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Rapido 7066 dF im Test: Doppelt hält besser

Flotte Teilintegrierte mit Doppelboden sind fast so selten wie Zwillinge. Ob der Zwischenboden des Rapido 7066 dF in der Praxis auch den Reise­spaß verdoppelt, klärt der Supercheck.

Ein Doppelboden bedeutet nicht nur mehr Staumöglichkeiten. Der Hohlraum unter dem Fußboden erhöht auch die Steifigkeit des Aufbaus und ermöglicht eine schwerpunktgünstige, frostsichere Unterbringung der Bordtechnik. Gleichzeitig erhöht die beheizte Zwischenschicht den Wohnkomfort. Ohne Zweifel, mit doppelt gemoppeltem Boden gewinnt ein Mobil enorm.

Viele Jahre lang waren Kellergeschosse bei Importfabrikaten eine Rarität. In Frankreich gehörte Rapido zu den Pionieren dieser Bauweise. Doch erst seit Modelljahr 2009 bieten die Franzosen den Doppelboden für Teilintegrierte an. In der neuen Baureihe 70 dF findet sich auch ein Modell mit den beliebten Einzelbetten, der 7066 dF. Bieten doppelter Boden und doppeltes Bett auch doppeltes Vergnügen?

Der Doppelboden erweist sich auch beim Rapido 7066 dF als echte Be­reicherung. Das elegante Interieur und die umfangreiche Serienausstattung schrauben die Erwartungen in eine Höhe, die der sauber ausgeführte, aber eher konventionell konstruierte Aufbau nicht ganz erreicht.

Fahren

Der Rapido 7066 DF bietet solide Fahreigenschaften mit einem Hauch Spritzigkeit. Ein bewährtes Gespann – der Fiat-Ducato-Triebkopf und das Alko-Chassis. Beide konnten beim Test einmal mehr überzeugen. In Anbetracht der Fahrzeuggröße sind sowohl die Straßenlage als auch die Kurvenstabilität tadellos. Auch der Geradeauslauf ist bis zur Höchstgeschwindigkeit über Kritik erhaben. Bei zügiger Kurvenfahrt und besonders auf schlechten Straßen erzeugt der Aufbau allerdings eine deutliche Geräuschkulisse, zu der sich ab Tempo 100 Windgeräusche aus dem Bereich der Panoramafenster gesellen.

Die Sicht nach vorne ist auch für Sitzriesen noch problemlos, denn die Faltenverdunkelung der Frontscheibe ist unten montiert. So reduziert nur ein unauffälliges Formteil am oberen Rand die Aussicht etwas. Dem Blick in die Seitenspiegel steht nichts im Wege, die Fächerjalousien befinden sich ebenfalls unauffällig am unteren Rand. Und für den Blick nach hinten spendiert Rapido eine Rückfahrkamera ab Werk – beispielhaft.

Mit dem 157-PS-Vierzylinder wirkt der Testwagen angenehm dynamisch, ja fast schon ein bisschen sportlich. Die Wahl der Vernunft ist der kleine Bruder Multijet 130, denn in den allermeisten Fahrsituatio­nen genügt sein Potenzial vollauf. Dazu verbraucht der 130-PS-Motor weniger und ist 50 Kilogramm leichter. Ein gewichtiges Argument für all jene, die den nicht gerade leichten 7066 dF als 3,5-Tonner bewegen wollen.

Beim Sitzkomfort muss man im Fahrerhaus keine Kompromisse eingehen. Die Rückbank ist hingegen eher für kürzere Touren konzipiert.

Zwar gibt es zwei Gurte und angenehm straffe Polster mit einer nicht zu steilen Lehne, doch um die Passagiere nicht zu gefährden, lässt sich der Tisch während der Fahrt nur absenken und nicht demontieren. Dadurch sitzt man auf der Gangseite wenig komfortabel. Und auf der Fensterseite schränkt der Gaskasten die Beinfreiheit trotz Umbaumöglichkeit ein.

Wohnen

Elegantes und zugleich praktisches Interieur zeichnen den Rapido aus. Doppelt vorhanden, aber nicht zwillingsgleich sind die beiden serienmäßigen Panoramafenster über der Sitzgruppe. Sie verleihen dem Wohnraum eine lichtdurchflutete Leichtigkeit. So in Szene gesetzt, wirkt die schicke Lederausstattung wirklich elegant. Bei der Raumaufteilung hält Rapido an einer strikten Trennung der einzelnen Lebensbereiche fest: Der vordere Teil ist der großzügigen, bequemen Sitzgruppe vorbehalten. In die Runde passen bis zu sechs Personen. Dann wird der zentrale, vergrößerbare Tisch allerdings ziemlich knapp. Abends lässt sich die Sitzgruppe zu einem passablen Gästebett für eine Person umbauen. Durch den Doppelboden liegen das Fahrerhaus und der übrige Innenraum ohne Stolperkante auf einer Ebene.

