Alles über Concorde Credo
Zoom

Der Concorde Credo I im Test: Frühlingsgefühle

Der Concorde Credo I für unter 100000 Euro sorgt für Kribbeln im Bauch. Was taugt das neue Einstiegsmodell?

Alles wird teurer – klar. Da machen Reisemobile leider keine Ausnahme. Auch beim Premiumhersteller Concorde hieß es bis vor Kurzem: Unter 100000 Euro geht nichts mehr. Mit der neuen Credo-Baureihe hat sich dies nun geändert, kommen die begehrten Integrierten aus der fränkischen Provinz wieder für mehr Interessenten in Frage. Zu Grundpreisen zwischen 92000 und 97000 Euro stehen vier Modelle bereit, die zudem auf dem nobleren Mercedes Sprinter basieren, statt auf dem sonst in der Oberklasse verbreiteten, etwas raubeinigen Iveco Daily. Das klingt sehr verlockend.

Dass der neue Credo nicht die gleiche Serienausstattung mit auf den Weg bekommt wie seine größeren Brüder ist einsichtig. Ob man bei Grundpreisen von knapp unter 100 000 Euro aber für Heki, Moskitotür und zweiten Garagen-zugang extra bezahlen möchte, ist doch fraglich. Etwas halbherzig wirkt zudem der aus edlen und einfacheren Teilen bestehende Möbelbau. In allen anderen Kapiteln, besonders Aufbau- und Bord-technik, Wintertauglichkeit, Schlafkomfort und Stauraum, steht der Credo seinen Brüdern aber nur wenig nach – geschweige den Konkurrenten.

Basisfahrzeug

Der Sprinter mit angeflanschtem Alko-Tiefrahmen und aufwendiger Hinterachskonstruktion mit Einzelradaufhängung konnte sich schon bei verschiedenen promobil-Tests Meriten verdienen. Für den Aufbau von edlen Integrierten setzten die zulässigen Achslasten und die Beschränkung des Gesamtgewichts auf 3880 Kilo allerdings relativ enge Grenzen.

Mit der Verfügbarkeit der neuen 4,2-Tonnen-Variante entspannt sich die Situation spürbar. Bleibt mehr Luft für Komfort-Extras und Gepäck.
So tut auch Concorde gut daran, den Test-735er gleich auf das tragfähigere Chassis zu stellen. Die 3,88-Serien-Tonnen genügen nur bei zurückhaltender Bedienung der Aufpreisliste – und wenn man sich an die Concorde-Vorgabe hält, den Frischwassertank, während der Fahrt auf 40 Liter abzulassen. Ein Verfahren, dessen sich immer mehr Hersteller bedienen, um die zulassungsrechtlichen Vorgaben für eine bestimmte Sitzplatzzahl zu erfüllen.

Im I 735 H kommt die­se Maßnahme vollständig der Hin­terachse zugute und würde hinten den Zuladungswert, des für die promobil-Wiegung randvoll mit Wasser gefüllten Test-Credo von mäßigen 180 auf befriedigende 280 Kilo erhöhen. Bei der Bewertung gilt es außerdem zu berücksichtigen, dass der Testwagen mit rund 290 Kilo Extras ausgerüstet war.

Das Fahrwerk zieht von der Last und den Abmessungen des Aufbaus weitgehend unbeeindruckt zielsicher und komfortabel seine Bahn. Lediglich bei zügiger Kurvenfahrt zeigt es sich etwas weniger agil als die 3,88-Tonnen-Variante. Schwerer tut sich dagegen der 150-PS-Serien­motor mit der größeren Gewichtsklasse. Es reicht nur noch zu bescheidenen Beschleunigungswerten.

Steigun­gen erklimmt das relativ hubraumschwache Aggregat oft nur mit lautstarken Drehzahlorgien. Der optionale Sechszylinder erscheint als reizvolle Alternative. Zumal in der Kombi­nation mit Automatikgetriebe und Tempomat wird der Credo zum entspannten Cruiser. Nach kurzer Eingewöhnungszeit hat man sich an die weit entfernte Frontscheibe und den ausladenden Vorbau gewöhnt.

