Alles über Weinsberg Weinsberg TI
Supercheck, Weinsberg TI 650 MEG 20 Bilder Zoom

Weinsberg TI 650 MEG im Test: Neu-Einsteiger

Zuwachs in der Günstigklasse. Weinsberg fordert Carado und Sunlight heraus. Wie schlägt sich der Weinsberg TI 650 MEG mit Einzelbetten? Erster Test.

Günstige Teilintegrierte waren lange Zeit eine Domäne italienischer und französischer Hersteller. Bis Sunlight und Carado den Plan fassten, mit einer gemeinsamen rationellen Fertigung der ausländischen Konkurrenz Paroli zu bieten. Nach ähnlichem Rezept – einfache Technik, geringe Individualisierung – trat zur Saison 2011 die neu positionierte Knaus-Tochter Weinsberg an. Offenbar kommt die verschlankte Marke an. Das Händlernetz umfasst mittlerweile 57 Servicebetriebe in Deutschland, Österreich und in der Schweiz.

Was ist dran am Erfolg? Zeit, dem Neuzugang in der Günstigklasse mal auf den Zahn zu fühlen. Im Supercheck: der Weinsberg TI 650 MEG mit den beliebten Einzelbetten.


Wohnen
Die Einzelbetten bieten guten Zugang, kosten aber auch Platz.
Der Anfang 2011 neu in das Teilintegrierten-Programm aufgenommene Weinsberg TI 650 MEG spricht mit seinen Einzelbetten vor allem Paare an, die auf einen bequemen Zu- und Ausstieg besonderen Wert legen. Diesen Anspruch löst der MEG anstandslos ein. Breite Stufen führen durch eine – allerdings etwas schmale – Gasse mitten ins Schlafabteil. Die Liegeflächen genügen selbst Großgewachsenen. Zwei Meter Länge und achtzig Zentimeter Breite sind für die Anordnung üppig.

Trotz ihrer hohen Einbauposition kann man auf beiden Betten bequem aufrecht sitzen. Lediglich unter den Hängeschränken ist die Kopffreiheit eingeschränkt. Der straffe Liegekomfort kommt vor allem schwereren Personen entgegen. Der Polsterbezugsstoff ist etwas steif. Ein elastischeres Tuch würde sich dem Körper besser anpassen. Zwei LED-Leselampen sorgen für eine sehr intime, regelrecht schummrige Beleuchtung. Neben der Dachhaube gibt es im Weinsberg TI 650 MEG nur auf der rechten Seite ein Fenster.
Mit Hilfe eines Bretts und zwei Polsterstücken lässt sich eine fast vier Quadratmeter große, nicht ganz plane Liegewiese bilden. Dann erfolgt der Einstieg über eine stabile Holzleiter mit breiten Stufen. Die Umbaumöglichkeit wirkt etwas improvisiert. Jedes Mal muss man das unhandliche Brett und das vordere Polster wieder verstauen, wofür sich eigentlich nur die Heckgarage anbietet.

Eine weitere Schlafmöglichkeit gibt es nicht. Die Sitzgruppe lässt sich auch optional nicht zum Bett umbauen. Insgesamt vier Personen bieten leicht drehbare Vordersitze und Rücksitzbank Platz. Für Mitfahrer in der zweiten Reihe kann der Tisch sicherheitshalber abgesenkt werden. An die Handhabung des standstabilen, am Boden fixierten Metallgestells gewöhnt man sich schnell. Um auch den Beifahrersitz des Weinsberg TI 650 MEG in die Runde einzubinden, ist der Tisch um knapp 30 Zentimeter verlängerbar.
Zwei kleine Spots und eine Deckenlampe verhindern nicht, dass es abends und nachts an der Sitzgruppe ziemlich dunkel bleibt. Dank moderner LED-Technik ist die Beleuchtung aber auch sparsam. Blickdicht verdunkeln lässt sich das Fahrerhaus schnell und unkompliziert mit einem Vorhang.
Die Küche gefällt mit einer angenehmen Arbeitshöhe. Der Dreiflammkocher und eine flache Spüle mit labiler Armatur sind in einer Edelstahlwanne zusammengefasst und von oben gut ausgeleuchtet. Darum herum gibt es etwas Abstellfläche. Zum Gemüseschneiden weicht man jedoch besser an den nahe gelegenen Tisch aus. Zwei Steckdosen mit 12 und 230 Volt hält die Küche des Weinsberg TI 650 MEG bereit. Letztere ließe sich etwas höher platziert auch bei aufgeklappter Spülenabdeckung nutzen.

