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Elnagh Sleek 585: Italienisches Temperament

Ein flotter Reisewagen für zwei Urlauber ist der Elnagh Sleek 585 ganz sicher. Wo liegen weitere Stärken, wo die Schwächen des Italieners? Der Test bringt Klarheit.

Guter Geschmack ist sozusagen ein Markenzeichen Italiens. Designer zeichnen hier automobile Träume aufs Papier, die dem Autofan zu Kopfe steigen wie ein Glas Chianti auf nüchternen Magen. Reisemobilbauer fühlen sich aber auch in Italien an das Prinzip der optimalen Raumausnutzung gebunden. Immerhin lackiert Elnagh den vorderen Stoßfänger weiß und montiert Seitenschürzen und Aufbaukanten, die dem Teilintegrierten Sleek 585 ein Mindestmaß an Eleganz verleihen. Leider wirkt die GfK-Haut des Sandwich, das ohne übliches Holzfachwerk auskommt, recht wellig.
Was außen nur begrenzt möglich ist, findet innen seine Vollendung. Hier entfaltet der Sleek 585 seinen Charme. Zwar ist der Grundriss mit Doppellängsbett hinten, daneben angeordneter Nasszelle samt separater Dusche und Mitteldinette mit Küchenblock nicht neu; die stilistische Machart aber überzeugt angesichts des Grundpreises von88 400Mark.
Die Möbel gefallen nicht nur durch ihr V-förmig liniertes Kirschedekor, sondern auch durch die Rahmen aus Massivholz oder die Küchenarbeitsplatte aus massivem, lackiertem Buchenholz, in die der Dreiflammkocher und die runde Spüle eingelassen sind. Letztere verfügt über eine formschöne und massive Einhebelarmatur. Gegen das solide Stück Metall wirken die Hakenschnäpper am Unterschrank etwas zu simpel. Unter der Besteckschublade tut sich ein Fach mit Zwischenboden auf, der vom Gaskasten verkleinert wird, dafür aber über einen vierten Gashahn mit Blindstopfen verfügt.
Die umbaubare Dinette gegenüber der Küche bietet vier Sitz-, zwei Liegeplätze und einen echten Mitfahrplatz.

Trotz massiver Stahlunterbauten ist nur ein Platz in Fahrtrichtung mit Dreipunktgurt ausgestattet. Entgegen der Fahrtrichtung fehlen Kopfstützen und eine stabile Rückenlehne. Die Polster, die zum Aufklappen der Sitztruhen komplett entfernt werden müssen, halten durch aufgeklebte Klettbänder. Unter der hinteren Bank ist der 115 Liter große Frischwassertank eingebaut. Kabel und Schläuche sind dort vorbildlich verlegt. Für Gepäck reserviert ist die vordere Sitztruhe. Allerdings sind hier zwei Wasserschläuche ungeschützt dem Ladegut ausgeliefert. Recht vornehm geht es im Bad des Sleek 585 zu. Eine 30 Millimeter starke Tür mit Metallknauf, stabilen Scharnieren und solidem Schnappverschluss macht den schmalen Weg zum Waschbecken frei, das von einer massiven Buchenplatte umsäumt wird. Technisch unzureichend ist der Abfluss in der Bodenwanne. Er führt ohne Ableitung ins Freie – kalte Füße sind vorprogrammiert. Die geräumige Dusche verwöhnt mit einer höhenverstellbaren großen Brause. Zur Entlüftung der Zelle gibt es einen Pilzlüfter und das aufstellbare Klarglasfenster. Zwischen Bad und Dinette hat der Kleiderschrank seinen Platz. Unter seinem Bodenbrett hat Elnagh einen kleinen Wäschekorb eingebaut, nützlich für allerlei Kleinteile. Weiter unten im Schrank verbirgt sich der Sicherungskasten unter einem Klappbrett. Auch hier hat Elnagh insgesamt ordentliche Arbeit abgeliefert. Wer ordentlich arbeitet, sollte auch eine gute Nachtruhe im Blick haben. Das Doppelbett des Sleek 585 ist mit maximal 1260 Millimetern Breite nicht besonders groß. Eher eine Geschmackfrage ist die sehr weiche Federkernmatratze, die auf einem stabilen Lattenrost liegt. Der ist am Fußende aufstellbar und ermöglicht somit den Zugriff auf die Truma C-3402-Heizung.

Deren einziger Nachteil ist, dass sie den großen Stauraum unter dem Doppelbett stärker einschränkt, als nötig wäre. Dafür bekommt der Kunde auch hier bestens verlegte Warmluftschläuche, Wasserleitungen und Kabel. Von außen ist der Laderaum über eine große Außenstauklappe zugänglich. Unter einem herausnehmbaren Brett hat Elnagh die 100-Ah-Bordbatterie versenkt. Da anstelle eines Licht spendenden Panoramadaches eine Dachhaube mit elektrischem Lüfter eingebaut ist, kommen die vielen Spots gerade recht. Auffallend an den Lichtquellen ist der kleine, silberne Stabschalter, wie er Hobbybastlern bestens bekannt sein dürfte. Dieses Bauteil lässt Eleganz, nicht aber Funktion vermissen. Neues zu berichten gibt es vom Antrieb des bestens bewährten Fiat Ducato. Der JTDMotor, der im Sleek 585 serienmäßig ist, macht dem 3,2-Tonner mächtig Beine. Kultivierter wurde der 2,8-Liter-Turbodiesel durch die Common-Rail- Einspritzung obendrein. Deutlich weniger Biss als die neue Maschine haben die ABS-losen Bremsen des Ducato 14. Als Besonderheit darf das Plattformchassis des Fiat gelten. Anstelle eines Rahmens kommt die Bodengruppe des Kastenwagens zum Einsatz. Da das Fahrgestell so weniger Eigenstabilität entwickelt, muss der verklebte Aufbau des Elnagh hier für Unterstützung sorgen. Der Sleek 585 knistert und knarzt jedenfalls nicht mehr als Konkurrenten mit Rahmen. Vorteile bietet das Plattformfahrgestell durch den massiven, blechernen Unterboden, der bis zur Hinterachse reicht. Darunter hängt der flache, aber großflächige Abwassertank, der aber völlig unisoliert ist. Das disqualifiziert den Elnagh Sleek für die Teilnahme am Wintersport. So muss der Italien-Express wohl auch zur kalten Jahreszeit bis Süditalien durchstarten.

Technische Daten (Stand: Januar 2001)
Hersteller: Elnagh
Modell: Sleek 585
Basisfahrzeug: Fiat Ducato 14
Typ: Teilintegrierter
Preis: ab 45198 EUR
Sitze mit Gurt: 6
Schlafplätze: 2
Zul. Gesamtgewicht: 2625 kg
Länge: 6520 mm
Breite: 2220 mm
Höhe: 2650 mm
Basismotor: Diesel
KW: 94
PS: 127
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Autor

Datum

22. Januar 2001
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