Alles über Hymer Exsis-I
Reisemobile Hymer Exsis i und ML-I 28 Bilder Zoom

Hymer Ml-I 580 und Exsis-I 588 im Vergleich: Mercedes gegen Fiat – Wer liegt vorn?

Wenn Deutschland gegen Italien spielt, steigt automatisch der Puls. Die mobile Auflage dieses Duells heißt Mercedes gegen Fiat. Der neue Hymer ML-I fordert den etablierten Hymer Exsis-i heraus.

Deutschland gegen Italien – im Fußball ein Klassiker. Bei Hymer verlagert sich das Duell 2015 an die Basis. Mercedes oder Fiat als Basisfahrzeug lautet die Grundsatzfrage für alle, die sich für ein schlankes I-Modell interessieren. Als erster schmaler Integrierter baut der neue Hymer ML-I auf den Mercedes Sprinter und bietet sich damit als Alternative zum etablierten Hymer Exsis-i auf Fiat Ducato an. Dies umso mehr, als es zu den beiden ML-I-Modellen eine jeweils grundrissgleiche Variante im umfangreichen Exsis-Programm gibt.

Der Neuling muss sich also gleich mal gegen ein echtes Erfolgsmodell beweisen. Fürs erste Kräftemessen treten die beiden mit 6,99 Meter Länge und Einzelbetten im Heck an. Hymer ML-I 580 gegen Hymer Exsis-i 588 heißt das Match. Und das ist kein Freundschaftsspiel. Das ist EM-Halbfinale – mindestens.

Die Preisfrage: Fiat schlägt Mercedes

Zwischen dem neuen ML-I und dem günstigeren Exsis liegen nicht nur gut 10.000 Euro Preisunterschied, sondern auch einige Jahre Entwicklungsarbeit. Von außen sieht man’s am etwas gefälligeren, weil weniger steilen und feiner modellierten Bug des ML-I, der fast kaschiert, dass die Kabine 13 Zentimeter höher aufragt als beim Exsis. Ansonsten wirkt der ML-I so ausgewogen proportioniert wie der Exsis-i. Unter dem schlanken Aufbau fällt die schmale Spur des Sprinter weniger auf als bei Reisemobilen gewöhnlicher Breite.
Substanziell unterscheiden sich die zwei Hymer-Integrierten kaum.

Die inneren Werte

Beide setzen auf hochwertige PU-Dämmung, solide Rahmenfenster und einen speziellen GfK-Leichtbauboden. Der ML-I hat jedoch die hochwertigere Aufbautür mit zwei Schlossfallen – statt einer wie beim Exsis. Mit handlicheren Griffen und mehr Breite ermöglicht sie einen bequemeren Einstieg, obwohl der Wohnraum eine ganze Stufe höher liegt; Leiterrahmen und Heckantrieb bedingen das höhere Bodenniveau. Hier wie da gibt es die Fahrertür gegen Aufpreis. Übrigens müssen alle Türen noch manuell aufgeschlossen werden. Das geht einfacher.

Fiat ist Wohnmobilfahrern gut bekannt

Ums sichtbare Prestige geht es bei diesem Duell nur am Rande, denn der Fiat Ducato genießt unter Reisemobilisten eine ebenso große Wertschätzung wie der Mercedes Sprinter. Zudem ist die noble Basis des ML-I von außen nur am kleinem Stern auf der Kühlerhaube zu erkennen; statt des Original-Fahrerhauses fährt beiden – wie bei Integrierten üblich – ein eigenständiger, auch besser isolierter Bug voran.

Neu entwickelt hat Hymer für den ML-I die Armaturenbrettverlängerung, deren moderne Anmutung dem Mercedes-Original nicht nachsteht. Sie baut sich jedoch wuchtig vor dem Fahrer auf, was der gefühlten Handlichkeit nicht unbedingt gut tut. Die Übersichtlichkeit nach hinten ist dank Außenspiegeln mit Weitwinkelfeldern hier wie dort gleichermaßen passabel.

Beim Fahren selbst agiert der Ducato-Hymer leichtfüßiger. Die Lenkung ist direkter und bietet mehr Rückmeldung. Der optionale 148-PS-Diesel erweist sich im Test als famose Wahl. Trotz weniger Leistung kommt er mit seinem konventionellen Schaltgetriebe fixer aus den Puschen als der Mercedes mit dem ebenfalls aufpreispflichtigen 163-PS- Aggregat.

