Alles über Frankia
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Der Frankia I 6800 BD im Test: Reifeprozess

Vom Wandel als beständigem Begleiter kann auch die Marke Frankia berichten. Wie viel Innovation steckt im neuen Integrierten auf Mercedes mit Alko-Fahrgestell?

Um Ideen war man bei Frankia nie verlegen. Zwar ging über manche Lösung die Zeit hinweg, andere bewährten sich dagegen, wurden peu à peu auch von anderen Marken übernommen. So oder so mehrten sie den Frankia-Ruf einer pfiffigen Ideenschmiede, bei der technik- und detailverliebte Reisemobilisten auf ihre Kosten kommen. Der Supercheck prüft den aktuellen Reifegrad am Beispiel des I 6800 BD.

Frankia lockt mit seinem einzigartigen Baukastensystem – fast alles ist miteinander kombinierbar. Beim lustvollen Auswählen sollte man aber die Grenzen des Chassis nicht übersehen und lieber zur tragfähigeren Variante greifen. Weiter auf der Habenseite stehen die solide Aufbautechnik und clevere Detail­lösungen wie das Raumbad, die geteilte Heckgarage und die Zentralversorgung für die Bordtechnik, die in heutiger Ausführung rundum überzeugen können. Andere Ideen, wie etwa der Schiebetisch, dürfen noch ein wenig reifen.

In puncto Fahrgestell heißt die Alternative Fiat Ducato oder Mercedes Sprinter. Beiden gemein ist der Einsatz eines Alko-Tiefrahmens, der den Aufbau des Frankia-typischen Doppelbodens bei moderater Außenhöhe zulässt.

Im Falle des heckgetriebe­nen Sprinter ist diese Lösung jedoch relativ kompliziert. Mer­ce­des entwickelte dafür eine spe­zielle Hinterachskonstruktion mit Einzelradaufhängung und Schraubenfedern, die an den Alko-Rahmen montiert wird. Beim weiteren Aufbau muss dabei der Verlauf der Kardanwel-le berücksichtigt werden, was der durchgängigen Bodenplatte des Frankia nicht nur übliche Radkastenbuckel, sondern auch noch vorne mittig einen Längs­tunnel verordnet.

Das stört die Nutzung des Doppelbodenfachs beim I 6800 BD zwar ein wenig, bleibt ansonsten aber die einzige Einschränkung, die der Heckantrieb mit sich bringt. Auf der an­deren Seite gefällt die Mer­ce­des-Basis mit guter Traktion, kul­tiviertem Top-Motor, einem echten Automatikgetriebe, hoch­wertiger Cockpitanmutung, fein­fühliger Lenkung und Federung. Der Testwagen bediente sich der 150-PS-Serienmotorisie­rung kombiniert mit der Fünfgang-Automatik. Das genügt für gemütliches Cruisen.

Wirklich souveräner Vortrieb bleibt aber dem deutlich teureren Sechszylinder vorbehalten, der 60 Kilogramm mehr wiegt. Schon aus diesem Grund sollte mit Bedacht gewählt werden. Der Testwagen mit rund 270 Kilo Extras an Bord bot an der Vorderachse und insgesamt kaum noch Zuladungsreserven und ist damit gerade noch für zwei Personen geeignet. Besser fährt man mit der neuen 4,2-Tonnen-Variante, die Frankia zum moderaten Aufpreis von 640 Euro anbietet. Erste Exemplare sollen demnächst lieferbar sein.

Die Kantenstöße sind über Alu-Profile miteinander verklebt. Auf der Bodenplatte baut sich das 35 Zenti­meter hohe Kellergeschoss aus Alu-Vier­kantrohren und dem Sperrholz-Fußboden auf.

Die Fahrzeugfront besteht aus einem großen GfK-Formteil, ergänzt vom einteiligen Stoß­fänger, der Motorhaube aus gleichem Material und dem abnehmbaren Grill. Die Demon­tage kann für Wartungsarbeiten hilfreich sein, der Zugang zur Motoroberseite bleibt aber relativ eng. Die kleinen Servicearbeiten lassen sich immerhin akzeptabel ausführen.

Passablen Rundumblick gewährt die einscheibige Fahrerhaus­ver­gla­sung. Die hängenden Außenspiegel sind gut einsehbar. Ihre Hauptspiegel sind elektrisch einstellbar, die Weitwinkelteile manuell.
Fahrer- und Aufbautür sind von ähnlicher, solider Machart und mit zwei Schlossfallen und gleichen Öffnungshebeln ausgestattet.

