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Reisemobile Chausson Flash / Dethleffs Advantage 34 Bilder Zoom

Chausson Flash gegen Dethleffs Advantage T: Grundsatz-Entscheidung

Dethleffs und Chausson setzen – trotz gleichem Grundriss – auf ganz unterschiedliche Modellkonzepte: geschärftes Profil oder flexibles Baukastensystem, Fiat oder Ford – was ist attraktiver?

Vor der Unterschrift unter den Kaufvertrag gilt es, viele Entscheidungen zu treffen. Man muss sich darüber klar werden, was man will und braucht. Wenn man innerhalb einer Baureihe zwischen vielen Optionen wählen kann, lässt sich das Wunschmobil bequem zusammenstellen. Andererseits fordert solche Flexibilität in der technischen Umsetzung oftmals Kompromisse.

Chausson und Dethleffs verfolgen hier unterschiedliche Wege. Während man sich beim französischen Mobil Chausson Flash 617 zunächst einen Grundriss aussucht und dann Ausstattungslinie, Basisfahrzeug und Hubbett dazu wählt, legt der Käufer beim Traditionshersteller Dethleffs aus Isny beim Advantage T 6611 mit der Wahl der Baureihe bereits vieles fest.

Chausson Flash 617 gegen Dethleffs Advantage T 6611

Beginnen wir mit dem Basisfahrzeug. Mit dem Modellwechsel bei Ford tritt der Transit mit neuem Schwung an und kann dem Platzhirsch von Fiat in vielen Punkten, zumindest als Kastenwagen, das Wasser reichen (siehe auch promobil Megatest Basisfahrzeuge 2014). Beim Chausson-Dethleffs-Vergleichstest treffen die Kontrahenten nun erstmals als Basis aufgebauter Reisemobile aufeinander. Chausson bietet beide Chassis wahlweise an und versüßt die Ford-Option zudem mit mehr Serienausstattung zum günstigeren Preis.

Ford Transit oder Fiat Ducato - Keine leichte Entscheidung

Ergonomie, Sicherheitsausstattung, Übersichtlichkeit, Fahrerhauseinrichtung, Anfahrschwäche und Traktion – vieles ist im Ford Transit gegenüber dem Vorgänger deutlich besser geworden, teils überflügelt er sogar den Fiat. Letztere beiden Punkte erreichen das Ducato-Niveau aber nicht ganz. So kann es immer noch passieren, dass man beim Hochschalten in den zweiten Gang den Motor versehentlich abwürgt – fast unmöglich beim Ducato.

Mit 155 PS und 385 Nm ist der Ford-Top-Motor dem Fiat 150 Multijet nominell sogar etwas überlegen. In der Fahrpraxis wird das Aggregat aber durch das gut schaltbare, jedoch lang übersetzte Getriebe ausgebremst. Beim Beschleunigen ist der Unterschied nicht so gravierend wie bei der Elastizität in den oberen Gängen. Leichte Autobahnsteigungen oder Gegenwind machen beim Transit häufiges Zurückschalten nötig. Was sich neben dem höheren Aufbau (plus 13 cm) und dem Mehrgewicht (plus 200 kg) des Chausson offenbar auch negativ auf den Verbrauch auswirkt. Die promobil-Testrunde absolvierte der Dethleffs auf Fiat-Basis um 1,5 Liter pro 100 Kilometer sparsamer.

Federungs- und Geräuschkomfort des Ford sind dagegen subjektiv etwas höher. Der deutlich schlechtere Geräuschmesswert des Fiat bei 50 km/h ist allerdings zum größten Teil den hörbar singenden Toyo-Winterreifen des Testwagens zuzuschreiben. Flachrahmen, breite Hinterachsspur und nach links versetzte Handbremse – diese Besonderheiten für die Nutzung als Reisemobilbasis kann auch der Transit bieten. Der Handbremshebel ist nun sogar im angezogenen Zustand nach unten klappbar, um das Sitzdrehen zu erleichtern. In der Praxis bleibt dennoch der Ducato in diesem Punkt das Maß der Dinge, weil die Platzverhältnisse etwas großzügiger sind und sich die Sitzlängsverschiebung mitdreht.

