Knaus C-Liner Zoom

Knaus C-Liner: Lamborghini unter den Wohnmobilen

C wie City: Mit dem provozierenden C-Liner will Knaus neue Kunden erreichen. promobil stellt den Lamborghini unter den Reisemobilen vor.

Man sagt den Bayern ja oft nach, ein bisschen behäbig zu sein. Zu Unrecht. Was Innovationsfreude und Sportsgeist anbelangt, ist im Freistaat alles in Ordnung. Davon durfte sich promobil bei einer exklusiven Vorab-Präsentation des neuen C-Liner von Knaus überzeugen.
Als im Knaus-Werk in Jandelsbrunn die Rolltore zur Hexenküche hochgehen, in der in Rekordzeit das auf dem Caravan-Salon vorgestellte Handmuster entstand, herrscht erst mal tief erstauntes Schweigen. Der scharfe Blick des Knaus C-Liner überrascht selbst Kenner der aktuellen Reisemobilmode.

Knaus erklärt die ungewohnten Proportionen des Aufbaus vollmundig mit einem Superlativ. Der C-Liner tritt im Frühjahr 2006 als kompaktestes vollintegriertes Reisemobil der Welt an – für Knaus vergleichbar mit dem Erscheinen der ersten Minivans im Pkw-Segment. Mit gut zwei Meter Breite, 5,74 Länge und nur 2,65 Höhe ist der City-Liner nur wenig größer als die meisten ausgebauten Kastenwagen.

Natürlich zieht man vor allem mit Blick auf die Zielgruppe Vergleiche, denkt an den etwas pummeligen Hymer Exsis, der ähnlich ambitioniert reisende Paare umgarnt. Doch so konsequent aggressiv wie Knaus hat noch kein anderer Hersteller ein Reisemobil auf die Jagd geschickt. Fast schon böse schaut der C-Liner aus seinen Klarglasaugen, das Kinn angriffslustig vorgereckt, den Mund jedoch zu einem Lächeln geformt. Mit gigantischen 20-Zoll-Rädern und aufgemuskelten Radläufen tritt er betont maskulin auf, um einen Begriff zu verwenden, der hier nur deshalb nicht abgedroschen klingt, weil er beim Reisemobildesign bislang kaum eine Rolle spielte. Für so eine Formensprache eignet sich keine Aufbauart besser als die integrierte. Der C-Liner polarisiert, und das ist gewollt. Er provoziert Reaktionen; bei Männern oft positivere als bei Frauen. Hinter den Renault-Master-Triebkopf – mit Airbags übrigens – klemmte Knaus einen leicht abgesenkten Alko-Rahmen. Sein langer Radstand erzeugt kurze Überhänge, wie es sich für ein Mobil gehört, das offenbar als Rennauto auf die Welt kommen wollte. Letztlich baute Knaus mit Rücksicht auf die bessere Kosten-Nutzen-Rechnung ein fast normales Reisemobil, doch neben den knackigen Proportionen hat es mit Sportwagen ein weiteres Stilelement gemein. Der C-Liner ist ein reiner Zweisitzer – und das auch auf dem Stellplatz. Die bequemen, auf Wunsch belederten und luftgefederten Clubsessel lassen sich drehen, davon abgesehen gibt’s keine weiteren Sitzgelegenheiten. Zwar schwenkt aus der Küche ein Tisch, der für zwei allemal groß genug ist, von einer echten Sitzgruppe kann dennoch kaum die Rede sein. Auch der revolutionäre C-Liner ist innen nicht größer als außen.

Der C-Liner wäre nur halb so sensationell, hätte sich Knaus nicht noch weitere Überraschungen einfallen lassen. Viele versteckte LEDs illuminieren stimmungsvoll den Innenraum und erzeugen interessante Lichtspiele. Im ganzen Cockpitbereich erfreut der kleine Knaus mit haptisch angenehmen Verkleidungen. Darüber wölbt sich ein großes elektrisches Glasschiebedach. Geradezu genial ist das Rundumrollo, das auf Knopfdruck herunterfährt und das gesamte Fahrerhaus verdunkelt. Ohne Kompromisse stattete Knaus die Küche aus, die in ihrem anthrazitfarbenenen Dekor auch optisch zur Funktionseinheit verschmilzt. Dunstabzug und Wände aus gebürstetem Edelstahl, Ceran-Gaskochfeld und Arbeitsplatte aus schwerem Kunststein mit eingeformter Spüle machen aus der Pantry ein Designerstück in Haushaltsqualität (1300 Euro Aufpreis). An Nettigkeiten wie Wasserkocher oder Buchenholz-Messerblock wurde auch nicht gespart. Wermutstropfen: 65 Liter kleiner Kühlschrank. Serienmäßig duscht man in der separaten Kabine, die durch halbrunde Plexitüren vom übrigen Bad abgetrennt wird. Eine Leuchtsäule mit Transistorlampe stellt den Spiegel über dem kleinen Waschbecken in ein gutes Licht. Mehrere Schränke schlucken die Hygieneartikel. Handtuch- und Papierhalter sind ebenso an Bord wie eine Vakuumtoilette von Dometic. Im Wissen, dass reisende Paare Komfort schätzen, stellt Knaus der Crew ein gut zugängliches Bett quer im Heck zur Verfügung. Das wird zum Fußende hin schmaler, entspricht in Zuschnitt und Größe den meisten Teilintegrierten. Um den Ruhekomfort sorgen sich Federkernmatratze und Lattenrost. Rundherum hängen sechs Schränke, die das Stauraumangebot des Kleiderschranks ergänzen. Außerdem steckt unter dem Bett ein Staufach. Für Fahrräder reicht’s nicht – dafür sind schließlich die Abmessungen des C-Liner citytauglich. Es grenzte an ein Wunder, wäre der C-Liner ein Schnäppchen. Doch die 60 000 Euro Grundpreis scheinen fair.

Technische Daten (Stand: Oktober 2005)
Hersteller: Knaus
Modell: C-Liner
Basisfahrzeug: Renault master 2.5 dCi 120
Typ: Integrierter
Preis: ab 59980 EUR
Sitze mit Gurt: 2
Schlafplätze: 2
Zul. Gesamtgewicht: 3500 kg
Länge: 5740 mm
Breite: 2100 mm
Höhe: 2650 mm
Basismotor: Turbodiesel
KW: 84
PS: 114
promobil Logo

Autor

Foto

Tschovikov

Datum

17. September 2005
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