Alles über Dethleffs Globebus
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Dethleffs: Historischer Vergleich
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Dethleffs Globetrotter/Globebus: Alt gegen neu

Zwei Dethleffs-Teilintegrierte mit charakterstarker Front: ein aktueller Globebus T 4 und ein Globetrotter CD-S aus den 80er Jahren. Ungewöhnliche Einsichten aus einem etwas anderen Vergleich.

Wie haben sich Reisemobile in den vergangenen drei Jahrzehnten entwickelt? Kam der Fortschritt wirklich in Fahrt, oder war vielleicht früher alles besser? Wie könnte man bessere Antworten auf solche Fragen finden als mit einem Vergleich. Zum Generationentreffen treten zwei Teilintegrierte von Dethleffs an. Dort feiert man in diesem Jahr 30 Jahre Wohnmobilbau.

Vertreter des aktuellen Jahrgangs: der Globebus T 4, ein Bestseller mit Einzelbetten. Im Programm von 1983 findet sich noch nichts Vergleichbares; es beschränkt sich auf Alkoven. Doch bereits 1985 taucht bei Dethleffs ein ungewöhnlicher Kompakter auf, der als Vorläufer des Globebus gelten darf: der Globetrotter CD.

Dethleffs Markenzeichen: Das Design

Unübersehbare Ähnlichkeit der beiden Teilintegrierten: ein charakterstarkes Außendesign mit eigenständigem Kühlergrill und damit eine große Portion Gesichtsbewusstsein. Hinter der Front verbirgt sich in beiden Fällen ein Fiat Ducato. Allen Gemeinsamkeiten zum Trotz ist die Gegenüberstellung dennoch etwas unfair: Der hier gezeigte Globetrotter CD-S hat nicht nur 26 Jahre, sondern auch über 60.000 Kilometer hinter sich - jedoch keinerlei Restaurierungsarbeiten. Andererseits kann er dadurch heute seine Qualitäten beweisen.

Am GfK-Aufbau ging der Gebrauch fast spurlos vorüber. So gefällt die praktisch nahtlose, wohlproportionierte Hülle wie ein frisch gebügelter Sommeranzug. Der neue Globebus trägt die aktuell angesagte Freizeitmode. Sorgfältig gewählte Dekorelemente kaschieren, dass sein Sandwichplatten-Aufbau in der Substanz konventioneller ausfällt als die Hülle des Oldies.

Die heute übliche Bauweise begünstigt vielmehr eine rationelle Serienfertigung und damit bezahlbare Preise. Würde man den damaligen Neupreis des Globetrotter CD von über 70.000 Mark mit den seit 1987 üblichen Preissteigerungen in die Neuzeit übersetzen, wäre er weit kostspieliger als der Globebus T. Der Vorfahr bringt darüber hinaus vieles mit, was seinerzeit gut und teuer war. Er baut auf ein Alko-Fahrgestell und hat sogar einen Turbodiesel unter der Haube - Mitte der 80er Jahre echte Raritäten.

Achziger Jahre Feeling im Dethleffs Globetrotter CD-S

Wie fühlt sich das heute an? Die Fahrerhaustür des Ducato schließt nicht mit dem gewohnten Plopp, sondern mit einem metallischen Klong. Vor dem Tester liegt ein gnadenlos praktisch geformtes und gefärbtes Armaturenbrett, das entfernt an einen Setzkasten erinnert.

Links des Lenkrads findet der winzige Zündschlüssel seinen Platz. Diese Gemeinsamkeit mit Porsche-Pkw dürfte wohl Zufall sein. Spätestens nach dem Dreh am Schlüssel bleiben nicht die gerings-ten Zweifel, dass hier ein gusseisernes Stück Nutzfahrzeugtechnik seinen Dienst aufnimmt. Der große Vierzylinder nagelt entschlossen los und verbreitet jene kernig-sympathische Hintergrundmelodie, die man von Reisemobiltouren der 80er und 90er Jahre kennt.

Dass es sich beim Dethleffs um ein frühes Exemplar handelt, wird beim Ausparken klar. Die servofreie Lenkung verlangt eine harte Hand. Fingerspitzengefühl benötigt dagegen der filigrane Blinkerhebel. Fast hat man Angst, der dürre Plastikstift könnte schon beim Blickkontakt abbrechen.

An die leichtgängige Lenkradschaltung gewöhnt man sich schnell. Außerdem erspart der bärige Turbodiesel so manchen Gangwechsel. Sein Biss lässt mehr Kraft erahnen, als es die technischen Daten mit 216 Nm und 92 PS ausweisen. Mehr Leistung wünscht man sich angesichts der schwammig ansprechenden Bremse sowieso nicht. ABS? So etwas kannten 1987 allenfalls Pkw-Käufer als kostspieliges Extra. Über Airbags machte sich damals noch niemand Gedanken.

Im Ur-Ducato konzentriert man sich also besser aufs Fahren. Wohl deshalb fehlt alles, was irgendwie ablenken könnte, etwa ein Drehzahlmesser oder gar eine Uhr. Verträumtes Radiohören verhindert der fabrikartige Klangteppich.

Andere neuzeitliche Errungenschaften vermisst man nach kurzer Zeit kaum noch. Wozu eine Klimaanlage? Für Frischluft gibt es doch die praktischen Ausstellfenster in den Fahrerhaustüren. Eine Rückfahrkamera? Im Globetrotter CD kann man sich ganz gut über Innenspiegel und Heckfenster orientieren. Schmale A-Säulen erleichtern die Sicht nach vorne, wo der Fahrer tatsächlich die Motorhaube im Blick hat.