Blick ins Innere von Dethleffs Advantage und Chausson Flash

Obwohl das Transit-Fahrerhaus nun eine ähnliche Breite erreicht wie das Fiat-Cockpit, integriert es sich weniger gut in den Aufbau. Das liegt an den knapperen Ausschnitten von Dach und Rückwand, die die Nahtstelle zwischen beiden Räumen deutlicher hervortreten lassen. Hinzu kommen die zwar praktischen, aber die Höhe einschränkenden Original-Ablagefächer am Fahrerhaushimmel des Ford. Beim Aufstehen von den Cockpitsesseln stößt man sich hier leichter mal den Kopf an.

Besser eingebunden zeigt sich das Fahrerhaus des Dethleffs Advantage T 6611 aber auch durch das neue Interieurdesign des aktuellen Advantage. Die Hängeschränke werden optisch gekonnt bis in den Ausbau der T-Haube verlängert. Gleiches gilt für den beleuchteten Baldachin rund um die beiden großen Dachfenster – ein Arrangement, das allerdings Teil des aufpreispflichtigen Family-Pakets ist.

Deutlich holpriger gestalten sich die Übergänge im Chausson Flash 617. Mit dem optionalen Hubbett über der Sitzgruppe ist diese Aufgabe allerdings auch schwieriger zu lösen. Das große Fenster in der T-Haube und die passable Stehhöhe unter dem Zusatzbett halten die Einschränkungen aber in akzeptablen Grenzen. Die zum "L" umbaubare Querbank und der Seitensitz machen die Chausson-Runde für mehrere Personen komfortabler. Der flexibel platzierbare Hocker im Dethleffs ist nur ein Notsitz, macht sich indessen aber als bequeme Beinauflage nützlich.

Wer ab und an gerne noch jemand mit in den Urlaub nimmt, hat mit dem Chausson-Hubbett eine passable Schlafstatt zur Verfügung, die aber nur für eine Person breit genug ist. Spätestens dann muss hier aber genauer auf die Waage geachtet werden, denn der keineswegs allzu üppig mit Extras ausgestattete Testwagen wurde reisefertig mit 3160 Kilogramm gewogen – 200 Kilo schwerer als das Dethleffs-Modell. Immerhin ist für den neuen Transit eine Auflastung auf 4,1 Tonnen für relativ moderate 1000 Euro verfügbar.

Als Kinderzusatzbett lässt sich eine weitere Option nutzen, die für beide Kontrahenten verfügbar ist: Verbindungspolster für die Einzelbetten im Heck. Besonders geschickt zeigt sich die Chausson-Variante. Ein kleiner Ausziehlattenrost verbindet die Matratzen, so dass nur noch die Extrapolster eingelegt werden müssen. Das nette kleine Nachtkästen zwischen den Kopfenden lässt sich dazu vorher einfach herausheben. Beim Dethleffs muss dagegen zunächst ein sperriges Brett eingesetzt werden, bevor man die Polster auflegen kann.

Zudem bedarf es noch einer Alu-Einhängeleiter, um die Liegefläche erklettern zu können, denn die Einzelbetten sind hoch eingebaut um im Heck darunter eine Garage unterzubringen. Dethleffs bietet als weitere Option sogar eine noch höhere Einbaulage, die speziell für hochbauende Elektroräder gedacht ist. Serienmäßig sind die Betten aber auch hier tief platziert. Radlfans bekommen aber auch den Chausson als Modell 617 GA mit Garage.