An die Sitzgruppe schließt sich nach hinten die raffiniert aufgeteilte Winkelküche an. Raffiniert deshalb, weil Rapido den Bereich zwischen dem Dreiflammherd und der aus­reichend tiefen Spüle für ein zweites, multifunktionales Edelstahlbecken nutzt. Mit Hilfe von drei Einsätzen fungiert es wahlweise als Erweiterung der Arbeitsplatte, Abtropffläche, Stauraum für Küchenutensilien oder als zusätzliches Spülbecken. Auch beim Design der Herdabdeckung wurde mitgedacht: Wenn man eine oder zwei der drei elektrisch gezündeten Brenner nicht nutzt, lässt sich dieser Bereich durch die geteilte Glasabdeckung als Arbeitsfläche verwenden. Zwei große Schubladen und ein etwas enger Hängeschrank bieten leicht zugänglichen Stauraum für Utensilien. Für zwei bis drei Reisende reicht das vollauf, und mit der großen Kühl-Gefrierkombination, dem Dunstabzug sowie einem praktischen Mülleimer fühlen sich hier auch engagierte Hobby­köche wohl. Gefallen hat außerdem die robuste Wasserarmatur. Am Übergang von der Arbeitsfläche zur Wand fehlt jedoch eine Silikonfuge als Feuchtigkeitsschutz.

Auf dem Weg in den hinteren Fahrzeugbereich folgt auf die Küche die zweigeteilte Hygieneabteilung. Durch einen leicht bedienbaren Faltenvorhang mit Magnethalter lassen sich die Dusch- und die Toilettenkabine zu einer Art Raumbad verbinden und gleichzeitig blickdicht vom Küchen- und Wohnbereich abtrennen. Doch das echte Raumbadgefühl will nicht aufkommen, denn ohne Fixiermöglichkeit an der Toilettentür bleibt diese nicht zuverlässig offen. Auch versperrt sie im offenen Zustand den Weg zum Kleiderschrank zwischen den Betten. Eine Rollo-Schiebetür wäre hier der Weg aus diesem Dilemma.

Sowohl die mit einer Magnetleiste dicht schließende Dusche als auch der separate Toilettenraum gerieten mit einer Höhe von maximal 184 Zentimetern zu niedrig. Davon abgesehen ist die Bewegungsfreiheit in beiden Räumchen gut. Um die Belüftung kümmern sich ein Seitenfenster in Allianz mit einer umständlich zu bedienenden, einfach verglasten Dachluke sowie ein Pilzlüfter über der Dusche. Hier wie da gibt es nur einfache Wasserarmaturen, und an den Übergängen zur Wand fehlen Silikon­fugen als Feuchtigkeitsschutz. Liebe zum Detail bewies Rapido dagegen mit den robusten Bad-Accessoires aus Metall.

Die beiden Betten sind über drei relativ flache Stufen gut erreichbar, doch mit nur 182 Zentimetern Liegelänge sind die bequemen Matratzen ungewöhnlich kurz. Da die Bettnische sowohl links als auch rechts etwas länger ist, kommt dennoch kein Engegefühl auf, und bei Nichtgebrauch lassen sich die Zusatzpolster tagsüber am Kopfende zwischen Wand und Matratze verstauen. Die Zusatzpolster verbinden auf Wunsch die Einzelbetten zu einer großen Liegefläche. Ein eingehängtes Brett überbrückt dann den Gang zwischen den Betten, doch wie bei diesen Lösungen üblich, ist damit auch die Treppe verdeckt. Das erschwert dann den Zugang.

Beladen

Große Heckgarage und doppelter Boden – da passt alles rein. Mit einer Vielzahl von Staumöglichkeiten gesegnet, lädt der Rapido geradezu ein, mit ihm auf große Fahrt zu gehen. Doch um das Potenzial des 20 Zentimeter hohen Doppelbodens sowie der üppig bemessenen Heckgarage in der Praxis auch nutzen zu können, sollte man den 7066 dF in der optionalen Ausführung mit 4250 Kilogramm zulässigem Gesamtgewicht wählen. So ausgerüstet, bot der Testwagen satte 940 Kilogramm Nutzlast. Da bleiben praktisch keine Zuladungswünsche offen. Als 3,5-Tonner wäre indes strikte Zubehör-Diät verordnet, denn ohne optionales Zubehör und mit serienmäßigem 130-PS-Motor würden mit vollem Kraftstoff- und Wassertank sowie vollen Gasflaschen gerade mal 300 Kilogramm Zuladung verbleiben. Das wäre zu wenig.

