Alles über Concorde Charisma
Concorde Charisma 850 L, Supercheck 27 Bilder Video Zoom

Concorde Charisma 850 im Test: Die Zukunft fest im Blick

Der Concorde Charisma ist das Maß der Dinge in der integrierten Oberklasse. Mit vielen Neuheiten will sich nun die nächste Generation abermals absetzen. Supercheck des Einzelbettenmodells 850 L auf Iveco Eurocargo.

Der Charisma II schlug 2005 ein wie eine Bombe und setzte unbestritten neue Maßstäbe in der Oberklasse. Die Konkurrenz brauchte einige Zeit um nachzuziehen. Das größtes Novum des Charisma, ein nach oben und vorn versetztes Fahrerhaus, ist in dieser Klasse inzwischen Standard. Nun beschleunigt die dritte Charisma Generation aus den Startlöchern. Und steckt wieder voller Neuheiten. Kann der brandneue Charisma III ähnlich für Furore sorgen wie sein Vorgänger, der weiterhin als Classic erhältlich ist?

Oberklasse: Sitzen & Schlafen im Concorde Charisma

Der Ausbaustil der neuen Charisma-Generation bricht mit den Traditionen der typischen Concorde-Möbel. Statt planer Klappen mit gefasten Kanten tragen die neuen Hängeschränke des Charisma nun gebogene Fronten. Sie neigen sich unten Richtung Außenwand und weiten optisch den Raum. Helle Polster und Wandflächen sowie eine üppige Beleuchtung unterstützen ebenfalls das Gefühl von Großzügigkeit. Dazu addiert sich tagsüber der Lichteinfall durch das riesige Panorama-Glasdach und abends eine Vielzahl von LED-Lampen.

Auch bei der Neuauflage des Charisma hält der fränkische Hersteller an Echtholzfurnier statt Dekorfolie für die Schrankfronten fest - ein kleiner, aber feiner Unterschied zu manchem Konkurrenten. Ebensowenig hat sich  die Solidität der Beschläge geändert. Doch statt klassischer Drucktastenschlösser führen im Charisma nun verdeckt montierte Hakenschnäpper zu modernen, klaren Oberflächen. Hier und da kratzen sichtbare Abdeckkappen als Kaschierung von Verschraubungen etwas am hochwertigen Erscheinungsbild.

Die Sitzmöbel wirken durch ihre zurückversetzten Sockel mit indirekter Beleuchtung luftig und leicht. Geschickt verbirgt die L-Bank, dass sie bei Bedarf in zwei reguläre Gurtplätze umgebaut werden kann. Der Einsäulentisch des Charisma mit Platte aus Mineralwerkstoff und Massivholzkanten fügt sich ins edle Ambiente ein. Aufmerksamkeit verdient seine Verstellung: Ein Druck auf die Edelstahlkappe in der Tischplatte genügt, schon kann sie wunschgemäß platziert werden.
Wie in dieser Klasse üblich, lassen sich die Hängeschränke im Fahrerhaus des Charisma optional durch ein elektrisch absenkbares Hubbett ersetzen. Mit einer Breite von 1,20 Meter dient es allerdings eher als üppiges Einzel- denn als Doppelbett. Noch komfortabler schläft es sich auf den separaten Betten im Heck. Der Zugang über eine 35 Zentimeter hohe Stufe könnte indes bequemer sein - zwei Stufen wären besser. Verschiedene Ablagen und sehr helle Lesespots locken zum Schmökern ins Schlafzimmer.

Für Genießer: Bad & Küche des Concorde Charisma 850 L

In der Wagenmitte lädt der Sanitärraum zur Körperpflege und zum Ankleiden ein. Die beliebte Bezeichnung „Raumbad“ ist im Charisma keine Floskel, schließlich kann er sich mit manchem Haushalts-Badezimmer in Größe und Ausstattung messen. In der üppigen Duschkabine würde mancher noch eine modische Regenbrause erwarten.

Wichtiger wäre jedoch eine bessere Beleuchtung - sowohl elektrisch als auch durch eine Dachhaube. Mit dieser Entlüftung böte sich die Kabine noch mehr als Trockenkammer an, die abnehmbare Kleiderstange ist schon vorhanden.
Charisma-Käufer können aufpreisfrei zwischen der klassischen Toilette mit Kassette oder einem fest eingebauten Tank wählen - beide mit Keramikschüssel. Serienmäßig ist daneben der Handtuch-Heizkörper montiert. Er ergänzt ideal die Fußbodenheizung.