Fiat überholt Mercedes auf der Straße

Diesem nimmt vor allem die Wandlerautomatik viel Lebendigkeit; beim Sprint auf 100 km/h holt der ML-I den Exsis erst auf den letzten Metern ein. Andererseits ist der Schaltkomfort der seidenweichen 7G-Tronic unübertroffen. Auch das komfortable Fahrwerk hält Fahrbahnschwächen effektiver von der Besatzung fern. Allerdings wankt der Sprinter trotz verstärkter Stabilisatoren deutlich mehr als der straffe Ducato. So ist man im ML-I mit seiner eher teigigen Lenkung, stets etwas behäbiger unterwegs. Angesichts dessen überrascht der höhere Verbrauch des Mercedes. Auch bei der Höchstgeschwindigkeit bleibt der Ducato-Exsis Sieger.

Es sind die Details, die trotz gleicher Aufteilungen auch die beiden Innenausbauten unterscheiden. Der etwas ältere Exsis sieht dabei aber nicht zwangsläufig auch alt aus. In einigen Bereichen hat er durchaus sogar die Nase vorn. Doch der Reihe nach.

Der Vergleich der beiden Sitzgruppen sieht auf den ersten Blick nach einem klaren "Unentschieden" aus. Exsis-i und ML-I ordnen die Rückbank in L-Form an. Der Längsschenkel ist in beiden Fällen eher als Beinauflage gedacht, denn als echter Sitzplatz. Bezieht man die beiden Vordersitze mit ein, reicht der Platz also gut für drei Personen. Das Drehen der Cockpitsessel klappt im ML-I übrigens einfacher, da der mittig angeordnete Handbremshebel nach unten abklappbar ist. Dafür ist der Tisch im Exsis minimal größer.

Mehr Platz im Mercedes

Auffallend besser ist das Raumgefühl jedoch im ML-I. Die Kopffreiheit unter dem Hubbett ist signifikant größer. Der ML-I-Besatzung kommen dabei sowohl der höhere Aufbau als auch der stufenlose Laufboden zugute. Beim Exsis mit dem tieferen Alko-Rahmen muss der Niveauunterschied zwischen Wohnraum und Fahrerhaus dagegen durch ein Podest mit Stolperstufe ausgeglichen werden.

Der Exsis-i kann hingegen bei den Liegemaßen Vorteile für sich verbuchen. Das Hubbett etwa ist spürbar länger. Allerdings fordert die geringe Aufbaubreite auch hier bereits Kompromissbereitschaft. Annähernd 1,50 Meter Breite sind in beiden Fällen beachtlich. Mit mehr Kopffreiheit schafft der ML-I den Ausgleich, und auch den optional elektrischen Absenkmechanismus wird sicher mancher als Komfortgewinn verbuchen. Allerdings ist das Prozedere langsamer.

Das gleiche Spiel bei den Heckbetten. Die besseren Maße sprechen klar für den Exsis. Dafür gleicht der ML-I – zumindest optional – mit dem besseren Liegekomfort dank der im Testwagen montierten punktelastischen Tellerfedern aus.

Der Zugang zu den Einzelbetten ist in beiden Fällen sehr bequem. Jeweils zwei große Stufen führen ins Schlafzimmer hinauf. Wegen der geringeren Kopffreiheit und dem dicken Dachfensterrahmen geht es im ML-I allerdings weniger großzügig zu. Praktische, gut erreichbare Ablagen gibt es hier wie da. Mit mehr Lampen, die um das optionale Panorama-Fenster gruppiert sind, trumpft der ML-I auf.

Die Küchen unterscheiden sich nicht

Die Küchen sind beinahe identisch. Stauraum ist in Form von großen Auszügen und einem mehrfach unterteilten Hängeschrank reichlich vorhanden. Weil Kocher und Spüle fasst die gesamte Arbeitsplatte beanspruchen, bleibt allerdings kaum Abstellfläche. Da freut man sich immerhin über die kleine ausklappbare Platte. Für die Kochvorbereitung wird man jedoch in der Regel an den Tisch gegenüber ausweichen. Die Ausstattung mit elektrischer Flammenzündung und auch die Beleuchtung passt.

Der größte Unterschied steht nebenan: Während der Exsis einen Kühlschrank mit konventionellen 52,5 Zentimeter Breite eingebaut hat, spart der ML-I mit dem schlankeren Modell etwa zehn Zentimeter ein. Der serienmäßige "Smart Tower" bietet 142 Liter Kühlvolumen. 149 Liter sind es beim Exsis optional.

Das Bad - hier punktet der ML-I

Sichtbarer sind die Unterschiede im Bad. Obwohl das Konzept mit der abtrennbaren, leicht eingesenkten Duschwanne wie auch die Abmessungen einander stark ähneln, tritt der Vorzug des ML-I deutlich in den Vordergrund. Weil der Boden beim ML-I insgesamt höher liegt, ist die Standfläche in der Dusche im Gegensatz zum Exsis nicht durch den Radkasten eingeschränkt. Außerdem gibt es beim Duschen Ablagen für Shampoo und Co.

