom

La Strada Avanti F im Test: Premium-Campingbus für vier Personen

Vier bequeme Schlafplätze und ein Doppelboden – Der La Strada Avanti F ist ein Campingbus mit Seltenheitswert. Das allein macht ihn noch nicht wertvoll: Der Ausbau ist durchdacht und hochwertig.

Der La Strada Avanti F macht vieles anders als andere ausgebaute Fiat Ducato. Und gerade deshalb lohnt es, sich den stattlichen Bus mal näher anzusehen. Hinter der hohen – zugegeben etwas uneleganten – Denkerstirn verbirgt sich ein Grundriss mit vielen Finessen.

Den Beinamen F – wie Familie – verdient sich dieser Avanti vor allem mit vier festen Schlafplätzen. Hub- und Heckbett machen’s möglich. Damit kann eine vierköpfige Besatzung komfortabel auf Reisen gehen, muss aber nicht. Denn das Himmelbett ist so geschickt ins Dach integriert, dass es auch bei einer Tour zu zweit kaum Kompromisse fordert.

Damit nicht genug, liefert der La Strada Avanti F Urlaubern jede Menge Platz für Gepäck. Dazu trägt unter anderem ein Doppelboden bei – eine Seltenheit bei ausgebauten Kastenwagen. Und auch die Sache mit dem Heckstauraum löst La Strada etwas anders als konventionellere Vertreter der Spezies.

Der stattliche Grundpreis von 54.835 Euro deutet schon an, dass es ein exklusives Vergnügen ist, im La Strada Avanti F auf Reisen zu gehen. Das sollten Sie sich – zumindest erst mal auf dem Papier – nicht entgehen lassen. Und für alle, die kein Hubbett brauchen, lassen sich viele Erkenntnisse dieses Superchecks auch auf die anderen La-Strada-Modelle übertragen.

Trotz Hubbett ausreichend Stehhöhe an der Sitzgruppe, verstellbare Rückbank. Für Campingbusse sehr großer, erweiterbarer Tisch.
Die Gurte sind nicht höhenverstellbar und passen nicht jedem Fahrer gleich gut.

Wohnen

Anders als viele große Campingbusse zeichnen den Avanti F vier feste Schlafplätze aus. Zwei davon finden sich im Heck, wie bei anderen Ausbauten des Ducato als Querbett. Wegen des aufgedoppelten Bodens fällt der Einstieg so komfortabel niedrig aus, dass sich ein zusätzlicher Tritt erübrigt. Zur Matratzenlänge von 1,85 Meter addieren sich an Fuß- und Kopfende immerhin noch rund zehn Zentimeter, die als Kopfkissen-Auflage die Liegefläche vergrößern. Die Außenwände und Hecktüren sind angenehm mit Velours verkleidet, Matratzen und Unterfederung hochwertig und bequem. Viele Ablagen rundherum und zwei Leselampen machen die Ausstattung komplett. Was fehlt, ist ein Griff, um etwa die Hecktüren auch von innen zu öffnen.

Während die Kopffreiheit hinten großzügig ausfällt, ist sie im Dachbett knapp. Der Aufstieg gelingt dank Leiter passabel. Das Bett ist in jeder Hinsicht erwachsenentauglich; kleine Kinder gehören hier nicht hoch, denn es fehlen Sicherungsnetze an den offenen Seiten. Viel mehr gibt es nicht zu kritisieren. Die ausgetüftelte Choreografie, die nötig ist, um das Hubbett herunterzuziehen, hat man nach der zweiten Nacht verinnerlicht.

