Dauertest: Carthago 27 Bilder Zoom

Dauertest Carthago C-Tourer I 143: Wachablösung

Der C-Tourer ist eine der günstigsten Möglichkeiten, einen Carthago zu fahren. Zum Dauertestabschluss zieht promobil Bilanz, ob er das Qualitätsversprechen der Oberklassemarke einzulösen vermag.

So intensiv genutzt wurde noch selten ein Dauertestwagen der promobil-Redaktion. Ob auf Reiserecherche, für den Einbau von Zubehör, eiligen Terminfahrten oder auf strapaziösen Teststrecken - der Carthago war ständig unterwegs. Der C-Tourer I 143 war als Reisebegleiter beliebt, weil er es allen leicht machte. Selbst Anfänger kamen mit ihm relativ schnell zurecht.

Sicher ein Verdienst des handlichen Fahrverhaltens und der guten Übersichtlichkeit. Aber auch die kompakte Länge spielt da mit hinein - weniger als sieben Meter trotz Einzelbetten-Grundriss ist bemerkenswert. So brachte es der C-Tourer in Redaktionsdiensten auf fast 40.000 überwiegend störungsfreie Kilometer. Freilich in etwas mehr als einem Jahr. Denn weil der Carthago gerne noch für weitere Projekte genutzt wurde, drehte er über den Sommer hinweg sozusagen eine Ehrenrunde - während der nächste Dauertester bereits zur Wachablösung antrat.

Holpriger Teststart des Carthago C-Tourers I 143

Das C-Tourer-Exemplar, das Carthago promobil für den Dauertest zur Verfügung stellte, stammte aus einer frühen Produktionsphase und war mit einigen Mankos behaftet. Doch das ging nicht nur der Redaktion so, sondern auch anderen C-Tourer-Fahrern, wie die fast 30 eingesandten Erfahrungsberichte dokumentieren - für die wir uns an dieser Stelle herzlich bedanken wollen.

Beginnend mit den ersten Auslieferungen im Januar 2012 lässt sich daran klar verfolgen, dass die Zuschriften mit den längsten Mängellisten von Exemplaren aus dem ersten halben Jahr stammen. Ab dem zweiten Modelljahr griffen erkennbar erste Verbesserungsmaßnahmen in Konstruktion und Produktion. Davon profitierte bei einem Werksaufenthalt im Herbst auch der Dauertestwagen. So wurden auch die offenen Ablagen über den Betten in praktischere Hängeschränke verwandelt.

Fahrkomfort: Gute Übersichtlichkeit, Schwächen in der Federung

Von der guten Übersichtlichkeit, die der C-Tourer I von den Chic-Integrierten geerbt hat, war bereits die Rede. Ganz uneingeschränkt gilt dieses Urteil aber nicht. Seitlich nach vorn in eine Kreuzung oder Kurve hinein, wird der Blick von den breiten A- und B-Säulen und dem wuchtigen Spiegel behindert, wie Redaktion und einige Leser kritisieren. Seit dem Modelljahr 2013 kommt ein etwas schmalerer Spiegel zum Einsatz, der zudem einen verstellbaren Weitwinkelteil aufweist. Leider ist er für ältere Exemplare nicht nachrüstbar.

Ein Thema, das ebenfalls nicht nur die Redaktion, sondern auch viele Besitzer beschäftigt, ist das Fahrwerk. Der C-Tourer liegt zwar einerseits satt auf der Straße, lässt aber andererseits ein wenig an Federungskomfort vermissen. Der Aufbau sinkt zudem an der Vorderachse deutlich tiefer ein, als an der Hinterhand.

Der Einbau einer längeren Vorderachs-Schraubenfeder brachte in beiderlei Hinsicht Besserung, wie auch Leser Manfred Faber bestätigt, der den Umbau ebenso vornehmen ließ.