Ungemein bequem erreichbar sind die tief eingebauten Betten allerdings schon. Doch auch der Aufstieg zu den hohen Dethleffs-Varianten ist über die breite Treppe leicht möglich. Dort angekommen, verwöhnt er mit einer schicken wie praktischen Schlafraumgestaltung – mit dezent hinterleuchteten Paneelen an der Heckwand und praktischen Ablagen in den Eckelementen der Hängeschränke. Die Kunststoff-Formteile an den Kopfenden der Chausson-Betten wirken da vergleichsweise schlicht. Direkte Folge der Betteinbauhöhe ist die Platzierung des Kleiderschranks. Im Chausson sind es sogar gleich zwei, fast identisch große Exemplare, die in Augenhöhe über den Fußenden der Betten hängen. Um an die Stange in 2,07 Meter Höhe zu kommen, müssen sich kleinere Personen allerdings schon ein wenig strecken. Im Gegensatz zum Dethleffs, wo eher bücken angesagt ist. Mit einer breiten Tür inklusive automatischer Beleuchtung und einem aufstellbaren Bettrostteil ist der Zugriff aber auch hier relativ leicht möglich. Unter dem rechten Bett findet sich an gleicher Stelle ein Schrank mit zwei großen Fächern – ideal für Strandhandtücher oder dicke Winterjacken.

Der Stauraum 

Vier unterschiedlich große Staufächer stellt der Chausson unter den aufstellbaren Lattenrosten bereit, die dabei ebenso Zugang zum Gepäck im Heckstauraum gewähren. Der bleibt logischerweise deutlich kleiner als im Dethleffs. Für Fahrräder reicht die Höhe natürlich nicht, für die sonst üblichen Gepäckstücke aber schon.

Zwei große Seitentüren geben im Dethleffs den Zugriff auf die Heckgarage frei. Die Bodenabsenkung ist aus isolierten Sandwich-Teilen gebaut. Solide Zurrösen sind ebenso vorhanden wie eine Lampe und sogar eine Steckdose. Ein Fach für Kleinteile, etwa auf dem links eingebauten Gaskasten, wäre noch praktisch. Der beschneidet die Garage in der Breite deutlich. Um an die Gasflaschen zu kommen, müssen zunächst zwei Türen geöffnet werden, dann kann man aber bequem hantieren, denn die Elf-Kilo-Zylinder stehen auf einem soliden Auszug.

Bordtechnik

Schwerer haben es die Chausson-Nutzer, die die Flaschen durch eine kleine Öffung in den abgesenkten Kasten rechts vorn bugsieren müssen. Immerhin ist der Wechsel hier weniger häufig nötig, denn der größte Gasverbraucher, die Heizung, läuft mit Diesel.

Von diesem Brennstoffunterschied merkt der Nutzer relativ wenig. Lediglich beim Anfahren des Ofens braucht die Diesel-Version zum Zünden offenbar mehr Strom, denn die LED-Beleuchtung beginnt dabei zu flackern. Beide Heizungen sind in den Bettkästen untergebracht. Besser wäre eine Platzierung in der Sitzgruppe, wo der Wärmebedarf am größten ist. Besonders im Chausson, der die Warmluft weniger aufwendig im Fahrzeug verteilt, wird es im Schlafbereich schnell zu warm, während man vorn eher noch fröstelt.

Der Abwassertank ist jeweils nur gegen Aufpreis frostgeschützt. Die übrige Bordtechnik rangiert auf vergleichbarem Niveau. Die Beleuchtung setzt hier wie da voll auf LED-Technik. Doch der Dethleffs wartet insgesamt mit mehr Lampen und einer effektiveren AGM-Bordbatterie auf.

Modernere Technik kann auch der Dethleffs-Aufbau für sich reklamieren. Nicht nur das Dach, sondern auch der Kabinenboden hüllt sich vorsorglich in unempfindliches GfK. Und als Dämmmaterial kommt rundum hochwertigerer XPS-Schaum zum Einsatz. Die Seitenschürzen sind aus stabilerem Alu statt Kunststoff, und die Aufbautür lässt sich mit zirka 13 Zentimeter mehr Breite leichter passieren. Die Fenster sind aber hier wie da von der einfacheren vorgehängten Sorte. Bei beiden kann man optional aber auch solidere Rahmenexemplare bekommen.

