Alles über Chausson Welcome
Test: Chausson Welcome WS Zoom

Chausson Welcome WS im Test: Freche Trickkiste

Eine Garage für zwei Fahrräder und viel Kopffreiheit über dem Bett – und das auf nur sechs Metern Länge? Der Chausson Welcome WS macht’s möglich. Mit einem höhenverstellbaren Bett im Heck.

Zum Gepäckverstauen kann die Heckgarage nicht groß genug sein. Und natürlich soll das neue Mobil einen hohen Schlafkomfort bieten. Und auf verschlungenen Bergsträßchen möchte man ein möglichst kompaktes rollendes Feriendomizil. Nicht nur junge Paare stellen an ein Freizeitfahrzeug oft widersprüchliche Anforderungen, die kaum erfüllbar scheinen.

Doch Chausson wagt sich mit dem Welcome WS an exakt diesen Zaubertrick. Dazu hielt man die Länge des Fahrzeugs knapp unter der magischen Sechs-Meter-Marke, blieb mit dem Aufbau aber betont breit.

Der Clou des frechen Franzosen ist sein quer eingebautes Heckbett: Es lässt sich per Kurbel heben und senken. So ist die Höhe der Heckgarage und die Kopffreiheit über dem Heckbett variabel.

Kunststück gelungen – als wendiges, preiswertes Mobil ist der Welcome WS für aktive Paare wirklich interessant. Mit der Auflastung von 3,3 auf 3,5 Tonnen lässt sich die Heckgarage noch bes­ser nutzen. Die nicht unerhebliche Geräuschkulisse und der unzugängliche Wassertank trüben das Bild jedoch.

Fahren

Der 130-PS-Ducato hat mit dem Aufbau relativ leichtes Spiel. Wie nicht anders zu erwarten, lässt sich das kurze, leichte Mobil angenehm dynamisch und agil fahren. Die serienmäßigen 130 PS reichen dafür vollauf. Auch die Stabilität in Kurven überzeugt. Bei hohem Tempo reagiert der Kurze allerdings ein wenig empfindlich auf Längsrillen und Seitenwind. Ein glückliches Händchen hatten die Entwickler bei der Formgebung der Dachhaube über dem Fahrerhaus. Selbst bei Höchstgeschwindigkeit blei­ben die Windgeräusche aus dem Bereich der großen Dachfenster angenehm moderat.

Störende Fahr- und Windgeräusche melden sich dagegen vom unteren Ende der Aufbautür. Die integrierte Trittstufe besteht nur aus einem einfachen Kunststoff-Formteil, das zudem durch Zwangsbelüftungsschlitze perforiert ist.

Darüber hinaus erregen bereits kleinere Fahrbahnunebenheiten ein vielstimmiges Konzert an Eigengeräuschen aus dem Auf- und Ausbau. Gröberen Stößen zeigt sich zudem die Fixierung der Duschabtrennung nicht gewachsen: Sie löst sich immer wieder und sorgt für zusätzliches Klappern.

Dagegen überzeugt der Welcome WS in puncto Übersicht. Sein Fahrerhaus verdunkelt nachts ein blickdichter Stoffvorhang. Die dazu gehörige, filigrane Führungsschiene liegt außerhalb des Sichtfelds des Fahrers, so dass dessen Blick nach vorne, zur Seite und in die Spiegel nicht gestört wird.

Auf hohem Niveau befindet sich der Komfort der Cockpitsitze. Auch auf der Rückbank sitzt man dank der relativ straffen Polster gut, und der Lehnenwinkel passt. Dabei folgen die Gurte den Bewegungen der Passagiere einigermaßen willig. Kritik erntet der Tisch: Wie so häufig, gibt es im Wohnraum keinen festen Platz, um ihn während der Fahrt zuverlässig zu verstauen, damit Passagiere sicher mitreisen können.

Wohnen

Kein Luxus, aber dennoch alles Wesentliche an Bord. Durch die geringe Gesamtlänge musste an der Sitzgruppe mit Zentimetern geknapst werden. Der Abstand zwischen Rückbanklehne und Tischplatte ist eher knapp bemessen. Der typischen Zwei-Personen-Besatzung reicht’s aber – wenn nötig, bietet die Runde um den schma­len, stabilen Tisch sogar Platz für bis zu fünf Erwachsene.

Als sehr praktisch erweist sich die mit einem Griff ver­längerbare Tischplatte. Insgesamt wirkt die Sitzgruppe, trotz der kompakten Fahrzeug­länge, überraschend luftig, was neben der eben nicht auf übliche Van-Maße reduzierten Breite (2,30 Meter!) vor allem den beiden großen Dachfenstern zu verdanken ist. Mit dem gewölbten Fenster lässt sich der Wohnraum übrigens auch bei gemäßigter Fahrt belüften, was im Sommer sehr angenehm ist.

Der platzsparenden Rollotür des Bads fehlt unverständ­licherweise eine Fixierungsmöglichkeit, so dass sie beim Bremsen von alleine auffährt. Das Badezimmer selbst bietet eine schlichte, aber durchaus zweckmäßige Einrichtung mit ro­busten Accessoires. Die Bewegungsfreiheit ist selbst in der Duschkabine überraschend großzügig. Lediglich die Stehhöhe von 1,87 Meter kann Großgewachsene stören.

Die solide Metallarmatur wird sowohl für die Dusche wie für das kleine Eckwaschbecken genutzt. Durch die etwas ungeschickt platzierte Armatur und den Eckschrank darüber wird es beim Gesichtwaschen jedoch unbequem. Die Abtrennung der Dusche kann in der Praxis überzeugen, und die wichtigsten Übergänge von der Wand zur Bodenwanne besitzen eine schützende Silikonfuge. Aber nur bei penibel waagerechter Fahrzeugausrichtung läuft das Wasser vollständig durch den einzigen Ablauf ab.