Stauraum ist reichlich vorhanden. Nicht jeder Bereich der tiefen Unterschränke ist jedoch gleichermaßen gut zugänglich – Schubladen oder Auszüge wären da praktischer. Schwere Töpfe sollten nicht zu heftig mit dem ungeschützten Heizungsrohr in Berührung kommen. Optional gibt es einen großen, hochgesetzten Kühlschrank. Das Gefrierfach ist mit nur zwei Teilen vom Kühlraum abgetrennt. Zieht man sie heraus, kann der Raum dem normalen Kühlvolumen zugeschlagen werden.
Trotz seiner kompakten Maße überrascht das Bad des Weinsberg TI 650 MEG mit guter Bewegungsfreiheit. Das Eckwaschbecken ist sogar zum Haarewaschen zwischendurch groß genug. Der ausziehbare Wasserhahn dient dabei auch als Brause. Die großen Spiegel reichen bis zum Becken hinunter. Deshalb muss man häufiger mal Wasserspritzer abwischen. Ein zweitüriger Hängeschrank und ein Unterschrank reichen für die Hygieneartikel eines Paares. Beim Zähneputzen freut man sich zudem über die praktische offene Ablage.

Die Dusche trennt man wie ehedem mit einem Vorhang ab. Zwischen den Enden bleibt allerdings ein breiter Schlitz, durch den Wasser auf Möbel und Badtür spritzt. Zwei bis drei Klettverschlüsse würden Abhilfe schaffen. Dass die Wanne über dem Radkasten erhöht ist, schränkt den Fußraum kaum ein. Durch zwei Abläufe fließt das Wasser schnell ab. Außerdem freut man sich im Urlaub über die nützliche Accessoires des Weinsberg TI 650 MEG wie Handtuchhaken und Klorollenhalter. Der Belüftung dient eine kleine Dachhaube.

Beladen
Für Paare gibt es reichlich Stauraum und viel Zuladung. 
Der Kleiderschrank des Weinsberg TI 650 MEG befindet sich unter dem Fußende des linken Betts. Gegenüber, an gleicher Stelle gibt es ein großes, unterteiltes Fach. Beide Abteile sind nicht beleuchtet. Trotz großer Schiebetüröffnungen sind die Zugänge durch die tiefe Einbauposition erschwert. Eine tiefe Verbeugung oder zumindest ein Kniefall ist fällig, um an Hemden, Jacken und andere Fracht zu kommen.

Fünf Hängeschränke stehen für weiteres Gepäck zur Verfügung. Das ist bei fast sieben Meter Gesamtlänge nicht üppig. Paare dürften jedoch zurechtkommen. Die langen, offenen, schlicht ausgeführten Ablagen längs der Heckbetten bieten sich an, um dort Bettlektüre, Lesebrille und Wecker zu deponieren, zum Transport während der Fahrt sind sie jedoch kaum geeignet. Dort Abgelegtes verteilt sich schon in den ersten Kurven über die Matratzen.

Ein großes Plus des Weinsberg TI 650 MEG ist seine gut nutzbare, beleuchtete Heckgarage. Serienmäßig ist eine ausreichend dimensionierte Tür auf der rechten Seite. Auf der linken gibt es für einen geringen Aufpreis eine empfehlenswerte zweite Öffnung. Zum Fixieren von Fahrrädern sind die zwei Zurrösen etwas wenig. Ein abgeteiltes großes Fach in der Mitte ist durch den hochgeklappten Tritt zwischen den Betten auch von innen zugänglich.
Die ungewöhnlich lebhafte Maserung des Dekors im Weinsberg TI 650 MEG verleiht dem Mobiliar einen gewissen Pepp. Mit dem ansonsten schnörkellosen Erscheinungsbild geht eine solide Machart einher. Die Kanten von Klappen und Türen sind durch Maschinenumleimer vor Beschädigungen sicher. Metallscharniere und Drucktastenschlösser machen ebenfalls einen soliden Eindruck. 

Technik
Technisch bietet der Weinsberg TI 650 MEG nicht weniger als teurere Mobile.
Trotz der markant grauen Anbauteile wirkt der Aufbau des Weinsberg-Teilintegrierten relativ schlicht. Mit Aluminium-Außenhaut, Styropor-Isolierung sowie Wandverstärkungen und Boden aus Holz ist die Kabine konventionell aufgebaut. Statt eines GfK-Formteils wie bei vielen Teilintegrierten überdeckt das weit nach vorn gezogene Sandwichdach das Fahrerhaus. Auf der Innenseite klebt hier ein Filzteppich, der neben der angrenzenden folierten Sperrholzbeplankung etwas deplatziert wirkt.