Sind beide Betten in Gebrauch, ist die Sitzgruppe blockiert. Tagsüber bleiben trotz Hubbett und Doppelboden an der Sitzgruppe dank Superhochdach über 1,80 Meter Stehhöhe. Positiv auf das Raumgefühl wirkt sich ein Kunstgriff von La Strada aus: Um das Dachbett unterzubringen, wurde die Querstrebe zwischen den B-Säulen herausgetrennt, was auch den Durchstieg ins Fahrerhaus erleichtert. So übersteht man auch mal einen trüben Urlaubstag. Zu viert wird es auf Dauer aber eng, was vor allem an der schmalen Rückbank liegt, deren Sitzergonomie und Lehne sich aber passend justieren lassen. Auch die Drehsitze sind mehrfach verstellbar, jedoch nicht die Höhe der integrierten Gurte, die großen Menschen unbequem aufs Schlüsselbein drücken.

Die Küche beeindruckt in erster Linie durch jede Menge Stauraum, den fünf zumeist große Schubladen gut zugänglich machen. Der Kühlschrank ist für Campingbusverhältnisse ebenso überdurchschnittlich groß wie die hochklappbare Abstellfläche an der Stirnseite der Küche. Beim Kochen freut man sich sowohl über den kleinen Auszug für Gewürze als auch über den Mülleimer. Allerdings passen wegen des geringen Flammenabstands nur schwerlich drei Töpfe auf den Kocher. Auch die Spüle erweist sich beim Abwasch als zu flach, um etwa größere Pfannen oder Töpfe ohne Überschwemmungen auf dem Kocher zu säubern.

Im Gegensatz zu den übrigen Wohnbereichen wirkt der Sanitärraum gedrungen. Schon das Einfädeln durch die beiden nach innen schwingenden Türen erfordert eine gewisse Gelenkigkeit. Waschbecken und WC sind zwar gut nutzbar, und für die Katzenwäsche ist objektiv genug Platz, doch die Abtrennung der Dusche mit einem einfachen Vorhang macht wie bei solchen Lösungen üblich einen eher improvisierten Eindruck; außerdem schränkt dabei die Toilettenschüssel den Fußraum ein. Immerhin: Die solide Duschwanne gibt kaum nach, und ihre Abdichtung sowie die um den Waschtisch ist akkurat. Stauraum für das Nötigste findet sich in zwei kleineren Schränkchen.

Wer einen Campingbus jenseits der 50.000 Euro kauft, erwartet auch vom Mobiliar mehr als den üblichen Standard. Tatsächlich gefallen die Möbel im La Strada Avanti mit liebevoller, passgenauer und durchdachter Verarbeitung, kratzfestenOberflächen,robusten Kunststoffumleimern und stabilen Beschlägen. Nur dem geschulten Auge fallen ein paar offene Verschraubungen auf, und die einfachen Pushlocks wirken auf anspruchsvolle Nutzer wohl etwas konventionell, doch sie erfüllen absolut ihren Zweck. Wem das graue Holzdekor des Testwagens mit dem wenig klangvollen Namen Beton nicht zusagt, der kann sich aus weiteren neun Dekoren und sieben Klappenfarben die passende Kombination auswählen. Sagenhafte 83 Polsterstoffe und 30 Ledervariantenerweitern darüber hinaus die absolut überdurchschnittlichen Individualisierungsmöglichkeiten des Avanti.

Zuladungsdiagramm für den La Strada Avanti

Beladen

Es ist bemerkenswert, wie viel Stauraum man mit etwas Findigkeit in einem Kastenwagen unterbringen kann. Mit dem Avanti F kann man längere Reisen gut gerüstet unter die Räder nehmen. Prima bestücken lässt sich zum Beispiel der große, aber unbeleuchtete Kleiderschrank im hinteren Gang – dank einer Kleiderstange, die herausziehbar an der Schublade darüber installiert ist. Daneben gibt es mehrere große Schubladen, in denen Wäsche, Schuhe oder Wandersachen übersichtlich sortiert und gut zugänglich unterkommen. Auch die vielen Ablagen nimmt man auf Reisen gern in Anspruch. Da lässt sich verschmerzen, dass die Hängeschränke über dem Heckbett nicht besonders voluminös sind.