Zurück in die Zukunft: Der moderne Komfort des Dethleffs Globebus

Bei der Sicht nach vorne ist der Lenker eines 2013er Globebus auf sein Gefühl angewiesen. Fast alles andere kann er ganz bequem delegieren. Erst recht, wenn der Fiat Ducato – wie der Testwagen – mit einem automatisierten Getriebe ausgerüstet ist. Lenken, Gas geben, genießen – Freizeit soll in diesem Dethleffs keine Arbeit sein. Eine Schar elektronischer Helferlein assistiert beim Fensteröffnen, Tempohalten, Verbrauchüberwachen und nicht zuletzt bei der Brems- und Fahrsicherheit. 177 PS – damit hat der Globebus T fast die doppelte Leistung des Globetrotter CD, was sich subjektiv nicht in dieser Dramatik bemerkbar macht. Das mag am höheren Gewicht des aktuellen Modells liegen, aber auch an der etwas beiläufigen Art, mit der die Drei-Liter-Maschine ihre Kraft zur Verfügung stellt.

So bleibt mehr Muße, um sich an Details zu erfreuen, die Fiat dem Ducato in seiner jüngsten und höchsten Ausbaustufe mit auf den Weg gibt. Mit beledertem Schaltknauf und Armaturenbrettdetails in Klavierlack-Optik hätte dieser Transporter in den 80ern mancher Nobellimousine die Schau gestohlen. Längst ist das Fahrerhaus nicht nur Arbeitsplatz, sondern Teil des Wohnraums.

Der Dethleffs-Oldie hat zwar bereits ein ausgeschnittenes Fahrerhausdach und drehbare Sessel, diese bleiben an der Sitzgruppe aber außen vor. Heimelig wird es im Globetrotter CD erst, wenn man sich vom Fahrerhaus in den Wohnraum begibt – ganz wie in den damaligen Alkovenmobilen.

Um sich so richtig zu Hause zu fühlen, sollte man außerdem eine Schwäche für die Stilpirouetten der 80er Jahre mitbringen. Dethleffs verzichtete im Globetrotter CD auf überflüssige Schnörkel. Die eichenfurnierten Möbel mit ihren massiven Griffkanten strahlen jedoch eine Schwere aus, die mehr an das Büro eines Sparkassendirektors als an ein Ferienhaus erinnert. Allein die getigerten Velourspolster untergraben die Seriosität auf zweifelhafte Weise. Wie in früheren Partykellern dringt durch die getönten Fenster und Vorhänge nur schummriges Licht, kaum spürbar verstärkt durch funzelige Leuchten. Man sitzt ganz gesittet auf Dinettebänken mit kurzen Lehnen, von denen es im nicht einmal sechs Meter langen CD-S immerhin vier Stück gibt. Kein raumplanerischer Zufall, denn die Polsterteile müssen nachts als Schlafgelegenheit herhalten.

Was für ein Fortschritt im Globebus T 4: Die reisemobile Neuzeit bedeutet Einladung und Verführung zugleich. Durch riesige Dachfenster ergießt sich Licht auf raffiniert gestaltete Möbel und eine aufgelockert wirkende Sitzgruppe.

So fällt es nicht weiter auf, dass man im Globebus anders als im kürzeren Globetrotter nicht vom Bug bis zum Heck spazieren kann. Die Betten beanspruchen einen großen Teil der Globebus-Wohnfläche.

Das erscheint angemessen, wenn man bedenkt, dass Urlauber auch einen großen Teil ihrer Zeit dort verbringen. In diesem Fall muss sogar der Kleiderschrank zurückstecken und sich dem Bett im Wortsinne unterordnen.

In beiden Dethleffs Modellen ist die Küche beschränkt

Auf das Nötigste bleibt die Küche in beiden Kompakten beschränkt. Im Globebus wurde sie von Marketingstrategen längst als Gourmet-Center geadelt, kann aber die Oldie-Einrichtung nicht in allen Punkten überflügeln. Schnöde Pragmatiker stellen fest, dass sich die schlichte Metalloberfläche im Globetrotter CD besser putzen lässt und auch noch mehr Abstellfläche bietet.

Und das Bad? Es heißt im Globebus zwar bislang nicht Wellness-Center, strebt aber sichtbar in diese Richtung. Wohnliche Materialien stehen gegen die Kunststoffkühle der reisemobilen Frühzeit im Globetrotter CD. Aber es geht nicht allein um Ambiente. Das Porta-Potti im Oldie-Mobil zwingt mitunter dazu, den Fäkaltank am Frühstückstisch vorbeizutragen. Mit der Duschmöglichkeit hinter einem Vorhang waren die Entwickler wohl auch nicht ganz zufrieden und spendierten dem Globetrotter CD zusätzlich eine serienmäßige Außendusche.

Ausschließlich außerhalb des Aufbaus finden außerdem Campingmöbel eine Bleibe. Nicht umsonst trägt das gefahrene Exemplar einen Dachkoffer, der an Rettungsinseln auf Schiffen erinnert. Eine große Garage, wie sie sich ganz selbstverständlich im Heck des Globebus T 4 befindet, kommt in dieser Gegenüberstellung einer Revolution gleich.

Wer weiß, vielleicht hätten praktischere Grundrisse dem Teilintegrierten schon früher zum Durchbruch verholfen. Der Globetrotter CD war in vieler Hinsicht ein Wegweiser im Wohnmobilbau. Den Weg zu gehen, überließ der in kleinen Stückzahlen gebaute Dethleffs späteren Modellgenerationen.

Report: Günstige Reisemobile

Datum

11. März 2013
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