Alles über Adria Matrix
Adria Matrix M 670 SL 32 Bilder Video Zoom

Adria Matrix M 670 SL im Supercheck: Teilintegrierter für Paare und Familien

Für Opa, Oma, Enkel, mittelgroße Familien oder für den Urlaub mit guten Freunden eignet sich der Adria Matrix M 670 SL wie kaum ein zweiter. Möglich macht’s das Hubbett und ein fünfter Sitzplatz.

Adria kann zufrieden sein. Seit Jahren erzielt der Hersteller Zuwachsraten über Marktniveau, liegt mit mehr als 1000 Zulassungen im Jahr in Deutschland komfortabel in den Top 10. Und das obwohl man echte Günstigangebote vergeblich im Sortiment sucht.

Zugpferde sind Mittelklasse-Mobile. Nach dem Teilintegrierten Coral, der für die Saison 2014 umfassend renoviert wurde, steht nun der runderneuerte Matrix in den Startlöchern. Seine Spezialität: ein Hubbett über der Sitzgruppe. Damit wäre die schwungvolle Dachlinie hinreichend erklärt. Im Supercheck: das 7,38 Meter lange Einzelbetten-Modell Matrix Plus M 670 SL.

Der Möbelbau des Matrix lehnt sich eng an die Coral-Baureihe an. Wie beim Coral gibt es drei Produktlinien. Der günstige Matrix Axess, der besser ausstaffierte Plus und die Topbaureihe Supreme unterscheiden sich allerdings nicht nur in der Ausstattung, sondern auch bei Grundrissen und – im Fall des Supreme auf Renault Master – sogar beim Basisfahrzeug.

Sitzen & Schlafen

Wer zum Matrix Plus das Exklusiv-Paket ordert, bekommt statt der einfachen Halbdinette unter anderem eine gemütlichere L-Bank an der Sitzgruppe. Dank Dreipunktgurten und höhenverstellbaren, stabilen Kopfstützen sind Passagiere hier gut aufgehoben. Der große, in zwei Richtungen verschiebbare Tisch steht dann auf einem Bein – relativ stabil, obwohl die Platte beim Aufstützen deutlich nachgibt. Abbauen lässt er sich nicht, nur absenken.

Neben den leicht drehbaren Vordersitzen gibt es im M 670 SL zusätzlich auch einen Seitensitz. Mit ein paar Handgriffen lässt sich daraus sogar ein fünfter Sitzplatz mit Beckengurt gegen die Fahrtrichtung basteln. Die Konstruktion wirkt zwar etwas labil, macht den Matrix aber vielseitiger einsetzbar.

Die Anmutung um die Sitzgruppe ist freundlich-modern. Tags dringt auch durch das große Fenster in der Dachhaube viel Licht. Optional lässt sich das Fahrerhaus mit Faltrollos abdunkeln; serienmäßig sind Verdunklungsvorhänge. Da das Hubbett sich in die Dachkuppel schmiegt, erreicht die Stehhöhe darunter trotz des Podests an der Sitzgruppe immerhin 1,84 Meter.

Im Bereich um Einstieg und Küche ist vom Boden bis zur Decke viel Platz. In Schlafzimmer und Bad führt eine weitere Stufe hinauf. Der Zugang zu den Einzelbetten ist komfortabel. Man kann bequem aufrecht sitzen, nur am Kopfende ist die Höhe unter den Hängeschränken eingeschränkt. Die hellen Unterseiten mildern diesen Eindruck aber zumindest optisch. Toll: Die Lattenroste lassen sich in Leseposition aufstellen. Neben der Stoffblende an der Heckwand gefällt auch die Beleuchtung rund um die Betten. Die Leselampen haben ein praktisches Orientierungslicht, das den Partner nicht stört, wenn man nachts mal aufstehen muss.

Auf den einfachen Matratzen liegt man trotz Unterfederung straff. Der Bezug ist etwas steif und auch nicht abzipp- bzw. waschbar. Die Maße gehen im Großen und Ganzen in Ordnung, auch wenn nur das rechte Bett volle zwei Meter Länge erreicht. Die Breite, die zum Fußende nur marginal abnimmt, passt in beiden Fällen. Wer mag, kann auf 1,60 Meter Breite auch quer schlafen.