Für die Teilintegrierten-typische Außenoptik sorgen tiefgezogene Anbauteile aus Kunststoff. Deren mäßige Passform und Steifigkeit zeugen wie sichtbare Verschraubungen von rationeller Bauweise. Dass statt stabilerer Rahmenfenster vorgehängte Scheiben eingesetzt werden, ist auch in höheren Preisklassen durchaus üblich, solide Metallschürzen wie die von Weinsberg verwendeten hingegen nicht.

Sauber vorgenommen sind die Installationen. Am Wagenboden verlegte Kabel verlaufen durchweg geschützt in Kunststoffkanälen. Ladegerät, Batterietrennschalter und Sicherungen finden sich gut zugänglich hinter einer Klappe unter dem Kühlschrank. Die Beleuchtung des Innenraums im Weinsberg TI 650 MEG ist etwas spärlich. Frischwasser fließt durch stabile Rohrleitungen. Der Tank in der Sitztruhe lässt sich nur über einen innenliegenden Stöpsel entleeren, was jedes Mal einen wenig hygienischen und umständlichen Griff ins Wasser erfordert. Der Grauwassertank hängt – gegen Aufpreis isoliert – am Wagenboden zwischen den Achsen. Den Ablasshahn hinter den Schürzen muss man fast blind ertasten.

Die Gasflaschen stehen in einem Kasten in der Heckgarage. Dank großer Tür klappt der Wechsel problemlos. Die übliche Kombi-Heizung versorgt Küche und Bad mit Warmwasser und den Wohnraum über acht Ausströmer recht gleichmäßig mit Warmluft. 

Fahren
Der TI mag flotte Gangart, die Insassen das leise Geräusch. 
Der optionale 130-PS-Motor kommt mit dem langen, aber leichten Weinsberg TI 650 MEG bestens zurecht. Mehr Leistung ist hier überflüssig. Auf der Autobahn marschiert der Ducato stoisch geradeaus, in Kurven macht der Teilintegrierte dank breiter Hinterachsspur und tiefem Schwerpunkt eine gute, fast schon sportliche Figur. Die Federung informiert die Insassen präzise und trocken, aber keineswegs unnachgiebig über den jeweiligen Fahrbahnzustand.

Dennoch hält sich das Geräuschniveau beim Fahren in moderaten Grenzen – sofern man die scheppernde Kocherabdeckung mit einem zwischengelegten Schwamm- oder Geschirrtuch zum Schweigen bringt. Möbelklappern oder Aufbauknarzen sind dagegen kaum wahrnehmbar. ABS und Fahrerairbag gibt es serienmäßig, der rettende Luftsack für den Beifahrer kostet wie auch anderswo üblich extra. Das Stabilisierungsprogramm ESP ist jedoch weder für Geld noch gute Worte zu haben – unzeitgemäß.


Preise
Der Weinsberg TI 650 MEG ist ein einfaches Mobil zu fairen Konditionen. 
Den niedrigen Grundpreis von 38.120 Euro relativiert der reduzierte Serienumfang nur bedingt. Das gilt in puncto Technik und Ausstattung und ebenso bezüglich der geringen Auswahl an Sonderausstattung. Auch praxisgerecht ausgestattet bleibt der TI 650 MEG einer der günstigsten Teilintegrierten, die es in Deutschland zu kaufen gibt. Carado, Sunlight, Chausson und Co. ist Weinsberg jedenfalls dicht auf den Fersen. Kunden, auch Wohnmobilneulinge, die gezielt nach einem günstigen Mobil suchen, werden in Kauf nehmen, dass sie beim einen oder anderen Punkt Abstriche machen müssen. Urlaub macht auch mit einem Günstigmobil Spaß.

Die Baureihe: Weinsberg TI

Preise: 37.120 - 40.120 Euro
Basis: Fiat Ducato
Längen: 5,99 - 7,43 m
Gesamtgewicht: 3500 - 3850 kg
Modelle: Fünf Teilintegrierte bietet Weinsberg an: drei Modelle mit Querbett, eines mit Einzel- und eines mit Queensbett. Eine Garage haben alle. Die beiden Top-TI 700 MG und MX besitzen ein großzügiges Raumbad.

Supercheck: Concorde Carver 791 L

Foto

Konstantin Tschovikov

Datum

13. Mai 2011
Dieser Artikel stammt aus Heft promobil Dezember/2010.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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