Bereits serienmäßig groß sind die Kühlschränke der Küchen – 142 Liter im aktuellen, schlanken Format und mit praktischer Gemüseschublade offeriert der Dethleffs, sogar 175 Liter sind es im Chausson. Seine gewinkelte Arbeitsplatte hilft beim effektiven Arbeiten, und es findet sich auch etwas echte Arbeits- und Abstellfläche. Die Unterschränke erschließen Schubladen und Fächer, die teils aber weniger tief sind als vermutet.

Voll auf praktische Schubladen und Auszüge, teils mit variabler Einteilung, setzt hier der Dethleffs. Flexibler in der Nutzung machen die Küche auch die geteilte Kocherabdeckung und das klappbare Verlängerungsbrett am Einstieg.

Im ersten Moment pfiffig, in der Konsequenz aber nicht ganz durchdacht, erscheint dagegen sein Bad. Waschtisch und Toilettenbereich stehen nebeneinander und lassen sich bequem nutzen. Und um die Dusche aufzubauen, schwenkt das Waschbecken samt Spiegelwand zur Toilette hinüber, und es entsteht eine richtige Duschkabine mit eigener Armatur. Der Umbau gelingt allerdings nur vom Gang aus, und man fragt sich, wo man sich sichtgeschützt umziehen und während des Duschens die Kleidung trocken ablegen kann.

Das funktioniert im Chausson-Bad besser. Im Bereich der Toilette gibt es duschwassergeschützte Hänge- und Ablagemöglichkeiten. Dann zieht man einfach die Schiebetüren um sich herum und den Brausekopf aus der Waschbeckenarmatur heraus, und los geht’s.

Der Ärger folgt hier jedoch hinterher. Der Waschtisch samt zweier Spiegel duscht stets mit, und rund um das unverfugte Waschbecken kann das Wasser in die Ritzen dringen.

Die Preisdifferenz spricht klar für den Chausson Flash 617. Soll er in Sachen Ausstattung und optischem Auftritt aber mit dem Dethleffs Advantage T 6611 etwa auf Augenhöhe liegen, muss man die Welcome-Variante für 6400 Euro Aufpreis wählen. Ob man beim Chausson die 2700 Euro Preisvorteil des Ford gegenüber dem Fiat einstreicht, sollte man sich gut überlegen und dabei auch das auf Reisemobile spezialisierte Fiat-Camper-Servicenetz mit in die Waagschale legen. Bei der Entscheidung hilft zudem eine Probefahrt.

Die Zahnformel entscheidet mit

Die Leistung des Motors ist eine Sache. Die Abstufung des Getriebes entscheidet aber mit darüber, wie zügig ein Fahrzeug beschleunigt, wie schaltfaul es sich fahren lässt und am Ende auch über den Verbrauch. Das Ford-Getriebe ist deutlich länger übersetzt als beim Fiat, was die Drehzahl und damit theoretisch den Diesel-Konsum senkt. Da der Fahrer aber häufig zurückschalten muss, kann es zum Nachteil werden. Neben Aerodynamik und Gewicht wohl ein Grund für den höheren Testverbrauch des Chausson.

Die fetten Linien beschreiben den Beschleunigungsvorgang, wenn der Gangwechsel beim Erreichen der maximalen Motorleistung erfolgt. Klar zu sehen: Das weiter gespreizte Ford-Getriebe, bei dem der 5. Gang bereits länger übersetzt ist als der 6. beim Fiat.

Vergleichstest: Forster T 738 EB/Sunlight T 67/ Weinsberg TI 700 MEH

Foto

Christian Hass

Datum

4. März 2015
Dieser Artikel stammt aus Heft promobil 02/2015.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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