Alles über Hobby Siesta
Vergleichstest, Hobby Siesta V und Weinsberg 30 Bilder Zoom

Hobby Siesta vs. Weinsberg Caracompact: Zwei schlanke Kompaktmobile im Vergleich

Hobby Siesta V und Weinsberg Caracompact sind etwas schmaler als übliche Teilintegrierte. Ebenso auffällig: die schlank kalkulierten Preise. Der promobil Vergleichstest zeigt, welcher was am besten kann.

Wenn es um das Verhältnis von Preis und Leistung geht, fahren diese beiden Modelle ganz vorne mit: Hobby Siesta V65 GE und Weinsberg Caracompact 600 MEG bleiben deutlich unter der 50.000-Euro-Grenze – und sie überschreiten die Marke kaum, selbst dann, wenn man übliche Extras für Basisfahrzeug und Aufbau ordert. In der getesteten Ausführung bringen sie das mit, was die meisten Reisemobilkäufer von einem vollwertigen Teilintegrierten erwarten. Beide haben Einzelbetten und damit den beliebtesten Grundriss. Im Fall des zum Modelljahr 2015 präsentierten Weinsberg ist es ohnehin die einzige lieferbare Ausführung.

Dass der neue Caracompact 600 MEG zu den Preis-Leistungs-Champions gehört, überrascht Marktkenner wenig. Die traditionsreiche Marke Weinsberg hat innerhalb der Knaus-Tabbert-Gruppe seit einigen Jahren ihre Rolle als Günstiganbieter gefunden. Durch diesen Markenverbund kann sich Weinsberg teure Eigenentwicklungen sparen. Der Caracompact übernimmt Technik und Einrichtungsideen weitgehend vom bekannten Knaus Van TI 600 MEG – der immerhin fast 10.000 Euro teurer ist.

Den Hersteller Hobby haben Sparfüchse dagegen nicht automatisch auf dem Einkaufszettel, doch seit Einführung der aktuellen Siesta-Baureihe zum Modelljahr 2014 lohnt ein genauerer Blick. Schon für 43.690 Euro steht der Hobby Siesta als V65 GE in der Liste. Zum Test trat er mit der 2000 Euro teureren Edition-Ausstattung an, die neben sportlicher Optik auch einen höherwertigen Aufbau mitbringt. Der Buchstabe V steht für Van und bezeichnet die schmalere Aufbauform. Der V65 beschränkt sich auf 2,18 Meter Breite und unterbietet damit noch knapp den 2,20 Meter breiten Weinsberg Caracompact 600 MEG.

Wohnen

Preise und Abmessungen von Hobby und Weinsberg liegen eng beieinander. Was jedoch den Eindruck des Wohnraums betrifft, so sind beide ähnlich weit voneinander entfernt wie die Produktionsstandorte in Schleswig-Holstein (Hobby) und Niederbayern (Weinsberg). Hier der helle, luftig und fast etwas kühl möblierte Siesta, dort der vielleicht eine Spur gediegener, aber viel enger wirkende Weinsberg.

Lässt man alle geschmacklichen Dinge außen vor, bleiben an der Sitzgruppe noch eine Reihe substanzieller Unterschiede. Im Weinsberg hat man zunächst einen Sitzplatz weniger, der Tisch fällt spürbar schmaler aus. Mit etwas gutem Willen kann man hier dennoch dank gut gemachter Tischverlängerung zu viert tafeln. Größtes Manko: die nur 92 Zentimeter breite Bank, auf der es für zwei Erwachsene eng wird, zumal fahrerseitig der Hängeschrank die Kopffreiheit einschränkt.

In Sachen Bankbreite kann der Hobby auch nur zwei Zentimeter mehr bieten. Sein einladendes Wesen ergibt sich durch den zusätzlichen Seitensitz neben der Tür. Theoretisch bleibt also Platz für fünf, in der Praxis eher ein entspannteres Verweilen zu viert – oder genug Raum zum Füßehochlegen für zwei. In diesem Fall stört es auch weniger, dass Tischverlängerung und gedrehter Beifahrersitz nicht optimal zueinander finden.

Wenn es zu Bett geht, erweisen sich beide Testkandidaten als reine Zwei-Personen-Mobile. Mangels optionaler Bettpolster ließ sich weder hier noch dort eine brauchbare Liegefläche aus Sitzbank und absenkbarem Tisch bauen. Paaren kann das gleichgültig sein. Sie finden in den günstigen Kompakten Betten vor, die man vor einigen Jahren noch der Luxusklasse zugerechnet hätte. Doch einmal mehr intepretieren beide Modelle das gleiche Thema auf höchst unterschiedliche Weise.

