Der Plus soll Käufer überzeugen, die auch bei einem Campingbus nicht auf LUXUS UND EXKLUSIVITÄT verzichten wollen. 35 Bilder Video Zoom

Knaus Box Star Plus im Test: Luxus und Exklusivität im Campingbus

Der Plus soll Käufer überzeugen, die auch bei einem Campingbus nicht auf Luxus und Exklusivität verzichten wollen. Macht die als Street 600 angetretene Edel-Variante auch im Supercheck eine gute Figur?

Dass Campingbusse in der Regel nicht wie viele andere Reisemobile in glänzendem Weiß aus der Produktion rollen, ist eigentlich nichts Besonderes mehr. Knaus’ Farbwahl für den Box Star Plus ist aber dennoch ungewöhnlich.

Die Redaktion ist sich nicht einig. Okay, Geschmäcker sind verschieden. Abzusehen daher, dass der Plus auch auf der Straße polarisieren dürfte. Dem Autor aber schmeckt die Kombination aus Zartbitterhülle und Karamellboden, wohl wissend dass innen noch ein, sagen wir cremiger Kern wartet. Der Stopp an der Selbstbedienungs-Waschstation vor dem Entstehen dieser Bilder ist nicht nur obligatorisch, sondern macht sogar Laune. Entschlossen schiebt der breite Wasserstrahl des Hochdruckreinigers die Spuren der ersten Testkilometer beiseite, lässt den Schoko-Beau wieder im vollen Glanz erstrahlen – lecker.

Genug Süßholzgeraspel, her mit den Fakten! Der Online-Prospekt zum Plus im Schnelldurchlauf: Luxuslimousine, Reisen all-inclusive, ab 55.990 Euro. Ein stolzer Preis, doch beim Ausstattungslistenstudium fällt auf: Im Plus steckt vieles, das im normalen Box Star zu den Sonderposten zählt. Die Preisdifferenz zum vergleichbaren Basismodell beträgt 11.300 Euro. Die spannende Frage lautet also: Lohnt sich dieser Aufpreis?


Alle Infos zum Knaus Box Star Plus

  • Gurte/Schlafplätze: 4/2–3
  • Zul. Gesamtgewicht: 3.500 kg
  • Länge/Breite/Höhe: 5,99/2,05/2,58 m
  • Grundpreis ab 55.990 Euro

Wohnen

Dass sich der Plus neben der auffälligenLackierung auch im Innenraum von seinem günstigeren Bruder abhebt, merkt man sofort. Passend zur Außenfarbe tragen die Polster der Sitze braune Stoff-Leder-Bezüge, die Schrankklappen und einige Schubladen sind in Holzoptik foliert, der Boden kommt mit Schiffholz-Laminat – stimmige Kontraste in der ansonsten hell gehaltenen Einrichtung. Lederbezüge an den Wandverkleidungen und dieAmbientebeleuchtung vom Boden bis zu den Oberschränken tun ihr Übriges für eine gemütliche Atmosphäre.

Die Sitzgruppe ist dank derproblemlos drehbaren Vordersitze schnell aufgebaut, und mit der dreifach arretierbaren Verlängerungsplatte am stabil stehenden Tisch ist auch der Beifahrersitz gut eingebunden. Die Rückbank setzt sich aus zwei recht harten Einzelsitzen zusammen. Dafür lassen sich die sehr schmalen Sitzflächen ein Stück nach vorne ziehen, sodass auch die steil stehenden Rückenlehnen ein wenig nach hinten neigen. Der gangseitige Sitz mit Armlehne kann zudem noch weiter nach außen gerückt werden und darf auch während der Fahrt dort bleiben. Serienmäßig sind zwei Dreipunktgurte und Isofix-Halterungen. Mit dem mitgelieferten Zusatzpolster wird aus der Sitzgruppe bei Bedarf ein kleines Gästebett.

