Alles über Hymer B-Klasse
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Hymer B-Klasse 678 im Test: Mit Augenmaß und Praxisblick entwickelt

Ein neuer Jahrgang wird nicht nur beim Wein stets mit großer Spannung erwartet, auch bei Reisemobilen steht er auf dem Prüfstand.

Dies gilt besonders für die Hymer BKlasse 2011. Hat doch Hymer auf neue Trauben und Zutaten, aber auch traditionelle Verfahren zurückgegriffen – es sollte ein ganz besonderer Tropfen werden. Ob er mundet, hat promobil intensiv geprüft.

Ein Funktionsboden als goldener Mittelweg

Am doppelten Boden scheiden sich oft die Geister. Bei der neuen B-Klasse ist er so konzipiert, dass die Stufe zwischen Cockpit und Original- Fiat-Flachrahmen exakt ausgeglichen wird und ein stolperfreier Durchgang von vorn bis hinten entsteht. In 12,5 Zentimeter lichte Höhe passen jedoch weder die standesgemäßen Wassertanks noch große Staufächer. Doch als beheizter Zwischenboden für die Installationen und gegen Fußkälte ist er sehr nützlich. Eine abgesenkte Wanne zwischen den Rahmenholmen hinter der Hinterachse nimmt die beiden Wassertanks frostsicher auf. Gut für die Lastverteilung, zumal sich bei der Wasserwanderung vom Frisch- in den Abwassertank praktisch nichts ändert. Die Wanne hängt allerdings ziemlich tief, das gilt es auf unebener Strecke zu berücksichtigen. Die übrige Aufbautechnik folgt dem bekannten Pual-Konzept von Hymer. Zwischen Aluminiumhaut und Sperrholzschicht macht sich feuchteresistenter Polyurethanschaum (PU) breit.

Die Aufbaukanten sind elegant gebogen. Der Boden ist in klassischer Holz-Styropor-Bauweise gefertigt. Eine optionale Ausführung mit GfK-Beschichtung für Unterboden und Dach soll folgen. Zu robusten Alu- Seitenschürzen gesellt sich das Mittelteil des Heckleuchtenträgers aus gleichem Material. Die exponierten Eckteile – jetzt aus PU geschäumt – versprechen ebenfalls Widerstandsfähigkeit. Trotz aufgesetztem Kunstlederspiegel und optionalem Fenster kann die Aufbautür ihre einfache Machart nicht ganz kaschieren – zugehalten von einem recht schlichten Schloss. Die Decke zeigt sich innen über die ganze Fahrzeuglänge mit schaumkaschierter Stoffbespannung angenehm wohnlich – unterstützt von der damit verbundenen akustischen Dämpfung. Dazu trägt im Fahrerhaus ebenso die stoffbespannte Hubbettunterseite bei. Unsichtbar integrierte Lautsprecher sorgen zusammen mit einem weiteren Lautsprecherpaar unter dem Armaturenbrett auch bei Radio-CD-Betrieb für ein neues Hörerlebnis.

Versteckte technische Vorzüge finden sich aber noch mehr. Ein elektrischer Rollladen kann nun für die Frontscheibe geordert werden.Neben der bequemen Verdunkelung per Knopfdruck gewährleistet er bessere Wärmedämmung. Zusammen mit doppelt verglasten Seitenscheiben und der optionalen Warmwasserheizung mit Booster und Motorwärmetauscher – im Rahmen der Arktis-Pakete erhältlich – rückt die B-Klasse in Sachen Wintertauglichkeit Richtung Oberklasse. Clever ist die generell zentral in der Querbanktruhe platzierte Heizung. So verkürzen sich die Leitungswege, und die Abwärme der Heizung ist automatisch dort, wo man sie auch braucht. Batterien, Sicherungen und Ladegerät finden sich ebenfalls hier, gut zugänglich hinter einer Außenklappe. Die Beleuchtungsausstattung setzt zur Hälfte auf LED-Technik, bietet ansonsten aber eher Hausmannskost.

Gemütliche und praktische Stube statt Designer-Loft.

Die Rückbesinnung auf Bewährtes zeigt sich besonders in der Sitzgruppe. Unter den Hängeschränken finden sich wieder praktische offene Ablagen. In die Sitzrunde zieht mit mehr Stoff und Holzdekor auch mehr Gemütlichkeit ein. Am großen und vielfach verstellbaren Tisch können Urlauber ausgiebig essen – für die Fahrt ganz aus dem Weg räumen lässt er sich aber nicht. Die ausziehbaren Becherhalter in der Tischkante kommen nicht nur beim Nachwuchs gut an. Das Hubbett in der B-Klasse ist gewachsen und senkt sich zudem tiefer herab – optional auch elektrisch. In der unteren Stellung wird die Hubmechanik rechts und links fixiert – die Koje mit Wellengang ist passé – mehr dazu im ersten Wettbewerbsvergleich ab Seite 90. Schlafkomfort auf hohem Niveau – nicht nur räumlich gesehen – versprechen eben -so die Einzelbetten im Heck.