Gegenüber findet sich im Charisma der opulente Waschtisch mit Platte aus Mineralwerkstoff und eingeformtem Waschbecken. Die solide Armatur mit herausziehbarer Brause macht sich beim schnellen Haarewaschen nützlich. Drei Schubladen im Unterschrank mit sanften Endeinzügen verwahren auch große Badetücher. Zwei schlanke Kleiderschränke mit je drei Schubladen darunter flankieren den Waschtisch - ideal etwa für Unterwäsche. Zwei Reisende können das Bad des Charisma ganz bequem parallel nutzen, ohne sich auf den Füßen zu stehen. Die offen platzierte Toilette ist dabei allerdings nicht jedermanns Sache.

Die Kombination aus dunkler Mineralwerkstoff-Arbeitsplatte und einem eingeformten, cremeweißen Spülbecken putzt auch die Küche heraus - Serie ist allerdings ein unifarbenes Formteil. Links neben dem Kocher mit drei großen Flammen und Elektrozündung bleibt etwas Arbeitsfläche. Hier ist auch der Platz vorbereitet für die Nespresso-Kaffeemaschine. Bei Concorde ist sie fast obligatorisch und Teil des häufig georderten Elektropakets.

Den Stauraum im Küchenblock des Charisma erschließen acht Schubladen. Ein Auszug ist als Schneidebrett ausgeführt und erweitert somit die Arbeitsfläche. Was im ersten Moment als pfiffige Idee erscheint, bewährt sich in der Praxis weniger gut:  So lässt sich der Auszug nicht fixieren, darüber hinaus kullert das Schneidegut auch leicht auf den Boden. Jede Menge Vorräte und Zutaten fürs Kochen nimmt der raumhohe Apothekenauszug gegenüber auf. Concorde bringt ihn neben der optionalen Kühl-Gefrier-Kombi mit Backofen unter.

Solide: Die Aufbau & Bordtechnik im Concorde Charisma

Die bewährte Concorde-Aufbaukonstruktion aus dicken Doppelaluminium-Sandwich-Platten mit Styrofoam-Isolierung übernimmt auch der neue Charisma. Bugmaske und Heckwand werden aus GfK geformt. Aus demselben Material entsteht auch - das ist neu - eine optionale Dacherhöhung über der Sitzgruppe. In sie lässt sich das erwähnte riesige Panorama-Dachfenster integrieren.
Perfektioniert wurden zudem die Stauraumklappen. Sie sind nun mit thermisch getrennten Rahmen ausgestattet. Optional gibt es für sie eine Zentralverriegelung. Bei ihr sind dann zwei Schalter im Einstieg jeweils für die rechte und linke Aufbauseite zuständig.

Damit aktiviert sich auch die elektrische Öffnung der großen Garagenklappe rechts. Ein Druck auf den dezenten Sensorknopf in der Außenwand, schon schwenkt das Garagentor wie von Geisterhand nach oben. Elektronisch ver- und entriegelt ist zudem die Aufbautür. Das serienmäßig integrierte Zahlenschloss hat aber nicht nur Vorteile. Sicher ist es ganz angenehm, etwa zum Strand keinen Schlüssel mitnehmen zu müssen. Doch der Schließvorgang dauert recht lange, und die Zahlenkombination lässt sich relativ leicht ausspähen. Wem das nicht behagt, der bekommt gegen Aufpreis eine Variante mit  Funkfernbedienung.

Wie in dieser Klasse üblich rangiert auch die Bordtechnik auf hohem Niveau. Die Tanks im Doppelboden fassen 380 Liter Frisch- und je 230 Liter Abwasser und Fäkalien. 165 Ah  beträgt die Batteriekapazität des Charisma. Sie lässt sich mit den Elektropaketen weiter ausbauen, inklusive passender Lade-Wechselrichter-Kombination.

Die Elektroinstallation folgt einer EU-Forderung und verlegt die Kabel mit 230 Volt und zwölf Volt erstmals getrennt entlang der linken und rechten Seitenwand. Die Elektrokomponenten sind in der Heckgarage in Nischen aufgeräumt hinter Lochblechen installiert. Weniger übersichtlich ist die Wasseranlage des Charisma: Die verschiedenen Ventile verteilen sich über mehrere Außenfächer.

Ein Wasserfilter zählt zum Serienumfang, auch die Möglichkeit, den Tank per Einfüllstutzen oder Druckanschluss zu füllen. Keine Extrakosten fordert ebenso die aufwendige Heizungsanlage, separat regulierbar für Bad, Wohnraum, Schlafzimmer und Garage, sowie Fußbodenheizung mit zwei Zonen. Selbst der Sprossenheizkörper und der Motorwärmetauscher sind Serie.

