Supercheck, Dethleffs Esprit I 7010 20 Bilder Zoom

Dethleffs Esprit I 7010 im Test: Von der Schokoladenseite

In Schokoladenbraun geht der Dethleffs Esprit I zum Günstig-Tarif an den Start. Wie ist der Mittelklasse-Integrierte I 7010 mit dem ungewöhnlichen Grundriss einzustufen - Vollmilch oder Zartbitter?

Nicht gerade quadratisch, aber hoffentlich praktisch und gut: Gefällig und weniger polarisierend als sein Vorgänger macht der Dethleffs Esprit I mit schokoladenfarbigem Lack Lust auf die Süße des Reisens. Prompt führt die erste Ausfahrt nach Waldenbuch bei Stuttgart zu Ritter Sport. Die Fassade des Schokoladenmuseums trägt prompt die gleiche Farbe wie der Test-Esprit - nichts wie her mit dem Erinnerungsfoto.

Es handelt sich um das Modell 7010, wie alle Esprit I auf Fiat Ducato aufgebaut. Stolze 7,39 Meter ist er lang und wird serienmäßig dennoch als 3,5- Tonner ausgeliefert. Ob das funktioniert, macht den Supercheck mindestens genauso spannend wie der ungewöhnliche Grundriss mit Einzelbetten und großem Bad quer im Heck.

Wohnen

Die Geschlechtertrennung vollzieht der 7010 konsequent. Wegen des Durchgangs zum Bad lassen sich die Einzelbetten nicht miteinander verbinden. Das rechte Bett ist mit gut zwei Meter eine Handbreit länger als das linke, aber etwas schmaler. Beide Liegen sind sehr gut zugänglich, trotz ihrer etwas erhöhten Position. Die Unterlüftung funktioniert dank Lattenrost einwandfrei. Der Liegekomfort stellt zufrieden, ein wenig geschmälert durch die Matratzenbezüge aus steifem Polsterstoff. Ein anschmiegsameres, nicht so knitterempfindliches Doppeltuch ohne Nähte auf der Liegefläche wäre die qualitativ bessere Wahl. An Fuß- und Kopfende befinden sich versetzbare Halogenspots. Mit einem dünnen Vorhang lässt sich der Schlafbereich vom Wohnraum abtrennen.

Auch der Bezug der Hubbettmatratze ist recht steif. Doch man ruht kommod - auf zehn Zentimeter Schaum und einem Lattenrost. Die Liegefläche ist für ein Hubbett großzügig, die Abschrägungen zur Frontscheibe hin fallen kaum ins Gewicht. Die Kopffreiheit reicht, um am Matratzenrand soeben noch aufrecht zu sitzen, vor allem unter dem Dachfenster. Beim Aufstieg hilft eine Aluminiumleiter. Ihre Sprossen sind für nackte Füße aber recht schmal. Die beiden LED-Leselampen lassen sich nur gemeinsam an- und ausknipsen. Ein niedriges Fangnetz ist vorhanden. Während der Fahrt hält die Mechanik das Bett sicher und ruhig an der Cockpitdecke.

Die Pilotensitze sind fix gewendet, der Wohnbetrieb rund um den in zwei Richtungen verschiebbaren Tisch kann beginnen. Neben dem Einstieg lädt ein breiter Seitensitz ein und gegenüber eine gemütliche Sitzbank in L-Form. Zum Sitzen ist deren Längsschenkel nicht tief genug, zum Hochlegen der Füße aber gerade recht. Der Schenkel lässt sich abbauen, damit zwei Passagiere in zweiter Reihe angegurtet Platz finden. Auf großer Fahrt freuen sich Mitfahrer über die gute Sitz-Ergonomie der profilierten Lehnen.