Die Küchenzeile ist großzügig dimensioniert und mit Dreiflammkocher, tiefer Spüle und 90-Liter-Kompressorkühlschrank gut ausgestattet. Viel Platz für Küchenutensilien schaffen große Schubladen, zwei Hängeschränke und mehrere offene Ablagen. Die Arbeitsfläche ist dank Verlängerungsbrett, geteilter Herdabdeckung und Schneidebrett als Abdeckung für die Spüle flexibel nutzbar. Super: Die oberen Schubladenblenden und Schrankklappen sind kratzfest foliert.

Vorgegeben ist beim Plus mit Querbett ein geschlossenes Bad mit fester Türe. Eine Raumbad-Option gibt es nur für das zweite Plus-Modell mit Längsbetten-Grundriss. Genügend Bewegungsfreiheit für die wichtigsten Bedürfnisse ist dennoch vorhanden. Ein vollständig umlaufender Vorhang hält Spritzwasser beim Duschen zurück, das serienmäßige Fenster und ein Pilzlüfter sorgen für viel frische Luft.

Wie die Sitzgruppe ist auch der Schlafbereich mit Ambientelicht und belederten Wandverkleidungenansprechend gestaltet. Für die bequeme, dreiteiligeKaltschaummatratze gibt es eine farblich zur Einrichtung passende Tagesdecke mit gestepptem Muster.

Keine Frage, die Materialwahl für das Interieur ist hochwertig, die Verarbeitung offenkundig hervorragend. Dass der Plus am Ende dieses Kapitels dennoch keine Spitzennote absahnt, ist einigen Mängeln bei der Funktionalität geschuldet.

Abgesehen von der recht knappen Liegefläche ist die Kopffreiheit am Bett aufgrund der Hängeschränke eingeschränkt. An eine Abtrennung zum Wohnraum wurde leider ebenso wenig gedacht wie an eine Verlegung des Hecktüröffners über Matratzenhöhe. Vermisst werden außerdem Schalter für die Ambientebeleuchtung. Die fehlen neben offenen Ablagen auch an der Sitzgruppe. Störend ist auch, dass sich die Klappen der Oberschränke unsanft schließen. Eine Dämpfung wäre hier schön.

Beladen

Ein recht großer Kleiderschrank unter dem Kühlschrank und insgesamt zehn Hängeschränke stehen im Plus für das Reisegepäck zur Verfügung. Da der Campingbus für zwei Personen ausgelegt ist, sollte das auch für mehrwöchige Urlaubstrips genügen.Weiteren Stauraum bietet noch das beleuchtete Fach über dem Fahrerhaus. Das Podestfach unter der Sitzgruppe ist für die Bordelektronik und das Ladegerät reserviert, die Sitztruhe mitseitlichem Zugang ist aufgrund von Diagonalstreben des Sitzbank-Unterbaus nur bedingt nutzbar.

Gemessen an anderen Modellen, zählt der Heckstauraum des Plus nicht zu den allergrößten. Immerhin ist er aber beleuchtet und bietet noch ein zweites, kleines Fach. Selbstverständlich kann auch der Mittelteil des Bettes aufgestellt werden, um den Stauraum für Größeres wie zum Beispiel Sportgeräte oder Baumaterialien zu erweitern. Dabei muss allerdings der mittlere Matratzenteil unter die heckseitigen Hängeschränke gequetscht werden, was zu unschönen Dellen im Kaltschaum führen kann.

Aufgrund der üppigen Serienausstattung steht der Plus serienmäßig auf dem 3,5-Tonnen-Chassis.Die Zuladung geht für zwei Personen insgesamt in Ordnung, ist aber an der Vorderachse mit 220 kg etwas knapp. Eine weitere Auflastungsoption bietet der Hersteller nicht an.