Stauraum & Zuladung: Vorsicht mit der 7,5 Tonnen- Grenze

Fast 5000 Liter fasst die Charisma-Heckgarage, ausgestattet mit zwei großen Außenklappen und Verzurrsystem. Zusätzlich gibt es zwei Durchladefächer quer im Doppelboden. Vom Wohnraum sind sie nicht zugänglich. Getränke einzulagern und aus dem Innenraum zuzugreifen ist hier nicht möglich. Gleiches gilt für die Sitztruhen, denn sie sind als Schubladen ausgeführt. Dies erleichtert zwar den Zugriff erheblich, macht diese Stauräume für schwere Ladegüter aber ungeeignet.
Die Zuladung des üppig ausgestatteten Testwagens fällt mit 530 Kilogramm für zwei Personen gut, für vier mäßig aus. In der weiteren Serienfertigung will Concorde einige Teile abspecken und so die Zuladung erhöhen. Wer mehr Reserven braucht, kann auf den 8,6-Tonnen-Eurocargo (Vorsicht Führerschein) oder den leichteren Daily zurückgreifen.

Sicher und mit reichlich Reserven - das Fahrverhalten des Charisma 

Pfffft, tschschsch  diese Geräusche verraten dem Kenner die Druckluftbremse und damit das Lkw-Chassis unter dem Charisma. Wer den 10.000 Euro teureren Eurocargo dem Daily vorzieht, tut dies meist bewusst, weil er das kernige Truckergefühl mag. Und so schüttelt sich das ganze Mobil erst einmal beim Anlassen, bis der knapp vier Liter große Vierzylinder in Schwung kommt, um alsbald in einen unruhigen Leerlauf zu fallen.

Setzt sich das Gefährt in Bewegung, sind Fahrkomfort und Geräuschkulisse auf mittelprächtigem Niveau, nicht wesentlich anders als beim Daily. Hier wie dort lassen die Fahrer meist ein automatisiertes Getriebe die Gänge sortieren, was bei gemütlicher Fahrweise ganz passabel funktioniert.

Ohnehin ist der 180-PS-Vierzylinder im reisefertig rund sieben Tonnen schweren Testwagen nicht gerade ein Ausbund an Temperament. Den stärkeren Sechszylinder bietet Concorde aus Gewichtsgründen nur im tragfähigeren Eurocargo 90 an.

Erreicht das Schiff schließlich die erlaubten 100 Sachen, stört eine Brummfrequenz in diesem Geschwindigkeitsbereich. Besser, man lässt es bei Tempo 90 bewenden, besonders wenn mit der gefühllosen Lenkung Spurrillen zu parieren sind. Durch den relativ kurzen Radstand fährt sich der 850 L auf Eurocargo handlicher als gedacht. Dazu tragen auch die gute Übersichtlichkeit und die großflächigen Spiegel bei.

Deutlich schicker ist das eigenständige Armaturenbrett in der aktuellen Charisma-Generation geworden, zumal wenn man die Option mit edlem Lederbezug wählt. Im Cockpit fehlen allerdings größere Fächer für Flaschen und Atlanten.

Auf attraktivem Niveau: Ausstattung & Preise des Concorde Charisma

Die neue Charisma-Generation reiht sich unauffällig ins Preisgefüge seiner Mitbewerber ein. Nimmt man die Basisversion auf Iveco Daily als Maßstab, so  ist der etwas höhere Grundpreis durch die relativ realistische Serienausstattung gut abgedeckt. Ob das Truckerfeeling des Eurocargo den hohen Aufpreis zum Daily rechtfertigt, muss am Ende jeder für sich entscheiden. Zumal wenn dazu noch ein Basisfahrzeugpaket mit 9000 Euro als „Pflichtoption zur Komplettierung der Ausstattung“ kommt.

Die Baureihe: Charisma-Familie

Preise: 161.900–190.900 Euro
Basis: Iveco Daily/Eurocargo/MAN
Länge: 8,59–9,24 m
Gesamtgewicht: 6500–8800 kg
Modelle: Zum Produktionsanlauf beschränkt sich der Charisma auf drei Modelle – weitere werden folgen. Kürzester ist der 850 L mit Einzelbetten. Ein Queensbett bietet der 9,09 Meter lange 900 M, ebenso das  Flaggschiff 920 M mit Smart- Garage darunter. Die Vorgängergeneration bleibt als Charisma Classic vorerst weiter erhältlich.

Vergleichstest: Forster T 738 EB/Sunlight T 67/ Weinsberg TI 700 MEH

Foto

Konstantin Tschovikov

Datum

20. März 2012
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