Bestens geeignet für Mitreisende ist das Hubbett, das sich elektrisch über die Sitzgruppe herabsenken lässt, wenn man die hinteren Kopfstützen entfernt. Eine Aluleiter erleichtert den Aufstieg. Dank laufstallartiger Fangnetze weiß man auch Kinder in dem Himmelbett sicher aufgehoben, wenn auch nicht gerade wolkenweich gebettet. Notfalls reicht die Liegefläche auch für zwei Erwachsene, deren Gewicht 200 Kilo jedoch nicht übersteigen sollte. Eher eine Notfalloption ist die Liegefläche, in die sich die Sitzgruppe mit einigem Aufwand umbauen lässt.

Bad & Küche

Mit 90 Zentimeter Breite sehr kompakt geraten ist die Küche, Stauraum ist knapp; die drei Schubladen sind schmal und zudem wenig passgenau eingebaut. Wer auf den optionalen Backofen, der im Testwagen installiert war, verzichtet, hat zusätzlich im Unterschrank Platz. Für die Vorräte mag es dennoch reichen; und eine größere Pfanne lässt sich immerhin in der Schublade unter dem Kühlschrank verstauen.

Serienmäßig verfügt der Matrix Plus über einen großen 150-Liter-Kühlschrank mit automatischer Energiequellenwahl, zu dem man von der Küche aus guten Zugriff hat. Ein elektrischer Dunstabzug saugt Dampf und Gerüche direkt nach draußen. Die elek­trisch zündenden Kocherflammen sind in Reihe angeordnet; so bleibt davor noch etwas Abstellfläche. Die große Spüle ergänzt beim Küchendienst ein kleines, aber praktisches Abtropfblech.

In aller Opulenz darf sich der Sanitärbereich ausbrei­ten. WC und Dusche stehen einander gegenüber und können vom Wohnraum durch die Badtür abgetrennt werden. Die Einrichtung ist absolut ansehnlich. Allerdings ist der Waschtisch rundum nicht verfugt und in den Spalt hinter dem Waschbecken spritzt bei jedem Händewaschen unweigerlich etwas Wasser. Praxisgerecht ist das nicht. Der Nutzung der Dusche steht indes nichts im Weg. Die Kunststoffwände und die stabile Duschwanne sind sauber verfugt. Und auch als Ersatzgarderobe macht sie sich mit einer Kleiderstange nützlich – praktisch, wenn man nach einem Regenspaziergang nach Hause kommt.

Stauraum & Zuladung

Gleich zwei Kleiderschränke gibt es links und rechts unter den Betten, und beide sind vorbildlich beleuchtet. Allerdings muss man sich jeweils tief hinunterbücken. Der Zugriff wäre erheblich besser, ließen sich die Fußenden komplett hochklappen; immerhin kann man beim rechten Schrank den Lattenrost anheben und von oben hineingreifen. Im Schrank zur Linken verschenkt Adria viel Platz: Hinter der ausziehbaren, aber kurzen Kleiderstange bleibt viel Raum ungenutzt. Praktisch dagegen sind die Wäscheschublade und das Stufenfach zwischen den Betten. Viel Gepäck nehmen auch die drei Dachstaukästen über dem Bett auf. Die Hängeschränke unter dem Hubbett sind zwar größer als sonst bei diesem Reisemobiltyp üblich, allerdings fehlen hier Zwischenböden für eine einfachere und effektivere Belegung.

Die gut beleuchtete Heckgarage lässt sich dank zweier großer Türen und niedriger Ladekanten einfach nutzen. Sechs Zurrösen helfen beim sicheren Verstauen der Fracht. Allerdings wird man bei manchen Fahrrädern Sattel und Lenker absenken müssen.
Auf der Waage fordert die Länge von 7,48 Meter ebenso Tribut wie die üppige Ausstattung des Testwagens mit 310 Kilo Extras. Selbst ein – eigentlich verzichtbarer – 120-Liter-Dieseltank war bei unserem Matrix M 670 SL an Bord. Logisch, dass das die Zuladung spürbar reduziert, wie die Gewichtsbilanz rechts zeigt. Als 3,5-Tonner funktioniert der große Matrix nur mit sehr zurückhaltender Beladung. Besser gleich das kostenneutrale 3,65-Tonnen-Chassis wählen.

