Alles über Hymer Exsis-t
Reisemobil Hymer Exsis-t 588 33 Bilder Video Zoom

Hymer Exsis-t 588 im Test: Beliebter Mittelklasse-Teilintegrierter

Der Mercedes Sprinter mag als Basis des ML-T mehr her machen, doch günstiger und beliebter ist der eng verwandte Exsis-t auf Fiat Ducato. Was macht das schlanke Einzelbettenmodell zum Bestseller?

Der Hymer Exsis-t 588 wird gleich von zwei Seiten – markenintern – in die Zange genommen: einerseits von der schon länger etablierten und prestigeträchtigeren integrierten Variante Exsis-i. Andererseits vom etwas später vorgestellten, aber durch den raren Stern am Bug begehrten ML-T.

Trotz des zwar unscheinbareren, aber dennoch gefälligen Auftritts hat sich der Exsis-t inzwischen einen beachtlichen Käuferkreis erschlossen. Ein Grund ist auch, dass gleich drei unterschiedlich lange Varianten des beliebten Einzelbetten-Grundrisses zur Auswahl stehen. Der kürzeste der drei, der nur 6,50 Meter lange Exsis-t 474, schafft dieses Kunststück mit Hilfe eines Kompaktbads mit Klappwaschbecken.

Auf 7,15 Meter kommt die längste Einzelbettenvariante. Der t 688 ist der einzige der drei, der sich an der Sitzgruppe einen zwar schmalen, aber die Gemütlichkeit steigernden Seitensitz gönnt. Als findiger Kompromiss sortiert sich dazwischen der t 588 ein. Knapp unter sieben Meter lang, bietet sich dieses schlanke und ranke Exsis-t-Modell als idealer Reisebegleiter für Paare an, die ein solides und durchdachtes Urlaubsdomizil suchen und dafür gewillt sind, auch etwas mehr als anderswo zu bezahlen. Ein Mobil ohne Reue? Beim Supercheck haben wir jeden Winkel des Exsis-t 588 unter die Lupe genommen.

Infos zum Hymer Exis-t 588

  • Gurte/Schlafplätze: 4/2–3
  • Zul. Gesamtgewicht: 3500 kg
  • Länge/Breite/Höhe: 6,95/2,22/2,77 m
  • Grundpreis ab: 57 290 Euro

Wohnen

Gemütlich, bequem und praktisch, so wünschen sich die meisten ihr Mobil. Die Entwickler bei Hymer haben einiges dafür getan, dass der Hymer Exsis-t 588 diesem Ideal nahe kommt. Die Sitzgruppe präsentiert sich offen und einladend schon vom Einstieg aus. Die Sitzpolster der Bank sind von solider Schaumqualität und so geschnitten, dass zwei Personen gut nebeneinander sitzen können, der Gang aber nicht zu sehr eingeschränkt wird.

Der Tisch ist leicht erweiterbar und bindet so auch den Beifahrersitz mit ein. Das Bodenpodest verhindert in der Luft baumelnde Füße. Andererseits kann diese – konzeptbedingte – Stufe ab und an zum Stolperstein werden. Licht und Luft lassen zwei Panorama-Dachfenster herein. Während das Exemplar über der Sitzgruppe serienmäßig ist, gehört das zweite in der T-Haube allerdings zum fast obligatorischen Komfort-Line-Paket.

Die kompakte Kombüse reiht sich nahtlos ein in die Linie der komfortablen Ausstattung und praxisnahen Ideen. Drei große Schubladen mit integriertem Besteckkasten und Mülleimer halten reichlich Kochutensilien griffbereit. Die Vorräte bunkern ein großer Hänge- und ein Oberschrank, Verderbliches der in bequemer Höhe eingebaute 150-Liter-Kühlschrank – serienmäßig sind es nur 97 Liter.

Eine empfindliche Rüge wäre allerdings für die knappe echte Arbeitsfläche fällig, stünde neben den Abdeckungen von Kocher und Spüle nicht auch noch ein klappbares Verlängerungsbrett am Einstieg zur Verfügung, ähnlich wie man es von Campingbussen her kennt.

