Alles über Hobby Vantana
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Hobby Vantana K60 im Test: Niveauvoller Einstieg

Lange hat Hobby den Markt für ausgebaute Fiat Ducato studiert und fährt nun mit einem eigenen Modell vor. Macht der neue Vantana deshalb alles richtig oder sogar besser als die etablierte Konkurrenz?

Man kann über diese Reisemobilklasse nicht sprechen, ohne den Namen Pössl zu erwähnen. Mit dem 2Win hat die Marke den günstigen Querbett-Campingbus vor mehr als zehn Jahren erfunden und populär gemacht. Seitdem wurden alleine von diesem Modell rund 10.000 Stück verkauft – was natürlich auch Nachahmer auf den Plan ruft. Seit Beginn der laufenden Saison mischt nun auch der norddeutsche Caravanspezialist Hobby bei den ausgebauten Kastenwagen mit. Wie ernst man es in Fockbek damit meint, zeigt die respektable Auswahl von fünf Modellen in drei Längen, die man gleich vom Start weg anbietet. Die beliebteste Variante mit mittlerer Länge und Querbett ist sogar in zwei Versionen vertreten, mit seitlich platziertem festem Bad und – der aktuelle Topseller-Grundriss in der Ducato-Klasse – mit sogenanntem Raumbad.

Dabei entsteht der Sanitärraum eigentlich erst, wenn man zwei Rollotüren über den Gang hinweg um sich herumzieht. Diese platzsparende und gleichzeitig großzügige Badversion hat man sich bei Vorreiter Pössl abgeschaut. Aber auch von anderen Marken finden sich Anleihen im getesteten Vantana K60. Ist er also so etwas wie die Quintessenz des Marktes? Und kann er dabei trotzdem einen eigenen Stil prägen? Die Antwort gibt der Supercheck.

Wohnen

Die Karosseriebreite des Ducato gibt die Liegelänge des Heckbetts vor. Mit geschickt ausgeformten Verkleidungsteilen kann man zwischen den Verstärkungsholmen noch ein bisschen was rausholen – beim Hobby sind es rechts und links jeweils drei Zentimeter Luft über die Matratzenlänge von 1,85 Meter hinaus. Viel mehr geht kaum ohne Veränderungen an der Blechwand. Deutlich üppiger ist die Matratzenbreite mit durchgängig 1,58 Meter. Immerhin zwei Drittel der dreiteiligen Kaltschaummatratze liegen auf Lattenrosten. Für den restlichen Teil wäre zumindest ein Abstandsgewirke zur Unterlüftung sinnvoll.

Um den Schlaf so angenehm wie möglich zu gestalten, werden die Kunststoff-Formteile mit einer Soft-Touch-Oberfläche versehen. Sie verkleiden die Wände ringsum inklusive der Fenster-Innenrahmen lückenlos. Den Spalt zwischen den Hecktüren verschließt – neben der Fiat-Gummidichtung – noch ein zusätzlicher Schaumstoffschlauch, um Zugluft zu verhindern. Nicht nur für Notfälle sinnvoll ist die Verlegung des Hecktüröffners vom tiefen Originalplatz nach oben über Matratzen-Niveau. Zwei Details, die man auch von Adria-Twin-Modellen kennt. Ein kleines Ablagebord, zwei Schwanenhals-Leselampen, ein Wechselschalter für die Raumbeleuchtung und das Display-Bedienteil der Truma-Heizung finden sich ebenfalls hier hinten.

Aus der Sitzgruppe entsteht mit Hilfe eines optionalen Zusatzpolsters bei Bedarf ein kurzes Gästebett. Ansonsten gefällt das Wohnzimmer durch angemessenen räumlichen Zuschnitt und gefällige Gestaltung. Dazu gehört, dass die Sitzbank eher schmaler geschnitten ist, um den Gang nicht zu sehr zu verengen. Für mehr Schulterfreiheit lassen sich die Sitzflächen aber auch um zirka zehn Zentimeter auseinanderrücken. Wer häufiger Passagiere auf der Bank mitnehmen möchte, bekommt optional stattdessen auch zwei bequem ausgeformte Einzelsitze.

Der Tisch steht stabil, hat eine gute Größe, und mit einer ausdrehbaren Verlängerungsplatte lässt sich auch der Beifahrersitz gut einbinden. Offene Ablagen finden sich hier direkt zwar nicht, aber immerhin kann die vollflächige Innenverkleidung der Schiebetür mit drei Einsteckfächern aushelfen.