Das geräumige Fahrerhaus lässt sich mit Plissee-Vorhängen zuverlässig verdunkeln. Gleiches gilt für die Rahmenfenster mit ihren Kombirollos. Den 7010 kennzeichnet sein großzügiges Raumgefühl. Von vorn schweift der Blick ungehindert nach hinten bis zur Badtür, ohne dabei an hohen Stehwänden hängenzubleiben.
An der Küche erkennt man den typischen Dethleffs. Die praktische Kocherabdeckung kompensiert den Mangel an Arbeitsfläche. Die Segmente klappen separat auf und zu, je nachdem, wie viele Flammen man braucht. Piezozündung und große Regler an der Frontseite erfreuen Köche. Dank Extra-Ablauf ist der Kocher gut zu reinigen. Stauraum gibts reichlich in den breiten Schubladen, einem Korbauszug und vier Oberschränken. Vier Spots leuchten den Arbeitsbereich aus. Der Kühlschrank sitzt erhöht im Möbelschacht gegen-über. Wer mehr als 100 Liter Inhalt wünscht, zahlt extra.

Quer im Heck platziert Dethleffs das Bad. Diese Anor-d-nung führt zwar zu mehr Außenlänge, aber sie kommt den Platzverhältnissen im Sanitärraum sehr entgegen. Rechts der breiten Tür befindet sich eine große Duschkabine, die je-doch mit Stehhöhe geizt. Um sich von Kopf bis Fuß abzubrausen, muss man die Brause in die Hand nehmen; die Stange ist nicht hoch genug.

Die Kunststoff-Wände der Kabine sind nicht verfugt, aber überlappend eingebaut. Zwei Plexiglastüren trennen die Kabine ab. Die hohe Duschwanne besitzt zwei Abläufe. Dunst zieht durch eine Dachhaube und das Heckfenster ab. Das Fenster duscht jedoch immer mit. Außerdem ist es zwar mattiert, lässt sich allerdings nicht verdunkeln.

Das samt Unterschrank verschiebbare Waschbecken schafft bei Bedarf Platz in dem niedrigen Toilettenraum. Von den drei offenen Ablagen abgesehen, sieht es mit Stauraum im Bad etwas mau aus.

Beladen

Der vom Bad aus zugängliche, hohe Kleiderschrank dürfte meist mit Hemden und Jacken belegt sein. Eine extra Lampe erübrigt sich, weil einer der Spots im Bad den geöffneten Schrank gut erhellt. Geschlossen dient die Tür als großer Ankleidespiegel.

Mangel an Stauraum werden 7010-Fahrer kaum beklagen. Etliche Hängeschränke nehmen es mit dem Gepäck von zwei bis vier Personen locker auf. Unter dem Kühlschrank gibt es drei sehr praktische Schubladen. Im Boden finden sich zwei abgesenkte Fächer. Und dann sind noch nicht mal die Bettkästen in Anspruch genommen, die von oben durch die hochklappbaren Lattenroste gut zugänglich sind. Einer von beiden lässt sich auch von außen erreichen; allerdings nur durch eine kleine Klappe.

Eine Garage fehlt; Fahrräder müssen bei diesem Grundriss ans Heck. Platz für Keile, Kabeltrommel und Co. findet sich dennoch in einem flachen Fach unter dem Heck. Indes ist es nur von einer Seite zugänglich. Wenn da mal was ans andere Ende rutscht ... Eine Lampe zur Beleuchtung des tiefen Fachs wäre von Vorteil.
Wer den langen 7010 als 3,5-Tonner ordert, muss sich über eine eng begrenzte Zuladung im Klaren sein. Prinzipiell kann der getestete I 7010 vier Personen beherbergen. Dies erfordert jedoch mindestens eine optionale Auflastung auf 3,7 Tonnen. Damit ist der Norm genüge getan, die jedem Passagier zehn Kilogramm Gepäck und 75 Kilo Eigengewicht zugesteht  - die Realität sieht häufig anders aus. Der Aufpreis beträgt 405 Euro ohne technische Änderungen.

Der Verzicht auf Extras - beim Testwagen weit über 200 Kilogramm - brächte Besserung, hieße aber auf Komfort und Sicherheit zu verzichten. Wer auf der ganz sicheren Seite sein will, muss zum Maxi-Chassis des Fiat Ducato greifen. Neben einer hohen Nutzlast bringt es größere Bremsen mit.