Durch clevere Aufteilung des Sanitärraums im Hymer Exsis-t 588 kann man die Duschecke gut mitnutzen und spürt so weder auf der Banktoilette noch am Waschtisch räumliche Enge. Allerdings steht man – mit einem Bein in der etwas tiefer liegenden Duschwanne – nicht besonders bequem. Abhilfe schafft der aufpreispflichtige Einlegerost aus Holz. Das Waschbecken aus Mineralwerkstoff ist relativ groß und angenehm zu greifen.

Falttüren trennen bei Bedarf eine passable Duschkabine ab, in der aber der Radkasten spürbar die Beinfreiheit einschränkt. Großgewachsenen mangelt es zudem an Stehhöhe. Handtuch und Kleider lassen sich unterdessen trocken an Wandhaken aufhängen.

Zu mäkeln gibt es wenig an den Einzelbetten im Heck. Allenfalls die Länge reicht nicht jedem aus. Die Matratzen sind hochwertig, auf der optionalen Unterfederung liegt man komfortabel, und auch der Aufstieg über zwei Treppenstufen macht keinerlei Mühe. Ungewöhnlich durchdacht zeigt sich zudem der Erweiterungssatz mit Zusatzbrett, zwei – allerdings sehr harten – Matratzenstücken, Einhängeleiter und Absturznetz – da kann der kleine Enkel wie in Abrahams Schoß in der Mitte nächtigen. Und auch die Sitzgruppe lässt sich bei Bedarf noch zu einem Kindereinzelbett umbauen.

Beladen

Ein Argument, das manchen Käufer vom Hymer Exsis-t 588 überzeugen wird, ist der raumhohe Kleiderschrank in Augenhöhe, wo die häufig benötigten Jacken schnell und einfach greifbar hängen. Er ist zwar schmal, doch die untere Hälfte lässt sich wahlweise ebenfalls als Hängeabteil oder aber als Regalschrank nutzen. Den für diesen Grundriss typischen Kleiderschrank unter dem Fußende eines der Einzelbetten gibt es zustätzlich. So kann man eine beachtliche Auswahl an Hemden und Blusen – oder im Winter dicke Jacken – mitführen und kommt auch hier dank Tür und Deckelklappe sowie Beleuchtung besser dran als bei manchem Konkurrenzmodell.

Weitere Staufächer finden sich unter dem Bett gegenüber und in den fünf Hängeschränken obendrüber. Echte Praktiker waren bei deren Anordnung am Werk: An den Seitenwänden hängt je ein geräumiger Schrank über dem Fußende, im Kopfbereich, wo er beim Aufrichten stören würde, ist dagegen nur ein schmales Ablagebord angebracht. Und wenn es eines weiteren Beweises für die Praxisnähe bedarf, braucht man nur den Deckel der oberen Treppenstufe zu öffnen und entdeckt erfreut ein Fach mit eingehängtem Schmutzwäschesammler.

Nahezu tadellos ist auch die Heckgarage im Hymer Exsis-t 588 ausgestaltet. Zwei große Türen, Beleuchtung, Zurrösen und vier Fächer für Kleinteile stehen bereit. Für hohe Trekkingräder kann es allerdings beim Verladen etwas knapp werden.

Die Wiegeergebnisse des reisefertigen Testwagens belegen beruhigende Zuladungsreserven. Weder an Rädern, Achsen noch insgesamt zeigen sich kritische Werte. Eine Auflastung ist nur bei besonderen Transportaufgaben erwägenswert.

Technik

Hymer vertraut auch beim Exsis-t auf die hauseigene PUAL-Aufbautechnik mit Aluminium an Dach und Wänden, PU-Schaum-Isolierung und foliertem Sperrholz innen, aber ohne tragende Holzleisten. Komplett holzfrei ist der Boden aufgebaut mit GfK außen und innen sowie Styrofoam-Dämmschicht. Wer das Dach vor Hagel schützen möchte, bekommt gegen Aufpreis eine zusätzlich aufgeklebte GfK-Bahn. Typisch Hymer sind die elegant umgebogenen Dach- und Heckwandkanten, die klassische Eckprofile überflüssig machen.

Ein isoliertes GfK-Formteil mit eingesetztem Panorama-Dachfenster verbindet gefällig das ausgeschnittene Fahrerhausdach mit dem Aufbau. Sowohl die Seitenschürzen als auch das Mittelteil des Heckleuchtenträgers bestehen aus robusten Alu-Strangpressprofilen. Lediglich die Radlaufblenden und die Eckteile am Heck mit den Rückleuchten sind aus, allerdings relativ dickem Kunststoff geformt. Das verspricht eine geringe Schadensanfälligkeit und einfache Reparierbarkeit.