Marderangriffe, Steinschläge und Verbräuche

Der Fiat als Basisfahrzeug machte im Dauertest insgesamt wenig Probleme. Nach rund 4700 Kilometern meldete sich zwar erstmals die Motorkontrollleuchte, erlosch aber später wieder ohne erkennbare Beeinträchtigung. Beim vorsorglichen Werkstattbesuch fand sich kein Hinweis im Fehlerspeicher. Nach weiterer Beobachtung ließ sich dann ein Zusammenhang zu längerem Motorbetrieb im Leerlauf erkennen, etwa bei Stau auf abschüssiger Strecke. Im Winter ließ dann die rot aufleuchtende Batteriekontrollleuchte Unheil befürchten - obwohl auch hier keine Auswirkung auf den Motorbetrieb zu erkennen war. Der Meister der konsultierten Fiat-Werkstatt kannte indessen sofort die Ursache.
Sein Kommentar: „Marder mögen dieses Kabel, mit dem die korrekte Ladung der Starterbatterie überwacht wird, wohl besonders.“ Das kann auch Leser Franz Leszinski bestätigen. Der Austausch der Leitung kostete beim Dauertestwagen 110 Euro.

Ein weiterer Schaden durch Fremdeinwirkung wurde bei Kilometer 20719 im Fahrtenbuch vermerkt: Ein Steinschlag in der Frontscheibe. Ansonsten spulte der 130-PS-Ducato sein Pensum Kilometer für Kilometer ab. Einmal eingefahren, verflog auch die Enttäuschung mancher, dass nicht der nächststärkere 148-PS-Motor unter der Haube steckte.

Der Carthago C-Tourer I 143 lief wirklich gut, was vermutlich auch einer günstigen Aerodynamik zuzuschreiben ist. So wurde der Testwagen meist eher zügig bewegt. Im Schnitt über die gesamte Testdistanz konsumierte er 11,9 Liter Diesel pro 100 Kilometer. Mit zurückhaltendem Gasfuß war es aber durchaus auch möglich, eine Zehn vor dem Komma zu erreichen.

Wie hochwertig ist der C-Tourer Aufbau tatsächlich?

Vom Aufbau erwarteten Leser wie Redaktion eine hohe Stabilität und Qualität. Als ein Indiz dafür gilt das Fehlen von Klapper- und Knarzgeräuschen. Und tatsächlich loben nicht wenige der Leser die angenehme Ruhe, auch der Dauertestwagen bestätigte dies.

Zumindest anfangs, denn inzwischen muss er den Strapazen des Dauerbetriebs doch ein wenig Tribut zollen. Bei einer gründlichen Revision ließe sich manches Geräusch aber auch sicher wieder abstellen. Zum Aufbau gehören auch Türen und Klappen – eine häufige Problemzone, nicht nur beim C-Tourer. Beim Dauertestwagen waren es vor allem die Aufsteller der Aufbau- und der Garagentür, die Ärger machten. Letzterer riß gleich zweimal ab. Hauptursache ist die ungeschickte Konstruktion, die den Aufstellwinkel auf 90 Grad begrenzt. Ein Windstoß oder ein leichtes Anrempeln sorgt für starke Hebelkräfte, die über die breite Tür auf den Aufsteller wirken. Aus Leserfeder kommt zudem Kritik an schwer zu öffnenden und zu schließenden Fahrer- und Aufbautüren.

Die bestürzende Erfahrung von Leser W. Meier, bei dessen C-Tourer die Fußbodenplatte an einer Stelle im Wohnbereich brach, scheint indessen ein Einzelfall zu sein, auch wenn der Boden beim Begehen im Dauertestwagen ebenfalls eine gewisse Nachgiebigkeit zeigte. Ansonsten erhielt das Doppelbodenkonzept, das in dieser Fahrzeugklasse nicht unbedingt selbstverständlich ist, viel Lob, für die geschützte Unterbringung der Bordtechnik, die praktischen Bodenstaufächer und den angenehm temperierten Fußboden im Winter.

Komfort im Carthago C-Tourer I 143

Die Sitzgruppe mit Eckbank und Seitensitz fügt sich zur geselligen Runde mit den gedrehten Fahrerhaussesseln. Für einen bequemen Durchgang lässt sich die Tischplatte allerdings nicht weit genug zur Seite schieben – mancher der Leser würde dafür sogar lieber eine kleinere Tischplatte akzeptieren. So oder so erwies sich die raue Tischoberfläche als schmutzempfindlich und nicht leicht zu reinigen.