Wertiger Materialeindruck und saubere Verarbeitung kennzeichnen den kompletten Ausbau. Die dunkelbraunen Flächen, etwa unten an den Hängeschränken, fühlen sich an, wie mit feinem Leder bezogen. Nicht nur die Schubladen, sondern auch die Schrankklappen werden von aufwendigen Beschlägen mit sanften Endeinzügen geführt, die die Drucktastenschnäpper zuverlässig einrasten lassen. Der Käufer kann zwei ganz unterschiedliche Möbel- und zwei Polsterdekors nach eigenem Gusto kombinieren.

In der Küche verwalten – neben dem Hängeschrank – drei breite Schubladen den Stauraum für Kochutensilien und Vorräte. Das verschafft einen schnellen Überblick. Allerdings würde eine größere Auszugslänge den Zugriff noch erleichtern und höhere seitliche Bordwände an den Schubladen den Stauraum effektiver nutzbar machen. An einen Besteckkasten hat man hier gedacht, am Zweiflammkocher muss man dagegen ohne eine Zündhilfe auskommen. Seine Glasabdeckung und die über der relativ großzügigen Spüle dienen als Arbeitsfläche. Zudem gibt es ein klappbares Verlängerungsbrett am Einstieg – ein probates Rezept. Das andere Küchenende bildet der große 80-Liter-Absorberkühlschrank, der in griffgünstiger Höhe eingebaut ist.

Die Rollotüren am Bad schaffen im Nu eine großzügige Duschmöglichkeit. Zudem sind die Schiebetüren auch geschickt zur Abtrennung des Hecks als Schlaf- und Ankleidebereich nutzbar. Dagegen abwägen muss man, dass die Badnutzung den Gang und damit den Kühl- und Kleiderschrankzugriff für den Partner blockiert. Waschtisch und Toilette stehen gedrängt, aber passabel nutzbar an der Wand. Ein Fenster gibt es serienmäßig, eine Dachhaube über dem Duschbereich wäre eine ideale Ergänzung, die zudem mehr Licht und Stehhöhe brächte. Vergrößert würde das Brausevergnügen noch durch eine Duschkopfhalterung und einen zuverlässiger schließenden Vorhang.

Wertung

  • Wohnen: 3,5
  • Betten: 30 %; 3,5
  • Sitzgruppe: 20 %; 3,3
  • Küche: 20 %; 3,6
  • Sanitärraum: 20 %; 3,3
  • Möbelbau: 10 %; 3,9

maximal 5 Punkte möglich

Beladen

Neun Hängeschränke – vom Cockpitdach bis ins Heck – bilden eine gute Grundlage für die Gepäckverwahrung. Dazu kommt ein beleuchteter Kleiderschrank in für die Fahrzeugklasse nicht selbstverständlicher, üppiger Größe. Allerdings ist er unter dem Kühlschrank eingebaut, was beim Zugriff jeweils einen kleinen Bückling verlangt. Weiteren Stauraum gibt es in einem Bodenpodestfach an der Sitzgruppe. Und auch in der Sitztruhe bleibt noch Platz. Trotz Deckel- und Frontklappe ist der Zugriff darauf eher mühsam, denn der leichter erreichbare gangseitige Truhenteil ist für Elektroinstallationen reserviert.

Alles Sperrige kann in den Heckstauraum unterm Bett geladen werden. Vier Zurrösen ermöglichen es, das Ladegut zu sichern. Bei Dunkelheit wäre dabei aber eine Lampe hilfreich. Flexibilität bei der Stauraumnutzung gewährt die Möglichkeit, die Heckbettmatratzen nebst zwei Lattenrostteilen herauszunehmen und auf den linken Bettkasten zu stapeln – die beiden einhängbaren Spanngurte halten die Teile allerdings nicht in jeder Kurve zuverlässig an Ort und Stelle.

Doch der Stauraum wächst beträchtlich und nimmt es mit dem Einkauf im SB-Möbelshop auf. Für Langgut kann zudem die flexible Schottwand zum Gang herausgenommen werden, die aus zwei unterschiedlich hohen Brettern besteht – Marktführer Pössl lässt grüßen. Zwei kleinere Schränkchen und ein verstecktes Fach nutzen in den seitlichen Bettkästen fast jeden Stauraum, den die Bordtechnik übrig lässt. Und auch die Zuladung passt zum guten Platzangebot, zumal mit der optionalen Auflastung auf 3,5 Tonnen, die man am besten gleich mitbestellt, um beruhigende Reserven zu haben.