Dem Bad gegenüber befindet sich der kompakte, einfach, aber dennoch pfiffig ausgestattete Küchenblock. Lob gebührt dem Mut, auf eine dritte Kochflamme zu verzichten und dafür eine der beiden sehr groß auszuführen. Die Spüle ist tief und birgt einen Kunststoffeinsatz, der als Schneide- und Abtropffläche dienen kann. Dazwischen bleibt noch ein wenig reine Arbeitsfläche. Beleuchtung und Entlüftung sind aber spärlich. Was am meisten fehlt, ist eine vernünftige Besteckschublade. Zwar gibt es innen an der Türe des Unterschranks zwei Besteckschalen, der Zugriff ist aber umständlich.

Robust ist die Kurbelmechanik, mit der sich das Bett mit mäßigem Kraftaufwand um 36 Zentimeter anheben und absenken lässt. Dabei ist die Schlaffläche in jeder Position nutzbar und über zwei gut platzierte Stufen leicht erreichbar. Bei hochgekurbeltem Bett stehen unter den Hängeschränken 30 Zentimeter Kopffreiheit zur Verfügung – nicht viel, aber ausreichend, wenn man vor­übergehend die volle Ladehöhe der Garage benötigt. In der unteren Position erweitert sich die Kopffreiheit auf üppige 104 Zentimeter bis zur Decke. Der gebotene Schlafkomfort ist okay, dazu zwei Leselampen – das passt.

Die Sitzgruppe lässt sich für den gelegentlichen Gebrauch zu einem Einzelbett umbauen. Das Hantieren mit dem schweren Tisch ist jedoch nicht jedermanns Sache.

Beladen

Flexibilität ist Trumpf – gerade bei kompakter Fahrzeuglänge. Der Welcome WS bietet im Wohnraum für zwei Reisende genügend Fächer und Schränke sowie zwei praktische Schubladen unter dem Bett. Etwas schmal erscheint der Kleiderschrank. Die große Heckgarage ist zwar ein wenig zerklüftet, dennoch passen zwei Fahrräder hinein. Und dank der zweiten Außenklappe links gelingt das Verstauen ganz gut.

Serienmäßig bietet der Chausson mit seinem zulässigen Gesamtgewicht von 3300 Kilogramm passable 430 Kilo Zuladung. Das kann für zwei Personen reichen, sorgloser laden lässt es sich aber mit dem optionalen 3,5-Tonnen-Chassis für 400 Euro Aufpreis.

Kritik erntet allerdings die Lastverteilung: Die linke Seite wiegt 230 Kilo mehr als die rechte. Mit einer sorgfältigen Platzierung der Bordtechnikkomponenten wäre das sicher vermeidbar.

Technik

Der Welcome WS setzt auf ein ungewöhnliches Heizkonzept. Hinter den Kulissen bietet der kurze Franzose weitgehend konventionelle, sauber installierte Bordtechnik. Geheizt wird jedoch mit Diesel. Die Eberspächer-Gebläseheizung entwickelt in der Aufheizphase zwar starke Strömungsgeräusche im Bereich der Sitzgruppe. Später, mit reduzierter Leistung, wird es jedoch zunehmend leiser. Ein gasbefeuerter Boiler liefert das Warm­wasser. Diese Kombination hat den Vorteil, dass sich der Aufbau im Gelegenheitsbetrieb ohne große Vorbereitung beheizen lässt und der Brennstoff einfacher verfügbar ist. Die Reduzierung des Gasvorrats auf elf Kilo ist da nur konsequent. In der Praxis wären zwei Fünf-Kilo-Flaschen aber sinnvoller.

Kopfschütteln erntet die Wasseranlage: Die Revisionsöffnung des Frischwassertanks wird von einem vielfach verschraubten Brett verdeckt – das ist nicht normgerecht. So lässt sich der Tank weder reinigen noch trocknen. Zudem liegt der Ablasshahn schwer zugänglich hinter der Seitenschürze.

Der holzverstärkte Aufbau mit GfK-Außenhaut besitzt saubere Übergänge vom Cockpit zur Wohnkabine. Die Tiefziehteile am Heck und die Seitenschürzen wirken jedoch etwas salopp montiert. Solide Rahmenfenster und Aufbauklappen runden das Bild positiv ab. Bei den zweifarbigen Möbeln gefallen vor allem die praktischen Verschlüsse an den Hängeschränken. Die Verarbeitung ist insgesamt passabel.

Kosten

Kein echtes Schnäppchen, aber insgesamt sein Geld wert. Für ein Einsteigermobil ist der Welcome WS relativ komplett ausgestattet. Besonders mit den aktuell angebotenen Paketen bleiben kaum noch wichtige Extras offen. Vergleiche muss der Chausson ohnehin nicht scheuen, besonders weil die direkte Konkurrenz die Flexibilität des höhenverstellbaren Betts nicht bieten kann – kein Taschenspielertrick, sondern ein echter Vorteil.

Die Baureihe umfasst fünf Teilintegrierte und vier Alko­ven. Alle gängigen Grundrisse verfügbar. Die Teilintegrierten basieren auf dem Fiat Ducato, bei den Alkoven gibt es auch einen zwillingsbereiften Ford Transit.

Preis: 40.000 bis 50.000 €
Typ: Teilintegrierte
Schlafplätze: 2
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Autor

Datum

1. Juli 2009
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