Außergewöhnlich für einen Campingbus hat der Avanti zudem einen Doppelboden, der 14 Zentimeter hoch ist und fünf, teils auch von außen erreichbare Fächer unterschiedlicher Größe für Angelausrüstung, Schwimmflossen, Schnorchel und vieles andere bietet. Dass man dafür den serienmäßig verlegten Teppich zurückschlagen muss – geschenkt; schließlich kann der auch zu Hause bleiben.

Um den Heckstauraum, der ganz hinten über die gesamte Breite reicht, auch in der Höhe voll nutzen zu können, klappt man die hintere Betthälfte schnell nach vorne hoch. So kommen hier, an vier Bodenösen verzurrt, sogar Fahrräder unter –statt wie meist bei Campingbussen auf einem Heckträger.

Und die Zuladung? Länge und Höhe drücken auf die Waage. In der ornamentalen Testwagenausstattung kommen zudem fast 170 Kilo Sonderausstattung dazu. Das Maxi-Chassis hilft, die hohen Achs- und Radlasten abzufedern. Doch die verbleibenden 240 Kilo Gesamtzuladung des getesteten Modells dürften selbst vielen Paaren kaum reichen. Da helfen zwei Dinge. Eine Auflastung auf vier Tonnen oder arge Zurückhaltung bei den Extras.

Technik

Nehmen wir also die Technik unter die Lupe. Die 100 Liter Frischwasser reichen für eine Weile. Der Abwassertank ist optional isoliert und mit 80 Liter Fassungsvermögen eher klein, was auch deshalb unpraktisch ist, weil das Kontrollbord nicht konkret über den Füllstand informiert, sondern erst warnt, wenn’s höchste Zeit zur Entsorgung wird. Kommt schon mal vor, dass genau dann keine Möglichkeit besteht. Immerhin beschleunigt ein großer Ablaufstutzen das Entleeren, die Position unter dem Auto ist mitunter hinderlich, denn nicht alle Sanistationen verfügen über einen Bodeneinlass. Die zwei 11-kg-Gasflaschen stehen im Heck in einem schmalen Kasten auf einem praktischen Schlitten, der – falls nötig – den Wechsel sehr erleichtert.

Serienmäßig hat der Avanti eine Flüssig-Batterie mit großzügigen 100 Amperestunden Kapazität und ein einfaches CBE-Ladegerät. Im Testwagen stellte ein Lithium-Komplett-System von Leab inklusive Ladebooster und Wechselrichter die Bordstromversorgung problemlos sicher. La Strada prüft derzeit die Aufnahme in die Preisliste. Überlegenswert wäre auch, die serienmäßige Ausstattung mit Steckdosen aufzustocken: In der Praxis ist eine 230-V-Dose zu wenig. Beim Heizen fiel uns die spürbar hecklastige Wärmeverteilung auf: Im Heckbett, unter dem die Heizung sitzt, ist es mollig warm, an der Sitzgruppe kühl – das beeinträchtigt nicht erst im Winter die Behaglichkeit.

Also alles nur Durchschnitt im Technik-Kapitel? Keineswegs. Richtig punkten kann der Avanti mit einer überaus sorgfältigen, nahezu tadellosen Verarbeitung in allen Bereichen. Auch bei der Sicherheit leistet sich der La Strada – bis auf die fehlende Absturzsicherung am Bett – kaum Schwächen. Ein Fehlerstromschutzschalter ist vorhanden, verletzungsträchtige Stellen im Innenraum dagegen nicht.

Gut schneidet der La Strada auch im Aufbaukapitel ab. Rahmenfenster mit verkleideten Rollos sind Standard. Die Veloursverkleidungen an der Innenseite sorgen neben der hochwertigen Isolation für einen zusätzlichen Dämmeffekt.