Wertung

  • Beladen: 3,6
  • Stauräume: 50 %; 3,4
  • Zuladung: 50 %; 3,8

maximal 5 Punkte möglich

Technik

Die Fenster werden bei Hobby traditionell als Stilmittel eingesetzt. Die des Vantana sind nur flach gewölbt und fügen sich elegant in die schwarzen Dekoraufkleber der Seitenwände ein. Allerdings sind sie in der einfacheren vorgehängten Technik ausgeführt und zudem nur mit Riegeln ohne Arretierungs- bzw. Sicherungsknopf ausgestattet. Ein Midi-Heki über der Sitzgruppe und ein Mini-Heki über dem Heckbett gehören ebenso zur Serienausstattung wie die breite elektrische Trittstufe am Einstieg.

Die Fliegengittertür und die Fahrerhaus-Faltverdunkelung sind dagegen Teil des fast obligatorischen Starterpakets. Die Wände dämmen flexible PE-Matten, Dach und Boden eine ebenfalls feuchte¬unempfindliche XPS-Schaum-Schicht.

Ein Hobby-Faible ist zudem die Beleuchtungsausstattung und Steuerelektronik. LED-Technik ist dabei schon selbstverständlich. Die Ambiente-Beleuchtung, die Außenlampe und die Schwanenhals-Leseleuchten müssen allerdings in einem Lichtpaket zugekauft werden. Damit lässt sich der Ausbau gezielt und stimmungsvoll beleuchten, insgesamt erreicht die Helligkeit aber nicht optimales Niveau. Optional ist auch die innovative W-LAN-Steuerung für das Display-Kontrollbord. Wechselschalter für einige Lampen sind serienmäßig vorhanden. Mit der W-LAN-Steuerung lassen sich aber alle auch per Smartphone, Tablet oder Notebook von überall im und ums Fahrzeug schalten.

Gleiches gilt auch für die Truma-Heizung und optionale Komponenten wie eine Klimaanlage, wenn sie CI-Bus-kompatibel sind. Auch die Füllstände der Batterien lassen sich fernabfragen, nicht jedoch die der Wassertanks.

Aber es hat schon was, wenn man bequem im Sitzen die Bordtechnik checken und Lampen schalten kann. Im Testbetrieb reagierte das System allerdings nicht immer zuverlässig auf entsprechende Anweisungen per Smartphone.

Die Anordnung der Bordtechnik kann man schon fast als Klassenstandard bezeichnen. Der Frischwassertank versteckt sich hinten rechts unter dem Bett, ist aber bei Bedarf über zwei Weithalsöffnungen recht gut zugänglich. Der Abwassertank hängt unterflur. Beide fassen 90 Liter. Für Letzteren gibt es optional eine Beheizung, jedoch keine Dämmung. Der Gaskasten sitzt ganz hinten links. Darin findet sich – schlecht erreichbar – auch das Absperrventil der Heizung. Denn die ist direkt davor im Bettkasten installiert und dort im Servicefall immerhin vernünftig zugänglich. Wie eine effektive Warmluftverteilung funktioniert, lässt sich im Hobby gut erspüren. An den drei Ausströmern in der Sitzgruppe kommt – trotz längerer Wege – noch reichlich Wärme an.

Wertung

  • Technik: 3,3
  • Aufbau: 20 %; 3,1
  • Sicherheit: 20 %; 3,8
  • Bordtechnik: 20 %; 2,9
  • Verarbeitung: 20 %; 3,7
  • Beleuchtung: 10 %; 2,8
  • Wintertauglichkeit: 10 %; 3,4

maximal 5 Punkte möglich

Fahren

Kaum Auffälligkeiten zeigt der Vantana beim Fahren. Mit dem optionalen 130-PS-Motor ist man gut motorisiert. Beschleunigung, Elastizität und Höchstgeschwindigkeit sind völlig ausreichend. Und dabei bleibt der Verbrauch mit unter zehn Litern auf der promobil-Testrunde angenehm zurückhaltend. Den moderaten Aufpreis zum 115-PS-Serien-aggregat zu tätigen, empfiehlt sich schon wegen des Sechs- statt Fünf-Gang-Getriebes und macht sich spätestens beim Wiederverkauf bezahlt. Serienausrüstung plus Basispakete ergeben zusammen eine Komfort- und Sicherheitsausstattung, die kaum Wünsche offen lässt. Packt man noch den werkseitig angebotenen Blaupunkt-Naviceiver mit fast unsichtbar in die obere Bremsleuchte integrierter Rückfahrkamera dazu, ist man auch in dieser Richtung rundum gut versorgt.