Aufbau & Bordtechnik

Wie bei allen Modellen beplankt Adria auch Wände und Dach des Matrix mit GfK, was ihn unempfindlich gegen Hagel macht. Neuerdings ist auch der Unterboden solchermaßen vor Spritzwasser geschützt. Die weit umfassenden Kantenleisten gewähren mit breiten Dichtflächen einen guten Schutz vor Feuchtigkeit – was gut ist, denn nach wie vor sorgen Holzeinlagen im Aufbau für die Stabilität. Statt einer GfK-Haube wölbt sich das gleichmäßig gedämmte Sachwichdach weit über das Fahrerhaus, an das es mit Kunststoff-Verkleidungen angepasst ist. Alle Spaltmaße sind einheitlich und tadellos sauber verfugt. Das große Fenster über dem Cockpit ist ebenso serienmäßig wie die soliden Rahmenfenster.

Überdurchschnittlich gut schneidet der Adria beim Lichtcheck ab. Sparsame LED-Lampen sorgen in allen Wohnbereichen für ausreichende Helligkeit; die indirekte Beleuchtung trägt darüber hinaus zum stimmungsvollen Ambiente bei. Ansonsten fällt der große Frischwassertank auf. Der Grauwassertank hängt unterflur, ist aber beheizt und frostgeschützt.

Gut zugänglich sind Gasflaschen und -absperrventile. Die Truma Combi, für die Wärmeverteilung günstig in der Sitztruhe platziert, macht den Innenraum im Nu mollig warm, ist aber für Wartungsarbeiten schwer zugänglich. Die Installation der Kabel und Leitungen lässt an manchen Stellen etwas Sorgfalt vermissen. So ist beispielsweise die seitliche Sitztruhe wegen der wuchernden und ungeschützten Elektrik nur schlecht als Stauraum nutzbar.

Fahren & Sicherheit

Aufpreis hin oder her – 130 PS sollten es schon sein, um mit dem schweren Matrix auf Reisen einigermaßen flott voranzukommen. Beim Verbrauch schlägt das Testgewicht mit gut  11,4 Liter auf 100 Kilometer zu Buche. Von den etwas unhandlichen, aber keineswegs unüblichen Ausmaßen abgesehen, stellt der Adria den Fahrer kaum vor Herausforderungen. Der enorme Hecküberhang erfordert aber jederzeit ein wachsames Auge im Rückspiegel.

Der Fiat Ducato fährt sich sicher, lenkt direkt und kalkulierbar ein. Eine Sänfte ist er allerdings nicht, zumal mit Original-Flachrahmen samt starrer Blattfeder-Hinterachse. Zu den wirklich störenden Schwächen des Ducato gehören die träge Heizung und die schwer abzulesenden, optional chrom­umringten Rundinstrumente; das will etwas heißen. Dass Adria Airbags für Fahrer- und Beifahrer sowie ESP schon in die Serienausstattung packt, gibt einem ein sicheres Gefühl. Viel mehr kann man in dieser Hinsicht nicht verlangen.

Austattung & Preise

Nicht bei allen Wettbewerbern sind ESP und Airbags Standard. Obwohl Adria hier durchaus freigiebig ist, kommt der Matrix dennoch nicht ohne die obligatorischen Zubehörpakete aus. Zum Grundpreis von 60.087 Euro muss man zumindest das Exklusiv-Plus-Paket für 1799 Euro hinzuaddieren. Nachdenken sollte man ebenso über das Komfort-Plus-Paket (2399 Euro), das außer elek­trisch verstellbaren Spiegeln und Klimaanlage unter anderem auch Reifendrucksensoren enthält. Bei vergleichbarer, klassenüblicher Ausstattung der Wettbewerber sortiert sich der Matrix im oberen Mittelfeld ein. Wie gesagt: Preisbrecherangebote sind nicht Adrias Sache. Ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis hingegen schon.