Zum Fernsehen lässt sich ein optionaler Flach-TV hinter der Seitenbanklehne hervorzaubern. Im Dauertestwagen gab dieser beim DVD-Schauen unter Rauchentwicklung ganz plötzlich den Geist auf und musste getauscht werden. Leser berichten von Bild- und Tonstörungen beim Satellitenempfang, die zumindest in einem Fall auf die Störeinflüsse der Halogenlampentrafos zurückzuführen waren.

Mit dem kompakten Bad kommen die Nutzer meist gut zurecht. Viele brauchen nicht unbedingt eine separate Dusche, zumal wenn sich wie im C-Tourer mit zwei Klapp-Schiebetüren schnell eine ansprechende Brausekabine aufbauen lässt. Ansonsten verkrümeln sich die Türen platzparend zur Seite, verbergen dabei aber auch die Duscharmatur hinter sich, was ein schnelles Haarewaschen am Waschbecken verhindert. Im Bad und außerhalb fehlen zudem Kleiderhaken. Gravierender ist jedoch die Einbaulage der Toilette. Nicht nur für Kleinwüchsige ist sie zu hoch und für Langbeinige zu sehr ins Eck gedrängt, so dass man nur bei offener Tür einigermaßen bequem sitzt.

Auch die Küche ist kompakt gehalten und dient damit dem Zweck, das Einzelbetten-Modell I 143 unter sieben Meter Länge zu halten. Um dennoch genügend Stauraum im Küchenblock vorzuhalten, ersann man die Idee, den Kühlschrank in den angrenzenden Bettkasten auszulagern. Dabei konnte der Kühlraum zudem in der Tiefe wachsen. Ein eingesetzter Rahmen zwischen Tür und Korpus lässt das Volumen auf 150 Liter steigen. Neben der Frage, ob dieser Mehrraum in der Praxis überhaupt genutzt werden kann, beschäftigte Leser und Redaktion aber noch mehr die schwache Kühlleistung dieser Einbauvariante.

Probleme mit dem Kühlschrank

Um die Wärmeabfuhr an der Kühlschrankrückseite zu verbessern, wurden beim Dauertestwagen – und bei betroffenen Leser-Exemplaren – Zusatzventilatoren am oberen Außengitter eingebaut.

In unserem Fall resultierte daraus aber zunächst keine Verbesserung, weil die Lüfter anfangs in falscher Drehrichtung liefen. Zudem erzeugen sie Brummgeräusche, die zumindest empfindliche Schläfer stören. Ein leicht erreichbarer Schalter zum gezielten Abschalten bei Nacht wäre hilfreich. Über die vielen praktischen Schubladen im Küchenblock könnte man sich noch mehr freuen, würden die Schlösser zuverlässiger arbeiten, wie auch einige Leser nicht nur in der Küche monieren.

Die Einzelbetten im Heck des I 143 werden durchgängig als komfortabel gelobt. Je nach Körpermaßen wünschten manche sich beide gleich lang und zudem mehr Kopffreiheit. Weniger gelungen: Nach dem Verbinden beider Betten mit Zusatzpolstern fehlt eine Leiter zum Erklettern der Liegefläche.

Apropos klettern – parallel zu den erwähnten Produktverbesserungen stieg allerdings auch der Preis. Der Carthago C-Tourer I 143 kostet heute rund 6500 Euro mehr als vor einem Jahr. Dafür rollt er nun aber auch in der gewichtsoptimierten Superlightweight-Variante mit Alko-Tiefrahmen und verbessertem Serienumfang – etwa mit ESP – vor.

Auf der nächsten Seite: Die Baureihe im Überblick, Erfahrungen unserer Leser und Zubehör-Einbau in den C-Tourer.

Vergleichstest: Forster T 738 EB/Sunlight T 67/ Weinsberg TI 700 MEH

Foto

Pompe, Ebberg, Fleck, Kohstall, Pfisterer, Wagner, Bartosch

Datum

11. Oktober 2013
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