Die offene Art des Hobby setzt sich bis zur Heckwand fort. Leichten Fußes entert man die Koje, setzt sich entspannt aufs Bett und lässt sich auf die nicht übertrieben straffe Kaltschaummatratze sinken. Zuvor gilt es allerdings noch zwei wichtige Entscheidungen zu treffen: Bevorzugt man ein Mittelpolster? Dann muss die etwas sperrige einteilige Mittelmatratze eingelegt und eine Leiter angestellt werden. Wer schläft wo? Das linke Bett ist immerhin über zwei Meter lang, das rechte fast 20 Zentimeter kürzer.

Der Weinsberg macht die Wahl leichter. Sein Mittelpolster kann auch nur im Kopfbereich eingelegt werden, und die Betten sind jeweils gut 1,90 Meter lang. Ebenfalls bequeme, etwas breitere Matratzen mit weniger Abschrägung im Fußbereich ergeben in der Summe etwas mehr Liegefläche. Das reicht jedoch nicht, um den Hobby beim Schlafkomfort abzuhängen. Nur 79 Zentimeter Kopffreiheit und damit elf Zentimeter weniger als beim Kontrahenten genügen Großgewachsenen kaum zum Sitzen. An den Kanten der tief montierten Hängeschränke stößt man sich leicht den Kopf. Ablagen, in denen locker eine Bettlektüre im Format der Brockhaus-Gesamtausgabe verschwindet, engen den Raum seitlich ein. Großes Lob verdient dagegen die einfache Mittelverbreiterung mit festem Platz für die Leiter, die allerdings bei Gebrauch sehr steil angestellt werden muss.

Auf dem Weg ins Bad fällt im Weinsberg die solide Türklinke auf, nach dem Öffnen das verschiebbare Waschbecken. Über die Toilette gerückt erlaubt es eine sauber abtrennbare Dusche, die allerdings äußerst schmal ausfällt. Eine schlanke Linie erfordert ebenfalls das direkt an der Wand montierte WC. Weil das Schiebewaschbecken keinen Unterschrank zulässt, kommen letztlich Zweifel am Sinn der aufwendigen und solide gemachten Konstruktion auf.

Zumal wenn man einen Blick in den Hobby wirft. Auf praktisch identischer Fläche steht hier mehr Platz rund ums WC sowie zum Duschen zur Verfügung. Die während der Fahrt nicht vollständig arretierbaren Duschabtrennungen wirken zunächst labiler, als sie es tatsächlich sind. Etwas größer als im Weinsberg fallen Fächer und Waschbecken aus. Allerdings ist die Stehfläche vor dem Becken hier wie dort eingeschränkt.

In der Küche kehrt sich der Eindruck um. Im Hobby findet man nur das Nötigste vor und muss mit den kleinen Stauräumen und der kaum vorhandenen Abstellfläche sorgsamst haushalten. Unpraktisch sind auch die winzigen Verschlussknöpfe der Schubladen. Ganz anders der Weinsberg: Seine Küche profitiert vom eingesparten Platz durch den fehlenden Seitensitz. Zahlreiche voluminöse Fächer, ein großer Kühlschrank auf Augenhöhe, echte Arbeitsfläche und eine ausklappbare Abstellplatte – so kann das große Kochen auch in einem Kompaktmobil richtig Spaß machen.

Beladen

Das Wichtigste gleich vorweg: In beiden Testwagen haben zwei Reisende viel Raum fürs Gepäck und kommen auch mit der erlaubten Zuladung nicht in Konflikt. Gleichwohl gibt es hier feine Unterschiede.

Beginnen wir mit der Zuladung. Unter den beiden Leichtgewichten wiegt der Weinsberg noch etwas weniger, was jedoch zum Teil daran liegt, dass der Testwagen weniger schwere Extras an Bord hatte. Ausstattungsbereinigt bleibt ein Vorteil von etwa 100 Kilogramm mehr Zuladung. Der Weinsberg verteilt sein Eigengewicht außerdem mit vorbildlicher Gleichmäßigkeit auf alle Räder. Diese waren beim Testexemplar mit 15-Zoll-Winterreifen bestückt, was ihm im Vergleich eine weniger hohe Reifentragfähigkeit beschert als dem ab Werk mit 16-Zöllern ausgerüsteten Hobby. Beim Weinsberg kann die zusätzliche Traglastreserve im Paket dazugekauft werden.