Lichtcheck (angelehnt an DIN EN 12464-1)

253 Lux im Schnitt sind für einen Wohnbereich wie die Sitzgruppe ein hervorragender Wert. Etwas dunkler bleibt es unter den Hängeschränken.
Hell, aber nicht ganz gleichmäßig ist die Küche beleuchtet: ø 274 Lux.
Das Bad liegt mit 345 Lux im sehr guten Normbereich. Dunkle Dusche.
Weniger hell, aber den Sehansprüchen völlig angemessen ist es im Schlafzimmer. Lesespots mit bis zu 590 Lux.

Die Baureihe Adria Matrix im Überblick

Preise: 58.687–60.987 Euro
Basis: Fiat Ducato
Länge: 7,38–7,48 m
Gesamtgewicht: ab 3500 kg
Modelle: Die fünf Matrix-Modelle der Ausstattungslinie Plus, die bei Adria die Mittelklasse repräsentiert, sind alle deutlich über sieben Meter lang. Das spricht für komfortable Platzverhältnisse. Wer kürzer und billiger einsteigen will, wählt eines der fünf Axess-Modelle. Teurer, größer, aber auch unhandlicher sind die Matrix Supreme auf Renault Master.

Das fiel uns auf

+ Helle LED-Spots zum Lesen. Beim ersten Tipp auf den Schalter geht nur das Orientierungslicht an.
+ Leseratten haben Grund zur Freude. Die Lattenroste sind am Kopfende serienmäßig aufstellbar.
+ Gleich im Einstieg finden sich Ablagen und eine USB-Ladebuchse für Smartphones.
- Beim Händewaschen tröpfelt immer etwas Wasser in den Schlitz hinter dem Waschbecken.
- Zwar ist der Kleiderschrank auch von oben zugänglich, aber der Rahmen ist dennoch im Weg.

Konkurrenten, Maßstab: Teilintegrierter der Mittelklasse für 2–4 Personen
Modell Eura Mobil Profila RS 720 EB Knaus Sky Wave 700 MEG LMC Breezer H 737 G
Grundpreis 54.990 Euro 61.770 Euro 59.250 Euro
Vergleichspreis 59.849 Euro 66.559 Euro 63.455 Euro
Testwagen 64.784 Euro Vergleichspreis inklusive 130-PS-Motor, ESP, Fahrer- und Beifahrer-Airbag, elektrisch verstellbare Außenspiegel, manuelle Fahrerhaus-Klimaanlage (LMC: automatisch), Radiovorbereitung, Tempomat, Fahrerhaus-Faltverdunkelung, Fliegenschutztür, 90-Liter-Kraftstofftank
Basisfahrzeug Fiat Ducato, 85 kW/115 PS Fiat Ducato, 85 kW/115 PS Fiat Ducato, 85 kW/115 PS
Maße Länge/Breite/Höhe 7400/2320/2890 mm Länge/Breite/Höhe 7470/2320/2800 mm Länge/Breite/Höhe 7340/2320/2870 mm
Gewichte Leer-*/ zul. Gesamtgewicht 2980/3500 kg Leer-*/ zul. Gesamtgewicht 3060/3500 kg Leer-*/ zul. Gesamtgewicht 2952/3500 kg
Besonderheiten positiv Doppelboden, moderne Aufbautechnik, solide Rahmenfenster Serie, vergleichsweise niedriges Leergewicht, elegant in die Decke integriertes, breites Hubbett, günstiger Preis. Moderne Aufbautechnik, großzügige Sitzgruppe mit breiter Seitenbank, gut zugänglicher Kleiderschrank, großes, gleichmäßig breites Hubbett. Moderne Aufbautechnik mit hochwertiger Dämmung, vergleichsweise niedriges Leergewicht, Wassertanks frostsicher im Funktionsdoppelboden.
Besonderheiten negativ Garage mit hoher Ladekante und niedrigen Türen. Relativ hohes Leergewicht, keine separate Dusche, Beifahrer-Airbag optional, hoher Preis. 90-Liter-Kraftstofftank, Rahmenfenster und Beifahrer-Airbag nur optional.
* Masse in fahrbereitem Zustand; alle Werte Werksangaben; die Fotos stehen beispielhaft für die jeweilige Baureihe. Grundpreis jeweils mit Vorfracht, TÜV und Zulassungsbescheinigung Teil II
Supercheck: Concorde Carver 791 L

Foto

Frank Eppler

Datum

21. Januar 2015
Dieser Artikel stammt aus Heft promobil 01/2015.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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