Alles über Knaus Sun Liner
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Test: Knaus Sun-Liner

Exklusiv in promobil: Mitten in der kalten Jahreszeit fährt ein brandheißer Integrierter von Knaus vor.

Schnee und Kälte begleiten den neuen Knaus Sun-Liner auf den ersten Kilometern. In seiner Heimat, dem Bayerischen Wald, ist auf den Winter Verlass. Die Sonne dazu bringt der Sun-Liner nicht nur im Namen mit, er trägt sie auch im Herzen. Ein breites Lachen auf dem Kühlergrill versprüht Reiselust und Aufbruchstimmung.
Für Knaus ist der Sun-Liner mehr als ein neuer Integrierter. Nach Jahren kleiner Entwicklungsschritte setzt die Mittelklasse-Baureihe zum großen Sprung an: Der Sun-Liner soll Vorreiter künftiger Knaus-Rei-semobile sein. In promobil 4/2002 und auf dem Caravan-Salon vermittelte das maßstabsgerechte Modell eines neuen Integrierten bereits einen ersten Vorgeschmack.
Doch Vorsicht, Verwechslungsgefahr: Das damals gezeigte Liner-Modell kommt als Krönung der Palette erst 2004 auf den Markt. Dagegen übernimmt der neue Sun-Liner zwar optische Elemente des ehrgeizigen Liner, tritt ansonsten aber als völlig eigenständige Baureihe auf. Die stark gerundete Aufbauform, die dem Liner mit hohem technischem Aufwand gelingt, deutet der Sun-Liner lediglich an. Seine Seitenwände ziehen sich gerade bis zur A-Säule nach vorne. Ebenfalls plane Flächen schließen sich an Dach und Heck an. Klassische und damit etwas einfach wirkende Leisten decken die Kanten ab.

Bestechend an dieser Konstruktion ist zunächst der Preis: Gegenüber dem letzten angebotenen Sun-Liner sollen die Kosten nur um rund drei Prozent steigen. Damit platziert sich der neue Knaus exakt im Bereich der populärsten Integrierten zwischen 50 000 und 60 000 Euro. Zudem gelang es, die schlichte Grundform mit wenigen gestalterischen Mitteln zum Hingucker zu verwandeln – eine Stärke der Marke Knaus lebt offenbar wieder auf. Die sparsame Verwendung großer Kunststoffteile bringt die optische Unbeschwertheit früherer Modellgenerationen zurück. Obwohl dem ersten handgefertigten Prototyp noch farbige Dekorelemente fehlen, ist er auf Anhieb als Knaus zu erkennen. Beim Serienmodell sollen auch die Spaltmaße an der Front automobilen Ansprüchen genügen. Ein erstes Beispiel dafür liefert am Erstlingswerk die sauber eingeklebte Windschutzscheibe. Wie beim Vorgänger steht das Frontfenster relativ schräg. Damit nimmt Knaus insbesondere ungeübten Fahrern den Eindruck, einen allzu groß geschnittenen Anzug zu tragen. Das breiter gewordene Lächeln des Kühlermunds kann der Reisende spätestens bei der Ölstandsmessung erwidern: Die nun unkompliziert nach oben schwenkende Haube gibt einen größeren Ausschnitt frei. Ebenso wichtig für einen dynamischen Auftritt: Die Proportionen des Sun-Liner stimmen. Eine breite hintere Spur und ein kurzer Überhang signalisieren Freude am Fahren. Technische Grundlage dafür – der Kenner ahnt es – ist ein Fiat Ducato mit Tiefrahmen. Die Alko-Konstruktion bietet noch einen weiteren Vorteil: Die Absenkung hinter dem Fahrerhaus erlaubt einen Doppelboden ohne Stufe im Wohnbereich. Zu dieser nicht völlig neuen Konstellation haben sich die Knaus-Entwickler eine Menge einfallen lassen. Unabhängig vom Grundriss wird es zwischen den Achsen eine gut 20 Zentimeter hohe Durchlademöglichkeit geben. Eine zusätzliche Heckabsenkung bringt ganz hinten noch mehr Ladehöhe. Weiterer Raumgewinn entsteht durch Schalen an den Seiten. Sinnvoller Nebeneffekt: Ihr verrottungsfestes Kunststoffmaterial setzt äußeren Einflüssen dauerhaft Widerstand entgegen. Auch zwischen den GfK-Kästen verzichtet Knaus auf Sperrholz und nimmt lieber gleich eine feuchtigkeitsresistente Siebdruckplatte, wie im Nutzfahrzeugbau üblich.

Zweifler geben an dieser Stelle womöglich ein erhöhtes Gewicht zu bedenken. Bei Knaus verweist man dagegen selbstbewusst auf eingesparte Pfunde an Fahrgestell, Aufbau und Möbeln. Unter dem Strich soll der neue Knaus Sun-Liner so leicht geworden sein, dass man auch die 650er-Modelle guten Gewissens als 3,5-Tonner zulassen kann. Überflüssiges Gewicht vermeiden auch die neu geplanten Grundrisse. Der klassische Garagengrundriss für vier Reisende – oft über sieben Meter lang – misst beim Sun-Liner 650 LG beispielsweise nur 6,80 Meter. Zur Raumökonomie trägt hier die neue L-Sitzgruppe ebenso bei wie der bekannte Waschraum mit halbrund geformter, drehbarer Duschabtrennung. Die inzwischen ausgereifte Konstruktion durfte als einziges Element direkt vom früheren in einige Grundrisse des neuen Sun-Liner wechseln. Bei der Zusammenstellung der übrigen Einrichtung begannen die Entwickler mit dem berühmten weißen Blatt Papier. Die bei Knaus wieder entdeckte Liebe zu zeitlosem Design mit dem gewissen Etwas wird sich auch im Wohnraum widerspiegeln. Dazu kommt hier und da ein Blickfang, der gerne mit dem sperrigen Marketingbegriff „Alleinstellungsmerkmal“ umschrieben wird. Das trifft auf extravagante Leuchten ebenso zu wie auf den kühn gezeichneten Kocher – Dinge eben, die man nur bei Knaus finden wird. Eine zentrale Rolle spielt dabei auch das Sitzbanksystem. Egal ob Dinette, Halbdinette oder L-Sitzgruppe mit herausnehmbarem Mittelteil: Alle bekommen eine Bank mit verstellbaren Kopfstützen und Dreipunktgurten. An Pkw erinnert die Ausformung, die für mehr Seitenhalt sorgen soll. Damit auch die Qualität mit automobilen Standards mithalten kann, stehen noch Praxistests auf dem Programm. Obwohl der Knaus auf der CBR in München Premiere feiert, werden die ersten Modelle nicht vor Juni ausgeliefert. So steigt die Chance, dass Sonnenstrahlen den serienfertigen Sun-Liner begrüßen.

Technische Daten (Stand: Februar 2003)
Hersteller: Knaus
Modell: Sun-Liner 605 L
Basisfahrzeug: Fiat Ducato 15
Typ: Integrierter
Preis: ab 56940 EUR
Sitze mit Gurt: 4
Schlafplätze: 5
Zul. Gesamtgewicht: 3500 kg
Länge: 6300 mm
Breite: 2300 mm
Höhe: 2950 mm
Basismotor: Diesel
KW: 81
PS: 110
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Datum

24. Februar 2003
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