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Test: Ford Nugget

Heckküche und viel Platz: Der Transit bietet eine spannende Alternative zu klassischen Grundrissen.

Wäre der Ford Transit Nugget eine Immobilie, würde ihr Zeitungsinserat wohl etwa so lauten: „Kompakte, helle Zweiraumwohnung mit großzügigem Grundriss, Möblierung und offener Küche preiswert abzugeben. Fließend Kaltwasser, Bad im Nachbarhaus.“ Jedoch – solch ein Objekt würde vermutlich lange leer stehen. Anders bei der Mobilie Ford Transit Nugget, der als Campingbus durch diese Beschreibung erst richtig interessant wird. Tatsächlich ist das Raumgefühl im 36 100 Euro teuren Nugget verblüffend großzügig. Hier spielt der Transit seine zwei großen Trümpfe aus: große Breite und nahezu senkrecht emporragende Wände. Dank dieses breitschultrigen Auftritts streckt sich unter dem wuchtigen GfK-Hochdach eine rekordverdächtig große Liegefläche von 2,20 mal 1,49 Meter. Klarer Fall: Im Nugget geht es, ganz im Unterschied zu manch knapp geschnittenem Wettbewerber, sehr geräumig zu. Seit langen Jahren bewährt sich die klapp-, verschieb- und sogar komplett herausnehmbare Sitz- und Schlafbank von Westfalia. Sie ist speziell beim Nugget der wichtigste Pfeiler für den Brückenschlag zwischen Alltag und Freizeit. Denn beim Ford kommen hier sogar drei Personen bequem und von Dreipunktgurten gesichert unter. Wenig elegant ist allerdings der klotzige Balken der Kopfstützen, der dem Fahrer den Blick durch das Heckfenster verwehrt. Solange die Bodenschienen schmutzfrei und gut geschmiert sind, klappt das Verschieben der Bank und damit der Bettenbau parterre einfach. Keinen Gefallen tut sich, wer im Sinne eines gediegenen Wohnraums den dreiteiligen, hellgrauen Teppichsatz für 115 Euro bestellt – er verdeckt die Bodenschienen und altert in der schmuddeligen Jahreszeit binnen weniger Tage.

An der Wand angeschlagen, wartet der Klapptisch auf seinen Einsatz. Den meisten Paaren wird seine Größe genügen. Dies ganz sicher nach dem ersten Versuch, die unter der Sitzfläche aufbewahrte Tischverbreiterung mühselig zu montieren. Ganz anders bei der Verwandlung des Fahrerhauses in ein Wohnzimmer: Das Drehen der Vordersitze gibt keine Rätsel auf, wenngleich dafür der Fahrersitz mehrfach verstellt, die Tür geöffnet und die Handbremse gelöst werden muss. Wird das Dachbett nicht benötigt, macht es sich über den Frontsitzen klein. Seine einfache Klapp- und Schiebekonstruktion ist eher rustikaler, aber dafür stabiler Natur und erfordert recht hohen Kraftaufwand. Weil ein bewegliches Bett den Einsatz dünner und geteilter Schaumstoffmatratzen verlangt, hält sich der Schlafkomfort im Dachgeschoss naturgemäß in Grenzen. Kleine Schläfer im ersten Stock bewahrt ein stabiles Nylonnetz zum Einhängen vor dem Absturz ins Erdgeschoss. Wer durch die Maschen über den Bettrand lugt, hat den besten Ausblick auf die Winkelküche mit ihrer schicken Edelstahlspüle. Praktisch, dass hier die Funktion nicht hinter der Optik zurücksteht. Neben dem Deckenschrank warten Unterschrank und Gewürzauszug auf Geschirr und Proviant. Jedoch kostet der Plastik-Besteckeinsatz für die schmale Küchenschublade 14 Euro Aufpreis. Serienmäßig an Bord ist dagegen die 40-Liter-Kühlbox mit Klappdeckel. Sie dient bei Bedarf sogar als Gefrierschrank: Ein kräftiger Kompressor konserviert dann das Kühlgut bei minus 18 Grad Celsius. Gegenüber der Küche erstreckt sich die Schrankzeile. Ihr Herzstück ist der Kleiderschrank, von innen wie auch von außen durch die etwas schwergängige Heckklappe zu beladen. Zwei Oberschränke und ein Fach im Sideboard komplettieren die Stauräume.

Das solide und routiniert gefertigte Mobiliar des Nugget schluckt nicht nur das Urlaubsgepäck, es lockert mit seinem Dekor in Birnenholzoptik die graue Kunststofflandschaft des Transit wohltuend auf. Unverzichtbar für den Urlaub ist auch die kraftstoffbetriebene Standheizung. Sie pustet ihre Warmluft in den Küchen- und den Fußbereich vor der Sitzbank. Wasser vermag dieses Aggregat nicht aufzuheizen, aus dem Hahn fließt deshalb nur kaltes Nass – akzeptabel, da ja ohnehin kein Bad vorhanden ist. Die weitere Bordtechnik versammelt sich auf knappem Raum: Wie ineinander verzahnte Legosteine schmiegen sich Gelbatterie, Wasser- und Abwassertank sowie die Campinggas-Flasche mit Treibstoff für den Kocher hinter der Sitzbank aneinander. Warum die rollende Zweiraumwohnung vergleichsweise günstig zu haben ist, verdeutlicht das Basisfahrzeug: Der Transit besitzt Nutzfahrzeugcharakter. Die Kunststoffe wirken billig, selbstverständliche Details wie Handbremskontrollleuchte oder Wisch-Wasch-Automatik fehlen. Weiteres Manko: Die Sicherheitsgurte verlaufen für große Fahrer zu tief. Andererseits fährt sich der Ford enorm wendig, verfügt über große Ablagen, und sein 100-PS-Turbodiesel arbeitet kraftvoll und sparsam. Wie es um die Dauerhaltbarkeit des Raumwunders bestellt ist, prüft promobil besonders intensiv: Der Nugget begleitet die Redaktion jetzt als Dauertestwagen

Technische Daten (Stand: Februar 2003)
Modell: Nugget
Basisfahrzeug: Ford Transit FT 300 K
Typ: Campingbus
Preis: ab 34550 EUR
Sitze mit Gurt: 5
Schlafplätze: 2
Zul. Gesamtgewicht: 2880 kg
Länge: 4830 mm
Breite: 1970 mm
Höhe: 2170 mm
Basismotor: Diesel
KW: 74
PS: 100
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Datum

28. Februar 2003
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