Der Waschtisch samt eingeformtem Becken aus "Cool- Glass"-Kunststein wirkt viel edler als die schlichte Plastikschüssel im Exsis und ist zudem weniger anfällig für Kratzer. Der Spritzschutz rundum ist allerdings weder hier noch dort wirklich lückenlos. Allerdings hat Hymer bei beiden darauf geachtet, den Spiegel nicht bis zum Waschbecken herunterzuziehen, wo er zwangsläufig immer Spritzer abkriegt.

Toilette ist reinigungs- aber nicht männerfreundlich

Reinigungsfreundlich sind in beiden Fällen die Banktoiletten, die keinen Platz für unzugängliche Spalten lassen. Allerdings sollte Thetford die Schüssel speziell der männlichen Anatomie etwas besser anpassen. Ein zweiter Spiegel über dem Klo gibt Gelegenheit zu umfassender Selbstreflektion: Welcher von beiden schafft nun den Einzug ins Finale? Dem Bad nach der ML-I. Auch die Beleuchtung ist umfangreicher, Installationen und Leitungen sind besser verkleidet.

Eine Frage der Zuladung

Doch zum Reisen gehören nicht nur Fahren, Schlafen, Essen und Hygiene, sondern auch – na? Richtig, Gepäck. Zwar sind weder Exsis noch ML-I Stauraumriesen, aber zwei Urlauber dürften alles Nötige unterbekommen. Mehr Schrankraum bietet allerdings der Exsis. Kaum zu glauben, aber trotz längerem Bett und breiterem Kühlschrank passt dazwischen noch ein raumhoher Kleiderschrank, der diesem Namen auch gerecht wird. Im ML-I finden in dem Schrank an gleicher Stelle kaum zwei Jacken nebeneinander Platz. Da macht sich der längere Vorbau der Sprinter-Basis ebenso bemerkbar wie bei der Bettlänge. Der eigentliche Kleiderschrank unter dem Bett hält jedoch mit dem im Exsis mit. Einen Hängeschrank mehr gibt es dort über der Sitzgruppe. Beim ML-I dagegen bringt Hymer hier in einem Extrafach elegant den Fernseher unter.

Die große und gut nutzbare Garage des Exsis wird von der des ML-I sogar noch getoppt. Diese ist höher und hat mehr Fächer für Kleinkram. Zwei Türen und praktische Zurrösen gibt es bei beiden serienmäßig. Mit 350 Kilo dürfen die Böden der doppelschaligen GfK-Wannen belastet werden.

Das ist mehr, als die Gesamtzuladung im ML-I erlaubt. Bei einer Zulassung als 3,5-Tonner bleiben beim durchschnittlich ausgestatteten Testwagen lediglich 230 Kilo für Passagiere und deren persönliche Ausrüstung. Glücklich, wer damit klarkommt. Mehr als doppelt so viel, nämlich 510 Kilo, sind es beim getesteten Exsis. Ausstattungsbereinigt liegen immerhin noch 220 Kilo zwischen dem leichten Integrierten auf Fiat und dem schwereren auf Mercedes.

Bordtechnik: Großer Frischwassertank im ML-I

Weniger gravierend dagegen sind die Unterschiede bei der Bordtechnik. Gleichwohl bietet der ML-I den größeren Frischwasservorrat, mehr Lampen und mehr 230-Volt-Steckdosen. Bei der Beleuchtung setzen beide auf sparsame LED-Technik. Serienmäßig bei ML-I und Exsis ist bereits die große Truma-Combiheizung, die ihre Warmluft gleichmäßig im Innenraum verteilt und bis zur Bugscheibe transportiert. Beim ML-I ist sogar das Fach für den Bordakku, das außen hinter eine Schürzenklappe untergebracht, beheizt. Beim Exsis findet die Versorgungsbatterie im Innenraum Platz.

Für Wintercamper ebenso wichtig: Weder Exsis noch ML-I brauchen einen Doppelboden, um die Abwassertanks vor Frost zu schützen. Sie residieren jeweils unterflur in abgesenkten, beheizten Fächern. Bequemer und ohne schmutzige Finger gelingt im ML-I das Entsorgen dank einem elektrisch betätigten Ablassschieber.

Der Preis-Leistungs-Sieger heißt...

Ausstattungsmerkmale wie diese steigern auch den Preis. Doch natürlich ist es besonders die noble Sprinter-Basis, die den ML-I mehr als 10.000 Euro teurer machen als den Exsis-i. Bei knapp 79.000 Euro geht es los. Mindestens das Komfort-Line-Paket muss man addieren. Der Testwagen landet – noch ohne Markise und Sat-Anlage – bei fast 92.000 Euro. So gewinnt letztlich der Exsis-i in diesem Kapitel. Und so zumindest das Preis-Leistungs-Finale.

Supercheck: Concorde Carver 791 L

Foto

Ingolf Pompe

Datum

5. Februar 2015
Dieser Artikel stammt aus Heft promobil 02/2015.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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