Hymer Car 372, Supercheck 12 Bilder Zoom

Hymer Car 372 im Test: Kompakter Bus zum stau(n)en

Der Hymer Car 372 ist der Neuling unter den Campingbussen mit Einzelbetten. Der Test klärt, ob sich das Warten auf ihn gelohnt hat.

Ob Pössl, Adria, Knaus oder Konsorten: Der Trend zu Einzelbetten im Campingbus entwickelt sich derzeit zum Pflichtprogramm der großen Hersteller, und auch die Verlegung der Dusche in den Gang wird zunehmend beliebter. Hymer ließ sich mit dem Car 372 etwas mehr Zeit als seine Konkurrenten, will aber umso weniger hinten anstehen, wenn es um den Komfort und die Funktionalität im Aufbau geht. Besondere Details im Wohnbereich und der neue Grundriss müssen sich im Test beweisen.

Der Hymer Car ist mit zwei Einzelbetten für allein reisende Paare gedacht

Die Sitzgruppe des Car 372 setzt sich mit ihren blauen Textilbezügen vom Holzdekor der Möblierung ab und bietet sehr straffen Sitzkomfort. Das Platzangebot im Wohnbereich gefällt dank der etwas breiteren Aufbaumaße des Fiat Ducato. Zwischen Küchenblock und  Esstisch entsteht daher, anders als oft üblich, keine Engstelle beim Servieren von Frühstück oder Abendbrot. Gegen Aufpreis lässt sich die Sitzgruppe mit Hilfe des absenkbaren Tischs in ein Zusatzbett verwandeln, das den Namen Bett nur bedingt verdient. Denn mit maximalen 1,60 Meter Länge ist diese Lösung nur etwas für die kleinen oder zur Not auch unangemeldeten Gäste.

Echten Schlafkomfort findet man wenige Schritte weiter im Heck, vorbei an dem Küchenblock auf der einen und dem Bad auf der anderen Seite. Dort teilen sich die zwei Einzelbetten von 80 Zentimeter Breite den Schlafraum. Den Preis für die recht breiten Maße zum Schlafen zahlt der Gang in der Mitte - selbst Passagiere mit schmaler Statur können sich hier nur längs bewegen. Auch die stauraumbedingte Einstiegshöhe von satten 86 Zentimetern bedarf etwas Sportlichkeit, das aufsteckbare Trittbrett könnte breiter sein. Die scharfen Kanten der Oberschränke sind ebenso wenig für unüberlegte Bewegungen gemacht. Der Liegekomfort hier ist ein Geschenk für die Wirbelsäule, doch wer gern weich liegt, wird einige Zeit zum Einliegen verstreichen lassen. Was dank beidseitigen Lautsprechern im Fuß- und LED-Lesespots im Kopfbereich keineswegs schwer fallen sollte. Hier fehlt es allerdings an offener Ablagefläche für Bücher und die vielen anderen Kleinigkeiten. An den Seiten sorgen schaumkaschierte Stoffbezüge für gemütliches Ambiente, leider im Gegensatz zu den sehr spärlich bearbeiteten Hecktüren mit unverkleideten Oberflächen und Schlössern.

Kompakt: Die Küche im Hymer Car 372

Wer sich einen Campingbus zulegt, erwartet platzbedingt kein Paradies für Hobbyköche oder Gourmets. So ist es auch beim Car 372, mit einem entscheidenden Unterschied: Die Küche setzt auf praktische, brauchbare und pfiffige Details. Angefangen beim Kühlschrank auf bequemer Augenhöhe sagt der Hymer Car dem ständigen Bücken im Campingbus den Kampf an. Auch die großzügigen Schubladen und Oberschränke machen viele Kochutensilien leicht zugänglich. Das Problem der notorisch winzigen Arbeitsfläche löst Hymer mit einer nach Bedarf ausziehbaren Arbeitsplatte in Größe eines Schneidebretts, die zudem einen stabilen Eindruck macht. Größtes Manko: Die Spüle ähnelt besonders in der Tiefe eher der eines Puppenhauses, der Abwasch macht hier sicher keinen Spaß.

Die Dusche als Baderweiterung in den Gang zu verlegen ist keine neue, trotzdem aber brauchbare Idee. Im Hymer Car erstreckt sich das gesamte Bad ebenso über die Grenzen des klassischen Waschraums hinaus. Während der Waschbereich mit moderner Cassettentoilette, schicker Armatur, Kleiderhaken und reichlich Ablagemöglichkeit überzeugt, stellen sich bei der Dusche gleich mehrere kritische Fragen: Warum wird gerade bei der Stehhöhe mit nur 1,85 Metern gespart? Eine Dachhaube käme nicht nur dem Komfort, sondern auch dem Abzug von Feuchtigkeit des Bads und Kochdunst der Küche entgegen. Oder: Wieso sind die Abtrennwände so starr und schwerfällig? Und weshalb gibt es keinerlei Halterung für die Duschbrause? Hier ist künftig noch Platz für Modellpflege.
Die Liste der Stauraumausstattung im Car 372 liest sich wie eine lange Speisekarte aller Möblierungssorten - ob offene Ablagefächer, Hänge- und Unterschränke, automatisch beleuchterer Kleiderschank, Stauraum über dem Fahrerhaus, Heckgeheimfach, Doppelbodendenfach, Schubladen oder Schuhschrank: Hymer hat im Car 372 nichts ausgelassen. Als i-Tüpfelchen lässt sich das Heck dank Zurrösen und hochklappbarem Bett zu einer großzügigen Ladefläche verwandeln. Dort finden  auch Wasserkästen, Fahrräder oder Surfbretter leicht und sicher einen Platz.

Funktionell: Die Bordtechnik des Hymer Car 372

Das Herz der Bordtechnik ist die in die Sitzbank eingelassene Gas-Gebläseheizung, die gleichzeitig auch für Warmwasser sorgt - leicht und verständlich gesteuert über das Kontrollbord über der Schiebetür. Zur Versorgung an Bord gehört auch die Blei-Säurebatterie mit 95 Amperestunden, die bei der Konkurrenz längst mit zeitgemäßeren Gel- oder AGM-Varianten ersetzt wurde. Alles in allem laufen Heizung und Strom akzeptabel, großzügig kommen die sechs Heizströmer und fünf serienmäßigen Steckdosen daher, anders als die geizig verteilten Halogenstrahler. Je nach Reisevorhaben empfiehlt sich die Wahl der Maxichassis mit 148 PS, was sich beim Hymer besonders auf Gefälle und im Stadtverkehr bemerkbar macht. Punkten kann die Zuladung von 330 Kilogramm, für Campingbusse eine Ausnahme.Das passt gut zum Stauraumangebot, denn angesichts der Eignung für zwei Erwachsene mit Kind kommt hier schnell einiges an Gepäck zusammen.

Hymer Car: Die Baureihe

Hymer Car

Preise: 39.700 – 41.990 Euro
Basis: Fiat Ducato
Längen: 5,99 – 6,36 m
Gesamtgewicht: 3300 – 3500 kg
Modelle: Neben dem getesteten Hymer Car 372 gibt es noch die klassische Grundrissvariante mit Querbett im Car 322, der sich auch mit 37 cm weniger Länge und einer integrierten Dusche vom Testmodell unterscheidet.

Autor

Foto

Frank Eppler

Datum

3. Mai 2012
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