Wie viel Platz bleibt für das Gepäck? Zunächst ist da in beiden Fällen die Heckgarage. An dieser Stelle profitiert der Weinsberg von seinem hoch eingebauten Bett: Das Gepäckabteil fällt geräumiger aus und hat überdies zusätzliche Fächer, die Ordnung erleichtern. Das tiefe Fach in der Stufe zum Bettaufstieg verfügt zudem über eine Durchlademöglichkeit zur Garage.

Für sich betrachtet herrscht auch in der Hobby-Garage kein Platzmangel. Beiden fehlt es weder an Licht, Heizung und Befestigungsmöglichkeiten, wobei Weinsberg starre Ösen einbaut, während Hobby gegen Aufpreis verstellbare Zurrpunkte liefert. Die fahrerseitige Garagenklappe kostet in beiden Fällen extra.

Typisch für Kompaktmobile stecken die Kleiderschränke von Hobby und Weinsberg unter den Betten, was so oder so kein Grund zum Jubeln ist. Im Hobby hilft eine ausziehbare Kleiderstange beim Packen, doch es mangelt dem Fach an Tiefe. Der Kleiderschrank im Weinsberg gefällt durch sein Volumen – das jedoch beim Beladen nur mit Mühe einsehbar ist.

Der Hobby nutzt das Fach gegenüber des Kleiderschranks etwas besser. Eine Hälfte ist nur von oben, die andere auch von der Seite erreichbar. Praktisch – zumindest wenn das Fahrzeug steht – sind die vielen offenen Ablagen. Doch auch der Weinsberg geizt nicht mit sinnvollen Ideen. An einer der riesigen Ablageflächen über den Betten hat man eine Steckdose angebracht, wo das Smartphone nachts gut aufgehoben ist. Anders als im Hobby sucht man hier auch Garderobenhaken nicht vergeblich.

Technik

Unter dem Strich erreichen Hobby und Weinsberg im Kapitel Technik ein Ergebnis auf gleichem Niveau. Sind Aufbau und Installationen also praktisch identisch? Im Gegenteil. Es lohnt sich, einen Blick auf die Detailwertung zu werfen, denn beide haben unterschiedliche Stärken und Schwächen, die sich lediglich im Punktedurchschnitt am Ende wieder annähern.
So fährt der Hobby dem Weinsberg klar davon, wenn es um die Aufbautechnik geht. Der Hobby Siesta V65 GE hebt sich in seiner Klasse durch eine dicke Bodenplatte mit robuster GfK-Unterseite ab. Als Edition tauscht er zudem das einfache Styropor gegen eine höherwertige XPS-Dämmung.

Dagegen benügt sich der Weinsberg Caracompact 600 MEG mit einer konventionellen Konstruktion und bleibt auch im Detail hinter dem Hobby zurück. Dieser hat den bequemeren Einstieg mit breiterer Tür samt Fenster. Die linke Garagenklappe fällt größer aus. Seine Faltjalousien im Fahrerhaus stecken in Kassetten und müssen nicht eingeknöpft werden – zumindest wenn wie im Testwagen das Starter-Paket an Bord ist. Auch die Kassettenrollos der Aufbaufenster wirken solider und lassen sich leichter bedienen.

Dem Weinsberg gelingt es dagegen, bei der Ver- und Entsorgung aufzuholen. Dank eines zentralen Servicefachs kann man hier das Abwasser ablassen, ohne anschließend schmutzige Finger zu haben. An gleicher Stelle füllt man den Frischwassertank, hat schnell den Überblick, ob sich Algen an der Tankwand ansiedeln und kann auch rasch das Frischwasser wieder ablassen. Der Stromanschluss wird an dieser Stelle elegant durch den Boden verlegt. Der Hobby bleibt in diesen Punkten konventionell. Kleines Handicap beim Gasflaschentausch: Weil beide Behälter hintereinander angeordnet sind, gerät der Wechsel unnötig umständlich. Weinsberg bringt die Flaschen nebeneinander in einem Fach in der Garage an. Wie einfach ein Wechsel wird, hängt davon ab, wie viel Gepäck an Bord ist.