Die S5-PU-Rahmenfenster von Seitz gehören zum optionalen Komfortpaket, Serie sind S4-Fenster mit einfacheren Rollos. Solide wirken die Scharniere der 13 Außenklappen und -türen. Nach welchem Muster Frankia allerdings elegante Griffplatten- und fummelige Drehknebelschlösser verteilt, bleibt undurchsichtig.

Die Seitenschürzen aus Alu haben Neh­merqualitäten. Die Antriebseinheit hält sich unterwegs vornehm zurück. Auf schlechter Straße regt sich jedoch ein vielstimmiges Ensemble von Klapper- und Sirr­geräuschen, vornehmlich besetzt mit Verkleidungsteilen.

Mit einem geübten Handgriff lässt sich die kleine Tischplatte um ein unter der Hauptplatte gelagertes Zusatzstück erweitern. Das ist auch notwendig, will man mehr als Aperitif und Hors d’œuvre darauf kreden­zen. Der besondere Clou des Tischs ist aber seine Lagerung in Bodenschienen, die eine freie Platzierung bis ins Fahrerhaus hinein zulässt, etwa um bei einer kleinen Pause einen Imbiss einzunehmen. Insgesamt könn­te der Tisch mehr Standfestigkeit vertragen, eine unverrückbare Variante gibt es wahlweise, dann aber ohne die Umbaumöglichkeit zum Bett.

Bett oder nicht Bett ist auch die Frage im Fahrerhaus. Wer Schränke einbauen lässt, verzichtet auf eine vergleichsweise komfortable Schlafstatt. Einhängeleiter, bequeme Kaltschaummatratze auf Lattenrost, üppige Kopffreiheit und reichlich Ablagen auf beiden Seiten schlagen positiv zu Buche. Unruhige Schläfer und Kinder könnten allenfalls das Fehlen eines Herausfallschutzes bemängeln.

Ähnlich ansprechend gestaltet sich auch das Heckbett. Sein besonderer Vorzug ist die Liegelänge mit Gardemaß. Zugunsten einer besseren Luftzirkulation mit umlaufendem Heizungsrohr könnte man sogar auf ein paar Zentimeter verzichten. Der Möbelbau ist klassengerecht und weitgehend unauffällig.

Drucktastenschnäpper an den geschwungenen Hängeschrankklappen sorgen für sichere Bedienung. Die fein ziselierten Scharniere der Küchenschranktüren sitzen allerdings in Bohrungen, die an die Spuren von Nagetieren erinnern. Stauraum bieten die Schränke, Sitztruhen und Fächer in groß­zügigem Maß und vielfältiger Form.

Wegen des integrierten Kühlschranks ist der Stauraum allerdings nicht so üppig. Um die Tür des neuen Dometic-100-Liter-Aggregats zu öffnen genügt ein Griff. Leicht bedien- und ablesbar ist zudem das Display, allerdings schaltet man bei der Küchenarbeit schon mal ungewollt die Betriebsart um.

Reine Arbeits- und Abstellfläche gibt es auf dem Küchenblock nicht sehr viel. Lässt man ein Becken der Doppelspüle abgedeckt, wächst der Platz aber deutlich. Die Abdeckbrettchen lassen sich zudem als Schneidebrett nutzen oder können in eine Alu-Schiene eingehängt und als praktische Anrichte eingesetzt werden.

Die großzügig bemessenen Wassertanks ruhen ebenso im beheizten Keller. Befüllt und entleert werden sie über fest angeschlossene Schläuche, die zur empfehlenswerten, optionalen Zentralversorgung gehören, genauso wie eine Kabeltrommel samt Bodendurchlass.

Und wenn mal kein Wasserhahn greifbar ist? Auch daran hat man gedacht. Für die Gießkanne gibt es einen separaten Einfüllstutzen – auch so eine praktische Idee à la Frankia.

Bei Frankia kann der Kunde wählen, je nach Bedarf und Grundrissvariante, ein, zwei oder drei Gurtplätze an der Sitzgruppe zu haben. Bei der L-Bank links gibt es eine gurtlose Kuscheleckvariante, die bei Bedarf (siehe Testwagen) mit einem Einzelgurt ausgestattet werden kann. Alternativ steht die Eckbank mit zwei regulären Fahrplätzen zur Wahl.

Die Seitenbank rechts wird auf Wunsch kürzer ausgeführt und mit Gurt und zwei Armauflagen ausgestattet, die beim Umbau zusammengesteckt als Rückenlehne dienen.

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Foto: Regenscheit / Bartosch

Datum

18. Januar 2008
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