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Test: Hymermobil B-Classic

Die Generation 2003 interpretiert ein klassisches Thema auf preiswerte Art. Moderne

Klassik gilt in der Musik als ernsthafte Form der Unterhaltung. Ein wenig ernst guckt auch der neue Hymer B-Classic in die Welt. Zwar übernimmt er Gesichtszüge der aktuellen B-Klasse, aber statt einem breiten Lächeln zeigt der modernisierte Klassiker einen Kühlergrill in seriös-automobilem Grau. Grund zur Freude gibt es dennoch genügend. Aus dem Nachhall der längst abgelösten B-Klasse-Generation ist ein stimmiger Auftakt geworden.
Der B-Classic spielt die Rolle des Einsteigermodells unter den Integrierten - nicht nur bei Hymer. Kein Modell der gerne Königsklasse genannten Bauart kann derzeit seinen Grundpreis von 45 890 Euro unterbieten. Vielmehr nimmt er es durchaus mit den allermeisten Teilintegrierten auf.
Bislang kannte man den B-Classic als Fall für Nostalgiker. Seine kantige Stirn wies zurück zu den Ursprüngen der Hymermobile in der Mitte der siebziger Jahre. Techniker, nicht Designer bestimmten damals das Erscheinungsbild. So wurde die Neugestaltung der Frontpartie zu einer Zeitreise. Die kleinen Scheinwerferaugen der noblen S-Klasse und der vorgewölbte Stoßfänger signalisieren nun Entschlossenheit. Der Klassiker ist im 21. Jahrhundert angekommen. Greifbarer Vorteil des neuen Gesichts: Für Füllstandskontrollen muss die Motorhaube nicht mehr umständlich abgenommen werden; sie hängt, wie heutzutage längst üblich, an Scharnieren.

Bei der Überarbeitung der Heckpartie war offenbar Familienähnlichkeit oberstes Gebot. Unauffällig reiht sich der neue Rücken zwischen Hymercamp und B-Klasse ein. Doch Unterschiede bleiben. Rückwand und Dach verzichten auf die technisch anspruchsvolleren Abrundungen in Richtung Wand. An den Verbindungen entstehen daher weiterhin rechtwinklige Aufbaukanten, jetzt jedoch vornehm kaschiert von Aluminiumprofilen. Diese feine Differenzierung schlägt sich im Preis deutlich nieder. Das günstigste Classic-Modell, der 544, kostet immerhin 7700 Euro weniger als ein 544 aus der B-Klasse. Wer genau rechnet, sollte aber berücksichtigen, dass manche nützliche Zutaten nur beim Classic extra bezahlt werden müssen. Die Außenleuchte kostet 125 Euro, der Teppichboden 180 Euro, die zweistufige Einstiegstreppe 295 Euro oder die Fahrertür 960 Euro. Wertneutral sind die unterschiedlichen Kühlschranktypen. Während die B-Klasse weiterhin mit Dometic-Geräten ausgestattet wird, hat der Classic das neue Thetford-Modell an Bord. Andere Besonderheiten der teureren Geschwister passen generell nicht ins Classic-Konzept: Für einen doppelten Boden bleibt mangels Tiefrahmen kein Raum. Allerdings mildern ein Fach in der Heckabsenkung und ein Unterflurschubkasten das Manko. Zudem offenbart der beheizte und isolierte Abwassertank eher Mittelklasseals Einsteigerniveau. Seiner Aufgabe als Einstiegsangebot wird der Classic in anderer Hinsicht mehr denn je gerecht. Als Einzelstück überstand er die Markteinführung seines Nachfolgers; inzwischen hat man es wieder mit fünf Varianten und damit einer echten Baureihe zu tun. Hymer-intern löst der neue Classic gleichzeitig die bislang nur in Frankreich für den dortigen Markt gebauten Integrierten auf Renault Master ab. Speziell im Nachbarland beliebt waren ihre Einrichtungsvarianten mit festem Längsbett oder Hecksitzgruppe, die nun der Classic erbt. Beide Modelle entstehen bei Hymer France.

Aus Bad Waldsee kam für das französische Programm schon bislang ein Classic-Modell auf Mercedes Sprinter. Mit dem gelifteten Aufbau führt Hymer den B-Classic M auch in Deutschland ein. Die Kombination Integrierter mit Mercedes- Chassis plus Preise von nicht mehr als gut 50 000 Euro sichert ihm eine Sonderstellung. Doch ob Fiat oder prestigeträchtiger Mercedes: Der Classic ist vom Charakter her ein ausgesprochener Praktiker geblieben. Warum modische Einarmspiegel, wenn die rustikale Doppelbefestigung einen bewährt zitterfreien Rückblick erlaubt? Warum aufwendige Faltverdunkelungssysteme, wenn ein simpler Vorhang letztlich leichter zu handhaben ist? Ebenso wenig steht durch die bekannt schlichte Kunstlederverkleidung der Hubbett-Unterseite ein praktischer Nachteil zu befürchten. Zierrat würde zur Wesensart des Classic nicht passen. Erster Eindruck vom Wohnraum des vorgestellten 584: sehr hell, freundlich, beinahe nüchtern. Obwohl die Möbel in der Substanz der regulären B-Klasse entsprechen, geht der Classic bei Holzdekor und Farbgebung der Tischoberflächen vorsichtig auf Distanz. An den Vorzügen des Modells 584 kratzt das nicht. Der so genannte Bar-Grundriss gehört im Hause Hymer ebenfalls längst zu den Klassikern. Besonders Paare schätzen ihn wegen seiner Vielseitigkeit. Das Seitensofa steht als Leseecke zur Verfügung, während der Partner in Ruhe den Tisch decken kann. Des Nachts lässt sich aus der langen Bank ein Einzelbett zaubern, wenn es im Hubbett einmal zu eng wird. Doch vielleicht kommt das in Zukunft seltener vor. Das gerade nach vorne geführte Dach schafft ein wenig mehr Kopffreiheit im vorderen Bereich. Ebenso sind mit dieser Bett- und Sitzausstattung Touren zu dritt möglich. Sollten Nachwuchs oder Enkel auf dem Einzelsessel ihre Schokokekse verkrümeln, freut es zu hören, dass die Polsterstoffe des B-Classic wie in der doppelt so teuren S-Klasse gegen Flecken imprägniert sind. Ein kleines Detail als Hinweis darauf, dass der B-Classic wieder den Anschluss an seine Markengeschwister gefunden hat. Classic mag hier und da ein wenig ernst sein, aber niemals altmodisch, sondern zeitlos.

Technische Daten (Stand: September 2002)
Hersteller: Hymer
Modell: Hymermobil B-Classic 544
Basisfahrzeug: Fiat Ducato 15
Typ: Integrierter
Preis: ab 48500 EUR
Sitze mit Gurt: 5
Schlafplätze: 5
Zul. Gesamtgewicht: 3500 kg
Länge: 6580 mm
Breite: 2270 mm
Höhe: 2900 mm
Basismotor: Diesel
KW: 81
PS: 110
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Datum

21. September 2002
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