Anders als bei den großen Brüdern Carver und Charisma verzichtet der Credo auf die aufwendige Höher- und Nach-Vorn-Verlegung des Fahrerplatzes. Dafür verwöhnt er mit dem edleren Mercedes-Armaturenbrett, zu dem die Material­anmutung der übrigen Verkleidungsteile mit teils offen sichtbaren Verschraubungen aber nicht recht passen will.

Etwas lieblos sind zudem die beiden Möbelzeilen unter den seitlichen Schiebescheiben eingezogen. Sie bieten zwar jeweils ein Art Tasche, etwa für Atlas oder Reiseführer, eine Wasserflasche findet aber nirgends ein sicheres Plätzchen.

Aufbau

Am ausgefeilten Concorde-Aufbau lässt auch die neue Einsteigerklasse keine Zweifel aufkommen.

Die Basis bilden zwei Sandwich-Platten mit Isolationsschicht, die zusammen mit Stehern aus Kunststoff-Platten den 31 Zentimeter hohen Doppelboden aufbauen.Fenster und Klappen sind wie gewohnt aus dem obersten Zuliefererregal entnommen. Lediglich bei der Aufbautür wurde zum Rotstift gegriffen. Die Hartal-Tür bietet kein elektrisch unterstütztes Schloss, kann aber auch mit einem Fenster und zwei Schließungen aufwarten, beim Testwagen rasteten letztere allerdings nur bei vehementem Zuziehen ein. Ungewohnt für die Preisklasse: Fliegengittertür und Panoramadachfenster kosten extra.

Ausbau

Eine Eckbank, die zur regulären Querbank mit zwei Gurtplätzen wandelbar ist, ein Seitensitz und die gedrehten Fahrerhaussessel scharen sich um den stabilen Einsäulentisch mit verschiebbarer, aber nicht erweiterbarer Platte.

Drei unifarbene Mikrofaserbezüge stehen kostenfrei zur Wahl.
Zum edlen Auftritt passt auch der Möbelbau mit soliden Beschlägen und den typischen Concorde-Klappen und -Türen mit Echtholzfurnier und Facettenschliff in perfektem Finish.

Auf den zweiten Blick offenbaren sich aber auch gewisse Brüche, passt der eher gelbliche Farbton der Dekorfolie auf den schlichter gearbeiteten Korpussen nicht so recht zu den rötlichen Vorzeigefronten.
Versöhnlich stimmen wiederum die indirekte Beleuchtung und die beiden optisch auflockernden Vitrinen. Das Exemplar rechts ist als Barfach mit Gläsereinsatz ausgebildet. Der Clou steckt aber in der doppelten Rückwand: Sanft senkt sich elektrisch ein sonst unsichtbarer 20-Zoll-Flach-TV auf ideale Sichthöhe herab.

Etwas schwerer tut sich der Bediener mit dem optionalen Hubbett, vor allem beim Hochschwenken. Ansonsten bleiben in Sachen Komfort aber keinerlei Wünsche offen, außer vielleicht einer etwas weniger funzeligen Beleuchtung. Das ist am Heckbett besser gelöst, und zudem gibt es sogar einen Wechselschalter für das Sitzgruppenlicht. Auch die Liegemaße fallen – wie üblich – noch etwas großzügiger aus als vorn.

Hängeschränke und Ablagen drücken ein wenig den Raum­eindruck in der Eignerkoje, sind aber nicht wirklich störend und runden das insgesamt üppige Stauraumangebot ab. Besonders hervorzuheben sind der Doppelkleiderschrank und der praktische Regal­schrank mit Schmutzwäschekorb. Zudem gibt es ein von innen zugängliches Doppelbodenfach sowie mehrere Außenfächer. Stattlich ist zudem die Heckgarage, die Groß- wie Kleinteile sicher verwahrt. Ungewohnt erscheint dabei die Aufpreispolitik: die linke Türe kostet extra.

