Wir wollten wissen, was der Allradantrieb vom Fiat Ducato 4x4 Expediation wirklich kann. 8 Bilder Zoom

Fiat Ducato 4x4 Expedition im Test: Im Winterwunderland

Im Sommer 2015 sorgte der Auftritt des Fiat Ducato 4x4 Expedition für Furore. Wir wollten wissen, was der Allradantrieb auf winterlichen Wegen wirklich kann. Exklusive Testfahrt mit dem Prototyp.

Gar nicht leicht, den Antrieb des Fiat Ducato 4x4 so richtig zu fordern. Kurz vor dem Jahreswechsel liegt auch in den Alpen nur wenig Schnee. Es geht also auf schmalen Wegen weit hinauf.

Schnell wird klar, dass eher der lange Radstand und der damit verbundene große Wendekreis den Allrad-Fiat am Erklimmen unbefestigter Serpentinenpfade hindert als durchdrehende Räder. Schon als Fronttriebler ist der Ducato mit einer guten Traktion gesegnet, dank der zusätzlich angetriebenen Hinterräder hält ihn fast nichts mehr auf. Selbst beim Anfahren an einer vereisten Steigung geht es im Ducato 4x4 vorwärts. Nur abseits jeglicher Pisten sind dem Expedition trotz Höherlegung Grenzen gesetzt. Da setzt der lange Fiat rasch mit dem Bauch auf.

Für alle, die den ersten großen Auftritt des Ducato 4x4 Expedition auf dem Caravan-Salon verpasst haben: Der extrovertierte Fiat ist ein reiner Prototyp. Weder die äußeren Anbauten und Dekore noch die Inneneinrichtung sollen in Serie gehen. Schließlich will Fiat keinesfalls in Konkurrenz zu den Reisemobilherstellern – und damit zu den eigenen Kunden – gehen. Lieferbar ist dagegen der Antrieb des Expedition: Ab sofort kann man die 4x4-Komponenten für Kastenwagen und Fahrgestelle mit 2,3-Liter-Motor und manuellem Getriebe über Fiat ordern.

Die Technik selbst ist nicht ganz so neu. Sie stammt vom Spezialbetrieb Dangel aus dem Elsass und wird auch dort unweit der deutschen Grenze eingebaut. Bei Dangel rüstet man seit vielen Jahren vornehmlich für gewerbliche Kunden Transporter auf Allradantrieb um. Für deren Einsätze müssen die Komponenten in erster Linie robust und unkompliziert sein.

Das hilft auch in der Freizeit: Egal, wie sich die Wegstrecke ändert, der Fahrer braucht nichts umzuschalten. Eine Viskokupplung kümmert sich um die Kraftverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse. Auf trockener Straße gelangt kaum Antriebskraft nach hinten, erst auf rutschigen Wegen werden die Hinterräder stärker mitbeteiligt. Das geschieht stufenlos und ohne den Einsatz von Elektronik. Im Gegenteil: Elektronische Assistenz verträgt sich nicht ohne Weiteres mit dem mechanischen System, weshalb für den Ducato 4x4 derzeit kein ESP lieferbar ist.

Beruhigend zu wissen, dass der Ducato auch mit Allrad äußerst berechenbar untersteuert und den Fahrer bei Glätte nicht überfordert. Dennoch wäre das ESP ein Sicherheitsgewinn, ebenso wie die sonst in vielen aktuellen Ducato eingebaute Hill Descent Control (HDC), also die elektronisch gesteuerte Bergabfahrhilfe. Denn hat man mit dem Ducato 4x4 ganz locker eine verschneite Bergstraße erklommen, geht es irgendwann wieder hinunter. Mit HDC würde es genügen, die richtige Geschwindigkeit zu programmieren und auf den gezielten Einsatz der Bremselektronik zu vertrauen.

Weniger vermisst man beim Anfahren im Schnee den Bremseneingriff durch das ebenfalls nicht lieferbare Traction-Plus-System. Führt der Weg steil aufwärts, könnte man dabei aber einen kürzer übersetzten ersten Gang gebrauchen. So muss die Kupplung immer mal ihre Standfestigkeit unter Beweis stellen. Schließlich gilt es bei einem langen Campingbus, mehr als drei Tonnen in Bewegung zu setzen. Der Allradantrieb selbst trägt mit immerhin 150 Kilogramm Zusatzgewicht seinen Teil dazu bei.

Sonst halten sich die Beeinträchtigungen durch die Umbauten in Grenzen. Lediglich beim Rangieren auf festem Untergrund spürt man in der Lenkung eine leichte Verspannung des Antriebsstrangs.

Dann wäre da noch ein Mehrpreis im höheren vierstelligen Bereich. Diesen wiederum darf man aber getrost zu den Ducato-Stärken zählen. Unter dem Strich gibt es aktuell kein vergleichbares Basisfahrzeug mit Allradantrieb, das günstiger angeboten wird.

Weitere Allrad-Alternativen

Viele Basisfahrzeuge sind mit 4x4-Technik lieferbar. Allerdings taucht der Allradantrieb nur selten in den Aufpreislisten der großen Reisemobilhersteller auf. Wer optimale Traktion wünscht, ist oft auf Individualanbieter angewiesen.

Ohne große Diskussionen bekommt man den Allradantrieb vor allem bei kompakten Campingbussen: Der VW T6 4-Motion und der Mercedes Vito 4-Matic erfordern keine besonderen Anpassungen für den Ausbau. In der Klasse um 3,5 Tonnen Gesamtgewicht spielt bisher der Mercedes Sprinter 4x4 die Hauptrolle – siehe Folgeseiten. Doch es gibt noch mehr: Der Dangel-Allrad des Fiat Ducato ist ebenso für Peugeot Boxer und Citroën Jumper zu haben. Für den Renault Master und Opel Movano liefert der Spezialist Oberaigner einen Allradantrieb. VW lässt sich beim Crafter 4x4 von Achleitner helfen. Ford bietet dagegen ab Werk eine 4x4-Variante des Transit an. In der Gewichtsklasse darüber tritt der erneuerte Iveco Daily 4x4 an.

Geht es um leichte Reisemobile, sind Pick-ups mit Wohnkabine für Allradfreunde eine Überlegung wert. In diesem Segment sind 4x4-Modelle fast selbstverständlich.

Report: Günstige Reisemobile

Foto

Thomas Starck, Bimobil (1)

Datum

27. Januar 2016
Dieser Artikel stammt aus Heft promobil 02/2016.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
5 4 3 2 1 0 5 0
Kommentare
Kostenloser Newsletter
Newsletter Small

+++ Alle News +++
+++ Alle Tests +++
+++ Viele Tipps +++

Und immer bequem und kostenlos per E-Mail.

Videos
06:27 Bürstner Lyseo 2016 Supercheck vor einem Monat
491 Aufrufe
Der markante Rahmen mit den c-förmigen Rückleuchten prägt die Rückseite des C-Tourer. 10:39 Carthago C-Tourer I im Supercheck vor einem Monat
881 Aufrufe
  • Alle Bereiche
  • News
  • Tests
  • Stellplätze
  • Reise
  • Ratgeber
  • Zubehör
  • Video
Alle Marken von A-Z