Beim Beladekomfort bietet der 7066 dF ein uneinheitliches Bild. Während sich die Heckgarage durch zwei Außenklappen sehr bequem vollpacken lässt, bietet der Doppelboden zwar auch links und recht einen Zugang, doch die mit fummeligen Verschlüssen versehenen Klappen schwenken zu wenig nach oben, so dass man zum Beladen auf die Knie muss. Dafür ist der Doppelboden auch über zwei Bodenluken vom Wohnraum aus erreichbar.

Der Wohnbereich bietet mit drei großen Schubladen, einem kompakten, beleuchteten Kleiderschrank sowie fünf Hängeschränken und zwei Sitztruhen ebenfalls viel gut erreichbaren Stauraum. Die Hängeschränke werden nur durch federbelastete Schnäpper ohne Verriegelung gehalten. Daraus resultiert eine gute Bedienbarkeit, doch für einen sicheren Verschluss eines mit Büchern beladenen Hängeschranks ist das inakzeptabel – besonders wenn Klappen in Fahrtrichtung öffnen.

Technik

Die Bordtechnik des Rapido 7066 DF ist fällt solide aus. Mit sauberen Übergängen vom Fiat-Fahrerhaus zur Wohnka­bine sowie sauber eingepass­-ten Kunststoff-Formteilen und Kunststoff-Seitenschürzen hinterließ der konventionell mit Holz verstärkte Aufbau einen passablen Eindruck. Die Dachhaube über dem Fahrerhaus ist zusammen mit dem übrigen Dach als ein formschönes, nahtloses GfK-Formteil ausgebildet, und links und rechts vergrößern GfK-Wannen das Nutzvolumen des Doppelbodens. Der Boden der Heckgarage besteht ebenfalls aus einer ein­teiligen GfK-Wanne.

Bei der Bordtechnik bewiesen die Franzosen Praxisnähe, indem sie beispielsweise serienmäßig einen zweiten Motorwärmetauscher für die Wohnkabine einbauten. Damit lässt sich der Wohnraum während der Fahrt beheizen. Sehr praktisch ist auch die Kombination der Verriegelung der Aufbautür mit der Funk-Zentralverriegelung des Fiat.

Auch die Wasserinstallation wurde mit der nötigen Sorgfalt geplant und montiert, denn zum einen wurde ein trink­wasserechtes Rohrsystem verwendet, und zum anderen ist die Druckwasserpumpe hinter einer Blende in der Heckgarage gut zugänglich. Der frostsicher im Doppelboden verstaute Frischwassertank besitzt zwar einen ausreichend gro­-ßen Ablasshahn, doch durch seine zerklüftete Form lässt er sich nur schwer reinigen. Der Ablasshahn des Grauwassers sitzt frostsicher und schmutzgeschützt in der Heckgarage.

Wer mit dem Doppelboden eine uneingeschränkte Wintereignung erwartet, sollte berücksichtigen, dass die Seitenstaukästen, der Boden der Heckgarage und das Bodenfach im Doppelboden ohne Isolierung auskommen müssen. Auch die Dachluke der Toilette ist nur einfach verglast. Dennoch wird man bei kühler Witterung den Komfort der beheizten Bodenfläche genießen.

Kosten

Die umfangreiche Ausstattung ist größtenteils serienmäßig. Mit einem Grundpreis von über 70000 Euro ist der 7066 dF zwar kein Schnäppchen, doch die weitgehend komplette Ausstattung relativiert den Preis deutlich. Zusatzkosten, etwa für eine Außendusche, eine Rückfahrkamera, ein zweites Panoramadachfenster oder eine Funkfernsteuerung für die Aufbautür, entfallen beim 7066 dF, denn diese Extras gehören hier bereits zur Serie.

Zu diesem Inklusivekonzept passt auch die Standardmotorisierung mit 130 PS. Doch während die Konkurrenten in der überschaubaren Klasse der Teilintegrierten mit Doppelboden in puncto Ausstattung klar das Nachsehen haben, punkten die Mitbewerber mit einem zumeist holzfreien Kabinenaufbau. Hier setzt der elegante Franzose auf eine im Kern eher konventionelle Aufbautechnik, die er jedoch geschickt mit großflächigen GfK-Teilen schützt.

Die Baureihe mit 130 PS starkem Basismotor umfasst vier Teilintegrierte, die allesamt einen vollwertigen Doppelboden bieten. Mit der Truma Combi 6 eine interessante Kombination für Ganzjahrescamper.

Typ: Teilintegrierte
Schlafplätze: 2
Preis: 60.000 bis 70.000 €
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Autor

Foto

Foto: Tschovikov, Regenscheit

Datum

19. August 2009
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