Küche

Verständnis erntet der Extraobulus für die edlere Arbeitsplattenvariante aus Corisan und die Kühlschrankerweiterung von 97 auf 142 oder 175 Liter Inhalt.

Ganz Concorde-like sind die großen Unterschrankschubladen mit soliden Auszügen. Stauräume wie Arbeitsflächen sind in praxisgerechtem Maß vorhanden.

Schon wegen der fehlenden Dunstabzugshaube empfiehlt sich die ohnehin praktische Ventilatordachhaube für 990 Euro.

Sanitärraum

Eine solide, etwas scharfkantige Tür mit Einsteckschloss führt ins spiegelreiche Bad. Das Waschbecken hat eine gute Größe. In Hänge- und Unterschränken bietet sich reichlich Platz für Beautyartikel.

Aus Edelstahl gearbeitet sind Kleiderhaken, Seifenspender, Zahnputzbecher- und Toilettenpapierhalter. Nur eine Handtuchstange fehlt.

Dafür gibt es in der angrenzenden Dusche eine, allerdings etwas labile, abnehmbare Kleiderstange. Zwei, mit schnöden Fangbändern arretierte Falttüren verschließen die Kabine und laden zum Brausevergnügen. Dem können aber nur schlanke Naturen frönen, denn es fehlt an Bewegungsfreiheit.

Bordtechnik

Die Bordtechnik gruppiert sich auf der Hinterachse. Die Wassertanks sind durch eine Bodenluke von innen, die komplette Elektrik über abnehmbare Lochbleche von der Heckgarage aus zugänglich.

Die Netzsteckdose mit Bodendurchführung und die Ablasshähne finden sich hinter einer Außenklappe. Allenfalls könnte man hier die fehlende Beschriftung mokieren. Im schmalen Gaskasten lassen sich die Flaschen nicht unabhängig tauschen.

Die Alde-Warmwasserheizung verteilt ihre Wärme über ein ausgedehntes Leitungsnetz im ganzen, nahezu lückenlos isolierten Aufbau.

Technik-Info: Ausgleichsbehälter

In manchen Reisemobilen läuft das Wasser kurz nach der Pumpe durch einen stets nur teilweise gefüllten Kunststoffbehälter. Warum?

Bei Druckwasseranlagen schaltet ein Sensor die Pumpe selbsttätig ein, wenn ein Druckabfall festgestellt wird.

Da Wasser nur wenig komprimierbar ist, erfolgt dies selbst bei der kleinsten Wasserentnahme – mit entsprechender Geräuschentwicklung der Pumpe und gewissem Verschleiß durch die Druckspitzen beim Ein- und Ausschalten.

Der mit Luft und damit einem komprimierbaren Gas gefüllte Ausgleichsbehälter wirkt wie eine Feder im System, verlängert die Betriebs- und Standzeiten und verringert damit die Ein- und Ausschaltvorgänge und puffert zudem die Druckspitzen ab. Fehlt der kleine Tank, kann er mit etwas Geschick leicht nachgerüstet werden.

Preis: 93000 Euro
Länge: 7,31 m
Dreipunkt-Gurte: 4
Schlafplätze: 4


promobil Logo

Autor

Foto

Foto: Jürgen Bartosch, Tschovikov

Datum

8. Oktober 2008
5 4 3 2 1 0 5 0
Kommentare
Kostenloser Newsletter
Newsletter Small

+++ Alle News +++
+++ Alle Tests +++
+++ Viele Tipps +++

Und immer bequem und kostenlos per E-Mail.

Videos
02:15 Offroad-Fahrschule mit promobil vor einem Tag
9 Aufrufe
06:27 Bürstner Lyseo 2016 Supercheck vor einem Monat
546 Aufrufe
  • Alle Bereiche
  • News
  • Tests
  • Stellplätze
  • Reise
  • Ratgeber
  • Zubehör
  • Video
Alle Marken von A-Z