Alles über Knaus Sun TI
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Knaus Sun TI 650 MF: Aufsteigertyp

Der Sun TI hat wie kein anderes Modell das aktuelle Image von Knaus geprägt. Wie es um die Praxisqualitäten steht, klärt der Langzeittest.

Ein promobil-Dauertest ist wahrlich kein Zuckerschlecken. Praktisch im Zeitraffer durchlebt das Reisemobil die Höhen und Tiefen mehrerer Jahre. Der Knaus Sun TI spulte in promobil-Diensten knapp 50 000 Kilometer in 14 Monaten ab – ohne Winterpause, und sicher auch nicht ganz so verhätschelt wie manch anderes Mobil in privater Hand.

Technische Daten (Stand: Dezember 2006)
Modell: Knaus Sun TI 650 MF
Basisfahrzeug: Renault Master 1202.5 dCi
Typ: Teilintegrierter
Preis: ab 49660 EUR
Sitze mit Gurt: 4
Schlafplätze: 3-4
Zul. Gesamtgewicht: 3500 kg
Länge: 6862 mm
Breite: 2300 mm
Höhe: 2650 mm
Basismotor: Turbodiesel
KW: 84
PS: 114

Für die Redaktion hatte ein solcher Marathon mit dem Sun TI 650 MF gleich einen doppelten Reiz: Zum einen bedeutet der wohlgeformte Teilintegrierte einen Neustart der Marke Knaus. Der Sun TI gab die Linie für die aktuelle Modellgener­a­tion vor. Zum anderen erregte das Basisfahrzeug – der Renault Master – besonderes Interesse. Anfang 2005, als der Knaus auf dem Redaktionshof eintraf, stand der Franzose erst am Beginn seiner Karriere als Reisemobilbasis. Nach Jahren der Fiat-Dominanz eine willkommene Abwechslung.

Und eine gelungene Alternative, wie sich auch über die Distanz von stolzen 50 000 Kilometern offenbart. Eine Kontrollleuchte, die nach dem Lösen der Handbremse stur weiterbrannte, ist der einzige Defekt des Master. In der Regel fiel der Renault positiv auf.
Federung und Sitze sorgen für hohen Fahrkomfort. Der 100-Liter-Tank ermöglicht sehr große Reichweiten. Zumal der Knaus im Mittel nur 11,2 Liter Diesel auf 100 Kilometer konsumiert. Auch der Ölverbrauch des 114-PS-Motors ist gering.

Gut eingefahren bringt der dCi gegen Testende 122 PS und knapp acht Newtonmeter mehr als angegeben auf die Rolle des Prüfstands. Im Zuge des Master-Facelifts zum Modelljahr 2007 wird der Sun TI zukünftig mit zwei Ausbaustufen des kultivierten 2,5-Liter-Motors ausgeliefert. Sie leisten 120 beziehungsweise 146 PS.

Punkte sammelt auch das gut gestufte Sechsganggetriebe. Nur in wenigen Fahrsituationen zeigt der Master Schwächen: Um die Übersichtlichkeit steht es wegen fehlender Weitwinkelspiegel nicht zum Besten. Rollokästen an den Seitenscheiben beschränken das Sichtfeld zusätzlich. Und der hintere Böschungswinkel ist so knapp, dass der Aufbau bei der Auffahrt auf die Korsika-Fähre prompt aufsetzte. Glücklicherweise verhinderte die nachträglich angebaute Anhängekupplung eine Beschädigung.

Doch alles in allem machte Sun-TI-Fahren so richtig Freude. Noch größer wäre der Fahrspaß freilich ohne Nebengeräusche aus dem Aufbau ge­wesen. Dazu trug zeitweise eine ausgehängte Duschtür bei. Nicht nur Redaktionsmitglieder, auch Sun-TI-Besitzer unter den promobil-Lesern bemängelten das Geräuschniveau. Knaus hat inzwischen mit diversen Verbesserungen reagiert.

Die Verarbeitung selbst wirkte beim getesteten 2005er Modell durchaus passabel.
Nach außen setzt sich der Sun TI durch seine meeresblau lackierten Seitenwände stets wirkungsvoll in Szene. Dahinter steckt die in dieser Klasse übliche Alu-Sandwich-Konstruktion. Die soliden Seitenschürzen aus Metall hielten im Verlauf des Tests einigen Rüpeleien stand. Kunststoffteile wie Radläufe und die Ecken des Heckstoßfängers mussten nach derlei Unvorsichtigkeiten ausgetauscht werden.