Technik

Die Isolierung aus flexiblen PE-Matten an den Wänden und den gegen Nässe unempfindlichen XPS-Schichten an Dach und Boden gehört bereits zum Standard beim normalen Box Star. Auch die eleganten Alu-Rahmenfenster zählen schon beim Basismodell zum Serienumfang. Im Plus immer ab Werk dabei sind unter anderem die stilvolle LED-Ambientebeleuchtung und das Starterpaket mit Fahrerhausverdunkelung, der elektrischenEinstiegsstufe und zwei Lautsprechern im Heck. Serienmäßig ist auch das Fiat-Paket mit elektrisch einstellbaren und beheizbaren Außenspiegeln, manueller Klimaanlage und Tempomat mit Geschwindigkeitsbegrenzer. Zu den wenigen Optionen, die im Testwagen verbaut wurden, gehört das Infotainmentsystem mit Touchscreen und praktischer Rückfahrkamera.

Die Bordtechnik ist so eingebaut wie im Basismodell. Bedeutet: Frischwassertank um den hinteren Radkasten, Gasflaschenkasten und Truma-Heizung gegenüber auf der linken Seite, unterfluriger Abwassertank.Letzteren gibt es optional beheizt, ersteren immer mit zwei großen Zugängen für leichteres Reinigen. Nicht optimal, da schwer zu erreichen, ist die Positionierung der Gasabsperrventile unter dem linken Bettkasten neben der Heizung. Praktisch wäre außerdem ein Auszug für die Gasflaschen, dann müssten beim Anschlusswechsel nicht immer beide herausgenommen werden.

Sehr gut gelungen ist die Beleuchtung, die fast überall für viel Helligkeit sorgt. Dem entgegen steht die Wärmeverteilung der Heizung. Bis es angenehm warm wird, vergeht einige Zeit. Vor allem im Bereich der Sitzgruppe wären mehr als nur ein Ausströmer besser. Der Regler für die Heizung ist mit dem Kontrollbord an der Küche platziert. Hier ist auch der einzige Lichtschalter für die Beleuchtungsanlage. Vom Bett oder den Vordersitzen kann das Hauptlicht also nicht bedient werden. Eine Steuerung via Smartphone oder Tablet würde zum luxuriösen Anspruch des Plus sicher gut passen.

Fahren

Beim Blick auf die Messwerte bereits getesteter Sechsmeter-Busse mit Ducato-Basis fällt auf: Der 130-PS-Diesel in unserem Testwagen steht gut im Futter und scheint leistungsmäßig etwas nach oben zu streuen. Das macht sich vor allem mit den sehr guten Elastizitätswerten bemerkbar. Der überdurchschnittlich lange Bremsweg ist wohl auf die Winterbereifungzurückzuführen. Beim Verbrauch bleibt der Plus knapp unter der 10-Liter-Marke und damit unauffällig und zurückhaltend.

Von der Geräuschentwicklung während des Fahrbetriebs kann das indes nicht behauptet werden, denn der eigentlich sauber verarbeitete Ausbau macht auf holprigen Straßen und auch in Kurven mit Knarz- und Klappergeräuschen auf sich aufmerksam. Das ist auch einigen Redaktionskollegen nicht entgangen. Die einheitliche Meinung: Das geht besser.

Weniger bemerkbar machen sich dafür im Plus die Windgeräusche. Vom oft kritisierten Pfeifen am Midi-Fenster über der Sitzgruppe ist hier auch bei Autobahntempo nichts zu hören. Aufgrund der Einzelsitzoption für die Rückbank reisen vier Personen bequem. Den Fahrer unterstützen das optionale Navigationssystem und die Rückfahrkamera.

Das Fiat-Fahrwerk federt wie gewohnt straff ab, neigt dafür aber auch weniger zu Wankbewegungen.

Preise

Da sich das Plus vor allem auf eine gehobenere und üppigere Serienausstattungbezieht, lohnt sich ein Preisvergleich mit dem normalen Box Star. Würde man den als Street 600 auf ein ähnliches Ausstattungsniveau bringen, wächst der Basispreis von 44.690 Euro auf circa 51.500 Euro. Lederverkleidungen der Wände, die braunen Holzdekore, der Boden in Schiffholzoptik, die LED-Ambientebeleuchtung unddie Sonderlackierung sind aber Plus-exklusiv.

Autor

Foto

Ingolf Pompe

Datum

4. Mai 2016
Dieser Artikel stammt aus Heft promobil 04/2016.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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