Die Bordtechnik im Hymer Exsis-t 588 hat zwar keinen Doppelboden als Unterschlupf, ist aber dennoch platzsparend und frostgeschützt untergebracht. In der Sitztruhe residiert die Heizung, die 95-Ah-Bordbatterie – mit Platz für ein Zweitexemplar – und das Ladegerät mit den 12-V-Sicherungen. Frisch- und Abwassertank sind in abgesenkten, isolierten und beheizten Unterflurfächern untergebracht. Zugang zu den Tanks und Ablassventilen verschaffen Bodenluken. Zum Abwasserablassen muss man sich so die Finger nicht schmutzig machen. Das mechanische Reinigen des Frischwassertanks verlangt allerdings "Affenarme".

Der Gaskasten ist hinten links in die Heckgarage integriert, mit passablem Zugang. Soweit sichtbar, präsentiert sich die Gasrohrverlegung vorschriftsgemäß, die Absperrhähne sind gut erreichbar am Küchenblock montiert. Auch die Wasser-, Strom- und Warmluftleitungen verlaufen geschützt vor vagabundierendem Gepäck durch den Aufbau. Gut und gleichmäßig ausgeleuchtet ist die Küche. Allerdings gibt es auch dunkle Ecken im Wohnraum, etwa der hintere Gang oder der Spiegel im Bad. Das optionale Lichtpaket kann teilweise für Abhilfe sorgen.

Gut gerüstet starten Exsis-t-Fahrer schon serienmäßig in den Winterurlaub mit starker 6er-Heizung und Ausströmern im Cockpit – Weiteres gibt’s optional.

Fahren

Das Fahrverhalten des Hymer Exsis-t 588 ist im besten Sinne unauffällig. Man kommt sofort damit zurecht. Der schmale und niedrige Aufbau und der Alko-Tiefrahmen mit seinem moderaten Radstand sorgen für einen niedrigen Schwerpunkt und angenehme Handlichkeit. Gepaart mit guter Windschlüpfigkeit und relativ geringem Gewicht hat bereits der 130-PS-Motor kaum Mühe, den knapp sieben Meter langen Van adäquat auf Touren zu bringen. Diese Leistungsstufe sollte man sich allerdings schon gönnen, denn der 115-PS-Serienmotor mit Fünfganggetriebe ist keine befriedigende Option.

Der Fahrkomfort wird einerseits geprägt vom typisch straffen Federungsverhalten des Ducato, woran auch der Alko-Rahmen nicht sehr viel ändert. Für entspanntes Reisen ist andererseits die Geräuschkulisse ein wichtiger Faktor. Hier schlägt sich der Exsis-t-Testwagen wacker, obwohl er schon deutlich mehr Kilometer hinter sich hat als die meisten Testwagen. Und erfahrungsgemäß nimmt mit der Laufleistung auch die Klapperneigung zu.

In puncto Fahrsicherheit gibt es ebenfalls nichts auszusetzen. Airbags und ESP sind serienmäßig – ohne Wenn und Aber. Den harten, nur von promobil so durchgeführten Bremsentest überstand der Exsis mit, für Winterreifen, ordentlichen Werten. Etwas Achtsamkeit erfordert die nicht allzu üppige Bodenfreiheit.

Preise

Auf dem Markt gibt es zwar deutlich günstigere Vans ähnlicher Aufteilung und Größe, kaum einer kann jedoch mit der soliden technischen Anlage und durchdachten, praxisgerechten Ausführung des Hymer Exsis-t 588 mithalten. Zum Grundpreis addieren sich mindestens noch das fast obligatorische Komfortpaket und der 130-PS-Motor. Außerdem empfehlenswert sind das Assistenzpaket, das GfK-Dach, die Tellerfedern, der Duschrost und das Lichtpaket – macht zusammen beim Testwagen 65.450 Euro.

Vergleichstest: Forster T 738 EB/Sunlight T 67/ Weinsberg TI 700 MEH

Foto

Ingolf Pompe, Jürgen Bartosch (4)

Datum

6. Januar 2016
Dieser Artikel stammt aus Heft promobil 12/2015.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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