Die hochwertig und automobil wirkende Aufbautür verdient Lob – zumindest zum Testende. Zuvor waren mehrere Reparaturen nötig. Zuerst fielen die nur unzureichend befestigten Verkleidungsteile ab, dann die Blenden von Bügelgriff und Öffner. Mal ließ sie sich von innen nicht mehr öffnen, mal schloss sie nicht richtig. Auch das Schloss an der Tür zum großen Heckstauraum versagte zweimal seinen Dienst.

Begeisterung löste bei den wechselnden Sun-TI-Fahrern immer wieder das große Dachfenster in der elegant geschwungenen Haube über dem Fahrerhaus aus. Es lässt den Innenraum noch großzügiger wirken. Das Hohlkammerfaltrollo beugt übermäßiger Aufheizung im Sommer wirkungsvoll vor, kann jedoch Kondenswasserbildung bei kalten Außentemperaturen nicht verhindern. Das inzwischen eingesetzte Isolierfenster beseitigt das Problem.

Mit einem guten Raumgefühl gefällt die Aufteilung des 650 MF. Besonders viel Platz bietet die Sitzgruppe aus drehbaren Pilotensesseln, Zweier- und Seitenbank. Kurz nach Testbeginn musste die Arretierung der ausziehbaren Fußbank vor dem Längssitz neu eingestellt werden. Am Testende brach die Blende der Stufe, die auch als Griff zum Herausziehen dient. Hintergrund der ungewöhnlichen Konstruktion: die ungehinderte Stehhöhe im Durchgang zum Fahrerhaus.

An sich gefällt der Tisch mit Standfestigkeit. Weniger praktisch wirkt die Platte, wenn eine Liegefläche im Bug gefragt ist. Das hohe Gewicht erschwert die Handhabung des Tisches; durch häufigen Bettenbau löst sich schließlich die untere Einhängeschiene von der Wand.

Die starke Beanspruchung geht auch am Sitzpolster der von vielen Passagieren genutzten Zweierbank nicht spurlos vorüber, während alle anderen Polster die Dauertest-Strapazen gut überstehen. Auch die Matratzen zeigen nach einem Jahr häufiger Nutzung keine Ermü­dungserscheinun­gen. Das gesamte Mobiliar hat die Testtortur gut überstanden.

Positiv schneidet auch die Winkelküche des Sun TI ab. Arbeitsfläche und Stauraum gibt es reichlich. Nur die stark gewölbte Tür des rechten Unterschranks schließt nicht immer zuverlässig. Als der Wasserhahn bei der gründlichen Reinigung brach, kamen Zweifel an der Solidität der Armatur auf. Der Ausfall einer Kochflamme ließ sich im Redaktionsbetrieb verschmerzen.

Weniger Zustimmung findet das Bad, wie zahlreiche Leserzuschriften bestätigen. Anmutung und Platzverhältnisse entsprechen nicht dem sonst hohen Niveau. Das Waschbecken fällt klein aus. Zudem wünschen sich manche Nutzer ein Seitenfenster aus Milchglas. Und auch im Bad forderte der rege Betrieb Tribut: Beim Fahren hängte sich die gerundete Dusch-Schiebetür aus; die Plexiglasabtrennung fiel ab.

Ein plötzlich auftretender Abfall des Wasserdrucks ließ sich auf den nachgerüsteten Dometic-Wasserfilter zurückführen. Nach dem Ausbau läuft es wieder besser. Aber ein Defekt am im Tank integrierten Überlauf sorgte dafür, dass der gefüllte Frischwassertank auf kurvigen Strecken bis zur Hälfte seines Inhalts wieder von sich gab. Zudem löste sich der Ablauf der Dusche unter dem Wagenboden vom Zuflussrohr zum Abwassertank – ein Einzelfall.

Kein Vorwurf an den Sun TI: Nach rund einem Jahr schwächelt die Bordbatterie. Flachbildschirm und Sat-Receiver saugen sie sogar im Standby-Betrieb in zwei Tagen leer. Für nachgerüstete Verbraucher ist ein Zweit-Akku empfehlenswert. In einem Außenfach wäre ein passender Platz.

Die Bilanz: Auf strapaziösen 50 000 Kilometern hat der Sun TI seine Fahrer nie ernsthaft im Stich gelassen. Nachdem Kinderkrankheiten Schritt für Schritt beseitigt wurden, stieg der Fahrspaß stetig. Nie war der Marathon-Knaus so wertvoll wie am Testende.

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Datum

5. Dezember 2006
5 4 3 2 1 0 5 0
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