Die Geräuschentwicklung, die sich bei Fahrbahnunebenheiten aus dem Ausbau regt, fällt relativ zurückhaltend aus. Auf der Autobahn meldet sich allerdings mit zunehmendem Tempo immer vehementer das Midi-Heki-Dachfenster mit Windgeräuschen zu Wort. Hier sollte man mit einem Spoiler für Beruhigung sorgen. Passagiere fahren noch bequemer auf den optionalen Einzelsitzen mit. Den soliden, aber auch schweren Tisch senkt man mit kleinen Kindern am besten ab oder verzurrt ihn sicher im Heckstauraum.

Wertung

  • Fahren: 3,4
  • Fahrsicherheit: 25 %; 3,2
  • Fahrkomfort: 25 %; 3,4
  • Fahrverhalten: 25 %; 3,7
  • Fahrleistung: 25 %; 3,5

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Preise

Der Grundpreis bleibt zwar unter 40.000 Euro, ohne das Starter- und Chassispaket rollt aber sicher kein Vantana vom Hobby-Fabrikhof. Damit ist die Ausstattung aber schon bemerkenswert praxistauglich. Darüber hinaus empfiehlt sich noch, in den 130-PS-Motor, das 3,5-t-Chassis sowie das LED-Lichtpaket zu investieren. Für rund 45.750 Euro bekommt man dann einen rundum soliden und praxisgerechten Campingbus zu einem fairen Preis und kann obendrein zwischen zwei Ausbaustilen wählen.

Grundpreis: 39.670 Euro
(Fiat Ducato 33L, Motor 85 kW/115 PS) mit TÜV und Zulassungsbescheinigung II
Testwagenpreis: 48.129 Euro
✘ Turbodiesel 96 kW/130 PS (15 kg) ✔ 990 Euro
✘ Fahrer-/Beifahrer-AirbagSerie
✘ Chassis mit 3,5 t zGG (20 kg) ✔ 500 Euro
✘ Navi-Radio-Rückfahrkamera (5 kg) ✔ 1490 Euro
✘ TV-Auszug/USB-Ladebuchse (3/0 kg) 230/45 Euro
✘ W-LAN-Box für Kontrollbord (2 kg) 325 Euro
Einzelsitze statt Bank (1 kg) ✔995 Euro
✘ Chassispaket: elektr. Außenspiegel, ESP, autom. Klimaanlage, Radiovorbereitung, Stoßfänger lackiert, Tempomat (24 kg) ✔2730 Euro
✘ Starterpaket: Fahrerhaussitze im Wohnraumstoff, Fußmatten, Batteriesensor, Fliegenschutztür, Faltverdunkelung (14 kg) ✔ 1600 Euro
✘ LED-Lichtpaket: 4 x Schwanenhalsleuchte, Ambiente- und Außenlicht (2 kg) ✔ 250 Euro

Kosten und Service

  • Kfz-Steuer (3,5 t zGG, S4) 240 Euro
  • Haftpflicht/Vollkasko (500 Euro SB, Tarif Allianz) 565/925 Euro
  • Gesetzliche Gewährleistung 24 Monate
  • Servicestellen in Deutschland/Europa 104/281

✘ im Testwagen enthalten; ✔ empfehlenswert

Wertung

  • Preis & Service: 3,7
  • Preis/Leistung: 60 %; 3,6
  • Garantie: 20 %; 3,0
  • Servicenetz: 20 %; 5,0

maximal 5 Punkte möglich

Allgemeine Infos zum Hobby Vantana K 60 im Überblick

Gurte/Schlafplätze: 4/2+1
Zul. Gesamtgewicht: 3500 kg
Länge/Breite/Höhe: 5,99/2,05/2,64 m
Grundpreis ab: 39.500 Euro

Vergleichstest: Forster T 738 EB/Sunlight T 67/ Weinsberg TI 700 MEH

Foto

Christian Hass, Jürgen Bartosch

Datum

12. August 2015
Dieser Artikel stammt aus Heft promobil 07/2015.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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