Fahren

Ein Ducato ist ein Ducato. Oder etwa nicht? Nun, definitiv ist der Fiat ein unkomplizierter Partner auf Reisen, der sich auch auf Langstrecken wacker schlägt. Im Schnitt genehmigt sich der Avanti dabei bescheidene 10,6 Liter Diesel auf 100 Kilometer. Zum Komfort tragen der nahezu klapperfreie La-Strada-Ausbau und bequeme Sitze bei. Die hohe Sitzposition zwingt große Menschen jedoch zu Kompromissen, ebenso die nicht höhenverstellbaren Gurte.

Ein Muster an Spritzigkeit ist der Testwagen nicht, was weniger am ansprechenden 148-PS-Diesel liegt als vielmehr an der etwas trägen Automatik. Beim schnellen Anfahren neigt die automatisierte Kupplung schon mal zum Rupfen, und beim Zurückschalten per Kickdown lässt sich der Ducato viel Zeit. Überholen, auch auf der Autobahn, will organisiert sein. So heben sich Komfortgewinn und Temperamentsverlust im Testurteil gegenseitig auf. Ob Comfortmatic oder Handschalter, ist letztlich Geschmacksache.

Das serienmäßige ESP regelt spät, dann aber nachdrücklich. Extra kostet der Airbag für den Beifahrer – das führt zum Abzug bei der Sicherheit. Gegen Aufpreis gibt es für den Avanti eine lohnende Abblendautomatik und eine Verkehrszeichenerkennung via Frontscheibenkamera; der nicht immer ganz exakt reagierende Spurhalteassistent ist ebenfalls im Technikpaket 2 enthalten.

Preise

Eines stand schon vor diesem Test fest: Es gibt günstigere Ducato-Ausbauten als einen La Strada. Auch wenn man bedenkt, dass der Zuschnitt des Avanti F nicht alltäglich ist, bleibt der Grundpreis von 55.885 Euro emanzipiert. Weit überdurchschnittlich ist allerdings auch die handwerkliche Qualität des Ausbaus. Richtig reisefertig wird der Avanti F dennoch erst, wenn mindestens Komfort- und Technik-Paket 1 dazugebucht werden. Daneben stehen in der Preisliste viele (Fiat-)Extras, die andere Campingbus-Ausbauer oft gar nicht anbieten.

Beladungstipps

Die Zuladungsreserven an Achsen und Rädern sind wegen des Maxi-Chassis und der tragfähigen 18-Zoll-Reifen reichlich bemessen. Bei der Gesamtzuladung wird es mit 3,5 Tonnen Gesamtgewicht aber eng. Das hohe Leergewicht und immerhin 170 Kilo Extras limitieren die Nutzlast. 240 Kilo sind für vier Personen zu wenig, selbst zwei Reisenden genügen sie nur schwerlich.

Allgemeine Infos zum Testwagen La Strada Avanti F
  • Gurte/Schlafplätze: 4/4
  • Zul. Gesamtgewicht: 3.500 kg
  • Länge/Breite/Höhe: 6,36/2,05/2,89 m 
  • Grundpreis ab 54.835 Euro

Die Baureihe La Strada Avanti

Preise: 45.471–54.835 Euro
Basis: Fiat Ducato
Länge: 5,41–6,36 m
Gesamtgewicht: 3.500 kg
Weitere Modelle: 7

Charakter: Vom 5,41 Meter langen M bis zum stattlichen F umfasst die Avanti-Baureihe auf Fiat Ducato acht Grundrisse. Neben gängigen Aufteilungen mit obligatorischen Querdoppel- oder Längseinzelbetten im Heck gibt es auch außergewöhnliche, La-Strada-exklusive Grundrisse wie etwa den H mit Hecksitzgruppe und darüber platziertem Hubbett. Eine Spezialität des Hauses ist der Doppelboden – immer in Kombination mit der höchsten Variante des Fiat Ducato –, mit dem nicht nur der F aufwartet, sondern auch der XL mit ansonsten klassischem Sechs-Meter-Heckbett-Grundriss.

Supercheck: Concorde Carver 791 L

Foto

Ingolf Pompe

Datum

3. August 2016
Dieser Artikel stammt aus Heft promobil 07/2016.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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