Technik

Um Gewicht zu sparen, verzichtet Dethleffs beim neuen Esprit auf einen Doppelboden und setzt den Aufbau auf einen Alko-Hochrahmen. Trotz gefälliger Optik handelt es sich um eine konventionell aufgebaute Kabine, die Sandwich-Wände sind mit Styropor isoliert. Die farbigen Außenwände haben optisch nicht nur Vorteile: Wellen in der Aluminiumhaut, sie stammen teils von den Holzverstärkungen, zeichnen sich beim braunen Esprit deutlich ab.
Ein Makel, an dem auch die gekonnte Verarbeitung und die passgenauen Anbauteile nichts ändern. Qualitativ hochwertig wirken die stabilen Metallschürzen und Rahmenfenster, Bestandteile des Luxus-Pakets. Die Bugmaske fügt sich formschlüssig an den Aufbau. Nicht ganz akkurate Silikonfugen dichten die Frontscheibe oben und seitlich ab. Durch die optionale Fahrertür lässt sich das Cockpit bequem entern. Auch beim Tankstopp freut man sich über die breite Pforte.
Mit schicken Chromstreifen auf den Schrankklappen macht das Mobiliar optisch ebenfalls einiges her. Die Konstruktion ist solide, aber dennoch relativ schlicht, wie die einfachen Folienumleimer belegen.

Die Beleuchtung setzt auf einen Mix aus Halogenspots und Strom sparenden LED-Lampen. Frischwasser fließt - von einer offen im Bettkasten installierten Druckpumpe befördert - durch trinkwasserechte Leitungen zu den Zapfstellen. Der Abwassertank hängt unterflur auf der Höhe der Hinterachse. An der Installation der Gasanlage gibt es nichts zu meckern. Die Gasflaschen stehen sehr gut zugänglich in einem abgesenkten Kasten unter dem Seitensitz. Die Heizung verteilt die Wärme etwas hecklastig. Vorn im Fahrerhaus mit seinen großen, unisolierten Glasflächen bleibt es trotz etlicher Ausströmer eher kühl.

Fahren

Die Frontscheibe präsentiert die Urlaubswelt im Breitbandformat. Irritierend nur, dass die Scheibenwischer beim Testwagen diagonal im Blickfeld stehen blieben, statt in ihre zugewiesene Ausgangsposition am unteren Scheibenrand zurückzukehren. Die Sicht in Kurven wird weniger durch A- und B-Säulen als durch die großen Außenspiegel eingeschränkt. Den rückwärtigen Bereich samt totem Winkel behält man indes dank großer Spiegelflächen und Weitwinkelfelder im Blick. Gut so, denn der Fahrer sollte den langen Hecküberhang im Auge behalten.
Zwar ist der Fiat Ducato kein Muster an sänftengleichem Fahrkomfort, aber der Fahrer kann ihn andererseits sicher und unproblematisch dirigieren. Auf trockener Bahn lässt auch die Traktion nichts zu wünschen übrig. Zumal der 2,3-Liter-Diesel die Reifen kaum an die Haftungsgrenze bringt. Die Motorleistung von 130 PS genügt, um im Esprit I 7010 entspannt und gar nicht langsam unterwegs zu sein.

Preise

61 128 Euro Grundpreis sind für einen stattlichen Integrierten sehr attraktiv. Allerdings sind etliche Tausender zu investieren, bis der Esprit als komplett gelten kann. Airbags kos-ten ebenso Aufpreis wie das Hubbett und die Fahrertür. Der Ausstattungsgrad ist eine Frage des persönlichen Geschmacks und Budgets. Bei 100 Serien-PS für einen 7,39 Meter langen Integrierten darf man aber schon die Stirn runzeln. Der kalorienreiche Dreilitermotor muss es ja nicht unbedingt sein. Auch ohne ihn ist der Schoko-Esprit zwar nicht quadratisch, aber durchaus praktisch und gut.

Die Baureihe: Esprit I

Preise: 60.128 - 61.128 Euro
Basis: Fiat Ducato
Längen: 7,14 - 7,49 m
Gesamtgewicht: 3500 - 4250 kg
Modelle: Sieben Modelle zählt die Esprit-Baureihe. Darunter zwei Längs-, zwei Quer- und zwei Einzelbettenmodelle sowie eines mit Queensbett. Selbst die kürzeren Varianten messen über sieben Meter in der Länge.

Supercheck: Concorde Carver 791 L

Foto

Konstantin Tschovikov

Datum

26. April 2011
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