Besonders in der Kombination aus Kaltschaum-Matratzen mit sieben Zonen und punktelastischer Unterfederung, die es für alle Betten optional gibt. Die Betten werden nach Körpergröße verteilt, denn das linke Bett fällt merklich kürzer aus. Angenehm kuschelig wirken die mit Mikrofaser bezogenen Wände. Geschickt sind hier Hängeschränke und Ablagebords platziert, um weder Raum zu verschwenden noch Kopfkontakt zu provozieren. Wer sich im Liegen in die Augen sehen möchte, verzichtet auf den zweiten Kleiderschrank an der Rückwand. Optional verbinden ein Schiebebrett und Zusatzpolster die Einzelbetten zur Liegewiese. Auch ein Kind kommt hier unter, der Weg führt per Leiter nach oben. Für den nächtlichen Gang zum stillen Örtchen wäre ein Orientierungslicht mit Wechselschaltung hilfreich. Doch der Weg ins Bad ist kurz, der Zugang ohne Stolperfalle. Schließt man die Rollotür, bleibt an Waschtisch und Toilette zwar nicht mehr allzu viel Bewegungsfreiheit. Doch die meiste Zeit werden Reisende Bad, Gang und Dusche ohnehin als gemeinsamen großen Raum nutzen.

Auch die Duschkabine ist barrierefrei zugänglich. Die Duschtasse ist zu diesem Zweck im Boden versenkt, deshalb bleibt die volle Stehhöhe von knapp zwei Metern erhalten. Ohne den optionalen Einlegerost aus Holz sind es Kleiderschranks unter dem Fußende des rechten Betts gut zugänglich. Gegenüber befindet sich ein praktischer Regalschrank mit drei großen Fächern. Die drei kleinen Fächer im Doppelboden lassen sich optional durch eine abgesenkte Wanne ergänzen. Zwei mitgelieferte Taschen kommen darin samt Inhalt unter. Sperriges nimmt die riesige Heckgarage auf. Was Hymer „Stauraummanagement“ tauft, bedeutet, dass Campingmöbel, Auffahrkeile und Co. gegen Aufpreis sichere Plätze finden. Mit Maxi-Chassis und 4,25 Tonnen Gesamtgewicht sowie verstärkter Vorderachsfedern passen die Zuladungsreserven zum üppigen Stauraum. Als reines Zwei-Personen-Mobil und mit etwas Zurückhaltung bei der Ausstattung kann es auch mit 3,5 Tonnen klappen.

Gute Straßenlage trifft auf mäßigen Federungskomfort.

Tiefe Schwerpunktlage und breite Hinterachsspur sind gute Voraussetzung für eine satte Straßenlage. Die schicken » sogar noch ein paar Zentimeter mehr. Die Rolltüre schließt die Dusche wasserdicht ab. Die Bewegungsfreiheit ist gut, nur der Radkasten schränkt den Fußraum ein. Die abnehmbare Kleiderstange, Beheizung und Dachhaube verwandeln die Dusche in eine Trockenkammer. Der Küchenblock überrascht mit einer ungewöhnlichen Tiefe. Deshalb bleibt vor dem Dreiflammkocher Arbeitsfläche übrig. Die vier variabel unterteilten Schubladen im Unterschrank nehmen jede Menge Utensilien auf. Nur zu schwer sollte man sie nicht beladen, um Auszüge und Verschluss nicht zu überfordern. Die Arbeitsplatte mit Beschichtung aus Mineralwerkstoff fasst sich angenehm an und ist pflegeleicht. Zugunsten des Hängeschranks verzichtet Hymer auf den Dunstabzug. Die optionale Ventilator-Dachhaube funktioniert ohnehin meist effektiver.

Stauräume in allen Größen nehmen das Gepäck auf.

Tür, Klapprost und Beleuchtung machen den Inhalt des 17-Zoll-Aluminiumräder mit 255er Breitreifen verstärken dies und verkürzen außerdem den Bremsweg. Konsequenz sind nicht nur rund 2500 Euro extra, sondern auch Kompromisse bei Anfälligkeit für Spurrillen und Federungskomfort. Die verstärkten Schraubenfedern verhindern zwar, dass die Vorderachse durch Schlaglöcher trampelt, ein deutliches Trippeln bleibt aber dennoch zu hören und zu spüren.

Der Preis ist angemessen, doch zahlreiche Optionen locken.

Ohne eines der Komfortpakete für Chassis und Wohnraum rollt sicher keine B-Klasse vom Band – macht rund 5000 Euro extra. Viele weitere, teils kostspielige Optionen locken, vor allem auch Wintercamper. Kosten, die anderswo mangels Angebot erst gar nicht zur Debatte stehen. Doch der Kenner weiß, wofür er sein Geld ausgibt – nicht nur beim Wein.

Vergleichstest: Forster T 738 EB/Sunlight T 67/ Weinsberg TI 700 MEH

Foto

Konstantin Tschovikov

Datum

28. Dezember 2010
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