Die Beleuchtung des Wohnraums bringt wiederum dem schlanken Hobby Teilintegrierten Punkte ein. Hier verfügen sämtliche Lampen über sparsame LED-Technik und lassen sich teilweise dimmen und programmieren. Dazu steht ein aufwendiges Kontrollbord zur Verfügung, mit dem sich dank Batteriesensor der Stromverbrauch im Detail überprüfen lässt. Auch die Heizungssteuerung mit großem Display eröffnet mehr Möglichkeiten.

Das alles ist im Weinsberg simpler gehalten, was allerdings die Bedienung erleichtert. Das gilt auch für die großen Lichtschalter im Vergleich zu den kleinen Hobby-Drucktasten mit Dimmfunktion. Sehr hilfreich ist im Weinsberg außerdem eine Leuchte an der in beiden Fahrzeugen unvermeidlichen Stufe zwischen Wohnraum und Fahrerhaus.

Wintertauglichkeit gilt nicht gerade als Stärke günstiger Kompaktmobile. Die Testkandidaten geben sich alle Mühe, dieses Vorurteil zu widerlegen.

Bei Hobby verlegt man die Wasser- und Warmluftleitungen aufwendig im Boden. Auf solche Finessen verzichtet Weinsberg, baut aber eine kräftigere Heizung ein. Zusätzlich setzten die Konstrukteure zwei Ausströmer in den Fußbereich der gedrehten Fahrerhaussitze, also dorthin, wo die Wärme besonders willkommen ist. Entsprechend schnell wird es auch im ausgekühlten Fahrzeug kuschelig. Zusammen mit nahezu unvermeidlichen Extrapaketen kommen in beiden Fällen auch frostsichere Abwassertanks an Bord, womit dem Winterurlaub in Hobby und Weinsberg nichts mehr im Wege steht.

Preis & Service

Will man einen realistischen Grundpreis berechnen, sollte man für beide Testfahrzeuge gleich zwei Pakete hinzurechnen. Bestellt man noch den angemessenen 130-PS-Motor dazu, kostet der Weinsberg 49.240 Euro, der Hobby 3250 Euro mehr. Wer sich hier eine Obergrenze gesetzt hat, wird wohl den Weinsberg bevorzugen. Dennoch kann man auch dem Hobby ein sehr vorteilhaftes Preis-Leistungs-Verhältnis bescheinigen.

In einem der Pakete steckt etwa gleich die Markise mit drin. Auch für das aufwendigere Außendekor, die solidere Aufbautür und die Leichtmetallfelgen muss man nicht extra bezahlen. Damit tritt der Siesta V Edition eher wie ein All-inclusive-Angebot auf.

Weinsberg kontert hier mit gezielten Aktionen wie dem aktuellen Let’s-Drive-Paket. Für gut 3000 Euro sind hier beispielsweise Radio, Rückfahrkamera, Markise, Fahrradhalter und Leichtmetallfelgen dabei. Ein Verzicht auf Pakete zählt übrigens nicht zu den überlegenswerten Sparmaßnahmen. Der Weinsberg ohne Fiat-Paket hätte nicht einmal drehbare Fahrerhaussitze und wäre damit gar nicht bewohnbar.

Fahren

Kein Wertungskapitel vereint Hobby und Weinsberg so sehr wie das Fahren. Beide haben fast identische Abmessungen und wiegen ähnlich wenig. Dass der Weinsberg etwas leichter ist, schlägt sich in den Fahrleistungen nicht nieder, im Gegenteil. Vielleicht lag es daran, dass hier ein werksfrischer Weinsberg gegen einen gut eingefahrenen Hobby antrat. Beide hatten den 130-PS-Motor unter der Haube, der in dieser Klasse als bester Kompromiss von Preis und Leistung gelten kann.

Durch den gemäßigten Radstand und die zurückhaltenden Abmessungen lassen sich Weinsberg wie Hobby auch von Ungeübten problemlos bewegen. Die Vorteile durch den schmaleren Aufbau gegenüber Teilintegrierten mit Standardbreite halten sich jedoch in Grenzen, weil die Außenspiegel wie üblich breite Ausleger haben. Einigkeit besteht auch bei zwei weiteren Kriterien: Während der Fahrt bleiben lästige Nebengeräusche nahezu aus. Dennoch sind die engen hinteren Plätze zwei Erwachsenen auf längeren Strecken kaum zuzumuten. Auch beim Fahren handelt es sich letztlich um echte Zwei-Personen-Mobile.

Report: Günstige Reisemobile

Foto

Ingolf Pompe

Datum

6. Mai 2015
Dieser Artikel stammt aus Heft promobil 03/2015.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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